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j/s:te sind es, gnädiges Fräulein? Haben Sie noch einen Platz^ für mich frei? Ter Weg herauf ist doch ziemlich
.. Ere ruckte ein wenig beiseite, was nicht nötig gewesen Ware,, bückte sich über ein paar Blumen, die sie im Gehen gepflückt hatte, und antwortete freundlich: „Platz genug, da rzraulein Häseler wieder einmal im Grünen lagert."
, Er warf nur einen flüchtigen Blick auf die Stelle zu fernen Füßen, wo die Genannte, vom Gestrüpp des Wegrandes überdacht, undeutlich sichtbar wurde; sie hatte des Sangers Kommen offenbar nicht gehört. Dann setzte er sich nieder uird starrte schweigend vor sich hin. Edith beobachtete ihn von der Seite; so hatte sie ihn noch niemals gesehen, — was konnte ihm fehlen? Jedenfalls war es gut, ihn ein wenig anfzuheitern; es raubte ihr ohnedies den Atenr, so stumm an der Seite des fremden Mannes zu sitzen.
Darum begann sie, ein unterdrücktes Lachen in der Stimme, wieder zu sprechen. „Als ich einen Schritt hörte, zerbrach ich mir den Kopf, wer wohl kommen möchte. Wissen Sre, was ich gedacht habe?"
. "Nun?" Er fragte offenbar nur aus Höflichkeit; seine Gedanken schienen weit fort zu sein.
„Ich dachte, es wäre mein Lebensretter."
„Ihr Lebensretter?" Auch jetzt war keine innere Anteilnahme in seinen Worten.
„Jawohl, ich habe hier einen Lebensretter. Einen Eingeborenen aus Bezzuglio dort oder höher hinauf aus Su- piane.. Voriges Jahr habe ich seine Bekanntschaft ge,nacht ans emer meiner halsbrecherischen Exkursionen, durch die ich meine gnre Mutter so oft in Aiigst versetze. Ich habe riamlich die Leidenschaft, immer neue Wege anszukund- fchaflen, und je ungangbarer sie sind, — wissen Sie, wenn es auch nur ein ganz schmaler Ziegenpfad' ist, auf dem man eben noch über dem Abgrunde schwebt, das gefällt nur erst recht. Und da war ich beim eines Tages auf solch einem Wege, der eigentlich kein Weg mehr war, hier in die Schlu cht hinab geklettert —"
s x d)e Schacht?" Jetzt hatte sich seine Rede doch belebt; Mißbilligung und Sorge um das gefährliche Unternehmen sprachen daraus. Auch seine Augen redeten Mit, die sich von der Ferne gelöst und auf Ediths Gesicht gerichtet hatten.
„Es ist nicht so schlimin", sagte sie und lachte. „Bon hier oben fleht es eigentlich nach gar nichts aus. Aber "?/en kann es doch etwas ungemütlich werden. Ich stieg also Hummer, tiefer und tiefer, imb war gar nicht mehr weit vom Grunde der Schlucht, schon ganz nahe über dem Wasser, ha saß ich plötzlich fest. Der Weg hörte ans, uird uiiter mir war eine Felswand, vielleicht doppelt so hoch wie ein Mensch; ich sah kein Mittel, hinunter zu kommen. Ten Weg zurück zu machen imb wieder in bie Höhe zu steigen dazu hatte ich keine Lust, und weil ich nichts besseres zu tun wußte, so blieb ich einstweilen stehen und sah betrübt rn das Wasser unter mir. Ich muß wohl ein recht dummes Gesicht gemacht haben; denn plötzlich hörte ich jemandeu lachen, immerfort, ohne Aufhören, Und wie ich nach der Richtung lflnsah, da stand der junge Bauer, von dem ich gesagt habe, mir gegenüber am anderen Ufer, schaute mich ??,.upd lachte und lachte. Zum Glück spreche ich etwas italienisch, und als ich ihm meine Not klagte, — was eigentlich nicht nötig gewesen wäre, denn die Situation redete deutlich genug — da war er gleich voll Eifer, mir zu helfen. Er hatte eine von den Oltvenleitern bei sich die Sie vielleicht schon gesehen haben —, ein einziger langer Stamm mit Sprossen an beiden Seiten in recht unbequemen Zwischenräumen, — mit der sprang er gleich ins Wasser hinein und kam zu mir herüber. Das heißt, bis an den Felsen, auf dem ich stand, und dann mußte ich die Leiter hinunter balanzieren, und dann — dann hat er mich über das Wasser hinüber getragen."
Sie hatte erwartet, daß Rauchmann lachen würde, doch blieb er ernst wie zuvor und fragte langsam: „Und was hat ^hre Frau Mutter gesagt, daß Sie Ihr Leben so in Gefahr gebracht hatten?"
