Ausgabe 
28.3.1903
 
Einzelbild herunterladen

188

Eine begrabene Stadt.

In derUmschau" finden wir einige Mitteilungen über die im Wüstensand vergrabene Stadt, die Sven Hedin bei seinen Forschungsreisen im Innern Asiens entdeckt hat. Der Bericht liest sich wie ein Märchen; er verdient, wei­teren Kreisen bekannt zu werden, besonders da der be­kannte Forscher K. Himly inPetermanns Mitteilungen" feststellt, wie die begrabene Stadt geheißen hat und welcher Art sie gewesen ist.

Was Sven Hedin auffand, waren Trümmer im Sande. Mer während von den meisten Häusern nur noch die Holzgerüste standen, war eins aus Lehm gebaut, mit dicken Außen- und zwei Innenwänden, oie das Haus in drei Räume teilten. In einem wurden eine Menge Stäbe aus Tamariskenholz mit meist chinesischen Schriften und entgegen der jetzigen Sitte auf beiden Seiten beschrie­ben unter einer Sandschicht von etwa 2 Fuß Dicke auf­gefunden. Es befanden sich darunter auch kleine Klötzchen, die gleichfalls beschrieben waren und zum Zubinden be­stimmte Vertiefungen zeigten. Diese Klötzchen hatten als Deckel für darunter befindliche Briefschaften gedient. Un­weit dieser Fundstelle befanden sich sehr wertvolle Holz­schnitzereien mit geschmackvollen Verzierungen; die dar­unter vorkommenden Buddhabilder lassen auf das Vor­handensein eines Tempels schließen. In einem anderen Haus fanden sich Fischknochen in großer Menge, und un­zählige Schnecken (Limnaea) lagen umher. Läßt dieser Umstand darauf schließen, daß hier das Ufer eines Sees war, so zeugte ein riesengroßes, aus fünf dicken Brettern bestehendes Rad vom Wagenverkehr zu Land. Die vier Türme aus Fachwerk, die sich in der Umgebung fanden, mögen teils zur Verteidigung, teils am Weg als Feuer­oder Rauchtürme gedient haben, wie sie weit über das chinesische Reich zerstreut lagen, vor dem herannahenden Feind zu warnen.

Wie hieß nun diese Stadt, was war ihr Schicksal? Himly giebt nach der Untersuchung der Funde die folgende Aufklärung:

Hinsichtlich der Frage, um welchen Zeitraum es sich

die Grundgedanken bet Fritsch'schen Schrift anschließt und nun sofort eine lebhafte Bewegung für diese Ziele ent­fachte. Mit finanzieller Unterstützung von feiten ver­mögender Personen bildete sich in England eineGarten­stadt-Gesellschaft", die bereits in Bournville mit dem Ausbau einer solchen neuen städtischen Siedelung den Anfang gemacht hat. Nachdem in England der praktische Wert der Ideen erkannt und das Vorbild für die Verwirklichung gegeben war, hat sich nun auch in Deutschland eine solche Gartenstadt­gesellschaft gebildet. Es erscheint allerdings fraglich, ob ihre Bestrebungen eine gleiche tätige Unterstützung finden werden, wie jenseits des Kanals, obgleich es sich um eine von Deutschland ausgegangene Idee und nicht um eine Nachahmung handelt.

Der Verfasser weist noch besonders auf den Wert solcher städtischen Neusiedelungen für unsere Ostprovinzen hin. Er meint, daß die bäuerliche Siedelung dort allein nicht genüge; es bedürfte auch städtischer Kolonisation, da gerade ein intelligentes deutsches Bürgertum den besten Schutzwall gegen die slavischen Völkerwogen bilden würde.

Von den Elementen, die sich an der Neubildung solcher Gemeinden beteiligen wollten, fordert der Verfasser vor allem leibliche und moralische Gesundheit. Er sagt am Schlüsse der kleineren Schrift:

Auf eine gute und reinliche Lebensführung würde es freilich ankommen! Wenn es aber richtig ist, daß viele der scheußlichsten Laster, mit denen wir die moderne Menschheit befleckt sehen, ihren Ursprung haben in wüsten wirtschaftlichen Zuständen und allgemeiner Lebensverwil­derung, in geistiger, sittlicher und wirtschaftlicher Art, so sollte es wohl nicht schwer fallen, aus einer organisch geordneten Gemeinde die größte Masse dieser Untugenden fern zu halten. Eine größere Gemeinde aber, in der es keine Trunksucht, keine Bankrotte, keine Prostitution, keine Verbrechen, keine Selbstmorde gäbe, würde gewiß die Augen der Welt auf sich lenken und zur Würdigung und Nachahmung ihrer Grundsätze und Einrichtungen anregen."

