Ausgabe 
4.5.1904
 
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1904.

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(Nachdruck verboten.)

Im Falak der Flazah.

Roman von B. M. Croker.

Genehmigte Uebertragung von A. Vischer.

(Fortsetzung.)

Als ich am nächsten Morgen erwachte, ivar sie ver- schwuuden. Munasawnrh gestand mir dann unter feierlichen Dankesversicherungen, daß es seine Tochter gewesen sei, die sich in schwerer Bedrängnis befunden habe. Er war jetzt mein einziger dienstbarer Geist, meinMädchen für alles", denn die neugierig hernmschnüffelnde, naschhafte Ajah hatte ich bald entlassen.

Ich befand mich jetzt drei Monate im Palast. Der kleine Radschah inachte wunderbare Fortschritte und hatte seine beiden Schwestern weit überflügelt. Er war iiberhaupt ein lieber kleiner Kerl, der aufs drolligste die ihm sehr wohl bewußte Würde seines Standes mit der seinem Alter natür­lichen Zutraulichkeit vereinigte. Es machte ihm großen Spaß, umgeben von berittenen Wachsoldaten, mit seinem Onkel auszufahren und die Huldigungen seiner Untertanen entgegenzunehmen. Anderseits verschmähte er es auch durch­aus nicht, sich auf meinen Schoß zu setzen, die Aermchen mir um den Hals zu schlingen, meine Uhr zu betrachten, oder sich von den gleichalterigen kleinen Jungen er- zählen zu lassen, die weit, weit fort jenseits des Kala-Pani wohnten. .

Obwohl ich die Rani Gindia fast täglich sah, hatte rch doch das Glück gehabt, niemals wieder der Rani Sundaram, vor der jedermann im Palast zitterte, zu begegnen. Schon begann ich anzunehmen, ,daß sie ihre Privatgemächer wohl nie verlasse. Allein ich täuschte mich. Sie fuhr sogar täg­lich aus und besuchte andere vornehme Hindufamilien. Auch hatte ich sie neuerdings manchmal aus der Ferne im Garten entdeckt, mich dann aber so rasch als möglich aus dem Staube gemacht.

Eiues Nachmittags nun fand ich sie bei meinem Eintritt im Zimmer ihrer Schwiegertochter. Umkehren konnte ich nicht, da man eine besondere Einladung an mich hatte er­gehen lassen. Sie hockte zusammengekauert mit ihrer Huka vor sich auf einem Kissen am Boden und machte mir wieder vollständig den Eindruck eines auf seinem Neste brütenden wilden Raubvogels. Aus dem Klang ihrer barschen Stimme, die bei meinem Erscheinen jedoch sofort verstummte, schloß ich, daß die alte Rani ihrer Verwandten einen Verweis gegeben hatte. t ,

Einige Zeit blieb ich, auf eine Anrede wartend, in der Nähe der Tür stehen, allein die Rani Gindia war in Tränen gebadet mit) unfähig, zu sprechen. Schon wollte ich mich wieder zurückziehen, da sah ich, daß sie mir bittend ihre Hand ent^euenhielt, als fühle sie sich durch meine Gegenwart

gewissermaßen beschützt. Suchend schaute ich mich deshalb nach dem Rohrstuhl, meinem gewöhnlichen Sitze, um.

Setze Dich auf den Boden!" befahl die alte Rani.Was für eine Fürstin von Royapetta gut genug ist, kann es auch für eine Dienerin sein." Zu meiner Bestürzung sprach sie englisch.

Ich machte keine Anstalt, ihrem Befehle zu gehorchen, sondern blieb stehen und sah sie ruhig an, ohne ihrem, von allen so gefürchteten Blicke auszuweichen.

Ha, Du mit den stolzen Augen! Die da drüben" sie zeigte auf ihre Schwiegertochterhat ganz recht: es ist recht auffallend, daß eine Frau Deines Standes in unser Land kommt, um unser Brot zu eisen."

Nein, Hoheit, es ist nicht auffallend, da ich mir mein Brot verdienen muß, weil ich arm bin."

Arm!" Mit boshaften Blicken betrachtete sie mich. Und doch trat der reiche, hübsche Engländer so eisrig für Deine Rechte ein und sagte, man könne sich auf Dich ver­lassen. Bei den Göttern, die Unverschämtheit dieses Mannes kennt keine Grenzen, an unseren Hof eine junge Person zu bringe», eine Musikantin, deren Gesicht ebenso s ech ist wie das seinige, und die seine Geliebte^ ist! Aber diese englischen Hunde wissen ja nichts von Schamgefühl!"

Einen Augenblick erstarb mir das Wort auf den Lippen, den» das Herz schlug mir bis zum Halse hinauf. Dann aber antwortete ich, meine ganze Selbstbeherrschung zu- santtnenraffend, unerschrocken:

Ich sehe jetzt allerdings, daß es erniedrigend t|t, je­mand anderem als einem britischen Radja zu dienen. Eng­länder werfen Fremden keine Beleidigungen ins Gesicht!"

Schweig!" donnerte sie mich au.Der Engländer ist Dein. Liebhaber und Du bist seine Spionin! Er hat Dich hierhergebracht, damit Du ihm lügnerische Berichte über das hinterbringst, was im Palast vor sich geht."

Das ist nicht wahr! Ich weiß, Gott sei Dank, über­haupt nichts von den Begebenheiten im Palaste. Ich spreche die Wahrheit, aber hier ist die Lnft mit Lügen erfüllt."

Die Wahrheit hat tausend Augen, Du aber bist falsch wie Deine ganze Rasse. Am Abend des Devali-Festes be­fandest Du Dich mit Deinem Liebhaber im Audienzsaale. Leugne es nicht, denn ich habe gesehen, wie ihr miteinander gesprochen, geflüstert, geliebäugelt und euch die Hände ge­drückt habt. Auch zwei Briefe hast Du ihm gegeben."

Ja, es waren Briefe an meine Freunde."

Palastgeheimnisse enthielten sie! Und auch über mich, die Rani Sundaram, habt ihr gesprochen, und zwar ntchts gutes!"

Das war nun allerdings, wahr, und ich fühlte, tote nur die Schamröte ins Gesicht stieg.

Ich wiederhole es, Du bist eine boshafte Sptomn!"

Nein, das bin ich nicht, und ich verbitte mir eine solche Sprache, die ich von niemand dulde, und wäre es dte Kaiserin von Indien. Ich kündige hiermit meine Stelle utti>