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int Anschluß daran das um einen Gang gegen gewöhnlich verstärkte Festmahl aufznsnchen. Es war zudem höchste Zeit, beim es fing leise, leise an zu regnen, und es kostete einen gelinden Tauerlauf, um deu frischerworbcnen Strohhut in Sicherheit zu bringen. Tas war noch niemals nötig ge­wesen und brachte mich fast um alle Feststimmuug. Allein vor allem hieß es, Gleichmut bewahren, und so setzte ich mir den neuen Strohhut so, wie's Mode ist, etwas vorn iu die Stirn und betrat siegesgewiß die Gaststube.

Eiu brüllendes Halloh empfing mich. Es hatte draußen unterdessen angefangen zu schütten, was vom Himmel her­unter wollte, und der dicke Müller, der mir etluaS an- zuhüugen hatte, rief:Hurra, da haben wir ja den mit seinem Strohhut, der das Wetter verdirbt!" Ehe ich mich von meiner Entrüstung einigermaßen erholt hatte und ehe ich Gelegenheit fand, auseinanderzusetzen, aus welchem An­laß ich einen Strohhut trage, war bereits eiu Biergericht zusammeugetreten und ich war zu einer RuudeEchtes" verurteilt, weil ich, wie es in der Urteilsbegründung hieß, durch unmotiviertes Tragen eines Strohhutes und Skal­pierung des Schädels das Wetter verdorben habe". Un­motiviertes? Wie das? Wie, am Tage meiner Früh­jahrsanfangsfeier? Das tvar mir noch nie passiert, und zudem fing die Sache an, teuer zu werden.

Tas mußte aber ertragen werden. Bisher gehörten der Frühschoppen und das Mittagsmahl stets zn Haupt- uummern meines Festprogrammes, und das sollte und mußte so bleiben. Also machte ich gute Miene zum bösen Spiel, und bald war's wie früher gemütlich. Allerdings konnte ich nicht umhin festzustellen, daß zur Gemütlichkeit wesentlich der Umstand beitrug, daß das Gastzimmer so wunderschön geheizt war. Diese Erkenntnis stimmte mich vorübergehend traurig, beim sie stand gar nicht im Pro­gramm; aber auch darüber setzte ich mich mit Hülfe eines größeren Frühschoppens hinweg, zumal ich jetzt gar nicht mehr fror, was ja an sich auch nicht ins Programm gehörte.

Tas Mittagsmahl war eingenommen, eine gute, extra­gute Zigarre znm Kaffee war geraucht, und nun konnte es zum Nachmittagsteil des Festprogramms gehen.

Es ist eigentümlich und auch ein Zeichen für meine außerordentliche Veranlagung zur Regelmäßigkeit, daß jedesmal im Frühling bei mir die Liebe angeflogen kommt. Merkwürdig ist auch, daß ich jedesmal glaube, versichere und verschwöre, daß ich nunmehr dieEinzige" gefunden habe. Allerdings bin ich mit demVerschwören" jetzt etwas vorsichtiger geworden, denn regelmäßig habe ich mich getäuscht.Im wunderschönen Monat Mai, als" re.! Damit tröste ich mich immer und habe auch das mit in das Fest­programm aufgenommen. Es wird so zur Ansführuug ge­bracht, daß mittags ein Ausflug, am besten auf den Schiffenberg, arrangiert wird. Regelmäßig war dann am Weiher unterhalb der Burg die erste Explosion, die eigent­liche Liebeserklärung erfolgt, beim Kaffee bei Lynker ist dann Gelegenheit, sich in der Stärke der Bewältigung seiner Gefühle in Gegenwart der Mama zu üben und dann der Heimweg durch den schweigenden Wald! Und wie erst, wenn heimgekehrt in aas Getriebe der Stadt dis Lippen sich finden in den verschwiegenen Gängen der Anlagen zum letzten und allerletzten Abschiedskuß!

Es ist regelmäßig sehr schön und sehr poetisch gewesen.

Diesmal, meine ich, müßte ich die einzig Richtige ge­funden haben und es wird wohl das letztemal sein, daß ich mein Frühjahranfangfest als Junggeselle feiere. Das habe ich zwar seither noch jedesmal geglaubt und schließlich war es regelmäßig offenbar doch nicht die Richtige ge­wesen,, diesmal aber ist es mir bitter ernst damit.

Sie heißt Mariechen und ist wirklich hübsch, ja schön, ehr schön sogar. Ihre Mutter geht mit und eine Freundin, >ie Gretchen, damit für die Mutter jemand da ist. Papa i iarf's vorderhand noch nicht wissen und das hat ja schließ­lich auch sein angenehmes. Ganz wie in früheren Jahren war Rendezvous auf dem Ludwigsplatz und es sollte also wirklich auf den Schiffenberg gehen. Wie ich mich freute, auf deu Weiher, deu Kaffee mit seiner Gelegenheit zu ver- stohleueu Händedrücken, den Heimweg durch den schweigen­den Walv und Küß in den Anlagen. Auch Mariechen freute sich auf den Nachmittag. Tas hatte sie mir neulich gesagt, allerdings kannte sie ja das Programm nicht, sonst hätte sie sich wohl noch mehr gefreut.

