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sende von Menschenleben, die noch vor wenigen Jahrzehnten verloren gegangen wären, die Schrecken vieler Krankheiten sind vermindert, selbst die Durchschnittsjahre, welche früher ein an Schwindsucht erkrankter Mensch noch zu leben hatte, waren zwei, heute sind es über acht und viele werden ganz geheilt, die Kindersterblichkeit ist gleichfalls erheblich zurückgegangen. Was nu,n die alten Leute betrifft, so waren sie meist eher klein und dünn als groß und dick, nur wenige haben schwere Krankheiten in jungen Jahren durchgemacht, beinahe alle sind spärliche Esser, und ihre Nahrung besteht weniger aus Fleisch als aus Produkten lebender Tiere, wie Eier, Milch, Butter, Honig usw. und aus Vegetabilien. Die meisten machten viel Bewegung int Freien. Erwiesen ist auch) daß' die Enthaltung von alkoholischen Getränken das Leben verlängert. Dennoch giebt es auch Leute, die sehr alt werden, ohne sich um Diät und Hygiene zu kümmern. Der Engländer Thomas Parr, der ein Alter von 152 Jahren erreicht haben soll, war bis zu seinem Tode ein überaus starker Esser. Seine Mahlzeiten bestanden vorwiegend aus Käse, grobem Brot und saurer Milch. Madame de Staöl sagte: Die besten Mittel, um die äußerste Altersgrenze zu erreichen, sind: körperliche Bewegung, Geistesarbeit und „Liebe" — gibt es ein besseres Rezept, um jung zu bleiben?
* Rauchern wird es lieb sein, zu erfahren, daß nach den neuen Untersuchungen, die Dr. Frenkel der Wiener Akademie der Wissenschaften vorgelegt hat, das Aroma des Tabaks und dessen Wirkung auf beit Raucher nicht, wie gewöhnlich angenommen wird, dem Nikotin zuzuschreiben sind, sondern einem ganz anderen chemischen Körper. Die physiologische Wirkung des Tabaks stimmt nicht mit seinem Gehalt an Nikotin überein. Verschiedene Arten von Havana- Tabaken, die arm an Nikotin sind, üben auf den menschlichen Organismus eine stärkere Wirkung aus, als andere Arten, die viel Nikotin enthalten. Diese Tatsachen veranlaßten Dr. Frenkel zur genauen Nachforschung nach einem anderen Stoff, der als eigentliche Ursache der störenden Einflüsse des Tabaks zu vermuten. Er zog aus verschiedenen Tabaksorten Destillate, die eine ähnliche Schillerfarbe wie Petroleum zeigten und ein feines Täbaksaroma besaßen. Durch ihre Behandlung mit Pikrinsäure schied er aus ihnen ein gelbliches Salz aus, durch dessen weitere Prüfung der Nachweis geführt werden konnte, daß das Aroma und die Wirkung des Tabaks zum großen Teil durch ein Alkaloid von hoher Flüchtigkeit verursacht würden. Danach wäre der Tabak von dem eigentlich schädlichen Bestandteil leicht zu befreien, aber man muß befürchten, daß er dadurch auch zugleich seines Aromas beraubt wird.
Literarisches.
— T ie Wagnerkette, eine moderne Liebesnovelle von Ellen Walter, betitelt sich der neueste soeben erschienene Band von Seemanns kleiner Unterhaltungsbibliothek (Preis Mk. 1.—). Wie schon der Titel sagt, spielt Richard Wagner und die Wagnersche Musik eine wichtige Rolle in der temperamentvollen Erzählung der jungen Breslauer Dichterin. Sie schildert in packenden Farben ein durch die Gewalt der Musik in höhere Sphären gerücktes, überaus leidenschaftliches Liebesverhältnis zweier Menschen, die an dem Uebermaß ihrer Gefühle zu Grunde gehen, gleich ihren Vorbildern Tristan und Isolde im Wag- nerschen Musikdrama. Poetischer Schwung und zarte Stimmungsmalerei verbinden sich zu einer hinreißenden Darstellung, und das Lied von Liebe und Tod, wie es Ellen Walter in ihrer Wagnerkette singt, wird auf jedes empfängliche Gemüt eine nachhaltige Wirkung ausüben.
