Ausgabe 
4.11.1903
 
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solche spöttische Bemerkungen dem Mädchen gegenüber, dos ihn aus reiner, uneigennütziger Freundschaft vor ihren eigenen Stammesgenossen zu warnen kam, nicht gerade zartfühlend seien, fuhr ihm durch! den Sinn.Sieh, Guenn", hob er wieder, an,die Männer mögen Wohl stärker sein als ich, aber ich weiß meine Kraft besser zu gebrauchen und will mich schon meiner Haut wehren. Also geh nur ruhig nach Hause und leg' Dich schlafen, es ist sehr lieb von Dir, daß Du gekommen bist, mich zu warnen, da Du es für nötig hieltest. Ich. bin anderer Meinung, auch ver­lasse ich mich auf meine guten Fäuste." Ein sicheres, über­legenes Lächeln umspielte seine Lippen, recht väterlich klopfte er ihr auf die Schulter.Noch einmal, Guenn, ich danke Dir herzlich aber Monsieur Staunton werde ich nicht hei> beirufen."

Monsieur", rief Guenn in Heller Verzweiflung neben seinem Stuhl niedersinkend, ihre Hände krampften sich zusammen, ihr Gesicht war totenbleich, die blauen Augen groß und starr; sie spracy schnell und mit flehendem Don, obschon ihr vor Angst und Aufregung die Stimme zu ver­sagen drohte;Sie sind mit mir zufrieden, weil ich ge­lernt habe, so gut Modell zu stehen, nicht wahr? Sie haben oft gesagt, ich stehe besser, als die andern Mädchen, ich sei Ihnen eine Hilfe bei dem großen Bilde gewesen und Sie möchten mir gern eine Frerrde machen. Ich habe mir nie etwas gewünscht, denn ich brauche nichts. War es nicht so, Monsieur? Wer jetzt, jetzt sollen Sie mir etwas zu liebe tun, noch in diesem Augenblick! Holen Sie Monsieur Staunton! Schauen Sie mich nicht so ruhig an, ich kann es nicht ertragen! Nur nicht dieses Lächeln! Es bringt mich um, Sie so lächeln zu sehen! Mein Gott, muß ich Ihnen denn alles sagen, muß ich Ihnen ihre ganze Schlechtigkeit offenbaren? Loic hat sein Messer, Hoel eme eichene Keule und er er hat eine Pistole ; ich habe alles gehört, was sie sagten, und ich weiß, was sie in rhren schwarzen, bösen Herzen, sinnen!"

Fortsetzung folgt.

Ale Ksrstessung des Aepfetweins.

(Nachdruck verboten.)

Zu den alkoholischen Getränken, also zu denjenigen geistigen Getränken, welche den Charakter eines Genuß- nnttels tragen, die also nicyt direkt zum Ersatz der K'vrper- bestandteile beitragen, sondern nur indirekt die Ernährung unterstützen, indem sie die Nerven erregen und gewisse Funktionen des Körpers in erhöhtem Maße steigern, «e- hort vor allem ein Getränk, dessen Konsuln von Jahr zu ^ahr zunimmt und das sich immer mehr auf andere Gegenden ausbreitet, nämlich der bei uns besonders hoch geschätzte Aepfelwein. Und nicht mit Unrecht, wirkt doch der mäßige Genug desselben auf die Magen- und Darmschleimhaut äußerst günstig, reizt sie zur größeren Absonderung der Verdauuugssäfte und uilterstützt auf diese Meise die ganze Verdauung. Besonders der Apfelmost ofr sogenanntesüße" Aepfelwein wirkt nicht nur! kühlend und durststillend, sondern regt die Tätigkeit der Nerven an, erhöht den Appetit und wird durch feine leicht abführende Wirkung sogar ost ärztlicherseits verordnet. "

lieber die Bekanntschaft des Menschen mit demAepfel- weu» sind nähere Angaben nicht zu ermitteln; es ist daher auch schwer Heimat und Alter des Geträukes, das besonders tu der Normandie, in dem schweizerischen Kanton Thurgau, rn Franken, doch! vor allem im Taunus, bei uns in

" au. und in F r a u k f u r t bezw. Sachsenhausen getrunken wird, festzustellen. Zwar behaupten die Frank- furter Anhänger des Aepfelweins, die sogenanntenAeppel- worgeschworene scherzweise steif und fest, der alte ehr- .Parser Karolus Magnus sei derErfinder" des

=nsr We man ihm vor 60 Jahren Anauf der Mainbrücke errichtet, zumal er einen A P f e l in der Hand halte.

derHerstellung des Aepfelweines ist ähnlich her des Traubenwetnes, üur findet häufia ie nack Beschaffenheit des Obstes ein Zusatz, von Wasser und Zucke?

Ein Zusatz von Zucker ist manchmal schon

Grunde notwendig, um einen haltbaren Wein zu erzielen. Denn rn vielen Jahren und je nach dem

Klima enthalten die Aepsel zu wenig Zucker, um eins genügende Menge Wkohol für die Haltbarkeit zu liefern: auch sind diese häufig nicht saftig genug, um ohne Zusatz von Wasser, also durch einfaches Keltern und Pressen, ge­nügend Most zu liefern. Es empfiehlt sich dann, auf je 1 Hektoliter Wasser 10 bis 12 Kgr. Zucker vor oder während der Gährung zuzusetzen.

