263

dem die Bewegungen des Feindes deutlich verfolgt werden können. Die Fernrohrstellung des seitwärts aufgestellten Beobachters wird auf elektrischem Wege dem in Ver­längerung der Sperre stehenden kenntlich gemacht. Sieht nun der erstere das gegnerische Schiff in der Richtung einer der ausgelegten Minen, so schließt er den Strom. Diese Mine wird jedoch nur dann zur Explosion gelangen, wenn auch der zweite Beobachter dasselbe Schiff genau in Verlängerung der Sperre sieht und auch seinerseits Stromschluß herstellt.

In dem deutsch-französischen Kriege 1870/71 waren unsere Häfen und Flußmündungen größtenteils durch Minen gesperrt. Ihre Ladung bestand aus Schießbaum­wolle, welche im Wasser ungefähr die vierfache Wirkung wie Pulver hat. Die eisernen Minengefäße hatten un­gefähr die Form einer unten abgeslachten Birne. Auf der oberen Wölbung waren fünf Zünder von sehr ge­ringer Tauglichkeit angebracht. Obgleich die mit Säure angefüllten Glasröhren durch Bleikappen gegen schwache Stöße geschützt waren, so kamen doch beim Legen der Minen viele unbeabsichtigte Explosionen vor.

Die moderne Mine besteht aus einem aus Kesselblech zusammengemieteten birnenförmigen Gefäß, auf dessen oberer Fläche fünf mit Schwefelsäure gefüllte Gläser an­gebracht sind. Diese sind gegen geringe Stöße durch über­geschraubte Bleikappen geschützt. Unterhalb der Minen­gläser liegen Trockenelemente, bestehend aus Zinkkohlen­platten. Die Ladung besteht ausschließlich aus Schießbaum­wolle, und zwar nimmt diese nur ein Drittel des Raum­inhalts des hohlen Minengefäßes ein, um der Mine ge­nügenden Austrieb zum Schwimmen zu sichern. Die Zündung ist dieselbe, wie bei der schon beschriebenen Be­obachtungsmine. Beim Anstoß wird die Bleikappe verbogen, das Glas zerbricht und die auf das Zinkkohleelement fließende Schwefelsäure erzeugt einen elektrischen Strom. Der in der Zündmasse gelagerte Platindraht gelangt je­doch erst dann zum Glühen, ivenn der hervorgerufene elektrische Strom ein eingeschaltetes Sicherheitskabel durch­laufen hat. Dieses besteht aus zwei Drahtleitungen, welche erst nach dem Legen der Mine vereinigt werden. So lange die beiden Kabelenden getrennt sind, ist jede Gefahr, welche durch vorzeitiges Zerbrechen der Minengläser entstehen würde, völlig ausgeschlossen, erst nach ihrer Bereinigung ist der Strom geschlossen und die Mine kann durch Zer­brechen eines der Minengläser explodieren.

Gelegt werden die Minen durch kleine Boote oder Dainpfpinassen. Sie empfangen diese vom Minenprahm, welcher hinter der durch vorher ausgelegte Markierungs­bojen bezeichneten Sperre verankert liegt. Der Anker, ein schildartiges, flaches Eisen, ein Teil des Ankertaues und des Sicherheitskabels werden ins Boot genommen; die auf dem Wasser schwimmende Mine wird nachgeschleppt. An der betreffenden Markierungsboje angelangt, wird das Ankertau eine Stahldrahttroß auf die vorher durch Lotung festgestellte Massertiefe eingestellt, und dann dieses und der Anker über Bord geworfen, so daß die Mine, durch das Ankertau am Anker gehalten, etwa drei Meter unter der Wasseroberfläche schwimmt. Nun wird das Sicherheitskabel nach rückwärts, senkrecht zur Richtung der Sperre ausgefahren, die beiden Enden werden zusammen- gesplißt und dann mittels eines Ballasteisens verankert. Ist so an jeder Markierungsboje eine Mine ausgelegt, werden die Bojen fortgenommen und die Sperre ist her- gestellt. Um jedoch den eigenen Schiffen ein unge­fährdetes Fahren zu ermöglichen, bleibt ein Teil der Sperre frei von selbsttätigen Stoßminen. Gegen den Feind wird jedoch diese Durchfahrt, Ausfalllücke genannt, durch Be­obachtungsminen oder, wie bei unserer Marine, durch Tor­pedobatterien gesichert.

Eine Wart der soeben beschriebenen Stoßmine ist die Streumine. Gefäß, Ladung und Zündung sind mit dieser identisch, nur das Sicherheitskabel fällt fort. Der Minen- körper ruht auf einem mit dem Anker fest verbundenen Gestell. Der Anker ist nicht massiv, sondern nimmt eine Ttommel in sich aus, um welche das Ankertau gerollt ist. Eine Zange, welche so eingerichtet ist, daß, wenn ihre langen Arme auscinanderstehen, die oberen kurzen ge­schlossen sind, hält die Mine durch einen an dieser sitzenden Ring am Anker fest. Zwischen erstere wird ein Salzstück geklemmt, das diese auseinander hält, wodurch die Mine also auf ihrem Gestell am Anker festgehalten wird.

