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Frauen, die noch lieber ihr richtiges Alter, als Lien Namen Mer Schneiderin verraten."
„Allerdings; und die eitle Frau ist doch kaum erst von )eti Masern, oder Wasserpocken, oder was weiß ich, was ür einer gefährlichen ansteckenden Krankheit genesen. Ich 'ann wirklich nicht begreifen, wie Gwendolins, die doch o fromm sein will und keinen Frühgottesdienst versäumt, olch unglaubwürdige Lügen aussprechen mag."
„Sie wünscht eben das Gute für sich zu behalten", antwortete Mrs. Malpas in wenig teilnahmevollem Done. „Mir gefällt übrigens die Art, wie sie sich kleidet, durchaus nicht — sie ist mir viel zu auffallend. Nebenbei gesagt, liebe Dulcie, wäre es auch mir lieber, Sie suchten nicht gerade meine Toiletten zur Nachahmung aus, obgleich ich ja wohl weiß", fuhr sie mit sauersüßem Lächeln fort, „daß Nachahmung die aufrichtigste Art von Schmeichelei ist.
„Aber teuerste Freundin, Sie haben eben eilten ganz besonders hervorragenden Geschmack. Gewiß opfern Sie ganze Stunden Ihres nächtlichen Schlafes, um sich neue Toilettett ausMdenken. Ta wäre es ja geradezu eine Sünde, wenn Sie derartige Ideen für sich allein behielten. Und sollte man's glauben? Manche Leute behaupten sogar tatsächlich: Sie kopieren meine Toiletten. Ist das' nicht unerhört?" fügte sie mit etwas spöttischem Lächeln hinzu.
Nun aber erinnerte sich Mrs. Malpas plötzlich wieder der Verkäuferin und des geduldig in dem prachtvollen Gewände wartenden Mädchens, und so sagte sie: „Bitte, Miß Softe, ich möchte das weiße, silberdurchtoirkte Kleid gerne noch einmal sehen, und auch das weiße und rote; mit dem hellgrauen hat es noch Zeit."
„Das weiße paßt aber nur für ein ganz, junges Mädchen, meine Liebe", bemerkte Lady Flashe, während sie sich vertraulich neben ihrer Freundin niederließ. „Hatten Sie die Absicht, es für sich Au kaufen?"
„Nein", antwortete Mrs. Malpas mit einer unwilligen 'Geberde, „so geistesschwach bin ich denn doch noch nicht- Mir kann mau nicht nachsagen, daß ich mich unpajs'-no tvrous luhnen' Hut Syrer Gefährtin Mt vielsagendem Bück fixierend, hinzu. „<W ist für Miß jVArch."
„Ah so, für die kleine Australierin, Nita Fänshawes! Halbschwester."
„Ja, ihre Halbschwester, obwohl sie gar keine Aehnlich- keit mit Nita hat. Sie will sich nicht einmal die Mühe nehmen, ihre Kleider selbst auWuwühlen. Ueberhaupt ist sie ein sonderbares Geschöpf, kaum einundzwanzig und hat Nicht das geringste Interesse weder für schöne Kleider, Bälle «nü Gesellschaften, noch für junge Herren."
/,Wre reizend apart — das' ist ja ganz etwas Neues! lind doch kenne ich Leute, die Miß DArch mit ihren schönen, ftolzblickeuden Augen, den dunklen Haaren und Mem „Rührmichnichtanwesen" sogar für hübscher halten als Mta. Ich für meine Person kann das freilich nicht finden. Ist fie nicht sehr reich? Miß DArctz meine ich."
„Doch, Mildminen, Besitzungen in Melbourne und ein riesiges Barvermögen Mein Schwager verdiente den größten Deik seines Geldes erst nachdem er ihre Akutter, Vie ebenfalls ein großes Vermögen besaß, geheiratet hatte, stchaß die arme Mta eine verhältnismäßig nur kleine Mitgift erhielt
„Wer einige Tausend Pfund hat fie doch wohl jähr- fich?" fragte die Andere neugierig.
„Gewiß; aber neben Maureens Einkünften ist das so viel wie nichts. Maureen ist nämlich die irische Bezeichnung für Martz. Sie ist zehn Jahre jünger als ihre Schwester. Nitas Mutter hatte Mr. DMrctzs geheiratet, aW er noch ein ziemlich vermögensloser Mann war. Zuerst Machte er sein Glück im Pferdehandeln, dann mit Gold- Minen, allein leider durste meine arme Schwester den Neu erworbenen Reichtum nicht wehr genießen. Sie war eben Nicht für das rauhe Leben in den Kolonien geschaffen und konnte den bescheidenen Luxus und die kleinen Bequemlichkeiten, an die fie von Hause aus gewöhnt war, Nicht entbehren So starb' sie sehr frühe, und ®Wct) übergab mir das kleine verwaiste Mädchen zur Erziehung. Ich habe Mta stets wie mein eigenes Mud betrachtet, auch aittF?"le m*r ^nNErdig ähnlich; finden ©ie das' nicht
„Jedenfalls ist sie eine der reizendsten Frauen Von London. Sie könnten Schwestern sein", behauptete Ladtz Flashe, W zwar ich Ruse der Gutmütigkeit stand, «der
doch manchmal recht spöttisch fein konnte. Mit strahlendem Lächeln aber nahm Mrs, Malpas diese ungeheure Schmeichelei entgegen, und fuhr daun mit wachsender Lebhaftigkeit fort:
„Mm, Sie wissen ja alles üb'er Mta, und wie glücklich ihre Ehe mit Sir Greville Fanshawe ist. Mein Schwager aber heiratete als zweite Frau eine in den Kolonien geborene Irländerin. Sie verunglückte bei einer Jagd, und auch sie hinterließ ein einziges kleines Mädchen, das DkArcy unendlich! liebte und verzog. Er behielt die Kleine bis zu seinem fünfzehnten Jahre bei sich, dann starb auch er. War das nicht egoistisch?"
