Ausgabe 
28.10.1903
 
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1903. Hlr. 160

Mittwoch den 28. Oktober.

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(Nachdruck verboten.)

Jas UMMA» m der BretaaZe.

Von B. W. Howard.

(Fortsetzung.)

Einige bretagnische Züge hatte er wohl", erwiderte der eure trocken, worüber Hamor herzlich lachte, sogar Thymerts Lippen umspielte ein leises Lächeln.Uns Bre­tagnern", hatte Guenn gesagt, und wie ein linder Balsam war dieses Wort in sein wundes Gemüt gefallen. Sogar die große Staffelei, die so kecklich von seinem freien Eiland Besitz ergriffen hatte, schien ihm in diesem Augenblick weniger verhaßt.

Jetzt lächeln Sie wieder, jetzt sind Sie wieder gut und lieb", rief Guenn triumphierend.Wie froh bin ich, nun ich weiß, daß Sie Monsieurs Wunsch- erfüllen wollen."

Ich muh hinüber nach der Cigogne, dem alten Jean geht es schlechter," sagte der junge Priester hastig und stieg in sein Boot;wenn Sie etwas brauchen, steht die alte Brigitte ganz zu Ihrer Verfügung."

Monsieur le eure", rief Guenn leise, der eigentümliche Ausdruck in Thymerts Gesicht hatte sie unruhig gemacht war ich vorhin unartig? Es tut mir so leid", setzte sie hinzu, nicht gerade sehr reumütig, aber mit einem unwiderstehlich schelmischen Blick ihrer offenen, ehrlichen Augen.

Nein, Kind, Du warst nicht unartig, nur aufgeregt." Mag sein, aber ich habe Sie doch verletzt", beharrte sie,ich sah's Ihnen an. Sie machten so" sie preßte die Lippen aufeinander und ahmte dem Priester nach.

Kind, Du kannst mich überhaupt nicht verletzen", rief Thymert mit überwallendem Gefühl.Du kannst mir nicht wehe tun, selbst wenn Du es darauf anlegtest, Guenn!" Er ruderte langsam an ihr vorbei; aus seinen traurigen Augen grüßte sie ein Strahl der zärtlichsten Milde, und Nachsicht.

Ja, Sie sind gut", versetzte Guenn sorglos, dabei beobachtete sie Hamvr unablässig und wartete auf sein Zeichen,Sie sind ein Engel!"

Posez, Guenn!" rief der Maler.

18. Kapitel.

Guenn fühlte sich jetzt überglücklich! Schon an und für sich war die Fahrt nach den Lannions alle Morgen ein Hochgenuß; aber es lag außerdem noch etwas so Be­seligendes in dem Gedanken, als Monsieurs unentbehr­liches Modell von Meurice binübergefahren zu werden. Freilich Hütte sie viel lieber oort übernachtet, statt alle Abende nach Hause geschickt zu werden, allein Madame in den Voyageurs, die sich sonst so selten in anderer Leute Angelegenheiten mischte, hatte diesmal ein energisches Veto eingelegt. Sir allein hatte darauf bestanden, daß

Guenn jeden Abend nach Plouvenec zurückgebracht werden müsse.

Ja, wird es denn aber nicht ganz unmöglich sein, daß sie am Morgen rechtzeitig genug herüber kommt?" warf Hamor besorgt ein.Davon hängt natürlich alles ab, die Tage sind so kurz, ich muß das Mvrgenlicht zum Arbeiten benutzen."

Ach nein, unmöglich ist's gerade nicht", rief Guenn eifrig,aber es hat ja gar keinen Sinn, wenn Sie es lieber haben, daß ich drüben bleibe", sie warf Madame einen vorwurfsvollen Blick zu.

Auf den Lannions ist es so kalt", suchte diese zu be- gütigen.

Als ob mir das etwas ausmachte!"

Es sind auch noch andere Gründe, die nicht übersehen werden dürfen."

Ah- bah !" machte Guenn.

Es schickt sich ganz und gar nicht", entschied Madame', ich bin überzeugt, daß Monsieur Hamvr mir beistimmt."

Nach einer geheimen, überaus liebenswürdigen Rück­sprache von fünf Minuten war Monsieur Hamor einver­standen.

Ich versichere Ihnen, Madame, meinte er lachend,da der eure und die alte Brigitte drüben sind, da es sich- um Guenn Rodellec handelte, und ich auch nicht gerade nun kurz und gut, ich habe nicht mit einem Gedanken daran gedacht, ob es schicklich sei oder nicht."

So mußte sich Guenn wohl oder übel ins Unvermeid­liche fügen, und bald genug fand sie heraus, daß sie keine Ursache habe, Madames Einmischung sonderlich zu bedauern.

Ter tägliche Triumphzug nach den Lannions schmeichelte ihrem Stolze ungemein. Er erwartete sie; sie war ihm un­entbehrlich. Gs war (a auch etwas ganz anderes, zu ihm angesegelt zu kommen und nicht wie sonst durch die wohl­bekannten Gassen zu eilen, um dann unter dem Thorweg zu warten, bis Monsieur mit dem Schlüsselbund erschien. Von Kleopatra, die einst Mark Anton entgegen fuhr, in der königlichen blumengeschnrückten Barke mit dem seidenen Zelt­dach, das rosige Liebesgötter hielten, hatte sie nie gehört; aber als sie, in all ihrer Lieblichkeit, voll glühender Hingabe zu ihm durch die weißschäumeuden Wogen fuhr, war sie so gut ein liebendes Weib wie jene. Der rauhe Seewind rötete ihre Wangen, die reinste Freude glänzte aus ihren Augen, auf ihren Lippen schwebte ein frohes Lachen; Meu- riee nebst seiner Mannschaft beugte sich willenlos vor der Zaubergewalt dieses herrischen, kleinen Geschöpfs, mit der klaren Stimme und dem furchtlosen Blick. In stillerMorgen- frühe schifften sie Guenn, rosig und strahlend, am Felsen­gestade der Lannions aus, wo Hamor und der Priester schon ihrer harrend standen. Wie stolz schlug ihr Herz, wenn sie der hohen Gestalten ansichtig wurde. Beim trüben Winterdämmersein brachten die Beiden sie abends wieder zum Strande, wo das Boot, vom Fischfang heimkehrend­bereit lag, sie auszunehmen. Dann streckte sie sich behaglich!