Durch besondere Fahrzeuge, Streuminendampfer ge­nannt, werden diese Minen derartig gelegt, ausgestreut, daß, während die Schiffe sich in Fahrt befinden, sie aus einer am Heck befindlichen Oeffnung in die See geworfen werden. Durch die Schwere des Ankers ge­zogen, sinken die Minen unter und stellen sich aufrecht aus den Grund. Jetzt fängt das Wasser auf das zivischen die Zange geklemmte Salzstück an zu wirken, und nach etwa einer halben Stunde ist dieses geschmolzen. Die oberen Zangenarme öffnen sich und die Mine steigt infolge ihrer Auftriebskraft der Oberfläche zu, indem sie das Anker­tau, welches mit dem einen Cude am Anker befestigt ist, von hier über eine an der Mine fitzende Rolle läuft und dann lose um die schon erwähnte Trommel im Anker gewickelt ist, nach sich zieht. Beim Aufsteigen der Mine tritt ein an ihr angebrachter Tiefensteller in Tätigkeit, welcher auf dem hydrostatischen Druck des Wassers beruht. An der Oberfläche ist dieser Druck gleich Null, er ivächst mit zunehmender Tiefe. In einem vorn offenen Zy­linder bewegt sich ein wasserdicht eingeschliffener Kolben. Im inneren Teile des Zylinders befindet sich eine Spiral­feder, die bestrebt ist, den Kolben nach außen zu drücken, während entgegengesetzt der Wasserdruck diesen einwärts zu bewegen sucht. Die Spiralfeder ist derartig eingestellt, daß sie dem Druck des Wassers in drei Meter Tiefe das Gleichgewicht hält. Befindet sich nun die Mine in größerer Tiefe als drei Meter, so überwiegt der Wasserdruck und der Kolben wird nach innen gepreßt sein; je höher die Mine steigt, um so mehr wird der äußere Druck nachlassen, bis schließlich ein Moment eintritt, in dem Feder- und Wasserdruck einander gleich sein werden. Der Kolben steht jetzt in der Mitte des Zylinders und löst durch eine an ihm befestigte Stange ein Klemmstück aus; dieses fällt herunter und kneift das durchlaufende Ankertau fest. Die Mine hat sich so auf drei Meter unter der Wasseroberfläche selbsttätig eingestellt.

Die Streumine ist also ein äußerst schnell und einfach zu legeude Mine und wird in einem Kriege, besonders in flachen Meeren, wie z. B. in der Ostsee, eine große Rolle spielen. In dem Feinde unbekannten Stellen, Meer­engen usw. gelegt, kann sie diesem große Verluste zu­fügen. Die eigene, sich vor dem Gegner zurückziehende Flotte ist leicht imstande, hinter sich in kürzester Zeit eine äußerst wirksame Sperre herzustellen.

Naturgemäß wird auf die Dauer eine durch Streu­minen gelegte Sperre auch für die Bewegungen der eignen Schiffe sehr hinderlich sein. Die Minen sind deshalb mit einer Vorrichtung versehen, durch welche sie nach einer beliebigen Zeit außer Wirkung gesetzt werden können; mittels eines in der Mine befindlichen Uhrwerks, das auf eine gewisse Anzahl von Stunden oder Tagen ein­gestellt werden kann, wird, wenn die Zeit abgelaufen, ein Minenglas zertrümmert und so die Mine zur Entladung gebracht. Das Fahrwasser ist also wieder frei.

So viel bekannt ist, besitzen die Japaner keine Streu­minendampfer. Trotzdem scheint die Streumine zur Ver­wendung gelangt zu sein, denn in den ostasiatischen Kriegs­berichten hieß es vor kurzem- daß einzelne japanische Schiffe vor der Einfahrt von Port Arthur schnell hin und her gefahren seien und Minen gelegt hätten. Es kann sich also nur um Streuminen gehandelt haben, denn das Legen gewöhnlicher Stoßminen hätte viel zu viel Zeit erfordert und die Russen würden den Japanern hierbei unbedingt sehr ausgiebig auf die Finger gellopft haben.

Jede einen Hafen und wichtige Einfahrt angreifende Flotte wird natürlich mit dem Vorhandensein ausgelegter Minensperren rechnen. Sie wird daher versuchen, die Lage der Sperre zu erforschen, um eine Dresche in diese zu legen. Ist Ebbe und Flut vorhanden, wie z. B. in der Nordsee, so genügen alte, unbrauchbare Schiffe, tiefgehende Prähme usw., um eine Fahrstraße durch die Sperre frei zu machen. Mit laufender Flut läßt mau diese auf die Sperre zu­treiben und bringt so einen Teil der ausgelegteu Minen zur Entzündung. Sind jedoch solche wertlosen Fahrzeuge oder dergleichen nicht zur Verfügung, oder ist weder Strom noch Wind vorhanden, durch den das Wrack oder der Prahm auf die Sperre zugetrieben werden kann, so werden durch kleine, flachgehende Boote Minen mit einer Schießwoll- ladung bis zu WO Kilogramm, sogenannte Konterminen, möglichst nahe an die Sperre gebracht und elektrisch