Ausgabe 
30.11.1903
 
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hier das Teuerste das Beste und dadurch das Billigste. Zum Schmuck der Schönheit aber ist das Beste gerade gut genug.

Vermiete»*

* Allerlei Mittel, das Wetter zu prophe­zeien, diesen Titel hat Professor Pernter, der Leiter des östreichischen Wetterbureaus, für einen Vortrag ge- wählt, den er kürzlich vor der Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse in Wien hielt. Der Gelehrte sprach über alle Gefahren, die von den frühesten Zeiten bis auf die Gegenwart zur Wettervoraussage benutzt wur­den. Er ließ der Bedeutung örtlicher Wetteranzeichen wie die Erscheinung und Bewegung der Wolken, die Bildung von Nebelkappen auf Bergen, der Färbung des morgend­lichen und abendlichen Himmels und dergleichen volle Ge­rechtigkeit widerfahren, indem er zugab, daß sie von Land­leuten und anderen oft richtig gedeutet werden. Dann ging er auf die Theorien ein, die den Glauben an einen bestimmten Einfluß zur Voraussetzung haben wie die des tausendjährigen Kalenders und alle Arten der Wetterprophe­zeiung, die sich auf die Phasen des Mondes und auf die Bewegung der Planeten gründen. Sie sind im allgemeinen unzuverlässig und ganz verschieden von den durch die Wissen­schaft eingeführten Mitteln der Vorausbestimmung des Wetters. Ein wirklicher Fortschritt kann jetzt nur noch von letzteren erwartet werden. Noch heute aber ist es der Wissenschaft nicht möglich, das Wetter früher als einen Tag voraus mit einiger Sicherheit prophezeien zu können. Um die bisherigen Ergebnisse noch zu verbessern, hält Pros. Pernter eine noch eingehendere Erforschung in folgenden Punkten für notwendig: die Verteilung des Luftdrucks in ihren verschiedenen Formen, Zugrichtung und Zuggeschwin­digkeit, der Wirbel niedrigen Lustdrucks (Minima) übev Europa, die Art des Ueberganges einer Wetterlage in die andere und der Einfluß der verschiedenen Aenderungen in der Verteilung des Luftdrucks auf den Witterungswechsel. Durch ein sorgfältiges Studium solcher Einzelheiten könnte, meinte Professor Pernter, das Verhältnis der vollkommenen Erfolge in den Wettervoraussagen noch bedeutend gesteigert werden.

* Junge Damen als Straßenräuber. Aus Portland (Oregon) erregt eine seltsame Affäre großes Auf­sehen. Zwei junge Frauen, die in den Gesellschaftskreisen der Stadt sehr bekannt waren, sind mit ihren Männern unter der Anklage des Straßenraubes verhaftet worden. Sie heißen Mrs. H. W. Haynie und Mrs. Admer T. Johnson. Beide sind sorgfältig erzogene Kinder reicher Eltern, und bis vor kurzem galten ihre Männer als über jeden Verdacht erhaben. Johnson war der erste, der verhaftet wurde; er ist einer Anzahl von gewalttätigen Räubereien in den Straßen Portlands überführt worden und büßt jetzt seine Verbrechen in einem Zuchthause. Nach seinem Geständnis hat feine Frau, ein hübsches Ting von siebzehn Jahren, ein­gestanden, daß sie ihrem Manne immer geholfen hat, wäh­rend der Raubanfall ausgeführt wurde, und daß sie auch half, die Opfer zu plündern. Auf ihre Aussage hin wurde auch Mr. und Mrs. Haynie verhaftet. Wenn sie eine Räuberei vorhatten, so pflegten sie ihren Dog-cart zum Einbruch der Nacht zu bestellen.' Es war ausgefallen, daß sie eine Manie dafür hatten, nach Einbruch der Dunkelheit spazieren zu 'fahren. In einer stillen Straße und vor einem geeignet scheinenden Opfer hielt Mrs. Haynie das Pferd an, ihr Mann stieg ab und folgte dem Opfer eine geraume Strecke vom Wagen. Ein Schlag mit dem Totschläger reichte gewöhnlich aus, und wenige Augenblicke später war Haynie wieder im Wagen bei seiner Frau. Nur die Tatsache, daß das Paar tollkühn genug war, ein auffallend gezeichnetes Pferd zu fahren, gab der Polizei einen Anhalt in der Sache. Während der ganzen Zeit, in der die Räubereien im Gange waren, wurden Mr. und Mrs. Haynie in den besten Ge­sellschaftskreisen empfangen.

