Ausgabe 
5.6.1903
 
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(Nachdruck verboten.)

Die Annonce.

Novelle von Thomas Glahn.

(Fortsetzung.)

Dann begleit mich, Fred. Ich muß gleich nach Hause. Also erstens: ich hab' in der Zeitung eure Annonce ge­lesen und dachte: Probier es! Sind es die beiden, so giebt's enen Hauptspaß. Sind sie's nicht, so beantwortest Du den Brief nicht. Nun, Tu warst es eben! Weil ich das wußte, hab' ich auf Teirue netten Episteln erwidert. Da ist keine Hexerei dabei oder sonst was. Und nun kam Tein flehendes Schreiben. Seit unserer letzten Unterredung hatte ich mir vorgenommen, den Scherz nicht weiterzuführen. Der Taugenichts" sollte urplötzlich von der Bildfläche ver­schwinden. Aber Tu batest ja so, daß ich neugierig wurde, was Tu eigentlich wolltest. Deshalb bin ich hier, und so hab' ich nun ein richtiges Rendezvous, wenn's auch nur eins mit dem Vetter ist. Ist Dir der Zusammenhang nun klar?"

Ter junge Arzt hatte sich langsam von der ersten Be­stürzung erholt.

Ja", erwiderte er,jetzt fang' ich an zu begreifen. Du bist ja ein ein Teufelsmädel, Resi! Sag mal, ich muß mir jetzt wohl gräßlich blamiert vorkommen?"

Das mach mit Deiner lieben Seele allein ab, Fred. Und nun: Was willst Du? Weshalb hast Du so um diese Zusammenkunft gebeten?"

Sehr einfach. Ich wollte ich hatte hin"

Er hielt plötzlich inne. Konnte er ihr denn sagen, daß er denTaugenichts" kennen lernen wollte, um sich zu entscheiden zwischen ihm und ihr, der Resi? Es war ja zu dumm, sich zu entscheiden zwischen zwei Personen, die sich schließlich als ein Wesen herausstellten? Er machte sich ja schnöde lächerlich.

Liebe Resi", sagte er zögernd,die Sache hat sich nun mit einem Schlage geändert. Erlaß es mir, darüber zu reden. Du erfährst es in aller Kürze doch."

Wie Du willst. Aber nun rede ich. Und das wird Dir vielleicht nicht gefallen."

Nanu? Was ist denn wieder los?"

., sE^ Du gleich hören. Offen gestanden, Fred: rch hab' Drch höher eingeschätzt. Es wird Dir wohl ziem­lich egal sem, aber Du hast in letzter Zeit viel bei mir verloren. Du bist ja ein ganz gewissenloser Mensch!"

Hrmmel und Hölle, sei froh, daß Du kein Mann bist!" Ja", fuhr sie fort, und ihre Stirn zog sich in Falten, es macht mir auch keine besondere Freude, Dir hier eine Predigt halten zu müssen. Ich eigne mich wenig dazu. Daß ihr die Dummheit solcher Annonce macht, ist eure Sache. Der Witz ist nicht gerade gut; er paßt vielleicht auch mehr für achtzehn als für achtundzwanzia. aber er ist

ja schließlich harmlos. Nun jedoch bist Du ehrlich ver­liebt, machst schwere Herzeuskämpfe durch, denkst daran, in allernächster Zeit ein Mädchen, das Dich wohl liebt und Dir vertraut, an Dich zu binden und währenddem gehst Du fidel auf Schleichwegen, korrespondierst mit einer andern unbekannten Dame, nennst sie ein ,herrliches Geschöpf und schreibst ihr verkappte Liebeserklärungen werde nur rot, Fred! ja, und da Du beide doch nicht heiraten kannst, betrügst Du eine auf jeden Fall. Oder eigentlich sogar beide. Und das nenn' ich gewissenlos. Das hält' ich Dir nicht zugetraut!"

Fred Richter wußte nicht, ob er lachen oder weinen sollte.

Das ist ja ein ganzer Rattenschwanz von Miß­verständnissen, Resi. Wenn ich Dir das alles erklären soll"

Laß nur", antwortete sie ernst,ich hab' ja die bündigsten Beweise. Ich möchte nur wissen, was Du sagen würdest, wenn die Dame, die Du heiraten willst, hinter Deinem Rücken jetzt auch noch halbe Liebesbriefe an einen andern jungen Herrn schriebe."

Die Komik der ganzen Situation kam ihm plötzlich zum Bewußtsein. Er lachte laut aus, itnb plötzlich sagte er:Hör mal, liebe Resi, was tatest Du denn? Du hast mir selbst erzählt, daß Du Dich in Kürze verloben! wirst. Und dabei schreibst Du fröhlich Pseudonyme Briefe und läßt Dir meine sogenannten verkappten Liebeserklär­ungen an den,Taugenichts' gefallen! Das nenn' ich ge­wissenlos! Das hätt' ich Dir nicht zugetraut!"

Jetzt mußte sie selber lachen.

Man kann die Katze werfen, wie man will, sie kommt so sicher auf ihre vier Beine, wie Du auf einen Witz oder eine Ausrede."

Erlaube mal: wenn ich gewissenlos war, warst Du es nicht minder. Jetzt dreh' ich den Spieß einfach um."

Du weißt ganz gut, daß ich in einer total andent Lage war. Bei mir war es ein Scherz, den ich mir mit einem leichtsinnigen Vetter machte."

Ein so gewagter Scherz, daß Dein Verlobter schwerlich damit einverstanden wäre."

Ich bin nicht verlobt."

I ch etwa?"

Aber Du wirst es ja nächstens sein."

Du auch."

Ach, Unsinn", sagte sie ärgerlich.Ich hab' Dir damals nur was vorgeredet. Ich bin weder verliebt noch verlobt, noch sonst was."

Fred machte große Augen.

So", sagte er nur,so".

Er sollte ganz ruhig, ganz gkeichgiltig sein. Mer ein innerer Jubel lag darin, daß Resi Bergmann ihn be­troffen ansah.

Also, unsere Handlungsweise ist überhaupt nicht zn