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mir einen Augenblick schmeichelte und mich den nächsten wieder tadelte, und mtr stets mit solcher Freude in ihrer widerwärtigen glatten Art zu zeigen suchte, daß ich viel zu ungebildet sei für die englische Gesellschaft. Ihr war alles bekannt Über mich, was ich leider nicht wußte, und sie dachte ein gutes Geschäft mit mir zu machen, was ihr aber nie, nie gelingen soll!"
(Fortsetzung folgt.)
Der „Goethe-Tempel"
im Darmstädter Herrengarten.
Das kleine Denkmal, dessen Enthüllung in diesen Tagen unter den ehrwürdigen Wipfeln des Darmstädter Herrengartens mit einer ernsten Feier begangen wurde, unterscheidet sich in mehr als einer Beziehung von den mannigfachen großen und kleinen monumentalen Anlagen, welche in Deutschland seit dessen ruhmreicher Einigung in fast übergroßer Anzahl errichtet worden sind. Der Ort, an welchem es steht, sein architektonischer Aufbau und seine plastische Gestaltung, die Art, wie es sich schüchtern zu verbergen scheint in dem grünen Gerank des alten Parkes: das alles ist etwas anderes, als man es sonst gewöhnt ist und man kann in deutschen Gauen an.öffentlicher Stätte kaum ein Bildwerk finden, das sich mit diesem in allen wesentlichen Punkten in Uebereinstimmung befände. — Wem gilt es? — Welches Ereignis soll es im Gedächtnisse der nachfahrenden Geschlechter festhalten? — Ist es eine Huldigung, ein Weihgeschenk des Dankes, ein Sinnbild der Trauer, ein Wahrzeichen gerechten Stolzes? — Nichts von alledem! — Wir dürfen an diesen geheimnisvoll blickenden, hold verschwiegenen Knaben keine der Fragen richten, die uns sonst von der sinnfälligen Redseligkeit neuzeitlicher Denkmäler nur allzu schnell beantwortet werden, oft ehe ■ wir sie noch gestellt. Wir stehen in seinem Bannkreise mit -»Ehrfurcht, und noch bevor wir uns aus der Geschichte gewisse erhabene Gestalten und Zustände zurückrufen, ist es uns doch bewußt, daß wir an Großes erinnert werden sollen; denn es geht etwas wie eine Weihe aus von der schuldlosen Jugend dieses schönen Knaben. „Seid stille!" So mahnt uns seine sanft erhobene Hand: „seid stille!"
-Der Volksmund wird, so steht zu vermuten, von einem „Goethe-Tempel" sprechen; und doch ist es kein „Goeche- Denkmal". Es ist ebenso wenig ein „Merck-Denkmal" noch auch eine Monument für Karoline Flachsland, die liebenswürdige Gattin Herders, obzwar die Bildnisse aller drei den Marmor-Sockel zieren, auf welchem sich die Bronze- Figur erhebt. Es ist kein Ehren-Mal für Menschen, Dinge ung Geschehnisse, sondern es ist ein Erinnerungs-Mal an eine wundersame Zeit, an eine Epoche in unserem nationalen Geistesleben, an eine kurze Reihe schwärmerischer Jahre, die uns immer mit eigener herber Süße und Wehmut erfüllen werden: an bte Jugendzeit der modernen Seele, an die Tage, da der Deutsche, noch nicht mit ehener Notwendigkeit auf Ziele der Macht gerichtet, dem Jüngling gleich den Lenz seiner erwachenden, üpptg reifenden Frucht genoß.
Daran muß man denken, wenn man verstehen will, was die Urheber dieses kleinen Werkes zum Ausdruck bringen wollten. Nicht ein Standbild Goethes, noch ein solches Mercks sollte hier errichtet werden, sondern an der Stätte der Erinnerung selbst wollte man mit einfachem Schmucke dokumentieren, daß man derer gedenke, die einst hier wandelten, und daß wir Deutsche, nun Männer geworden und aus männliche Machtkämpfe gerichtet, uns zuweilen, wie vom Heimweh erfaßt, uns zurückträumen in die Jünglings- Tage unserer Seele, so wie Goethe, der Mann gewordene, Gererste, Gefestigte, Gewaltige selbst es tat, als er das Vorspiel zu seinem „Faust" schrieb, der eben damals, als
‘3eu Darmstädter Freunden verkehrte, in sein erstes, zügellos emportreibendes Wacbstum eingetreten war. Wer hat sie je ohne Rührung gelesen jene Worte des Dichters:
So gib auch mir die Zeiten wieder.
Da ich noch selbst im Werden war. Da sich ein Quell gedrängter Lieder ! Ununterbrochen neu gebar, , Da Nebel mir die Welt verhüllten,
Die Knospe Wunder noch versprach. Da ich die tausend Blumen brach, Die alle Täler reichlich füllten.
Ich hatte nichts und doch genug.
Den Drang nach Wahrheit und die Lust am Trug.
