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Monsieurs Freunde sind noch nicht getommen; wahr­scheinlich erwarten sie Monsieur heute noch nicht."

Wissen Sie vielleicht, ob Mr. Staunton gestern abend meine Depesche erhalten hat?"

Hier liegt eine für ihn", antwortete sie gefällig,sie kam Utber erst heute morgen, als er .schon weLgegangen war. Die Frau Postmeisterin ist ein wenig zerstreut, darum ist ejs ganz gut, wenn die Herren Künstler sie manchmal ersuchen, ihre Gedanken zusammenzunehmen; aber ftiye Leute sind ja oftmals zerstreut", setzte sie gleichmütig hinzu. Hat Monsieur schon den Fischfang besichtigt? Nein? Tie Fremden finden es immer so interessant. Es würde Mon­sieur gewiß Vergnügen machen, an den Hafen hinunter zu gehen."

Ueberzeugt, daß ihm die vortreffliche, kluge Frau sicher nur etwas Sehenswertes empfehlen würde, dankte ihr Hamor für den guten Rat und beschloß, ihn sofort zu befolgen.

Die Straße am Quai, die er noch vor kurzem so ver­ödet gesehen, schien jetzt von Leben und Bewegung erfüllt zu fein. Tort war die Fischbörse von Plouvenec, die für das Dorf genau so wichtig war, wie die Stockbörse für die Kapitalisten und Spekulanten einer großen Handelsstadt. Schon waren fast alle Boote eingelaufen, und die wenigen, die noch anlangten, wurden vom Ufer aus mit Rufen, Fragen und Angeboten bestürmt. ^)anz Plouvenec schien auf den Füßen zu sein; außer den Fischern, den Händlern und den in den Packhäusern beschäftigten Männern und Frauen stand noch ein ganzer Kreis müßiger Zuschauer umher. Soeben sah man die kurze gedrungene Gestalt des Friedensrichters sich mit vieler Wichtigkeit Bahn durch die Menge brechen. Es war wohl bisweilen ein saures Amt, Ruhe und Frieden unter dem leicht erregbaren Volke auf­recht zu erhalten, aber der Richter verstand die schwere Kunst, es allen nach Wünsch zu machen. Wenn er streitende Parteien zu Tätlichkeiten übergehen sah, war er freundlich genug, sich nach der entgegengesetzten Richtung zu begeben, und fv alle Erörterungen zu vermeiden.

In der Menge sah Hamor auch die Gestalten mehrerer junger Leute auftauchen, deren braune Sammetröcke und lebhafte, angeregte Mienen und Blicke sie als Maler kenn­zeichneten.^ Junge Mädchen, die einander untergefaßt hielten, wie sie allerwärts tun, und unnütze Buben, mit schriller Stimme Gassenhauer singend, vervollständigten die Szene. Auf und ab strömte die wogende Menge, feilschend, zankend, lachend oder auch Wohl fluchend, unter wilder Auf­regung und. betäubendem Stimmengewirr ein viel­gestaltiges, nie rastendes, sich stets neugebärendes Ungetüm. Jenseits des Hafendammes aber wogte und wallte der Ozean in das Geheimnis der Nacht und der Ferne hinaus.

(Fortsetzung folgt.)

Ein Sonnenring aus Bnlkanftanb.

Der Schweizer Naturforscher Forel hat an die Pariser Akademie der Wissenschaften einen Bericht über eine außer­ordentlich wichtige Beobachtung eingesandt, die er Anfang August an drei Tagen hintereinander an dem Platz Fin- Haut in Wallis in einer .Höhenlage von 1400 bis 2100 Metern gemacht hat. Er . sah nämlich die Sonne von einem Strahlenhof umgeben, den er am 5. September 1883 zu­erst von Bishop in Honolulu entdeckte und der dann nach ihm Bishov'scher Ring benannt wurde. Das Merkwürdige an dieser Himmelserscheinung ist ihr wahrscheinlicher Zusam­menhang mit vulkanischen Ereignissen. Ihr Auftreten im September 1883 erfolgte 9 Tage nach der großen Eruption des Krakatau in der Sunda-Straße. Die Entstehung dieses Bishop'schen Rings wird eine Beugung der Sonnenstrahlen folge der Anwesenheit von Staubmasken in höheren Schich­ten des Luftmeers zugeschrieben. Seiner Form nach bildet er einen Strahlenkranz um die Sonne, der aus zwei Zonen zusammengesetzt erscheint. Zunächst um die Sonne zeigt sich ein silberwerßer glänzender Hof mit einem Radius von ettva 10 Grad, der außen von einem kupferroten Ring voll etwa 20 Grad Breite umgeben ist. Der mittlere Radius des.roten Strahlenkranzes oder genauer der Radins des mittleren Teiles dieses Hofes betrügt etwa 15 Grad. An der inneren Grenze vermischt sich die kupferrote Zone mit der silberweißen, nach außen hin geht ihre Farbe allmäh- lcch in das Blau des Himmels über, sodaß diese äußeren

