Ausgabe 
21.1.1903
 
Einzelbild herunterladen

Mittwoch den 21, Isnusr.

if

N

W

NN

(Nachdruck verboten.)

Eine verhängnisvolle Fahrt.

Roman von B. M. Croke r.

Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen von Alwina Wischer.

(Fortsetzung.)

Leider aber war der Kutscher stets unnahbar und be» wahrte das hartnäckigste Schweigen über sich unib seine Person. Tast er allein lebte, keine Liebschaft, keine Feinde und keine Schulden hatten,. Das wenigstens wußte Mr. Foulcher. Nun aber bot sich ihm unverhofft die Gelegen-- heit, s eine Neugierde zu bestiedigen, und er war entschlossen, sie so gut als möglich auszunutzen. Allein so sehr er sich auch jetzt wieder anstrengte, Terence durch allerlei Kreuzt und Querfragen zum Reden zu bringen, es war umsonst. Ein gewisses Etwas in der zwar vollständig ehrerbietigen Haltung des Kutschers hielt plötzlich den Strom von Fragen auf den Lippen des neugierigen Mannes zurück. Ja, Mr. Foulcher, der sich gesellschaftlich doch so hoch erhaben über dem Kutscher fühlte, hatte sogar die Empfindung, sich diesem gegenüber einer Taktlosigkeit schuldig gemacht zu haben, und so lehnte er sich, verlegen das Gespräch abbrechend, und von einem plötzlich anfsteigenden Haß gegen Terence erfüllt mit gerötetem Gesicht in feinen Küchenstuhl zurück.

Ter größte Teil dieser Szene war Pat entgangen, der sich damit beschäftigt hatte, frischen Torf aufzulegen und eine zudringliche Eilte hinauszujagen.Ties ist mein Wetter Flagherty", sacck' "r jetzt, auf den alten Mann zeigend,er kam über den iL-ahonnonbcrg herüber, um mir einen Besuch zu machen.. Wir wrach en vorhin über die Landwirtschaft und wie viel sich da im Laufe der letzten vierzig Jahre zum Nachteil verändert hat."

Tann lassen Sie sich durch mich nicht stören", sagte Greville.Ich bin Engländer, wie Sie wissen, zudem aber auch Gutsbesitzer, und da würde es mich sehr interessieren, zu erfahren, wie Sie von Ihrem Gesichtspunkt aus über diese Frage, denken. Wie erklären Sie sich die Tatsache, daß nahezu alle w^re Landwirte bankerott werden?"

Ta fragen Sie nur meinen Vetter Flagherty. Sprich, !Tan, Du verstehst die Geschichte besser, denn ich war ja Awairzig Fahre aus °r Gegend fort."

Ter kleine Mann ,m Feuer mit seinen auf die Kniee gebreiteten schwieligen alten Händen wandte sich langsam um und ließ seine kleinen schlauen Augen über die unge-i wohnte Zuhörerschaft schweifen. Prüfend betrachtete er Sir Greville, den freundlich sprechenden Engländer, der mit emem Blick aufrichtigen Interesses seiner Antwort harrte, den anderen Fremden, der ohne Interesse für das an» geregte Gespräch die junge Dame mit einem neugierig lauernden Seitenblick beobachtete,die schöne junge Tarne selbst mit den Haaren und Augen einer Irländerin, die, in den

Stuhl zurückgelehnt, mit ihrem Federhut spielte, und dann endlich den Kutscher Terence, der, wie es sich für seine Stellung geziemte, still und abseits von den andern im Hintergrund saß.

Elftes Kapitel.

Die Familie Desmond.

Ta Sie es wünschen, so will ich Ihnen die Sache so gut ich kann erklären", begann der alte Mann.Tie Ge« schichte ist eigentlich ganz einfach. Nichts ist leichter, als Geld verschwenden, und wenn das erst einmal ins Rollen kommt, so ist es verflucht schwer, einen Hemmschuh an« zicke gen. Am besten kann ich es durch ein Beispiel beweisen", sagte er, sich im Kreise umsehend.Sie haben gewiß schon von der Familie Desmond gehört?" Sir Greville schüttelte verneinend den Kopf, und Mr. Foulcher zuckte gleichgiltig die Achseln, während der Kütscher den Sprecher zuerst start ansah und dann langsam die Augen dem Dorffeuer zu« wandte."

Na, das wundert mich, denn es war eine noble Rasse schon vor Hunderten von Jahren, die bis in unsere Zeit hinein blühte. Nun, und wie es denen ging, ähnlich gings uns allen auch. Meilenweit im Unikreis gehörte dem alten Desmond der Grund und Boden. Er war ein vornehmer Herr, hielt sich kostbare Hundemeuten und hatte die Offiziere von Dublin oft ganze Winter lang als Jagdgäste bei sich. Tas Schloß war voll Dienerschaft, Wachskerzen brannten überall, wo man sie nur anbringen konnte, und Essen und Trinken gabs für alle das Teuerste und Beste. Ja, das waren noch Zeiten! Bon der Art, Ivie diese Herren au ft traten, von dem Glanz, den sie bei ihren Jagden entfalteten, und von ihrem Mut, davon kann man sich heutzutage keinen Begriff mehr machen. Einmal zum Beispiel ich war noch ein kleiner Junge da nahm der Fuchs seinen Lauf mitten in die Berge hinein; es waren steile, gesähr». liche Wege, aber trotzdem verloren die Hunde die Fährte nicht. In wildem Laufe gings durch Mr. Demonds biete, dann wieder zurück ins Flachland, bis der Fuchs, den schließlich nur noch zwei Hunde und der alte Desmond Der» folgten, in der Dunkelheit getötet wurde. Zwanzig Meilen weit, durch drei Grafschaften, hatte sich die Jagd aus« gedehnt, ohne daß jemand vor nachts elf Uhr etwas zu efsen bekam."

Maureens Augen glänzten vor Begeisterung und be» gegneten zufällig denen des Kutschers. Auch er hatte bei der Erzählung aufgeleuchtet, aber seine Züge waren blaß und finster oder schien es ihr in dem kleinen, dunklen Raum nur so?

Tas war ja großartig!" rief Sir Greville.

Ja, und der alte Desmond befand sich immer unter, den Wvrdersten. Beim Himmel, er war wie der wilde Jäger, wenn er auf dem Gaul saß! Er hatte zwei Söhne und drei Töchter die schönsten Mädchen in ganz Irland. Im Winter gingen sie immer nach Dublin auf die Bälle, wo