bei der Zerstörung des Ortes bandeln dürste, und wie er, das heißt die Stadt oder das Land, geheißen habe, sprechen die aufgefundenen Schriftstücke eine deutliche Sprache. Sowohl auf den Stäben als auf den alten Papierfetzen kommt der Name Löulan vor, und zwar in einem Zusammenhang, der keinen Zweifel läßt, daß so der Ort der Bestimmung oder Aufbewahrung hieß. Die erste Zeitangabe ist vom Jahre 264, sonst finden sich noch die Jahre 266 bis 310 angegeben.

Der Inhalt der schriftlichen Bemerkungen ist ein sehr verschiedenartiger. Es ist darin von Getreidelieferungen, von Nachrichten aus Tun-Hang, Verkehr mit Kao-Tschang (dem alten Turfan), von gerichtlichen Verhandlungen usw. die Rede. Die Stäbe dienten augenscheinlich bald als Tage­bücher, bald zu Mitteilungen oder Weisungen an Unter­gebene.

Es ist nach dem allen kaum zu bezweifeln, daß hier das alte, lange gesuchte Löulan war, und daß es an dem See Lop-nur (Lopnor) lag, den man auf alten chinesi­schen Karten verzeichnet findet, der von den neueren: Forschungsreisenden (Przewalski, Sven Hedin) aber ver­geblich gesucht wurde. Diese alte, offenbar sehr verkehrs­reiche Stadt scheint Anfangs des vierten Jahrhunderts vom Wüstensturm oder von den Gewässern beziehungsweise durch beide Gewalten zerstört worden zu sein. Man wird in der Mhe eine andere, die sog. Drachenstadt gebaut haben, die dann ihrerseits in den Jahren 140811 durch eine Sturmflut zu Grunde ging. Der See aber wurde durch die Sandstürme verschüttet.

So hat Löulan ähnlich Pompeji und Saint-Pierre ent trauriges Ende gefunden. Wer nicht die unterirdischen Ge­walten waren seine Zerstörer, sondern der unerbittlich« Wind und die langsam, zäh, aber unerbittlich vorrückende Wüste. ___________

Vermischter.

Sir Walter Raleigh. Der Günstling Elisabeths be­nutzte, wie bekannt ist, die zwölf Jahre, die ihn Jakob L in dem Tower schmachten ließ, um sein großes Geschichts­werk zu schreiben, und mehrere kleinere Schriften über seine Reisen herauszugeben. Er war der Entdecker von Virginien, welchen Landstrich er zu Ehren der jungfräu­lichen Königin so nannte, und der Gründer der ersten englischen Kolonien in Nordamerika.

Von seinen Reisen hatte er Tabak mitgebracht und den­selben in England eingeführt; er selbst rauchte stark und gab dadurch einst einem seiner Kammerdiener Gelegenheit, ihm unter Hilfegeschrei ein Gefäß mit Wasser über den Kopf zu gießen, weil dieser, unbekannt mit dem Tabak, als er die großen Rauchwolken ans dem Munde seines Herrn kommen sah, glaubte, er sei in Brand geraten ober, in Gefahr zu ersticken.

Wäre er damals erstickt, so hatte dieser große Mann nicht als das Opfer einer Hofkabale sein Haupt 1618 aus den Block des Henkers legen müssen. England wäre aber auch um ein großes Werk ärmer gewesen.

Preisrätsel.*) Magisches Dreieck.

(Nachdruck verboten.)

A

A E

Eli

L L L M

N R 8 U V

In die Felder des Dreiecks sind die Buchstaben derart einzutragen, daß die drei Außenseiten und die drei wogerechten Mittelreihen Wörter von folgender Bedeutung ergeben: 1. alte Göttin; 2. Landhaus; 8. weib­licher Vorname; 4. Nahrungsmittel; 6. Fluß in Afrika; 6. Fluß und Gebirge in Rußland.

*) Lösungen sind mit Aufschrift:PreiSrülsel-Lösung" versehen innerhalb acht Tagen an die Redaktion derGießener Kamtiiendkällrr" einzusenden.

Auflösung der Gleichung in vor. Nr.r a Herz, b Egon, c Wien, d Aal. x Herzegowina.

Redaktion: August Götz. Rotationsdruck und Verla» der Brühl'schen UniversitätS-BuL« und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.