* Ter Nachlaß des Königs Alexander. Der Nachlaß der Königin Draga von Serbien im Gesamtbeträge von 570000 Franks ist, wie wir bereits mitteilten, ihren drei Schwestern überwiesen worden, da sich keine Gläubiger mel­deten. Nicht so glatt geht es mit dem Nachlasse des Königs Alexander. Auf sein gegen drei Millionen Franks betragen­

des uno meistenteils aus Immobilien bestehendes Ver­mögen wurden Hunderte von Forderungen angemeldet. Zahlreiche Hofdiener verlangen jeder nach seinem Gut­dünken größere oder kleinere Summen als Entschädigung sür den unterbrochenen Dienst. Der Pariser Geburtshelfer Tr. Colet, der bei dem Versuche der Königin Draga, ihren Gatten mit einer fingierten Schwangerschaft irrezuführen, 28 Tage in Belgrad verweilte, fordert rund 30000 Franks. Ihm folgen Belgrader Aerzte: Tr. Nikolic mit 7424 und Tr. Jovanovic mit 8300 Franks, sowie Tr. Nesic mit 15 000 Franks. Ter Hofschlächtermeister, der IV4 Jahre lang seine Rechnungen nicht bezahlt bekommen hatte, macht eine sehr große Forderung geltend. Unter den dreisten Forderungen steht an erster Stelle die Anmeldung eines bankerotten Kaufmanns, Svetislav Jeremic aus Tobrinje, dem Stamm­dorfe des Hauses Obrenovic. Aus der Rechnung des Mannes seien folgende Positionen hervorgehoben: Bei dem Besuche des Königspaares in Tobrinje für 40 Kilogramm Trauben ä 100 Franks 4000 Franks und für gewählte 30 Kilogramm Trauben ä 150 Franks 4500 Franks, sür 20 Kilogramm Pfirsiche ä 50 Franks 1000 Franks, für ein den Bauern aus der Umgegend gegebenes Mittagsmahl bei dieser Gelegenheit 9500 Franks. Für seine Mühe und Tätigkeit rund noch 50000 Franks. Schließlich sei poch die größte Forderung erwähnt, die der russischen Wolga-Kama-Handelsbank mit einem Restbeträge von 1801957 Franks nach einem Schuld­scheine des Köngs Milan über zwei Millionen Franks. Wenn auch die meisten dieser Forderungen abgelehnt wer­den, so wird doch die einzige Erbin des Königs Alexander, nämlich seine Mutter Natalie, nicht viel erhalten.

Wclynachts--Litteratur.

Ein guter Bekannter erscheint pünktlich auch dies­mal:Kürschners Jahrbuch" (Hermann Hillger Ver­lag, Berlin, 500 Seiten, broschiert 1 Mk.), das sich als wertvolles Nach-schlagebuch für jedermann viel Anerkennung erworben hat. Das schmucke Büchlein präsentiert sich in derselben Form, wie wir es nun schon sechsmal vor uns gesehen, und der jetzige Herausgeber Hermann Hillger hat das von dem Begründer Josef Kürschner Ueberkommene in vortrefflicher Weise ausgebaut und ausgestaltet. Aus der Fülle ver neu behandelten Materien seien die Artikel über Geheimschriften, Okkultismus, Freimaurerei, französische Literatur und Patentwesen, über wichtige Stiftungen, die Frauenfrage hervorgehoben. Einen besonderen Vorzug des Buches bildet in diesem Jahre die größere Schrift.

Ein elegantes, kleines Geschenk für Damen ist der auch in diesem Jahre wieder erschienene Haude und Spenersche Damen-Almanach (38. Jahrgang für 1904. Verlag von Haude u. Spener, Berlin). Das geschmackvoll mit Goldschnitt, Elfenbeinpapier, Titel­bild, Bleistift und Visitenkartentasche ansgestattete Büchlein vereinigt in sich Taschenkalender, Notiz- und Tagebuch in zierlicher Form. Eine Erzählung erhöht den Reiz des Büch­leins (Preis 2 Mk.).

Homogramm.

(Nachdruck verboten.)

;ö; K &

S B S 1. Teil des Jahres.

V«< 2. Halsschmuck.

8- « * * & 3. Schlachtort in Aegypten.

Ä 4. franz. Kolonie in Afrika.

derart zu ordnen, daß die 4 magerechten Reihen gleichlautend mit den vier senkrechten sind und Wörter von der be,gefugten Bedeutung bilden.

.Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Ergänzungsrätsels in vor. Nr.r Wet«, Narbe. Arm, Wachtel, Zeit, Hah«, A«ton, Drescher. Ein Narr macht zehn aridre.

Redaktion: August Götz. Rotationsdruck und Verlaa der Brühl'schen Universitäts-Buch« und Steindruckerei. R. Lanae. Gießen.