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„Ja, meine Lieben, dann wäre es doch das einfachste, ihr laßt sie selbst wählen. Ich bin dabei ja nicht die Hauptperson. Ich kenne euch beide als gute und anständige Kerle, euer Brot werdet ihr auch mal haben, und niemand kann mir als Schwiegersohn willkommener sein, als einer von euer). Aber wählen kann idj nicht. Das mag die Rest besorgen. Zu komische Sache, weiß der Himmel. Also bleibt mal hier, ich schick' euch das Mädel her. Da mag jeder seinen Spruch sagen."
Kopfschüttelnd und leise vor sich hinlachend, verschwand der Konsul.
„Hör mal, Sänftliug, wenn Dir noch einmal Faxen machst, fahr' ich Dir in die Parade, daß Du's merken sollst."
„Dann unterbrich mich nicht."
„Gut. Also jeder darf ausreden. Ich als der Aeltere Iprech' zuerst, dann kommst Du."
Das machten die beiden Vettern, die auf Freiersfüßen gingen, aus, während sie allein blieben.
Nicht allzulange, so erklang auch eilt leichter Schritt, der sie beide elektrisierte.
Rest Bergmann, das Gesicht leicht gerötet, trat ein. Sie begrüßte freundlich jeden von ihnen, und sagte: „Was wollt ihr denn eigentlich von Papa? Er kommt 'raus, lacht, ist ganz aus dem Häuschen, und ich soll durchaus gerade hier euch aufsuchen."
Ein kurzes Schweigen. Sie setzt sich.
„ „ „Liebe Resi", begann da Fred Richter und räusperte, sich, „ich fühle vollständig das Merkwürdige dieser Situation, die sich aber nicht vermeiden ließ. Vielleicht hat Dir Dein Papa bereits gesagt, weshalb wir hier sind. Kurt und, ich haben Dich — hm — sehr lieb, das ist ja Aar.bei einer Cousine, aber wir lieben Dich nicht nur als Coupne, sondern — hm — auch anders — Du verstehst schon. Und nun mach uns die Sache nicht so schwer und entscheide Dich, wen von uns beiden Du heiraten willst. r)ch hatte Dich stets sehr gern, aber Du warst mir — zu himmelblau, so schien es mir. Und ich lieb' mehr das Natürliche, Lustige, Frische. Nun, nach den,Taugenichts'- Brtefen habe ich eingesehen, daß Du ganz so bist, wie ich meine Frau haben möchte, und der Deubel soll mich fressen, wenn ich Dich nicht ganz schändlich lieb habe, utzd — und — na ja, mehr brauch' ich nicht zu sagen. Vielleicht hast Du wirklich — den Sänftling lieber. Dann Mach den Schmerz kurz. So, und nun red' Du!"
Aber da richtete sich der Assessor auf.
„Erst ich, mit Verlaub — das haben wir abgemacht. Ich will ganz kurz sein, wie Fred. Ich erinnere Dich nur an emen Namen, Resi, ich sage nur: ,Viola!' Erinnere Dich der Briefe, in denen unsere Seelen sich unverlierbar gefunden haben! Ich darf es aussprechen, daß ich Dich verstehe, daß der Einklang unserer Empfindungen jene schöne Eintracht einer glücklichen Ehe verbürgt, die das höchste Geschenk des Himmels ist. Entscheide Dich frei, laß Dein Herz nur sprechen und denke an,Biola'. Mehr brauche auch ich nicht zu sagen."
Ein tiefes Atemholen. Beide sehen in zitternder Erwartung auf Resi.
Sie saß in einem Sessel und spielte, ohne aufzu- blicken, mit der Troddel. Zuerst schien sie völlig sprachlos zu sein. Ihr Vater mochte sie vorbereitet haben, und doch färbte sich ihr Gesicht hochrot.
Aber als sie dann unter den gesenkten Lidern hervor ihre beiden Vettern so feierlich urkomisch dastehen sah, den sanften Kurt mit dem dünnspitzen Schnurrbart, den kräftigen Fred mit halb trotzigem Gesicht, als wäre er ans alles gefaßt, konnte sie sich nur mühsam das Lachen verbeißen. Und mit erzwungenem Ernst erwiderte sie: „Ihr könnt euch denken, liebe Vettern, wie sehr mich diese neue und unerwartete Wendung der Dinge überrascht. Hätt' ich das ahnen können, daß so etwas aus dem harmlosen .Taugenichts'- und,Vivla'-Witz entstehen könnte, hätt' ich ihn wahrscheinlich nicht gemacht. Ich weiß die Ehre, die ihr mir antut, wohl zu schätzen und —"
„Resi!" unterbrach Fred Richter sie zornig und sah sie an.