„Zu sterben?"
„Unsinn! Nein, die Kleine so lange b'ei sich! zu behalten, bis sie sich ihre eigenen Ansichten vom Leben gebildet hatte. Denken Sie sich dieses wilde Kolonien- pflänzchen in meinen Händen, was für Gegensätze!" rief sie, ihre hübschen, etwas kurzsichtigen Augen gen Himmel richtend. „Natürlich schickte ich sie sogleich aus eine höhere Töchterschule und später nach Dresden. Letztes Jahr führte ich sie dann in die Gesellschaft ein und 'fattete sie mit den schönsten Kleidern aus. Im Mai wurde, te bei der großen Cour der Königin vorgestellt, dann beuchte ich die ersten Badeorte mit ihr, denn sie ist ungeheuer reich, und ich tat mein Möglichstes, ihr Gelegenheit zu einer glänzenden Heirat zu verschaffen."
„Nun, da konnte sie ja unmöglich- in bessere Hände kommen", bemerkte ihre Zuhörerin.
„Und doch war alle meine Mühe vergeblich, denn,- wie ich Ihnen schon sagte, nichts ist ihr so zuwider als hübsche Kleider, große Gesellschaften und junge Herren; man weiß nie, ob sie nicht irgend jemand vor den Kopf stößt, und ihre vornehmen Bewerber abschnauzt, während sie arme, geringe und gänzlich obscure Leute stets ermutigt."
„Du lieber Gott, was für ein Unterschied mit Nita, otc schone ÄTtibcv, Geselligkeit, elegante Menschen und — darf ich es hinzufügen — junge Herren so gern hat!"
„Warum sollen Sie das nicht sagen dürfen? Greville ist nicht im geringsten eifersüchtig, sondern hat es int Gegenteil recht gern, wenn Nita bewundert und gefeiert wird."
„Welch ein Musterehemann! Was für Liebhabereien hat dann aber Miß D'Arcy?"
„Vor allem hängt fie mit großer Liebe an ihrer Schwester und Grevllle. Sie steht zu unerhört ftüher Stunde auf und reitet jeden Tag wilde Pferde, je wilder, desto besser. Bei Rennen, bei Pferde-, Hunde- und auch Gemälde-Ausstellungen, da ist sie in ihrem Element; nehme ich sie jedoch mit mir zu einem Diner oder einem Ball, so habe ich das Gefühl, als sei irgend ein wildes Tier neben mir im Wagen festgekettet, dessen einziger Wunsch darin besteht, aus dem Fenster zu springen wir ein Känguruh. Aus dem Ball aber zieht sie es vor, als Mauerblümchen zu glänzen — obwohl sie vorzüglich tanzt — und sich mit allen Herren oder grünen Jungens zu unterhalten. Sie behauptet, es sei ihr unangenehm, sich von einem fremden Mann, dessen Namen sie kaum verstanden habe, in die Arme nehmen und durch einen Saal zerren zu lassen. Sonderbare Idee, nicht wahr? Und so sitzt sie lieber in irgend einer Ecke, von wo aus sie mit Men großen, ernsthaften irländischen Augen die Well um sich! her beobachtet. Ach ja, es ist wirklich keine leichte Aufgabe, mit ihr! Und üm Ihnen die Wahrheit zu gestehen, liebe Duleie, ich bin Bitter enttäuscht über das Mädchen; hatte ich doch nicht anders gedacht, als meine' hübsche, reiche Sttefnichte werde einmal mindestens einen Herzog heiraten."
„Es giebt nur eben leider nicht viele Herzöge, und dann heiraten fie auch nicht immer gerade englischr Mädchen."
.Mrs. Malpas ließ diese Bemerkung unbeachtet und fügte hinzu:
„So gern ich Maureen fönst auch habe, so- kann ich mich doch der Tatsache nicht verschließen, daß ich in gesellschaftlicher^ Hinsicht " vollständig Fiasko mit ihr gemacht habe,"
Eine kurze Pause trat ein, dann fragte Lady Flashe,- dll inzwischen einer bekannten Dame zu genickt hatte: „Nehmen .Sie Ihre Nichte dieses Jahr mit nach Homburg?"!