. „Gescholten hat sie und auch ein wenig geweint. Aber nein, so gefährlich war es wirklich nicht. Wenn's schlimm wird dann kehre ich doch von selber um; ich lebe nämlich furchtbar gern. So gern, — wissen Sie, wenn ich gesund bliebe, dann möchte ich hundert Jahre alt werden und ledes Jahr wieder hierher kommen. Ach, hier zu leben —"
Sre verstummte jäh; ihr eben noch heiteres Gesicht
war tote von einem Wolkenschatten überflogen. Auch sie Ip^och letzt langsam und ernsthaft, als sie fortfuhr: „Der Menflh rst doch eigentlich ein grausam selbstsüchtiges Ge- jchöpf. Da freut man sich seines Daseins und genießt all' die Schönheit, als könnte es gar nicht anders sein, und vergißt dabei die armen Wesen, die hier sterben müssen. Es kommen ja so viele nur dazu hierher. Man sagt freilich, es stürbe sich leichter hier in der südlichen Luit, ich aber finde es furchtbar schwer, gerade aus dieser schönen Welt fortzugehen."
Rauchmann antwortete nicht, aber Edith hörte ihn atmen, mühsam und laut. Und dann brach es aus einmal aus seiner Brust hervor, stockend, gebrochen, scheinbar wider leinen Willen: „Auch, ich bin krank!"
„Um Gottes Willen!"
„Jawohl, ich. bin krank. Aber ich sage es nur zu Ihnen: Lte müssen mir versprechen, mit niemand darüber zu reden, auch mit Ihrer Frau Mutter nicht."
„Gewiß, gewiß!"
„Ms Sie mich damals aiif der Fahrt fragten, ob ich leidend sei, da habe ich es nicht zugegeben. Ich hielt die Sache nur fiir einen Katarrh, von dem nichts bekannt zu werden brauchte. Ein Sänger ist ja ruiniert, wenn so etwas über ihn in die Zeitungen kommt. Und darum, — aber heute bin ich hier zum Arzt gegangen und habe mich noch einmal untersuchen lassen —"
„Und was hat er gesagt?"
„Er nimmt die Geschichte gar nicht so leicht. Er hat mir alle möglichen Vorschriften gemacht. Ich "soll lange hier bleiben, soll viel im Freien fein, soll langsam steigen, mich vor Erkältung hüten und so weiter und so weiter!"
Sie wollte noch eine Frage tun, aber es war seltsam, sie vermochte keinen Ton hervorzubringen. Ein paarmal öffnete sie vergeblich die Lippen, und als sie endlich sprach, fehlte ihren Worten die gewohnte Klarheit und Sicherheit. „Hat er gesagt, ob es gefährlich ist?"
„Fürs Leben — nein, ich glaube nicht. Aber für die Stimme vielleicht, für meine Stimme! Und wenn ich nicht mehr singen kann, dann mag ich auch nicht mehr leben!"
Edith schloß die Augen. Sie hatte ein Bedürfnis nach Dunkelheit, nach Alleinsein, um mit den Gedanken und Gefühlen fertig zu werden, die gewaltsam in ihr wogten. In dieser künstlichen Abgeschlossenheit von der farbigen Welt aber kam ihr bald bie Ruhe der Seele zurück; sein Schmerzensruf tönte noch in ihr nach, aber bie Klarheit des Denkens ging nicht unter in bem mächtigen Gefühl, bas sie für Mitleib hielt. Sie lächelte sogar, als sie bie Augen wieder öffnete.
„Nein, lassen Sie sich nicht bange machen", sagte sie. „Die Aerzte tun bas gar zu gern, aus Geschäftsrücksickten vielleicht. Ich kenn bie hiesigen nicht — Gott sei Dank! — aber es liegt zu nahe, baß sie einen vermögenbeit unb berühmten Mairn möglichst lang unter ihren Patienten behalten. Es klingt ja so schön, wenn man sagen kann: „Der unb bei* — Sie kennen boch ben ausgezeichneten Säuger? — hat sich hier auch seine Gesnnbheit wieder geholt. Ohne mich wäre er jetzt ruiniert!" Nein, nein, Sie dürfen sich wirklich nicht bange machen lassen!"
Rauchmann sah sie an; voll unb fest waren ihre Blicke jetzt ans ihn gerichtet, bie Augenlider bewegten sich nicht, und mit ben klaren Blicken drang ein Heller Strahl ans ihrer Seele zu ihm. Unwillkürlich itickte er ihr zu, langsam unb freundlich. „Sie verstehen prachtvoll zu trösten!" sagte er leise.
„Bald werben Sie einsehen, baß gar kein Trost nötig ist! Aber selbst im äußersten Fall — ich glaube nicht daran, ganz gewiß nicht! — wenn Ihre Stimme in Gefahr sein sollte, toenn Sie vielleicht einmal nicht mehr singen können tote jetzt, — ich finde doch unrecht, was Sie da vorher gesagt haben. Nicht mehr leben wollen, weil man nicht mehr singen kann? Nein, Ihre, Stimme ist ein köstliches Geschenk des Himmels, köstlich, unschätzbar, — aber das Leben ist doch noch ein größeres. Wenn ich einmal mein Augenlicht verlöre, oder mein Gehör — ich habe schon öfter darüber nachgedacht — weiter leben möchte ich darum doch! Es bliebe mir noch immer so unendlich viel: der Anblick oder die Stimme geliebter Menschen, der Soitnen- schein oder der Vogelgesang, der Gruß eines Auges oder der Druck einer Hand, — nein, nein, nicht sterben! Das Leben ist ja zu wunderschön!"
Er trank die Worte von ihren Lippen. Die Energie,