Umrisse nicht deutlich zu erkennen sind. Vielmehr erhält das Himmelsblau in der Nähe des Strahlenhoses eine seltsame Färbung, die ganz besonders wunderbar erscheint, wenn in der betreffenden Himmelsgegend noch hochstehende Wolken vorhanden sind. Die Beobachtungen, die Forel in diesem August gemacht hat, entsprechen in allen Einzel­heiten denen des Naturschauspiels von 1884, sodaß kein Zweifel daran ist, daß es sich wm einen ganz eben solchen Ring gehandelt haben muß, wie er zuerst am 5. September 1883 von Bishop auf den Hawai gesehen wurde. Während des Winters 188384 wurde er dann auch in verschiedenen anderen Erdgegenden wahrnehmbar, int Sommer 1884 war er in ganz Mitteleuropa bei klarem Himmel ständig sicht­bar, und er ist noch 1.885 und sogar bis zum Juli 1886 beobachtet worden. Allerdings war die Erscheinung so matt, daß sie in der Ebene, wo die Atmosphäre mit mehr Staub beladen und mehr mit zerstreutem Licht durchsetzt ist, nur fetten und schwer zu erkennen war. In Höhen über 1000 oder gar bis 4000 Metern über dem Meer entfaltete sich das Schauspiel dem Auge in voller Pracht, und nament­lich wurde der kupferrote Ring mit zunehmender Erhebung des Beobachters immer glänzender. Besonders schon trat der Strahlenhof hervor, wenn die blendende Sonnen scheibe selbst durch eine Bergspitze oder eine Wolke verdeckt war; dann leuchtete der rötliche Glanz prachtvoll durch die Risse der Wolken oder durch die Unterbrechungen im Bergkamm hindurch. Damals einigte man sich allgemein auf die An­nahme, daß der Ring durch das Vorhandensein von außer­ordentlich feinem vulkanischen Staub in den oberen Schich­ten der Atmosphäre hervorgerufen werde, der sich fast in der ganzen Ausdehnung der Atmosphäre um die Erde herum verbreitet haben müßte. Forel sagt aus, daß er für dies Jahr die Wiedererscheinung des Bishop'schen Rings erwartet habe, zumal die Gegenwart bedetitender Staub­massen in der Lust bereits durch die Tämmerungserschein- ungen des Sommers und Herbstes vorigen Jahres ange­kündigt war. Es entspricht auch der Erwartung, daß das Naturschauspiel diesmal noch weit blasser ist als 1884. Forel glaubt, er würde es kaum bemerkt haben, wenn er nicht besonders nach ihm ausgeschant hätte und an seinen Anblick von früher her gewöhnt gewesen wäre, jedoch meint er, daß unter möglichst günstigen Witterungsverhältnissen und namentlich in großen Meereshöhen von mehr als 2000 Metern jeder aufmerksame Beobachter ihn wahr­nehmen kann, besonders wenn in der beschriebenen Weise der Sonnenkörper selbst abgeblendet ist. Es ist sehr wün­schenswert, daß möglichst ost itnd gründlich nach dem Bishop'schen Ring cmsgeschaut werde, damit man erfährt, wie lange er diesmal sichtbar bleiben wird. Wahrschein­lich wird dies nicht so lange der Fall fein, wie damals, weil' sich die Vulkanausbrüche vom vorigen Jahre an Stärke mit der Eruption von Krakatau gar nicht vergleichen lassen und weil auch die darauf erfolgten Tämmerungserschein- ungen längst nicht die Beständigkeit und Dauer gezeigt haben wie nach der letztgeirannten Katastrophe. Vermutlich bilden die von den westindischen Vulkanen in die Luft ge­schleuderten Staubmassen in den oberen Luftschichten nicht einen zusammenhängenden Ring um die Erde, sondern mehr vereinzelte Wolken, die nacheinander über unsere Gegenden hinwegziehen. Es wäre besonders interessant, festzustellen, ob auch der Bishop'sche Ring die gleiche Unzuverlässigkeit zeigt wie die Dämmerungsfarben.

Vernrrdchtes.

* Wie wird man alt? So widerspruchsvoll es klingen mag, die Menschen wollen alle jung bleiben, und doch wollen sie alt werden und merkwürdig ist es, daß dieselbe Methode zu beiden Zielen führt. Vor kurzem hat die Dritisi) Medical Association eine Kommission ein­gesetzt, um die Lcbensmethode alter Leute zu ergründen; erwähnenswert ist hierbei die Feststellung, i- die Lebens­dauer der Menschen zunimmt. Im Altertum wurde der Höhepunkt des menschlichen Könnens in das 35. Jahr ver­legt. Auch Dante hielt dieses Jahr für den Wendepunkt, und Montaigne glaubte, int 35. Jahr sein Lebenswert ab­geschlossen zu haben,da jetzt das Alter komme." In der Gegenwart aber wird erst das 50. Jahr für die Höhezeit unseres Wirkens gehalten. Wir sind daher Le» rechtigt, anzunehmen, daß die Lebensdauer in Zukunft noch länger sein wird. Die beutige Chirurgie erhält Tau-