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Lautenschläger das große Problem gelöst. Die Drehbühne soll die größte praktische Vervollkommnung in Bezug auf Maschinen, Beleuchtung, Dekorationswesen, Sicherheit und Ersparung an Arbeitskräften aufweisen und doch nicht kostspieliger. im Gegenteil auf Grund der bisherigen Erfahr-, ungen weit billiger zu stehen kommen, als jede andere Ein- richtung, die nach dem System der Drehbühne hergestellt wird. Karl Lautenschläger will auf seiner vereinfachten Drehbühne z. B. eine Abteilung des Nibelungenrmges aus- stelleu, und zwar so, wie Wagner sich die technische Buhnen- ausgestaltung dachte, und wie sie bisher nur auf wenigen Bühnen durchgeführt wurde, weil einesteils die bestehenden Bühnenräume nicht ausreichten, andererseits aber die Kosteii zu hoch gewesen wären.
* A u ch e i n S p r a ch r e i n i a e r. Die Tätigkeit jener patriotischen Männer, die seit Jahr und Tag die deutsche Sprache „reinigen", beginnt nachgerade unheimlich zu werden. Wir haben nicht nur einen deutschen Sprach- Verein, der jedem Fremdwort, und sei es noch so eingebürgert, grundsätzlich zu Leibe geht, jetzt tünchen auch Sprachreiniger uns, die auf eigene Faust iim die Rettung unserer Sprache beflissen sind. Ein dieser Tage erschienene^ Buch „Deutsche Scherflein zum Sprachschatze" von Gottgeft — soll heißen Theodor — Dehlinger, ist eine der radikalsten Leistungen deutscher Sprachneuerung. Herr Dehlinger macht kurzen Prozeß: für jedes Wort, was ihm nicht gefallt, erfindet er einfach ein neues. Seine ungewöhnliche sprach,- bildnerische Kraft wird man aus folgenden Neubildungen erkennen: Nordamerika z, B. heißt in Zukunft „KlombeM, die Vereinigten Staaten werden kurz und schnarfig — das heißt nämlich: prägnant! - die „Jänkei" genannt. Wer die „Jchter", den Aequator, passiert — richtiger flirtet — gelangt nach „Amringen", d. h. Südamerika. Armatur hecht bei Dehlinger nicht etwa Bewaffnung, sondern „Sarmch Quartal nicht Vierteljahr sondern „Dreimot", Antiquitäten nicht Altertümer, sondern „Firnsel", und Amateur- Pbotograph — „Anbuhl-Laukser"! Wer zu welchen feinen Unterscheidungen führt ihn der Genius oder „Ansel" der Sprache! „Pirs" ist bei ihm Papier, „Pars" Papiermache und „Vurf" der Papyrus. — Jü der nach Dehlinger „ gereinigten Sprache wird der Satz: ein Fabrikant hat über die Lieferung einiger Maschinen, einer Lokomotive und eiltet elektrischen Lokomobile einen Kontrakt signiert, also lauten: ein „Warchner" hat über die Lieferung einiger „Schükse", einer „Suly" und einer „ilzigen Schaub" einen „Schager gebochert". Noch schöner wird die Sache, wenn man etwa hört: Der Begriff der „Duler" geht über den „Zork" der „allwendigen Eltrieste" und „widerzichtsamen Lortbolte". Dieses Kauderwelsch soll nämlich heißen: Der Begriff der Toleranz geht über den Horizont der ultramontanen Katholiken und protestantischen Orthodoxen. Diese Beispiele genügen wohl, um den Verdienst des Herrn Dehlinger zu würdigen. — Schopenhauer, der schließlich auch ein ganz gutes Deutsch schrieb, meinte einmal mit Beziehung auf gewisse Sprachueuerer, daß der Patriotismus, wenn er im Reiche der Wissenschaften auftreten will, ein schmutziger Geselle ist, den man beim Klagen packen und hinauswerfen soll. . .