Sie ward rot.
„Was hast Du denn?"
„Wenn Du — so sprichst, so konventionell, dann —" Ein trotziges Achselzucken beendete den Satz.
„Du bist ein netter Freier, Fred — hier selbst wird er mir Vorschriften machen."
„Ich sag's ja", murmelte der Assessor, „die Naturen passen nicht zu einander. O ,Viola'!"
„Entscheiden sollst Du Dich", fuhr Fred Richter fort, „quäl' uns nicht unnütz!"
„Und wenn ich mich nicht entscheiden will?"
„Dann können wir beide einpacken. Dann magst Du uns beide nicht. Darauf — war ich nicht vorbereitet."!
„Laß Dich von dem Grobian nicht einschüchtern, Resi", mahnte der Sänftling.
Da lachte sie auf.
„Ich will euch was sagen, Kinder. Ich hab' euch beide sehr gern, von Herzen. Aber entscheiden mag ich mich nicht. Das macht ihr untereinander ab. Einigt ihr beide euch. Meinetwegen fechtet ein Tournier aus oder so was, und der Sieger — mag dann wiederkommen. Einverstanden?"
„Resi!" flehte Kurt Unruh.
Fred Richter sagte nichts. Er nahm seinen Hut auf.
„Nun?"
„Liebe Cousine, was Du da eben vorschlugst, genügt mir. Ich sehe daraus zu meinem ehrlichen Schmerz, daß Dein Herz bei der Sache wenig oder gar nicht berührt ist.' Ich glaub's, daß Du es gut meinst, und mit keinem verderben willst, aber — na ja, wieder eine Hoffnung zu Essig geworden! Und jetzt geh' ich hin und betrink' mich — basta!"
„Fred!"
Es war fast befehlend.
„Was soll's?" fragte er kurz. „Verzeih', wenn ich — zu viel geredet hab'. Aber — das würgt verdammt!" Sie hatte ernste Augen.
„Ich habe mich längst entschieden, ich habe einen von euch von ganzem Herzen lieb", sie wurde rot und sah den Assessor an, „aber wie die Sache hier liegt — ich bitte. Dich, Fred, und Dich auch, Kurt, einigt euch selber mal. Ich hab' nteine — Gründe. Es soll ein Gottesgericht sein. Ich bin der heiligen Zuversicht, daß der Sieger der ist, den ich will."
Jetzt sah sie den jungen Arzt an.
„Wollt ihr?"
In Fred Richters Augen leuchtete es kurz auf.
„Gut", sprach er.
„Dann muß ich — wohl auch dabei sein", fügte der Assessor hinzu. „Weiß Gott, wie schwierig so eine Verlobung ist,"
Als die beiden Vettern das Haus des Konsuls verließen, schlenderten sie planlos und schweigsam durch den Tiergarten. An einer einsamen Stelle blieb Fred Richter stehen.
„Sänftling", sagte er mit Galgenhumor, „wenn wir hier ein paar Pistolen hätten! Das Gottesgericht wäre fertig!"
Unwillig schüttelte der Assessor den Kopf.
„Ich wette, die Resi geniert sich nur. Als ob nicht jeder von uns Mannes genug wäre, seine Niederlage mit Würde zu tragen."
„Alles schön und gut. Aber nur das Gottesgericht. Was soll denn das heißen? Was machen wir denn? Einen Taler hochwerfen, und Kopf und Wappen spielen. Kopf gewinnt."
„Man könnte auch ein Akazienblatt zupfen!"
„Oder zusehn, wer länger auf einem Bein stehen kann. Na, ich mühte mich nicht schlecht. Die ganze Geschichte ist unserer unwürdig, Junge. Wir haben das Mädel doch nun mal ernstlich lieb. Da muß der Teufel sie reiten, daß sie solche Dummheiten macht."
„Noch eins wäre möglich, Fred, das wäre das sicherste. Mas meinst Du zir einem amerikanischen Duell?"
„Teufel!"
Fred Richter blieb stehen. „Du mußt Deines Sieges verdammt sicher sein, Blonder, sonst würdest Du das nicht Vorschlägen. Aber das gibt's nicht, Jungchen. Wegen einer Weiberlaune mich um die Ecke bringen — brr! Fällt mir nicht ein! So schießen die Preußen nicht. Am besten, wir setzen uns in ein gemütliches Lokal. Verpfuscht ist der Tag doch, da mag er ganz draufgehn. Irgend etwas fällt uns schon ein.
(Fortsetzung folgt.)


