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Literarisches
r V. Zwilling. Ferner „Keuchhusten" .Die Pflege des Ohres" von Dr. H.
Alle Arten des Kusses, den Kuß der Liebenden, der Verwandten und Freunde, den Kuß des Friedens und der Versöhnung, der Verehrung und der Herablassung, finden wir in den mannigfaltigsten Verwendungen auch bei den indogerinanischen Kulturvölkern So ist bei den Griechen der Kuß eine übliche Form der Begrüßung, und häufig wird darum „aspazesthai" gesagt, das für den Gruß bei Begegnung und Abschied gilt. Das eigentliche Wort für „küssen" war „kynein", es wird aber mehr und mehr durch das auch im Neugriechischen herrschende „philein", „lieben", ersetzt; auch „abküssen" wird gern dafür gebraucht, und das würde besonders gut passen für die verschiedenen Stellen, auf die geküßt wird: das Auge, „die Quelle der Liebe, ferner Stirn, Haar, Nacken und Bart werden geküßt zur Liebkosung und durchaus nicht nur in sinnlicher Empfindung, auch Schultern, Kopf und Hände. Tas alles gilt von Liebenden und Verwandten, aber auch Freundschaft kennt den Kuß, ja Gegenstände der Liebe und Verehrung werden geküßt. Tie Gattin küßt den Wagen des scheidenden Mannes, man küßt den Brief von lieber Hand, ^pamtnondas küßt, so erzählt Justtnus, glückselig ° den Schild, den er tu der Schlacht verloren geglaubt hatte und nun gerettet sieht; man küßt den heimatlichen Boden, den man verlceß und wiederschaut, und bekannt ist ja die Er- zahluug, wre Brutus vom Orakel heimkehrend die Mutter Erde küßt. Als Begrüßung soll der Kuß, wie Herodot be- richtet, von den Persern eingeführt sein; man gibt ihn le nach Rang und Stand auf den Mnnd oder auf die Wangen bei' Untergebene aber leistet niedorfallend die Proskhnesis' Bon hrer ans sei er auch tut griechischen Orient und in Cghp,en gebräuchlich und dann auch uach Italien einqeführt worden; natürlich handelt es sich bei allen diesen Fragen nur um 'die zeremonielle Verwendnng des Kusses, der Nittme Gebrauch wird als ursprünglich überall daneben bestanden haben. Professor Siebs verfolgt nun die Worte für „Küß' tu zahlreichen Sprachen, Mundarten und Tia- « szz unr lommt öu dem Schluß, daß meistens das Wort „Kutz nach dem Munde benannt wird, wie das Logau sehr hikbsch tn einem Epigramm gesagt hat:
„Wer küssen will, küß' auf den Mund.
— Unser Kind. Tie Halbmonatsschrift für Kinderpflege und Erziehung „Unser Kind", welche seit wenigeü Wochen in Wien (I. Wallnerstraße 15) erscheint, nimmt emen von keiner anderen Zeitschrift dieses Gebietes aus- zufullenden Platz ein. Das 3. Heft bringt den Schluß des Artikels über das „Böse in der Kinderseele" aus der Feder des Pädagogen Direktor B. Zwilling. Ferner „Keuchhusten" von Dr. S Köllner, „Die Pflege des Ohres" von Dr. H. ^vhlich, „Tie Pflicht des Strafens" von Professor I. Herz, „Tas ,Erste" von O. Tann-Bergler und vieles andere.
vermischter.
_ *^L/?besunterricht auf der Universität, kem Scherz; m Amerika, das sich wieder einmal als das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten" erweist, ist eme Universitätsvorlesung, die die Studenten die Liebe zu lehren versucht zur Tatsache geworden. Dem „B. T." wird geschrieben: Schon des öfteren brachte die ameri- kanische Presse die Nachricht von der geplanten Gründung eines „Liebeskollegs", in dem den jungen Leuten das „Lieben" nach allen Regeln der Kunst beigebracht werden sollte, was natürlich stets einen Sturtn der Heiterkeit entfesselte. Ein Witzbold schlug vor, eine Balleteuse von ziemlich zweifelhaftem Ruf zum Leiter dieses Kollegs zu machen, em anderer erbot sich, eine Schulausgabe von Casanovas Memoiren herausgeben zu wollen. Aber jeder, der im Vaterland des „Flirtens" wohiit, imd die amerikanische Jugend, zumal auf den Kollegs kennt, weiß, da ßsie einen derartigen Unterricht gar nicht nötig hat. Dennoch kommt jetzt aus Ann Arbor die Nachricht, die selbst in Amerika ein wenig „amerikanisch" klingt, daß die Universität von Michigan einen neuen Kursus zu ihrent Lehrplan hinzugefügt hat, den man als „Liebeskursus" bezeichnen kann. Danach ist ein Professor Trueblood (Treublut) der Erfinder dieses Kursus, der zweifellos bald die größte Popularität erlangen dürfte. Professor Trueblood hat nämlich lange vergebens