Gib ungebändigt feste Triebe,
Das tiefe schmerzenvolle Glück,
Des Hassens Kraft, die Macht der Liebe,
Gib meine Jugend mir zurück!
Hier hat man alles, tvas das kleine Bildwerk uns sagen möchte, das uns Ludwig Habich in der von Adolf Zeller errichteten pergola-artigen Laube aufgestellt hat. Die Schöpfer des Werkes drängten sich daher auch nicht damit auf den Markt. Viel eher noch zeigen sie den Ehrgeiz solcher, die ein kleines Geheimnis sorgsambewahren unter rauschenden Bäumen am Kreuzweg, wo zuweilen Einer mit geruhigem ©innen verweilt und zurückdenkt au die Tage, da er jung war und alle, die er liebte, da sein Volk jung war — so wie der Knabe dort. — Sie scheinen zu hoffen, daß der üppig wuchernde Park feine grünen Wellen darüber hin wälzen werde und daß es bcnut nur ber erblicken werde, der es sucht. — Der Architekt wählte eine sehr einfache, antikisierende Form: ein paar Stufen, eilt paar Säulen; nach rückwärts, um der Figur Halt und Hintergrund zu geben, eine Pfeiler artige Mauer, in welche der Weihespruch eingelassen ist, darüber ein paar geschweifte, leicht ornamentierte Ruhebänke aus Sandstein: das ist alles. Der Architekt war sichtlich bemüht, klassizistische Formen in der Art anzuwenden, wie man es am ■ Ende des 18. Jahrhunderts liebte und sich zugleich mit der Gartenlandschaft und dem formalen Charakter der lebensgroßen Bildsäule in Einklang zu setzen. Die volle Wirkung wird aber erst eintreten, wenn das Ganze über und über von Schlinggewächsen überwuchert und die Helle Färbung des Sandsteines von den nachdunkelnden Ein- flüsseu der Witterung, von den grünen und grauen Tönen der Algen belebt sein wird.
Nicht ohne „frommen Schauder" wird man dann in grüner Dämmerung vor den Genius treten, den dieses symbolische Gehäuse umschließt. Wurde es uns noch möglich sein, die Sprache der „Empfindsamkeit" zu sprechen mit der Pose jener Zeit, da Goethe und Merck in Darmstadt „mit einander jung waren", so würden wir vielleicht sagen, es sei eine „Ode an die Jugend", die da gesungen wird, die in dem Herzen des Künstlers leise erklang, als er diese Gestalt zuerst schaute und als er sie, das Geschaute vor Augen, schuf. Es ist etwas Hymnisches in dem Ganzen; wir begreifen wohl, warum diese Figur auf einen Unterbau aus edelstem Marmor gestellt wurde, der einem Altäre nicht unähnlich ist, und wir begreifen auch, warum mau die Bildnisse Goethes, Johann Heinrich Mercks und der Karoline Flachsland der Hauptfigur gewissermaßen nur als Zierate in Form bekränzter Medaillons unterordnete. Dem „Genius" ertönt der Lobgesaug, dem schöpferischen Geiste, der noch träumt, und seiner heiligen Kraft noch unbewußt, prangt in der Anmut seiner Jugend: nicht aber einzelnen Menschen! — und darum, weil er das erkannte und wollte, darum lächelte dem Künstler das Glück bei der Schöpfung dieses seines schönsten Werkes. Er ward dadurch frei von allen konventionellen Fesseln welche den Bildhauer sonst so oft zwingen, banal zu denken und banal zu gestalteu. Er sah sich weder gebunden an die pedantischen Forderungen „exakter" Goethe-Gelehrsamkeit, noch an die spießbürgerliche Porträt-Aehulichkeit, noch auch au allerlei kleine Spezialitäten des Lokalstolzes. Er war nicht gezwungen zu tausend überlebensgroßen Figuren in Schößen-Röcken und Schnallen-Schuhen bte tausendunderste hinzuzufugen zur „Befriedigung eines längst gefühlten Bedürfnisses" und es war ihm erlassen, die Musen und Grazien samt ihrem Tongeräte wiederum vom Parnaß zu holen, um mit ihnen an den Stufen und Sockel-Flanken in süßlichem Marmor die üblichen lebenden Bilder zu stellen. Kurz: so ist es gekommen, daß Darmstadt nicht ein „Goethe-Denkmal" hat wie jede beliebige andere Stadt — der erfahrene Frentde schenkt diesen Dutzend-Monumenten ja kaum noch einen flüchtigen Blick — "sondern einen kleinen Bezirk weihevoller Erinnerungen, gefaßt und geziert durch ein Werk eigener, heimatlicher Kunst. Das ist doch etwas, was man nicht überall und nicht alle Tage findet, und es hätte seinen besonderen Wert, auch wenn es künstlerisch nicht so geglückt wäre, wie es in der Tat der Fall ist. Wir haben in Deutschland nur ganz vereinzelte Bildwerke in Bronze, die neben oder gar über diesem Genius Habichs einen Rang behaupten können. Von der Reife, Sicherheit und prachü-


