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unbedeutenden Posten bei ihren Kosten dar. Periodische Geschenke ergänzen die gegebenen Gehälter.
Auf dein Bnlifesie der „bösen Buben" in Berlin gab es als literarische Festgabe ein Bilderbuch, das der Kunst im Leben des Kindes gcwidniet ist. Die „bösen Buben" hatten im vollen Bewußtsein ihrer ethischen Pflichten Mitarbeiter von bedeutendem Rufe — wir nennen nur Gerhart Hauptmann, Gabriele d'Annunzio, Maxim Gorki — gewonnen, die den ■— Struwelpeter so umgedichtet hatten, daß er ans die Psyche des Kindes veredelnd wirken mußte. Einige Beispiele mögen zeigen, so schreibt das „Berl. Tagebl.", in welcher 91 tt das hohe Ziel erreicht wurde. Wir greifen den Anfang der Geschichte vom Daumenlutscher heraiis, die in ihrer stilwidrigen, kunstlosen Hilflosigkeit also lautet:
Konrad, sprach die Frau Mama, Ich geb' aus, und bu bleibst da. Sei hübsch ordentlich und sromm, Bis nach Haus ich wieder komm'. Und vor allem, Konrad, bör'! Lutsche nickt am Daumen mehr; Tenn der Schneider mit der Scher' Kommt sonst ganz geschwind daher, Und die Daumen schneidet er Ab, als ob Papier es wär'I
Gabriele d'2innunzlo hat diesen Vers in folgender Weise umgearbeitet:
„O Konrad 1" Wie die Abendluft entströmte
Ter schöne Name ihrem Muttermunde, Der eingerahmt von edlen Lippen war, Als hätte Settignano sie gemeißelt, Als hätte Ghiriandajo sie geschwungen, Als wären sie ein Werk des Sansovino, „Lutsch' nickt an deinem Daumen, dessen Nägel Von jenem Rot sind, das ivir gern bewundern 9ln den Dladonnen Pintoricchios,
Von jener Zartheit, rote nur ein del Sarto, Ein Maecaroni oder ein Risotto
Sie meisterlich zu bilden hat verstanden" usw. usw. Gerhart Hauptmann sendet folgende Umarbeitung: „Kunradlal" hot de Mutta g'flucht.
„Kunradla! Perschla I Ei verpacht I Kummt's asu, oder kummt's asu.
Wer iveeß ok ivie's kummt! — Derheeme bleibst du.
Ick gah zu de Hulzmandla
Cbcr zu's Rutanbla,
Uit steckste den Damn'n ins Maul itttb die Zenne Tann: Schiffskojenne I"
Maxim Gorki läßt sich so vernehmen:
„Konrabowitsch", sagte Mutter Pawlowna, „siehst bu, ich muß jetzt sort ins Zttchlhatis. Die verbammten Neichen sperren mich ein, weil ich ihnen etwas von ihrem überflüssigen Gelbe weg- genommctt habe. Konrabowitsch, bu wirst jetzt allein sein, denn betn Vater Michajlowitsch ist in Sibirien aus Zwangsarbeit, beitt Bruder Pepel ist in einer Korrekttonsanstalt, dein Lnkel Konstantinowitsch in einem Nachtasyl und deine Schwester Nadja in einem öffentlichen Hause. Hat nichts zu sagen, siehst du, hat nichts zu sagen. Lutsche nur nicht an deinem Daumen. Tenn besser als an seinem Taumen ist es am Bonbon zu lutschen, tind wenn du's dem reichen Liackbarsobne stehlen müßtest. — Ach, was ist das für ein Leben, das wir führen!"
Tic Verantwortung für diese lustigen Bubenstreiche haben, wie verlautet, die Herren Beruauer (als Dichter) und Klinger — Julius, nicht Max — (als Zeichner) übernommen.
Kindekf tauöe.
Ter Lehrer hat von der Schöpsting erzählt, — Klein Fritzchen hat staunend zugehört.
„Ter Herr ließ den Adam schlafen ein, Nahm von ihm. dann eine Rippe klein;
Torans schui Gott für den Adam die Fratt I" Tas Fritzchen merkt sich alles genau.
Situ Abend wird Fritzchen ins Bett gebracht, Dock bleibt er munter die halbe Nacht.