nach der Methode gesucht, durch die er das Interesse der Studenten genügend erregen könnte, um die Anzahl der Schüler, die sein Kolleg wegen „Frühlingsfiebers" im Lenz zu verlassen pflegen, zu vermindern. Nun ist er endlich auf die richtige Idee gekommen, und die Besucher der Universität Michigan sind jetzt jeden Tag Zeugen der aufregendsten Liebesszenen. Fiinfzigmal täglich sieht sich der Herr Professor der Liebeskunde genötigt, vor einer holdseligen Jungfrau niederzuknieen, um seineit Schülern zu zetgen, „wie's gemacht wird". „Sie müssen mehr Leben tn Ihren Antrag bringen", ruft er einem schüchternen Studiosus zu, „Sie zeigen ja keine Spur von Leidenschaft." Und dann sieht der Schüchterne mit Staunen und Ehrfurcht, wie der Professor niederkniet, „wie einst im Mai", und im süßen Wahnsinn des Verliebten die Holde fragt, ob sie die Seine sein wolle für das Leben. Jeder der jungen Männer muß einer errötenden Jungfrau seine Liebe erklären, und ganz gleich, wie weit die beiden unter sich schon gekommen sein mögen, stets findet der Professor etwas auszusetzen. „Aber das geht ja nicht, mein Freund, Sie müssen beide Kniee vor ihr neigen, sehen Sie — so!", und wieder muß der alte Professor niederknieen, und so geht das fort in infinitum. — Ter Schreiber dieser Zeilen hatte noch keine Gelegenheit, hervorragende Schulmänner über den erzieherischen Wert dieses neuen Zweiges des amerikanischen Unterrichtswesens zu „befragen". Etwaige Skeptiker, die amerikanische Nachrichten unter die Lupe zu nehmen gewohnt sind, seien aber auf die „Sun" verwiesen, der diese Nachricht entnommen ist, und deren Lieblingsspruch es ist: „Wenn Sie etwas in der „Sonne" sehen, dann ist es so!"
* Ein Uhrmacher hatte in feinem Laden eine große Uhr ausgehängt mit der Inschrift: „Geht 300 Tage ohne Aufziehen!" Ein Herr las es und trat ein. „Sie haben da eine sehr interessante Uhr", sagte er. „Nur Eines möchte ich gern wissen". — „Nämlich?" — „Wie lange sie geht, wenn sie aufgezogen wird." (Münchner Jugend.)
Ich — wissenschaftlich dies zu deuten —
Nenn's Bilabialverschlußlaut, Schatz;
Doch leider heißt er bei den Leuten Ganz oberflächlich meist ein Schinah."
Darwin hat eine Reihe von Zeugnissen darüber zusammengestellt, daß manche Völker den Kuß nicht kennen: die Feuerländer, die Neuseeländer, die Eingeborenen von Tahiti, die Papuas, die Somalis in Afrika, die Eskimos. Bei anderen Völkern lvieder, z. B. bei gewissen, finnischem Stämmen, gilt er für ungehörig; der bekannte E. B. Thlor erzählt, eine finnische Frau habe ihm auf seine Aeußerung, daß iit England Mann und Frau sich küßten, geanttvortet, wenn ihr Mann das probiere, so würde er mindestens eine Woche darunter zu leiden haben. Bisweilen wird auch aus dem Altertum eilt Zeugnis dafür geltend gemacht, daß bei den dtumidiern das Küssen nicht üblich gewesen sei: Valerius Maximus erzählt als Merkwürdigkeit, daß die numidischen Könige nicht küßten. Tie Völker, die den Kuß nicht kennen, haben statt seiner zumeist andere Sitten, um mit der geliebten Person in nahe Berührung zu kommen: sie ersetzen den Kuß, indem sie die Nasen aneinander reiben oder drücken, so die Neuseeländer und Lappländer, afrikanische Negerstämme und auch die Malayen, weswegen man das auch einen maläyischen nennt; andere, indem sie die Arme, Brust oder Bauch klopfen und reiben; bei noch anderen Völkern streichelt man das eigene Gesicht mit den Händen oder den Füßen des anderen, oder man pflegt zum Zeichen der Zuneigung auf verschiedene Teile des Körpers zu blasen. Julvieweit alle diese Bräuche es nur auf die körperliche Berührung absehen, oder aber, wie das Nasenreiben und der Kuß, zugleich auf den Geruchssinn wirken, ist nicht zu sagen. Vielleicht ist beachtenswert, daß das arabische Wort für „küssen" von einigen mit dem Worte für „riechen" in etymologische Verbindung gebracht wird, und daß wir einige germanische Ausdrücke für den Kuß lernten, die sehr eng mit dem Worte „schmecken" zusammen- h äugen.
_ • . , ™M auf den Mund.
Das and're gibt nur halb Genießen;
Gesichte nicht, nicht Hals, Hand, Brust, Ter Mund allein kann wieder küssen."
Redaktion: Sluguft Götz. - Notation-drnek nndHü°-stder Blssblstch-n Universüa,Z.N^Hteindrnüere: .Piklsch Erben) in Gietz^


