Ausgabe 
1.10.1904
 
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haben. Berthelet erklärte sich für nicht zuständig, über die Frage ein fachmännisches Urteil abzugeben.Alles, was ich Ihnen sagen kann", sagt er,ist, daß ich im Sommer das Fenster offenhalte. im Winter es aber schließe. Ich beanspruche aber keineswegs, daß man mein Beispiel yachahmen soll, denn ich glaube selbst, daß es für viele speziell für junge und kräftige Personen nur von Vorteil sein wird, wenn sie auch im Winter bei offenem Fenster schlafen. Man könnte vielleicht durch das Herablassen der Rouleaux oder durch das Zuziehen der Vorhänge das unmittelbare Eintreten der ftischen Luft in das Zimmer zu verhüten. Mer wie gesagt das alles ist meine reine persönliche Meinung, nichts anderes."

Doktor Bordas, der gleichfalls für das Offenhalten der Fenster, doch unter gewissen Kautelen, ist, wies darauf hin, daß schon mehrere Erfindungen gemacht worden sind, die es auch den für jeden Luftzug empfindlichen Personen gestatten, bei offenem Fenster zu schlafen. So werden in vielen französischen Kasernen zwischen die offenen Fenster parallele Scheiben ein- gesügt, zwischen welchen die Luft in das Zimmer dringt. Doktor Talamon meinte:Ich gebe ohne Zögern zu, daß es besser ist, in einem Zimmer mit geöffneten, als mit geschlossenen Fen­stern zu schlafen. .Allein es ist nicht notwendig, daß gerade die Fenster des Schlafzimmers geöffnet seien; das direkte Eindringen kalter Nachtluft auf den Schläfer kann mancherlei Gefahren für ihn im Gefolge haben, und ich glaube daher, daß es stets kor» zuziehen ist, wenn die Fenster des Nebenzimmers osfenbleiben, so daß die frische Luft erst aus diesem Raume durch eine geöffnete Tür in das Schlafzimmer bringt."

Professor Blanchard antwortete auf die an ihn gerichtete Frage damit, daß er erklärte, er selbst schlafe Sommer und Winter bei offenem Fenster; er empfehle dies auch allen seinen Patienten, denn frische Luft sei das beste Heilmittel.Und die Lungenkranken?" fragte der Interviewer.Auch diesen rate ich das Schlafen bei offenen! Fenster an", entgegnete Doktor Blanchard,denn auch sie benötigen frische Luft wie alle andern; nur dem direkten Eindringen der kalten Luft auf das Nacht­lager muß vorgebeugt werden."

Vermischtes.

* Sterben d i e Blonden aus? Aus Amerika, von wo aus ja schon so viele unkontrollierbare Nachrichten zu uns den Weg gesunden haben, kommt eine merkwürdige Mitteilung, die, wie gesagt, als amerikanische nur mit größter Vorsicht anf- zunehmen ist, die aber andererseits gerade bei uns in Deutsch­land interessieren dürfte. Ein amerikanischer Anthropologe, der Professor Mason aus Newyork, will nämlich auf Grund lang­jähriger und eingehender Studien erforscht haben, daß die blon­den Personen,der blonde Traum der Liebenden", int Aussterbeu begriffen sind. Der Professor fügt aber gleichzeitig als Trost hinzu, daß der letzte blonde Mensch dieser Erde erst in 2300 Jahren verschwunden sein wird. Andererseits weist der Ameri­kaner darauf hin, daß das Aussterbcn.der blonden Menschen für die gesamte Menschheit nur von Vorteil 'fein könnte. Tenn die Blonden wären im allgemeinen viel schwächlicher pnd gegenüber Krankheiten und Witterungseinflüssen viel weniger widerstands­fähig als die Schwarzen. Auch diese letztere Behauptung läßt sich gewiß mit Recht bestreiten. Tie blonden Germanen haben genug Proben von Körperkraft und Widerstandsfähigkeit gegeben und beweisen auch heute noch, daß sie ebenso leistungsfähig sind, wie die Brünetten.

*Eine Frau zu verkaufen". In einer in Belfast (Irland) erscheinenden Tageszeitung annonciert ein Ehemann seine , bessere (?) Hälfte" zum Verkauf. Jit dem Inserat heißt cs:Mein Wochettlohn beträgt 30 Mark, wovon meine Frau 28 Mark für sich begehrt. Ich habe mich mit 2 Mark zurecht- zufinden, und muß davon, daß ich bei meiner Rückkehr von der Arbeit die Haustür oft verschlossen finde und meine Frau auf einem Spaziergange sich befindet, meine Ausgaben für eine Tasse Tee und ein Butterbrot bestreiten. .Ich bin vier Jahre verheiratet und habe seitdem 28 Pfund abgenommen. Meine Fran ist kräftig und hübsch das ist aber auch alles, «ie kann weder waschen noch einen Knopf annähen, noch 'einen Strumpf stricken. Sie lagt, ich hätte mir eine Schneiderin heiraten sollen. Wenn ich des Morgens mein Haus verlasse, fühle ich mich glücklich, der Zunge meiner Frau entronnen zu sein und die frische Luft zu atmen. Komme ich nach Hause (und finde ich meine Frau gelegentlich einmal daheim), so muß ich ein stundenlanges Geschwätz anhören über ihre Zerwürfnisse mit der Nachbarin. Diese sagt mir, meine Frau sei die fürchterlichste, zungeitgetvaudteste Person, der sie je begegnet sei. Als ob ich das nicht selbst wüßte?! Nun, zum Verkauf, will jemand meine Frau kaufen? Tie Unterschrift, die mich von ihr befreit, ist alles, ivas id), verlange. Vielleicht interessiert es den künftigen Lebensgefährten meiner Gattin, daß ich dieses faule, verschwen­derische menschliche Wesen vor etwa 4y2 Jahren auf einen Tanzboden in einer kleinen historischen Stadt in Ulster kennen lernte."