* Die Temperamente des Rauch ers. Man kann, wie die Nords, schreibt, den Männern, die da rauchen, nur den guten Rat geben, sehr darauf zu achten, wie sie ihre Zigarre im Mund halten; denn wenn es mehr so gute Beobachterinnen gibt wie eine Engländerin, die die Männer darauf studiert hat, so werden sie von den Frauen erkannt, noch ehe sie ein Wort gesprochen haben. Obgleich die Männer, schreibt die scharfsinnige Dame, sich nicht bewußt sind, ihren Charakter durch die Art, wie sie rauchen, zu verraten, kann ein Zuschauer doch viel aus seinen Beobachtungen herauslesen. So hat z. B. der Mann, der beim Rauchen seine Zigarre aufwärts gerichtet hält, ein tatkräftiges Temperament, und er ist wahrscheinlich geschäftlich flink, wohingegen der Raucher, der seine Zigarre zum Kinn abwärts fallen läßt, ein Träumer voller Pläne und herrlicher Ideen ist, zu deren Ausführung er niemals die nötige Tatkraft finden wird. Zwischen beiden steht der Mann, der seine Zigarre stetig und wagerecht hält; er hat eine harte berechnende Natur mit starken charakteristi- sichen Kennzeichen; vorherrschend ist dabei eine Gleichgiltigkeit gegen pie Gefühle anderer. Wer seine Zigarre aus
gehen läßt und sie während des Rauchens wieder ansteckt, ist jedenfalls ein unvernünftiges Individuum. Der Mann dagegen, der sie nach dem Anstecken in freudiger Erwartung zwischen den Fingern hält, und der häufig und zärtlich das brennende Ende prüft, um zu sehen, ob sie ruhig brennt, ist schwer zufriedenzüstellen und besitzt viel persönlicheü Stolz. Der Verschwender, der auch nicht übermäßig sauber in seiner persönlichen Erscheinung und seinen Gewohnheiten ist, beißt ' das Ende seiner Zigarre ab; der erfolgreichje Kaufmann dagegen, dessen Beherrschung der Details die Hauptsache seines Reichtums ist, schneidet sorgfältig und ordentlich die Spitze ab, ehe er die Zigarre ebenso sorgfältig ansteckt. Pfeifenraucher, die ihre Pfeife fo fest zwischen den Zähnen halten, daß sie das. Mundstück, markieren, sind leidenschaftlich!^ und nervös und auch, meistens von sich- eingenommen; der „Berschchender" aber, der lieber die Zeit totschlägt, als daß er kräftige Anstrengungen macht, läßt seine Pfeife über die Unterlippe herabhängen, als wenn er nicht genug Energie hätte, sie'zu stützen. Der Mann, der als Freund zuverlässig ist, stopft langsam und methodisch seine Pfeife und raucht sie fertig, fast mechanische . . .
* Wovon die Schönheit der Fran ab hängt. Ter bekannte Arzt Dr. C. H. Stratz erörtert in interessanter Weise einige Momente, die auf die Schönheitswirkung der Frau von Einfluß sind: „Es gibt viele Frauen, die von' der Natur besonders bevorrechtet sind und stets dieselben schönen Farben zur Schau tragen, andere, die ihre guten! und schlechten Tage haben. Tie letzteren sind häufig zartbesaitete Naturen, bei denen sich jede auch noch so geringe Störung des Nerven- und Seelenlebens oder des Blutumlaufes in der Veränderung des Teints erkennen läßt." — Abgesehen von diesen von der Konstitution abhängigen Ursachen gibt es noch andere äußere Erscheinungen^ die die Farbe des Teints beeinflussen können, und das. sind die optischen Wirkungen oder, wenn man will, die optischen Täuschungen. Die Farbe der Umgebung — helle Farben machen breit, dunkle schmal — tragen naturgemäß dazu bei, den Teint und die Gestalt zu ändern. Die Licht- quelle selbst ist von größtem Einfluß auf die Wirkung, die der beleuchtete Gegenstand hervorbringt. Sonnen-^ Mond-, Gas- und elektrisches Licht beeinflussen in der verschiedenartigsten Weise. Die Wachskerze liefert im allgemeinen die günstigste Beleuchtung weiblicher Schönheit.
Eitevavisches.
— Paul Mahn: Der kranke Fritz. — Novelle. Verlag von F. Fontane u. Co. in Berlin. — Preis 2 Mark. — Einen heiklen Stoff, das Hineinspielen des Physiologischen in das rein psychische Gebiet der Liebe, behandelt Paul Mahn in seinem neuesten. Werke. Er gibt dem Problem dadurch einen neuen Boden, gleichsam eilt anderes Feld der Betätigung, als es auf den ersten Blick zu besitzen scheint, daß er es der Brutalität der unmittelbaren Wirklichkeit entrückt und es sich lediglich in der Vorstellungswelt des eilten der Liebenden abspielen läßt. So wird der Konflikt für denjenigen, der ihn zu durchkämpfen hat, nicht minder wirklich, als wenn er auf realen ^glsachen ruhte, verliert aber in feinen Endkonsequenzen bte ihm sür gewöhnlich anhaftende beleidigende und verletzende Roheit, weil er der Macht des blinden Zufalls entzogen ist. Wie der Stoss liier von einer feinen und behutsamen Kunstler- hand geformt worden, stellt er seinem letzten Sinne nach den Sieg des Glaubens, des bedingungslosen Vertrauens über die stumpfen Widerstände der Realität dar, den Triumph einer entschlossenen und opferwilligen Bereitschaft über kleinliche Tücke und Scheelsucht.
Gleichung.
(Nachdruck verboten.) a _|_ b + c — (d — e) = x.
a Fluß in Sibirien, b Himmelskörper, c Getränk, d symbolischer Schmuck, e schmackhafter Fisch, x ein in den Spätsommer und. Herbst fallendes Ereignis. (Auslösung- in nächster Nummer.)
Auflösung des Logogriphs in vor. Nr.r Hans, Hals, Haus.
Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sckcn ünivcrsitäts'Vuch- und Cteindrnckeici. R. Lange, Gießen,


