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1903.
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Mittwoch dm 27. Mai-
(Nachdruck verboten.)
Die Annonce.
Novelle von Thomas Glahn.
(Fortsetzung.)
„Wir wollen die Herren beileibe nicht stören — Rest wollt' nur ein Brötchen essen."
„Aber bitte, bitte", dienerte Karl Unruh. „Darf ich etwas hinübergeben?"
„Will Dich nicht erst in Bewegung setzen, Vetter", sagte Rest Bergmann und nahm ein Lachsbrötchen. Und während sie kräftig darein biß, wandte sie sich an Fred Richter.
„Hör mal Tu — mit Euch beiden ist das nicht ganz richtig. Ihr seid zerstreut, absentiert Euch, bringt hier feierliche Toaste aus — dahinter steckt doch was!"
„Natürlich", antwortete der junge Arzt verbindlich, „da werden die Damen wohl recht haben."
„Ter Lachs ist sehr gut. Seid Ihr verliebt?"
Fred Richter legte die Hand aufs Herz.
„O Resi!"
Sie lachte.
„Und in wen denn?"
„Eigentlich", erwiderte er ernsthaft, „in Dich."
„Und uneigentlich?"
„Wahrscheinlich in jemand anders. Ter Lachs ist übrigens wirklich gut. Wo kauft Ihr den nur?"
Resi Bergmaun sah ihn kopfschüttelnd an.
„Tas ist nun die Antwort eines galanten Wetters. Aber im Ernst: wenn ich nun wissen will, was mit Euch beiden los ist?"
„Geheimnis, schönste Cousine. Nichts zu machen."
„Und wenn ich bitte?"
„Tann bedauern wir noch mehr, aber gesagt wird nichts."
„Starrkopf!"
„Kleine Neugier!"
Achselzuckend- mit einem leisen Schmollen im Gesicht, hatte Resr sich halb umgedreht.
„Warum bist Tu eigentlich gar nicht galant, Fred?" Kurtchen ist viel netter darin."
„Pah, keine Uebung. Mir liegt das weniger, Resi!" , , staud nachdenklich einen Augenblick ruhig. Dann lachte sre lusttg, sah ihr Freundin an und fragte: „Wie findest Tu eigentlich Friedrich Rückert?"
„Ich?" empörte sich Fred. „Na, das ist der Mann mrt dem Kamel, nicht? „Es ging ein Mann im Shrer- land — Fuhrt em Kamel am Halfterband". Weshalb er das . Kamel führt, hab' ich nie 'rausgebracht, weil ich das Gedrcht nie weitergelesen hab'. Fang mir nicht mit so was an, bitte!"
Tie beiden Mädchen lachten immer stärker.
„Er ist doch ein großartiger Kerl, der Friedrich. Mckert",
sagte dann Resi und kniff Hedwig von Werfen so in den Arm dabei, daß sie leicht aufschrie.
„Rette sich, wer kann", seufzte Fred Richter, „jetzt geht die Literatur los. Gerade vor'm Buffet!"
„Aber Fred, Fred, magst Tu den Friedrich Rückert wirklich nicht?"
„Langweilig ist er — ich bitte tausendmal um Wer- zeihung, aber Tu kannst einen damit zur Verzweiflung bringen. Was hast Tu uur mit dem Unglückswurm?"
„Hm, wenn ich d'rüber nachdenk': ich hab' ihn vielleicht lieber, als ich selber glaube."
„Resi!" ries Hedwig entsetzt.
Aber die Freundin lachte, daß ihr die Tränen über die Backen liefen.
„Was hat sie nur?" fragte Fred Richter nachher kopfschüttelnd den Assessor. „Tie Sache mit Friedrich Rückert sah doch ganz merkwürdig vom Zaun gebrochen aus. Weiß Gott, aus dem Mädel wird niemand klug."
Als er sich wieder zu den übrigen fand, nahm ihn der Rittmeister von Wersen in Beschlag und setzte ihm auseinander, weshalb die Gallifetsche Kavallerieattacke bei Sedan mißlang. Er sagte „ja" und „natürlich", aber drückte sich, sobald er konnte.
Tie Balkontüren zum Garten standen offen. Ueber die Terrasse schritt er hinab ins Dunkel.
Ter Garten war klein. Er kannte auch jeden Pfad darin.
Lässig streifte er mit der Hand die Gebüsche und setzte sich einen Augenblick in die Laube.
Was diese Resi nur mit Friedrich Rückert vor hatte! Sonst zitterte sie zu seinem Aerger wohl den „Faust" oder irgend etwas von Schiller. Aber ausgerechnet nun Friedrich Rückert?
Immer stärker ward der Gedanke in ihm, daß etwas dahinter stecke.
Wielleicht ein Deckmann für einen andern? Hm, das wäre!
Wer hieß denn so ähnlich.?. Gab es denn niemanden?
F. R. . . . F. R. . . .
Komisch, wie er auf die Anfangsbuchstaben kam! Das waren ja seine!
Er lachte.
„Fred Richter . . . Friedrich Rückert. .
Ach, Unsinn! Aber wie hatte Resi gesagt? „Ich hab' ihn vielleicht lieber, als ich selbst glaube." Und ganz entsetzt hatte Hedwig von Wersen dabei ihren Namen gerufen.
Weshalb dieses Entsetzen, wenn Friedrich Mckert wirklich in Frage kam?
„Donnerwetter, jetzt bin ich ein Narr oder —"
Fred Richter stand auf und ging ein paarmal durch den Garten. "
„Oder ich hab' Recht. Na, prosit Mahlzeit, das fehlte noch!"
Wenn Resi Bergmann ihn nun tatsächlich lieb Sötte?"