— Das September heft von Velhagen nnd Klasings Monatsheften, mit dem zugleich ein neuer Jahrgang — schon der 18. — beginnt, ist in Wort und Bild wieder so reichhaltig, daß wir diese vortreffliche Zeitschrift, auf die wir schon so oft hinwiesen, nur auf das wärmste empfehlen können. Wir alle betrachten es als eine der wichtigsten Aufgaben unserer Zeit, die Kunst ins deutsche Haus zu bringen. Wie aber könnte das wirksamer geschehen, als durch den Bezug dieser Zeitschrift, die in der Tat das Schönste, was die Kunst unserer Tage hervorbringt, in den besten Reproduktionen iviedergibt. Wie fesselnd wirkt gleich das Titelbild des Heftes,, das Pastell von Fritz August Kaulbach: „Die
Römerin"! Wie wundervoll wirken die Faksimiledrücke der Gemälde, die dem Aufsatz von Marcel Montandon über „Giovanni Segantini" beigegeben sind, während doch jeder Versuch, diesem Künstler mit Verzicht auf farbige Wiedergabe seiner Arbeiten gerecht zu werden, sich als völlig unzureichend erweisen muß. Ins Gebiet der Kunst gehören auch die Erinnerungen Eduard Grützners: „Von der Geburt bis zum Verkauf meines ersten Bildes" und die feine Novelle von Goswina von Berlepsch: „Episode". Eine ebenso launig gehaltene wie belehrende Plaudere/ von Hanns von Zabeltitz „Schweizer G a st st ä t t e n" hat W. Gause mit 25 allerliebsten Aquarallen nach dem Leben in den Schweizer Hotels geschmückt. Der andere Herausgeber der Zeitschrift, Th. H. Pantenius hat für das Heft einen Aufsatz über den russischen Zaren „Iwan der Schreckliche" beigestenert, der nach Holzschnitten aus dem 16. ‘ Jahrhundert illustriert ist, und einen der furchtbarsten aber auch interessantesten Fürsten schildert, von dem die Weltgeschichte berichtet. Mit Interesse wird man auch den kleinen Aufsatz lesen, in dem Engen Zabel die große Schauspielerin „Hedwig Niemann-Rabe" würdigt. Das Heft bringt den Anfang von zwei großen Romanen: „Simone" und „Magnus Eollnnd", deren Verfasser Georg Freiherr von Ompteda und Bernhardine Schulze-Smidt zu den allerbesten Erzählern der Gegenwart gehören.
■:— Wörishofer Kalender für Kneipp'sches H e i l v e r f a h r e n p r o 1904. Herausgegeben von Dr. med. A. Baumgarten, prakt. Arzt in Wörishofen. 4. Jahrg. Verlag der Buchdruckerei und Verlagsanstalt Wörishofen. Preis 50 Pfg. Der reichillustrierte Kalender enthält eine Reihe interessanter Aufsätze über die Gesundheitslehren (vom Verfasser eine Abhandlung über Rachitis — englische Krankheit.) Von den vielen Illustrationen erwähnen wir nur das KUeippdenkmal und die sechs preisgekrönten Entwürfe für ein Reklameplakat für den Kurort Wörishofen.
Der Mutter Stoßseufzer.
Wieder einmal geht uns aus unserem Leserkreis eine vernünftige Reflexion zu, deren Berechtigung wir vollauf anerkennen. Wir lassen Andersdenkende aber auch zu Worte kommen und laden sogar dazu ein. Indessen bemerken wir schon jetzt: Keine Antwort ist auch eine Antwort. Der Stoßseufzer lautet so:
Denk' ich an meine Mädchenzeit
Wie anders war's als heute!
Wir saßen ruhig meist zu Haus Und sahen wenig Leute.
Betracht' ich meine Töchter jetzt —
Um wieviel sind die reger!
Die rudern, turnen, fahren Rad Und boxen wie die Neger.
Sie spielen Tennis, Fußball, Golf, Sie kraxeln ohne Panse.
In jedem Sport sind sie zu Hans, Doch — nie sind sie zu Hause. Und, was das Wunderbarste ist: Sie hetzen, hasten„ schwitzen, Sind in Bewegung früh und spät Und — bldib en dabei sitzen!
Auflösung des Preisrätsels in Nr. 128 der Familtenblatter: 28 21 26
23 25 27
24 29 22
und das Spiegelbild davon.
Die Gewinner sind: 1. Anna Melior, Gießen, Marburgerstraße — Preis: „Zwischen Rhein und Donnersberg", Roman von H. Bechtols« Heimer; 2. Jakob Schwarz, Gemeinde-Einnehmer in Dorf-Gill — Preis: „Die Wohnungen und ihre Ausstattung" von W. Fred.
Die Preise sind von den Gewinnern gegen Vorzeigung der Abonne- mentSquittung in der Geschäftsstelle des „Gießener Anzeigers" in Empfang zu nehmen.
Auflösung des Tauschrätsels in vor. Nr.: Iran, Wei«, Seide, Feder, Bern, Note, Kohlkopf, Wette, Eier, Brut, Kamm, Mehl, Name, Kanue, Tante, Meister, Rast, Nase, Wetse^Heller, Wild, Ha«s, Pelz, Falle, Rebe, Helm, Augen, Wahu, Bad, Welle.
In der Not erkennt man seine Freunde.
Redaktion: August Götz. — Nowtionsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universttats-BuS- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.