Tie Mutter ein Seufzen und Stöhnen vernimmt, „Run sage endlich, was fehlt dir mein Kind?"
Ter Fritz hebt tangfam bett Kops in bie Höh', »Ach Muttchen, bie Rippen, sie thun mir so iveh, Gott hat mir gewiß eine fortgenommen,
Ich werbe nun wohl eine Frau bekommen 1" (B. Sztg.)
Der cSinbetitotrL *) Keinen Tropfen im Täßchen mehr Unb ber Kuchenteller leer, Ganz nervös vor Hunger. Angetan hat mirs Dein Tee Unb Tein Schnurrbart, Dein Kaffee, Lindenwirt, Tu junger.
Unb der Linbenwirt, der spricht: „In ber Linbe gibt es nicht Kreib' und Kerbholz leiber, Hast Du keinen Nickel mehr, Gib zum Psanb Dein Armband her, Aber trinke weiter."
Tauscht die Maid ihr Armband un^ Kriegt Kathreiners Kaffee d'rum, Töt' zum Geh'n sich wenden. Lindenwirt spricht: „Junges Blut, Steht Dir auch Dein Ehignon gut. Komm und laß ihn pfänden." Da verpfändete die Magd Ihres Haares falsche Pracht, Sprach betrübt: „Ich scheide. Lebe wohl, du süßer Trank.
Lindenwirt, so jung und schlank, Holde Augemveide 1" Spricht zu ihr der Lindenwirt: „Bitte, wenn's Dich nicht geniert, Könnten wir uns küssen.
Aber sei geschwind und schlau. Denn sonst sieht es meiiie Frau, Unb bie darfs nicht wissen!"
*) Aus betn „Kommersbuch für die studierende weibliche Jugend". Heransgegeben vom C. C. der „Modernia".
Meine Scele.*)
Von Emanuel von B o d m a n N.
Meine Seele ist gleich einem Brunnen, Der aus hundert Röhren fließt. Meine Seele ist gleich einem Brunnen, Ter in hundert Schalen fick ergießt. Jede Schale faßt ein anderes Wasser, Süß unb dunkel, golden oder mild. Jedes Wasser fließt aus meinem Brunnen, Und in jeder Schale glänzt sein Bild. Dlenschen fonuuen her mit ihren Bechern, Schöpfen da und schöpfen dort.
Meistens da, wo sie zuerst getrunken, Bleiben sie und trinken fort unb fort. O, noch keiner ist zu mir gekomineii, Der aus allen hundert Schalen trank, Der vor jeder in Gedanken weilte Und vor jeder in mein Bild versank. Kommt der Mensch einmal, dann soll mein Brunnen Täglich ihm sein Morgenwasser iveihn.
Kommt er, will ich ihm entgegenratischen: Sieh, der Brunnen hier ist beitt!
*) Aus „Neue Lieber". (Verlag von Albert Langen, München.)
Literarisches.
Frühjahrsboten. Früher als gewöhnlich scheint sich Heuer das Frühjahr einstellen zu wollen, und so ist es denn zeitgemäß, wenn sich die „Wiener Mode" eingehend mit den Kleiderstoffen beschäftigt, die Heuer modern sein werden. Sowohl dieser Aufsatz als die zahlreichen Abbildungen lassen erwarten, daß die Mode das praktische und elegante, sogenannte „englische" Kleid in seiner charakteristischen Wiener Umformung begünstigen werde. Namentlich das farbige Bild aus dem Umschläge läßt tn dieser Hinsicht das Beste erwarten. Dem 11. Hefte, das in jeder Buchhandlung für 45 Pfg. erhältlich ist, liegt die „Wiener Kindermode" sowie ein Schnittmusterbogen gratis bei.
Kapselrätsel.
Augenblick, Danzig, Unkenrufe, Gesindel, Berzollnng, Kampfreige».
Es ist ein Sprichwort zu juchen, beffen einzelne Silben ber Reihe nach versteckt finb in vorstehenben Wörtern, ohne Rücksicht auf bereu Silbenteilung.
(Auflösung in nächster Nnmtner.)
Auflösung des Worträtsels in vor. Nr.: Vielliebchen.
Ncdliktion: August Götz. — Rotationsdruck und D erlag der Lrühl'sclcn Universitäts-Buch- und C teindruckerei. SR. Lange, Gießen.