* Dars man seine eigene Frau küssen? Ein Mädchen gegen ihren Willen zu küffsen, ist nach den Gesetzen aller zivilisierten Länder strafbar, aber in Amerika schickt man sich jetzt gar an, das Zuvielküssen der eigenen Gattin als ein Vergehen auszulegen. In Atlantic City, im Staate New Jersey find die Väter der Stadt seit einiger Zeit unerbittlich in der Bestrafung junger Liebes- oder Ehepaare, die sich,den Strand des beliebten Badeortes zum Flirten erwählen. Mehrere beim Küssen überraschte Paare wurden nacheinaitder zu einer Geld­strafe von 10 TMars verurteilt, und der Einspruch eines ver­heirateten Herrn wurde seitens des Bürgermeisters mit der Be­gründung abgewiesen, daß diese Tatsache (daß der Betreffende vermählt sei) das Vergehen nur verschlimmere. Verheiratete Leute sollten unverheirateten ein besseres Beispiel geben und nicht in der Oeffentlichkeit durch ihr Küssen Aergernis erregen.

' Die Japanerin a l s Ra u ch e r i n. Das Rauchen ist unter den japanischen Frauen allgemein. Tie Kaiserin besitzt in ihrer reichhaltigen Pfeifensammlung ein silbernes Exemplar mit einem 250 Millimeter langen Mundstück, aus dem sie mit Vorliebe zu rauchen pflegt. Tie Köpfe der japanischen Tabak­pfeifen sind sehr klein, in der Tat reicht die Füllung nur für zwei oder drei Züge aus. Alsdann wird die Asche ausgeklopft und die Pfeife vor dem neuen Gebrauch gereinigt. Tas japa­nische Wort für Rauchen bedeutet so viel als: Tabak trinken.

* Tie neueste Moderichtung für die Damen. Uns wird geschrieben: Von Amerika kommt eine neue Mode- narrheit, die darin besteht, Handschuhe mit einem an der Außen­seite angebrachten kleinen Spiegel zu tragen. Dieser ermöglicht es der schönen Besitzerin, sich unauffällig bei einem Ausgange davon zu überzeugen, ob ihr Hut gerade sitzt, ob sich die Stiru- löckchen nicht losgelöst haben u. dgl. Der Spiegel befindet sich an der unteren Fläche der linken Hand, so daß daS Geheimnis beim Händeschütteln nicht verraten werden kann.

Abeudwolke.

lieber buchwaldgrünem Tale Hängt int Abendglanz die Wolke. Ihres Reiches breite Wölbung Ist belebt von zartem Volke.

Von der Grate Silberspitzen Zn der Gründe Sammetbläue Schlingen nackte Kindlein ihren Ringelreihen stets aufs neue.

Kindlein sind es, abberufen, Kaum vernahm ihr Ohr das Werde. Heute läßt Gottvater alle Schämt im Abendlicht die Erde.

Schwimmt ein fern und süß Getöne Um die hohen Wolkenwände.

Abseits sitzt das Allerkleinste, Patscht sich in die rosigen Hände.

Weh! Ta sank die Purpurscheibe Plötzlich; jedwed Ding erbleichte; lind ein Schauer strich zu Tale, Klagend wie von einer Beichte.

Preisrätsel.*)

Nachdruck verboten.

-- A

E E

E G I

I M N 0

____________ R R S S W

Die Buchstaben sind in die Felder des Dreiecks derart einzu» tragen, daß die drei Außenseiten, wie auch die drei wagerechten Mittelreihen Wörter von folgender Bedeutung bilden: 1. Märchen­figur. 2. Blumen. 3. Männlicher Vorname. 4. Gestalt der grie­chischen Sage. 5. Bekannter Badeort. 6. Erzählung.

* Lösungen sind mit Aufschrift «.Preisrätsel-Lösung* versehen innerhalb acht Tagen an die Nedaktion der »Gießener Familienblätter" einznsenden.

Auflösung des Sprichwort-Scherz-Rätsels in vor. Nr.:

Wenn man die Buchstaben von hinten nach vorn liest. DaS Sprichwort lautet: Verstand und Wissen laß niemals vermissen.

Redaktion: A naust Woelr. Rotationsdruck und Verlaa der Brüh l'schen UniversttätS-Buch» und Stentdxm^-'-u 01 Qzt"-Ae