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Reiches und des preußischen Staates. Gesellschaftliche mtb wirtschaftliche Lage der Gegenwart durch Einführung in die Geschichte a) des Bauernstandes, b) des Bürgertums, damit verbunden deik Städteentwicklung, des Handels und des Gewerbes. 3. Belehrung über gesellschaftliche und wirtschaftliche Fragen der Gegenwart und Behandlung der sozialen Einrichtungen in Staat und Gemeinde. 4. Kenntnis der heutigen Rechtspflege, Gesetzeskunde. Das Wichtigste ans dem Familien- und Gesinderecht und der Arbeiterschutz- gesetzgcbung. Nm eine solche Einführung in das Verständnis der Gegenwart zu ermöglichen, muß vor altern die Kulturgeschichte im Unterricht berücksichtigt werden, die Methode aus einer im wesentlichen erzählenden zu einer im wesentlichen entwickelnden gewandelt werden. Die deutsche Nationalgeschichte muß noch stärker als bisher in den Mittelpunkt des gesamten Geschichtsunterrichts gestellt werden. — Auch über Musik Pädagogik ist in Dresden verhandelt worden. Der ungeheure Aufschwung, der: die praktische Ausübung der Musik in den letzten Jahrzehnten ge- noiumen hat, erhöht das Interesse für diese Kunst in weiten Schichten der Bevölkerung und das Bedürfnis nach Lehrkräften. Aber das Angebot übertraf bald die Nachfrage. Tie Zahl der Kandidaten und Kandidatinnen der Musikpädagogik wuchs binnen kurzem ins Unglaubliche. Institute, deren Leistungen sich vielfach deckten mit der Devise „billig und schlecht schossen an allen größeren Orten zu Dutzenden empor. Ungehindert strömte eine Schar Unberufener, minderwertig in Bezug aus Fachkenntnisse wie allgemeine Bildung, einem Lehrfach« zu, für welches Examina und Unterrichtserlaubnisschein nicht 'erforderlich waren. Ter Musiklehrende sank herab zum Bediensteten, dessen Leistungen in dem Maße in Anspruch genommen wurden, wie es der Bequemlichkeit, dem größeren oder geringeren Fleiß der Schüler entsprach. Eine umfangreiche statistische Erhebung lieferte den Beweis, daß auf musikpädagogischem Gebiete fast überall die gleichen Mißstände herrschen. Aus etwa 200 deutschen Städten ertönten mit geringen Varianten die gleichen Klagen über die Unsicherheit der finanziellen Lage, die Schutzlosigkeit der Unterrichtenden gegenüber der Willkür, ja vielfach! Rücksichtslosigkeit des Publikums. Ter Weg der Selbsthilfe wurde betreten, man schritt zur Organisation der Bernfsgenossen, die jetzt als voll- kommen gesichert betrachtet werden kann. Der im Herbst in Berlin stattfindende m u s i k p ä d a g o g i s ch e K o n g r e ß ist in erster Linie cyrf die Initiative der Musiksektion des Allgem. deutschen Lehrerinnenvereins zurückzuführen. Auf dem Arbeitsprogramm der nächsten zwei Jahre stehen: die Feststellung der Wege, welche einzuschlagen sind, um den Musiklehrerinnen in ihrem Alter — abgesehen von der Beihilfe, die ihnen das Klebegesetz gewährt — eine sorgenfreie Existenz zu schaffen. Auf Grund einer genauen statistischen Vorarbeit, für welche eine Kommission ernannt wurde, hofft man die Sache erfolgreich in Angriff nehmen zu körinen. Die Frage der staatlichen Prüfung der Musiklehrerinnen, für welche die Sektion auf dem Wege der Petition an den Kultusminister eingetreten ist, die Erweiterung der Regulierung der Honorarfrage (auch die Konservatorien sollen zu einem besseren Vertragsverhältnis mit ihren Lehrkräften herangezogen werden), die Sichtung der Klavierliteratur, die Fühlung mit iden Musikverlagsbuchhandlungen, die schon jetzt ein lebhaftes Verständnis der Bewegung bekunden. Tr. E. M.
vermischtes.
