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klar und leichtfaßlich war, so konnte man am Schluß sicher sein melodisches, leises Lachen vernehmen. Häufig jedoch machte es seinen Freunden den größten Spaß, wenn er eine« Witz oder Scherz durchaus nicht verstehen konntet vorsichtig, gewissenhaft und seiner Geschicklichkeit halber von allen geschätzt, war er doch innerlich überzeugt, daß sein Talent seiner Hingebung für die Kunst nicht gleich kam. Dieses Mißverhältnis bedrückte ihn häufig und ließ ihn dann noch schweigsamer als sonst in sich! versinken.
Staunton war seines Zeichens ein tüchtiger Landschafter, im übrigen ein liebenswürdiger junger Engländer von sehr einnehmendem Aeußeren, der weitverzweigte aristokratische Verbindungen besaß und mit den Sitten und Gebräuchen der großen Welt vollständig vertraut war.
Er hatte seinen glatten, geebneten Lebenspsad stets in der allerbesten Gesellschaft zurückgelegt. Nebenwege waren niemals nach feinem Geschmack. Sein ganzes Wesen atmete Milde und Selbstbeherrschung. Die Weichheit seines Organs blieb sich stets gleich und ward nie durch Zorn oder Erregung gestört. Wie sich die Freundschaft zwischen Staunton und Humor gebildet hatte, war eigentlich beiden ein Rätsel. Im großen und ganzen fühlten sie sich behaglich miteinander — und darin liegt vielleicht das Geheimnis der meisten Freundschaftsverhältnisse toter Männern. In ihrer Kunst gaben sie sich ohne Vorbehalt, ließen alles geschraubte Wesen, alle Uebertreibung beiseite, um einfach und wahr zu einander zu halten. Jeder fühlte innere Hochachtung vor dem Talent des andern und war stolz ,aus die Erfolge des Freundes.
■ (Fortsetzung folgt.)
Neues über moderne Wohnungs-Kunst.
Es ist eine hoch erfreuliche Tatsache, daß nun auch in Deutschland das Interesse für moderne Wohnungs- Kunst in letzter Zeit außerordentlich gestiegen ist. Nächst der maßgebenden Presse, welcher wohl ein Hauptverdienst an diesem Aufschwünge zugesprochen werden darf, ist dies vorzugsweise der modernen Kunstliterptur zu danken, welche jenes Gebiet mit besonderer Liebe und Opserfreudig- keit pflegt. An erster Stelle waren es wohl die von Alex. Koch in Darmstadt begründeten Zeitschriften, welche in dieser Hinsicht bahnbrechend und begeisternd gewirft haben. Es gehört jetzt schon geradezu zum „guten Ton", nicht nur Familien- und Witzblätter aus dem Familientisch aufzulegen, sondern eine gute Kunstzeitschrift fehlt immer seltener, und bald wird sie, wie in England, auch bei uns in keinem Hause mehr vermißt werden, das wirklich für „gebildet" gelten möchte. Es ist darum wohl angebracht, dieser modernen Kunstliteratur von Zeit zu Zeit Aufmerksamkeit zuzuwenden, namentlich der an führender Stelle stehenden „Deutsche Kunst und Dekoration". Diese von Alex. Koch im Jahre 1897 begründete, vielgenannte „Darmstädter Kunst-Zeitschrift" eröffnet ihren 7. Jahrgang soeben mit einem Oktober-Hefte, das ein in jeder Beziehung klares und überzeugendes Bild von der einzig dastehenden Bedeutung, Vielseitigkeit und Reichhaltigkeit dieses führenden Organes der modernen kunstgewerblichen Bewegung entwirft. Es dürfte kaum ein Gebiet der bildenden oder angewandten Künste geben, das hier nicht mit hervorragenden Schöpfungen namhafter Künstler des In- und Auslandes vertreten wäre: Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungsausgestaltung,. Möbel-Bau, Medaillen, Plaketten, Schmucksachen und andere Metallarbeiten, Buchgewerbe, Stlckerei, Fächer, Lederarbeiten und Kunstverglasungen, Be- Wage, Fensterarrangements, kurz, so ziemlich altes, was Kunjtlergerst und Phantasie nur zu gestalten vermögen, ist hrer M finden. In der Tat, eine seltene Gelegenheit, sich mnen Ueberblick über die enorme Entwicklung zu ver- schasfen, welche auf allen diesen Gebieten in-neuerer Zeit
2ur E Deutschland eingesetzt hat. — Zwar ist die -„Deutsche Kunst und- Dekoration" längst m ihrem Wirkungs- hererche nicht mehr auf Deutschland und die anderen deutsch sprechenden Ländern beschränkt: in allen Kulturländern hat fte den Samen neuer, moderner Kunstweise gestreikt und ,rch eine hochangesehene Stellung erworben. Aber Deutsche Kunst steht in ihrem Programm an der ersten Stelle. Und welch glänzende Schöpfungen sind es, die sie uns diesmal wieder in einem künstlerisch abgestuften, typographisch mit feinstem Geschmack arrangierten Ensemble darbietet! Gleich an erster Stelle, als Doppelbeilage gedruckt, finden
