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Hiermit hätte» wir eigetttlich schott eilten Teil der aus- aegebene» Parole verraten, denn Sackformen in allen Varia- ttvnen sind die Mode des Tages. Kurze, lange, halblange, wette und mittelweite, offene und geschlossene, einfache tailor-Made und reich garnierte, alle diese sind modern '> und bieten eine reiche Auswahl. Ganz auffallend ist jedoch die Einheitlichkeit der Halsausschnitte, denn alle, fast ohne Ausnahme, sind ohne Kragen, nur hinten hoch an den Hals reichend und vorn abgerundet geschnitten. Diese in der Schneidersprache „Stehbrustform", in der Konfektionssprache „Geishaform" genannte Fa?on ist außerordentlich kleidsam und findet sich, wie gesagt, überall, besonders an den Sackpaletots. Wird der Paletot nur geschlossen getragen, so verläuft der Halsausschnitt abgerundet in die vordere Kante; wird er dagegen offen getragen, so geht er in ein Revers über, wie es an unserem Modell Nr. 838 zu ersehen ist. Diese Revers rolle» stets nur lose nach außen und sind nie in einen festen Bruch gebügelt; denn derartige Paletots «-erden fast ausnahmslos auch zum Geschlossentragen ein- . »erichtet und wird dann der Schluß durch am Rande angebrachte, unsichtbare Schnurösen bewerkstelligt. Die Jnueu- Z *lte dieser Revers dient dem reichen Schmuck, welcher jetzt so allgemein beliebt ist, und werden sie mit türkischen Mrd en, hellen Seide», Brokat, Spitzenstoss, Sammtband »na anderen eleganten Zusammenstellungen besetzt. Die Außenseite dagegen zeigt fast ausnahmslos schlichte Stepp- reihen, welche oft einen Besatz von Tuch oder Tafftseide fest-
halten; denn die Geishaform macht die dichte Stepperei gewissermaßen zur Bedingung, da nur durch die Stepplinieu, verbunden mit gutem Bügeln, die ihnen eigene gefällige Form vollkommen erreicht werden kann. Dieser Besatz bietet gleichfalls willkommene Gelegenheit zu allerhand Ver- zierungen; denn man gibt ihm die verschiedensten Formen, tvelche sich dann als gleiche Stepperei mit unteren Rande, am Rande des wetten, offenen Aermels und öfters auch aus den Nähten wiederholen. Eine weitere, sehr häufig wiederkehrende Ausstattung der Paletots bildet die kleine Schulterpelerine, welche einfach, aber auch zwei- und dreifach unter dem Besatz der Geishaform hervortritt. Dieselbe ist für normale und schlanke Figuren außerordentlich kleidsam, während starke vorsichtig bei der Wahl derselben sein müssen, da sie leicht noch stärker und hochschultriger erscheinen lasse». , , .
Sehr beliebt sind diese Schulterpelerinen auch bei den Blusenboleros (siehe Modell (839), welche eigentlich noch öfter mit als ohne Pelerine gesehen werden. Diese Blusen-, boleros werden nächst den Sackpaletots die beliebteste lieber-, kleidform sein, hauptsächlich in Zusammenstellung mit einem; Rock aus gleichem Stoff, womit sie in die Abteilung der Jackenkostünte rangieren. Sie bilden de» Ersatz für die so lange Zeit für unentbehrlich geltenden Bolerojäckchen, die sich aber jetzt ganz überlebt haben dürften. Auch bei den Blusenboleros spielt die Geisyaform eine große Rolle, tote schon aus unserem Modell zu ersehen ist. Dasselbe zeigt
Modell Mo. 834.
Modell No. 838.
Mode« No. 839.
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im übrigen offen und geschlossen zu tragende Revers, deren Innenseite mit weißer Seide und türkischer Borde gar-«
Wichtig bei diesen Btusenbolevos ist der rund geschnittene Gürtel mit seiner stark nach vorn ausgeschweiften Form; denn derselbe gibt erst der Figur den richtigen, modernen Chick.
Ein starker Rivale entsteht den Blusenboteros in den modernen kurzen Faltenjäckcheu (siehe Modell 834), welche eine durchaus neue Erscheinung auf dem Gebiete der Mode sind. Für den erste» Augenblick ist man leicht geneigt, dieselben unschön zu finden. Bei näherer Betrachtung kann man ihnen jedoch gewisse Vorzüge nicht absprechen. Bor allem sind sie außerordentlich bequem, und da sie ganz frei und ohne Zwang falle», kommen sie nicht leicht aus ihrer Form. Auch ist man überrascht, wie nett und kleidsam sie an der Figur selbst aussehen. Mau arbeitet sie vorzugsweise mit einer Passe, welche ihre Herstellung im Schnitt sowohl als in der Bearbeitung wesentlich erleichtert und überdies eine hübsche Grundlage für die Garnituren akgibt. Auch hierfür ist die Getshaform als die allein gütige Halsausschnittform fast durchweg angenommen. Im übrigen bringt man durch verschiedene Anorduungen der Falten und verschiedene Garnituren des Kollers (Steppereien, Bortenbesatz re.) auch in diche Faltenboleros mannigfache Abwechslung. Das Herstellungsmaterial dieser Jäckchen besteht entweder aus schwarzer Taffetseide und
schwarzem Tuch ober aus Wollstoff, und zwar je nachdem sie als Einzeljäckcheii oder Kostümjackcheil getragen werden. W ist ivohl kaum nötig, zu erlvähnen, daß auch die Sackpoletots sehr gern für Jackenkostüme verwendet werden. So verschiedenartig nach all diesen Ausführungen die schnitte formen der diesjährigen Frühjahrsüberkleider sind, so überraschend einheitlich ist das Herstellungsinaterial, denn wohin man blickt, sieht man alles grau in grau, oder genau ge-. nommen grau mit schwarz garniert. Hoffentlich bringt die fortschreitende Saison noch einigen Wandel in dieses graue Einerlei. ■
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Redaktion: ®4trt Mato. - BvtatiouÄmiS imtz Vak« der Brübl'iLm llinvnW-Snt« «Hf Ste'nüniSern lMrtsch Erben) m Gießen.


