Mittwoch den 18. Februar.
Rr. 26
1903
MU
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WWV
VMM
(Nachdruck verboten.)
Ein Einbrecher aus Passion.
Bon E. W. Hornung.
Autorisierte ttebersetzung aus beut Englischen von F. Mangold.
(Fortsetzung.)
0, seine Schlauheit, seine satanische Schlauheit! Hätte er Drohungen, Zwang und Hohn angewandt, wäre vielleicht alles anders gekommen, aber er stellte es mir anheim, ihn im Stiche zu lassen. Selbst zur Verschwiegenheit suchte er mich nicht zu verpflichten: er traute mir einfach. Meine schwachen, wie meine starken Seiten kannte er ganz genau und wußte sich ihrer mit Meisterhand zu bedienen.
„Nicht so hitzig", sagte ich. „Habe ich Sie aus diesen Gedanken gebracht', oder würden Sie es auf jeden Fall getan haben?"
„Nicht auf jcbeit Fall", antwortete Raffles. „Den Schlüssel habe ich allerdings seit einigen Tagen, allein als ich heute abend gewann, gedachte ich die Sache aufzugeben, denn, um die Wahrheit zu sagen, es ist ein Unternehmen, zu dessen Ausführung mehr als einer gehört."
„Tas entscheidet die Frage — ich bin der Ihre."
„Im Ernst?"
„Ja — für diese Nacht."
„Guter alter Bunny", murmelte er, mir die Laterne einen Augenblick vors Gesicht haltend. Darauf setzte er mir seinen Plan auseinander, und ich nickte, als ob wir unser ganzes Leben lang Einbrüche miteinander begangen hätten.
„Ich kenne den Laden, denn ich habe ein paar Sachen dort gekauft", flüsterte er, „und ich kenne auch den oberen Teil des Hauses. Er ist seit einem Monat zu vermieten, und ich habe mir eine Anweisung zur Besichtigung der Wohnung verschafft und einen Abdruck des Schlüssels genommen, ehe ich davon Gebrauch machte. Tas einzige, was ich noch nicht weiß, ist, wie man von oben in den Laden gelangt; gegenwärtig besteht keine Verbindung. Vielleicht könnten wir sie von hier aus herstellen, aber ich würde dem Kellergeschoß den Vorzug geben. Wenn Sie einen Augenblick warten wollen, kann ich mich bestimmt aussprechen."
Bei diesen Worten stellte er die Laterne auf den Fußboden und schlich an eins der Hinterfenster, das er fast geräuschlos öffnete, aber nur um kopfschüttelnd zurückzukehren, nachdem er es mit derselben Vorsicht geschlossen hatte.
„Tas war unsere einzige Möglichkeit", sagte er. „Hinterfenster über Hinterfenster, aber es ist so dunkel, daß man nichts sehen kann, und draußen Acht zu zeigen, dürfen wir nicht wagen. Folgen Sie mir nach dem Kellergeschoß und vergessen Sie nicht, daß wir so wenig Ge
räusch als möglich machen dürfen, obgleich keine Menschenseele im Hause ist. Ta — da — hören Sie wohl?"
Es war derselbe taktmäßige Schritt, den wir vorhin auf den Platten des Bürgersteigs vernommen hatten. Raffles verdunkelte seine Laterne, und wieder blieben wir regungslos stehen, bis der Schritt vorbei war.
„Entweder ein Schutzmann", murmelte er, „oder ein Privatwächter, den sich diese Juweliere zusammen halten. Ter Wächter ist der Mann, den wir beobachten müssen, denn er wird dafür bezahlt, solche Unternehmungen zu verhindern."
Leise schlichen wir die Treppe hinab, die trotz aller Vorsicht etwas knarrte. Nachdem wir im Flur unsere Schuhe aufgenommen hatten, stiegen wir einige schmale Stufen hinunter, an deren Fuß Raffles seine Laterne öffnete, seine Schuhe wieder anzog und mich aufforderte, dasselbe zu tun, wobei er lauter sprach) als er es sich oben gestattet hatte. Wir waren jetzt ziemlich tief unter dem Niveau der Straße in einem kleinen Raume, der ebenso viele Türen als Wände hatte. Tret von diesen klafften, und wir sahen durch sie in leere Keller, allein die vierte war verschlossen und verriegelt. Durch diese gelangten wir sehr bald auf den Boden eines tiefen viereckigen mit Netzet gefüllten Schachtes.
Eine ähnliche Tür lag in der entgegengesetzten Wand des kleinen Höfchens vor uns. Raffles hielt die Laterne, sie mit seinem Körper beschattend, dicht daran, und dann brachte ein kurzes plötzliches Krachen meinen Herzschlag znm Stocken. Im nächsten Augenblick stand die Tür weit offen, und Raffles winkte mir mit einem Brecheisen.
„Tür Nr. 1", flüsterte er. „Ter Teufel weiß, wie viele es noch sein mögen, aber mindestens zwei sind mir bekannt. Viel Lärm wird's dabei auch nicht geben, und hier unten hat das weniger zu bedeuten."
Jetzt standen wir am Fuße einer schmalen Steintreppe, dem genauen Gegenstück derjenigen, welche wir eben herab- gekommen waren. Tas Höfchen oder der Schacht bildete das Bindeglied zwischen den Wohn- und den Geschäftsräumen, allein diese Treppe führte nicht in einen offenen Gang, sondern wir sahen uns auf der obersten Stufe einer sehr starken Mahagonitür gegenüber.
„Das dachte ich mir", murmelte Raffles, mir die Laterne reichend und einen Ring mit Dietrichen in die Tasche steckend, nachdem er sie eine Weile am Schlosse versucht hatte. „Hier durchzukommen, wird uns eine Stunde Arbeit kosten."
Es kostete uns siebenundvierzig Minuten nach seiner Uhr, oder vielmehr, es kostete Raffles so viel, und nie im Leben habe ich etivas mit mehr Ueberlegung tun sehen. Meine Teilnahme beschränkte sich darauf, mit der Blendlaterne in der einen und einem kleinen Fläschchen mit Petroleum in der anderen Hand dabeizustehen. Raffles hatte ein gesticktes Etui hervorgezogen, das dem Anschein nach für seine Rasiermesser bestimmt, in Wahrheit aber