Den besten und w ein g eistr eichst en Aepfel- most liefern so lgend e Aepfelsort en : Winter- borsdorfer, Reinetten, Goldprepping- Madapfel, Weinapfeh Tellerapsel, Edelkönig, Herbststettiner, Gravensteiner rc. Das Obst wird am besten tunlichst gleich! nach der Ernte gepreßt. Hartes Obst läßt man wohl auch einige Zeit liegen, wodurch die unlöslichen Stoffe und die Säure abnehmen, sodaß mehr Saft gewonnen wird. Man schichtet die Aepfel wohl auch zwischen Stroh auf, um sie schwitzen zu lassen; hierbei beim Lagern des Obstes ist aber zu beachten, daß zugleich faulige Exemplare vorher entfernt werden müssen. Das Obst wird dann in geeigneten Trögen oder Obstmühlen zu einer Maische zermalmt und diese auf der Kelter ausge­preßt. Für Herstellung von Aepfelwein in kleinen Mengen zum Haustrunk genügt das Verreiben des Obstes und Pressen durch ein Tuch

Auffallend ist der hohe Gehalt an Rohrzucker beim Aepfelmost; derselbe beträgt zwischen 7 und 16 Proz., die Säure (Aepfelsäure) von 0.13 bis 1.15 Proz., doch sind diese Zahlen je nach! Klima, Sorten und Jahrgängen des Obstes großen Schwankungen unterworfen. Da der Zucker­gehalt tm letzten Stadium der Reife des Obstes wesentlich zunimmt, so empfiehlt es sich, die Aepfel so reif wie mög­lich zu nehmen; nur faule Früchte sollen keinesfalls ver­wendet werden.

Der gewonnene Saft wird nun in reine Fässer getan und wie der Traubenmost der Selbst-Gährung unterworfen. Zur Beschleunigung der Gährung, die schon 24 Stunden nach dem Ansetzen eintreten soll, setzt man mitunter etwas gute Hefe aber keine Bierhefe, die unbrauchlbar ist M. Auch der Zusatz von reinem Wein wirkt veredelnd. Ter günstigste Wärmegrad für die Gährung ist 15 bis 20 Grad C. Bei höheren Graden verläuft die Gährung zwar rascher, es ist aber auch die Gefahr der Bildung von Essig­säure rc. eine größere: Wenn die Hauptgährung nachläßt und der größte Teil der Hefe sich abgesetzt hat, wird der Wem ähnlich wie Traubenwein auf gut geschwefelte Fässer abgelassen, damit dort noch eine kleine Nachgährung eine reichliche Bildung von Kohlensäure stattfindet, welche den Mein frischschmeckender und haltbarer macht.

Tie Bereitung des Aepselschaumweins- sogenannten Aep felw einch ampagn ers erfolgt tm allgemeinen wie die des Traubenchampagners, d. h. man üllt den Most erst in Champagner-Flaschen, wenn er ganz lar ist, löst im Liter 16 bis 20 Gramm reinen Zucker auf, etzt einen klaren, nötigenfalls filtrierten Auszug von 30 Gramm Rosinen mit ein Achtel Liter Wasser zu und über­läßt diese Mischung der Nachgärung in den Flaschen.

Der Aepfelwein pflegt bei guter Beschaffenheit des ver­wendeten Obstes und bei richtiger Behandlung des Mostes von selbst klar zu werden und klar zu bleiben. Wird der­selbe aber unklar, so kann man ihn mit abgerahmter süßer Milch. (1 Liter pro 1 Hektoliter Wein) oder mit 1/4 Liter Hausenblasenschöne pro 1 Hektoliter schönen.

Die Bestandteile des Aepfelweines sind: Alkohol, Zucker, Aepfel- und Kohlensäure, Glycerin, Gerbstoff, Stickstoff, Mineralstoff, Kali, Kalk, Magnesia, Phosphorsäure rc. Im großen Ganzen darf man daher Aepfelwein als rein und ohne Zusätze hergestellt ansehen. Von einer Verfälschung kann nur insofern die Rede sein, als schädliche Materialien (wie unreiner Stärkezucker) sowie Konservierungsmittel an­gewendet sind, oder Aepfelwein als reines Produkt ver­kauft wird, der durch zu großen Zusatz von Wasser und Zucker eine ungewöhnliche Verinehrung erfahren hat.

Am besten schmeckt bekanntlich der Aepfelwein, so lange er noch Kohlensäure entwickelt, später vermehrt sich sem Weingeistgehalt; er kann aber auch zurückschreiten, sodaß er mitunter bitter, herb und schließlich gar sauer wird.

Ms gesundes und tägliches Hausgetränk ist Aepfel­wein dem Branntwein und vor allem fchlecht gebrauten Biere entschieden vorzuziehen und so mögen denn alle Lieb­haber desHohenastheimers" und solche, die es zu werden wünschen, gerade jetzt in der Zeit desSüßen" und Rauschen" eingedenk sein des Verses aus einem Aepfeh-