* Der ausgesperrte Gouverneur. Einen sehr hübschen Scherz haben sich kürzlich die Bewohner der Tonga-Inseln geleistet. Diese stehen unter britischem Protektorate und zwar unter dem Regime des Gouverneurs der Fidschi-Inseln. Die innere Regierung wird aber von einem eingeborenen Häuptling, der den stolzen Namen „König Georg II." führt, mit einem eingeborenen Parlament und < sonstigen Käuaka-Autoritäten besorgt. Kürzlich kam nun die Nachricht, daß der Gouverneuer, Sir Henry Moore Jackson, in Nukualofa landen werde, um nach dem Rechten zu sehen. Die weißen Ansiedler, die mit der Kanaken-Regieruug schon lange nicht zufrieden waren, bereiteten schnell ein ganzes Bukett von Beschwerden vor, aber „.König Georg", der wohl ein schlechtes Gewissen hatte, wußte Rat. Kaum war S. M. S. „^ylaheS" mit
Exzellenz an Bord im Häfen fron Nukümofa einge
troffen', als dem Gouverneur von den Donganern erklärr wurde, an eine Landung sei nicht zu denken, denn in Fidschi, woher das Schiff kam,' seien die Masern! Das war richtig, man hatte dort etwa 16 000 Masernfälle, einige mit tödlichem Ausgange gehabt, aber der Gouverneur hatte nicht Lust, deswegen einen Monat in Quarantäne zu liegen. Er erbot sich- sich vollständig ausräuchern und desinfizieren lassen: aber das half ihm nichts. Ter „Pylades" dampfte also unverrichteter Sache wieder ab, und die weißen Ansiedler hatten das Nachsehen. Der Gouverneur soll aber gedroht haben, er werde mit verstärkter Macht wiederkommen und dann landen, und wenn es Tongaleute von den Kokosbäumen regnete. Wenn er die Drohung wahr macht, dürfte der Eingeborenen-Regier- ung jener paradiesischen Inseln wohl das letzte Stündlein geschlagen haben.
* Eine hüb sche Blum en lese der Schönheitsuri t t e l im 16. Jahrhundert veröffentlicht der „Petit Paristen". Sie ist einem 1562 in Venedig erschienenen Werke über, Frauenschönheit entnommen, das einen Arzt Namens Marinello zum Verfasser hat. Wollte eine etwas hagere Dame ihrer Gestalt mehr Fülle geben, so mußte sie sich lange unbeweglich in einem kühlen Zimmer aufhalten, das durch Riechfläschchen mit Rosen- und Lilienwasser, Amber und Kampfer frisch zu erhalten war. Dabei hatte sie Essig und Gesalzenes, vor allem aber jede Zornerregung zu vermeiden, nebenher ein Bad von Kamillen und Malven zu nehinen und Einreibungen mit Veilchenwasser zu machen. Dazu war „so viel wie eine Kastanie" von einer Latwerge aus iveißem Mohnsamen, Terpentin und Butter vorgeschrieben. Entfettungskuren — auf die Marinello übrigens weniger Gewicht legt, da die damalige tonangebende italienische Damenwelt mehr für eine gewisse Leibesfülle schwärmte — waren viel einfacher, denn es bedurfte dazu nur eines Destillats aus Wein, Ingwer, Rosmarin und einer Garofilet (Nelke) genannten Pflanze, wovon jeden Morgen ein Glas zu trinken war.' Als Haarwuchsmittel empfiehlt das Buch eine Abkochung von Myrtenkörnern, Gatläpfeln und Mirobolanten in Rosenwasser. Blieb danach der Erfolg aus, so mußte allerdings ein eingreifenderes Mittel benutzt werden, das aber auch so sicher wirkte, daß es beim Einreiben „selbst auf der Handfläche Haare erzeugte". Es bestand ans Mäusedreck und einein Pulver? aus gebrannten Bienen, welche Stoffe mit Rosenöl geknetet wurden. Auch ein Enthaarungsmittel führt Marinello an; es wurde durch Verreibung je einer Unze Epheuharz, Auripigment und Kolophonium mit Ameiseneiern, gebrannteU Blutegeln und Froschblut hergestellt. Runzeln verschwinden nach Marinello bei dem' Gebrauch einer Salbe, die dadurch gewonnen wird, daß man geraspeltes Hirschhorn in etwas' Wasser so lange kocht, bis sich, auf diefem eine Art Fettschicht bildet, die dann mit Bohnenmehl zu vermengen.' ist. Zur Pflege der Zähne schreibt das Buch nicht etwa' deren Reinigung, sondern einen Auszug von Myrtenblättern und -Beeren vor, der löffelweise einzunehmen ist. Das Werk Marinellos, der sogar ein Mittel dafür weiß, daß die Damen beim Flötenspiel die Backen nicht in unangenehmer Weise aufblasen, war seinerzeit in Italien und Frankreich weit verbreitet.
Mejn Bub.
Mein kleiner Bub', — sagt meine Frau, — Gleicht mir aufs Haar genau.
Und sie hat recht; denn, wenn ich seh' Dem Bub' in seine Schelmenaugen, Ich mir im Herzen leis gesteh': Ta kann der Vater utt viel taugen!
Silbenrätsel.
(Nachdruck verboten.)
a bet bi das don e Horn i le li ne ne ners ni o pi re rus scl tag wie.
Aus diesen Silben sind 7 Wörter zu bilden von folgender Bedeutung: 1. kleines Raubtier; 2. weiblicher Vorname; 8. altgriechische Landschaft; 4. spartanischer König; 5. juristischer Ausdruck; 6. Warnungsapparat; 7. Wochentag. Sind die richtigen Wörter gefnnden, so ergeben die Anfangs- und Endbuchstaben int Zusammenhang gelesen die Namen zweier deutscher Dichter der klassischen Zeit.
Redaktion: August Cöp. -- Ro'ationedruck-und Verlag der Vrii.l