Tie Sonne schien so hell, id> fror nicht mehr und mir war so leicht zu Mut und doch wieder so schwer, als ob

heute wirklich ein Wendepunkt in meinem Leben ein treten sollte.

Wir trafen nns bereits in der Schulstraße. Mariechen trug ihr blaues Kleid und sah entzückend ans. Tas sagten ihr auch meine Augen und auch sie sah mich an, sah mich, wieder au und sagte:Ach Gott, Sie haben ja heute, einen neuen Strohhut auf!" Tas stand nicht im Programm und ich war sehr enttäuscht, zumal Mama die Idee mit dem Strohhut sofort aufschnappte und mir des längeren auseinandersetzte, Mariechen habe doch das blaue Kleid an und das vertrage doch keinen Regen und ich habe doch einen neuen Strohhut auf, da sei es doch vielleicht besser, wir gingen nicht nach dem Schiffenberg, sondern mehr nach Annerod zu, man könne auf diesem Weg doch leichter unter­stehen. Tas durfte nicht geschehen, das bedeutete ja eine völlige llmiuerfung meines altbewährten Programms. Und so stritt ich denn mit heißem Bemühen und in glühenden Farben für die Vorzüge meines Schisfenbergs, allein um­sonst. Erst langsam, bann immer fester setzte er ein, der viel besprochene Regen und kreischenb und aufschreiend flüchte ten wir in eine schützende Torhalle und da standen wir, standen und sahen zu, !vie es regnete und wieder aufhören zu wollen schien und wieder regnete. Dazu zog es barbarisch und im Nacken spürte ich, daß der Rasierrat hintenganz kurz" seines Amtes gewaltet hatte. Mama wurde sehr ver­stimmt, und als es endlich anfhörte zu regnen, da war ich froh, als es mir endlich mit Aufbietung aller mir zu Gebote stehenden Liebenswürdigkeit gelang, Mama wenigstens einen Spaziergang in den PHUosvpheuwato ab­zupressen. So gingen wir denn los, Mariechen und ich voran, in entsprechender Entfernung Mama und Gretchen.

Zum Philosophenwald sind viele Wege und es wird Wohl schon manchem jungen Pärchen außer uns passiert fein, daß es natürlich unabsichtlich die Fühlung mit der übrigen Gesellschaft verloren hat. <So ging es uns. Auf einmal waren wir allein und weit und breit war niemand zu sehen und zu hören. Es war gerade so, wie sonst regelmäßig am Weiher unterhalb Kloster Schiffen­berg und auch im übrigen schien alles programmmäßig zu gehen. Wir sahen uns an, lange, lange... Ich nahm ihr Händchen und drückte es. Sie drückte wieder. . . Nun mußte die eigentliche Liebeserklärung kommen, da . . . was war das?Mariecheu! Kind! Wo steckst Tu denn? Eile Tich! Mariechen! Dein Kleid! Schnell, schnell!" Gellend und schreiend klang Mamas Stimme zu uns herüber, jam­mernd in den höchsten Tonlagen, zerstörend alle Illusion und Poesie aber rettend für das teure blaue Kleid, das kein Wasser vertragen konnte.

Mariechen hatte die Situation viel schneller als ich er­faßt, und als ich aus allen Himmeln gestürzt, mich zurückfand in die rauhe Wirklichkeit, da sah ich sie schon eilenden Schrittes, das blaue Kleid hochgeschürzt, der schützenden Halle entgegeneilen. Und sie erreichte sie, als es eben prasselnd niederging, in Strömen und abermals Strömen.

Mein schöner neuer Strohhut! Erst versuchte ich es, ihn im eilenden Lauf schützend unter dem Rock zu bergen, allein es klatschte mir so verdächtig auf den kahlgeschorenen Schädel und ich dachte an des Rasierrates Mahnung vor Erkältungskrankheiten, daß ich vorzog, lieber ben Hut zu opfern, als meine kostbare Gesundheit zu gefährden. Und so erreichte ich denn das Haus, naß wie eine Katze, und ach, mein schöner Hut!

Es war arg voll im Philosophenwald, denn alles hatte sich in das Haus geflüchtet. Wir kamen ganz in eine Ecke zu sitzen, eingekeilt in eine stark agrarisch duftende Fa­milie, Mariechen und ich eng zusammen geschmiegt und beide eifrig meinen durchweichten Strohhut glättend, der unter der gemeinsamen Arbeit unserer Hände ganz abenteuerliche Formen annahm. Mir war nicht ganz wohl, ich fror zu­weilen und das Trehen des Kopfes machte mir Beschwerden' im Nacken. Tas war sonst noch nie bei den Frühjahr­anfangfesten so gewesen, ich wunderte mich heute aber über gar nichts mehr und trank selbst den gar nicht programm­mäßigen Glühwein, den mir Mama verordnet hatte, mit einigem Behagen, ja ich glaubte zu fühlen, daß es mir wesentlich Wohler wurde, und so folgte denn ein Glühwein rasch dem anderen. Es regnete draußen unermüdlich, aber trete em belebte sich die Stimmung immer mehr und e3i wäre beinahe so schön in früheren Jahren auf dem Schiffen­berg gewesen, wenn mich's nicht zeitweise so gefröstelt hatte, wenn niete der Nacken mich so schmerzen wollte. Mariechen