wir eine Reproduktion des monumentalen Tafelgemäldes, welches Melchior Lechter in dem von ihm geschaffenen Saale der Pallenberg-Stiftung im Kunstgewerbemuseum zu Köln als krönenden Abschluß dieser überaus prunkvollen Anlage ausgeführt hat. Dann folgen sehr eigenartige Gemälde des Amerikaners Arthur Johnson, eine höchst- pikante Künstler-Photographie „Hortensia", welche gleichfalls einen amerikanischen Künstler, nämlich Frank Eugöne, zum Urheber hat. Daran reihen sich Werke der in Deutschland noch kaum dem Namen nach bekannten finnischen Künstler: Gemälde von Rissanett, Architektur und Jnnen-Räume von S a a r i n e tt, die uns durch ihre volkstümliche Eigenart einen ganz überraschenden Einblick in die geniale Veranlagung der Finnländer tun läßt. — Rudolf B o sse lt-T arm st a d t, der bekantrte, ausgezeichnete Medailleur, gibt uns in einem Aufsätze: „Zur Wiederbelebung der Medaille nkun st in Deutschland" höchst beherzigenswerte Anregungen, die durch eine ebenso reiche als schöne Kollektion der besten modernen deutschen Medaillen und Plaketten erläutert werden, wobei die Bosselts selbst wohl an erster Stelle stehen (Hessische Verdienst-Medaille, Liebig-Medaille, Plakette auf Goethes Mutter «. rc.). Und noch ein anderer der „Sieben", welche einst die vom Großherzog in Darmstadt begründete „Künstlerkolonie" bildeten, ist mit ausgereiften Werken vertreten: Patriz Huber, der vor Jahresfrist als Opfer einer Künstlertragödie sein hoffnungsvolles, junges Leben dahingab. Aus seinem Nachlasse gesammelt sehen wir hier Schntuck-, Silber- und Lederarbeiten. — Außerordentlich interessant, insbesondere für Aerzte, sind sodann die von den Münchener Künstlern W. von Beckerath und K. Bertsch eingerichteten Sanatorien zu Badenweiler, welche hier zum erstenmale in einer umfangreichen Kollektion prächtiger Abbildungen vorgeführt werden. Zweckmäßigkeit, Einfachheit und gesunde!Lebensfreude spricht aus den feinen Formen dieser Räume, welche für die Ausgestaltung unserer Sanatorien von bahnbrechender Bedeutung werden dürften. — Besonders glänzend ist aber auch das Buchgewerbe mtb dietypographische Kunst vertreten und zwar durch die Steglitzer Werkstatt, welche Buchschmuck aller Art, Reklamebilder, Besuchs- und Einladungskarten, Geburtsanzeigen rc. von köstlicher Frische in großer Zahl für dieses Elite-Heft nicht nur gezeichnet, sondern auch selbst in künstlerischer Weise mit mehreren Farben gedruckt hat. Dazu kommen weiter sieben mehrfarbige Beilagen: Plakate und Märchen-Bilderbogen, sodaß das Heft also im ganzen nicht weniger als acht Blatt mehrfarbiger Beilagen enthält. Dieser Umstand dürfte am besten geeignet sein, von der Reichhaltigkeit des Inhalts und der Gediegetiheit der Ausstattung einen Begriff zu geben. Sehr viel Gutes hat der Herausgeber der Darmstädter „Deutschen Kunst und Dekoration" bekanntlich durch die von ihm organisierten redaktionellen Preisausschreiben gewirkt, die dazu bestimmt sind, jungen Talenten Gelegenheit zu geben, sich bekannt zu machen, und mit der Praxrs in lohnende Verbindung zu treten. Auch das vorliegende Heft enthält wieder Ergebnisse solcher Wettbewerbe und zwar Beschläge für Möbel, Türen und Fenster, sowie Fenster-Lösungen mit Erkersitzen, die namentlich der kunstliebenden Hausfrau sehr willkommen sein dürften, zumal sie sich durch erfreuliche Einfachheit auszeichnen.
Aus der großen Fülle der Einzelabbildungen seien dann nur noch die folgeitb-en kurz genannt, um einen Begriff von der wohl einzig dastehenden Vielseitigkeit der Kochschen Zeitschrift zu geben: Stickereien nach Entwürfen von Prof. O. Gußmann-Tresden, ausgeführt von Fräulein Angermantr-Dresden, darunter entzückende Tisch-Gedecke, Kissen, Deckchen usw., sodann prächtige Fächer von Frau M. E r l e r - Berlin, das von den Professoren H. van d e V e l d e - Weimar und Peter Behrens- Düsseldorf gemeinschaftlich eingerichtete -Arbeitszimmer des Herausgebers Alexander Koch-Darmstadt, der vielumstrittene, geniale Entwurf vom Kaiserin Elisabeth-Tenk- m a l von Prof. Fr. M e tz n e r - Wien, Kunstverglasungen von CH. Gu er in -Paris, kraftvoll gezeichnete Skizzen zu einfachen Landhäusern von Mb. Müller-Magdeburg :c. Last not least müssen wir aber auch noch des prachtvollen preisgekrönten Umschlages -gedenken, welchen I. V. Gis- s a r z, das neue Mitglied der Darmstädter Künstlerkolonie, für die „Deutsche Kunst und Dekoration" geschaffen hat.


