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setzt infolge der Drahtseilverbindung den hinuntergehenden in Bewegung. Die Höhe dieses Berges beträgt etwa 3500 Fuß. Die Linie wurde vor etwa 35 Jahren gebaut. Die Baukosten waren sehr bedeutend, denn es waren an den steilen Abhängen die Ausführung großer Massen Mauerwerk erforderlich. Es waren aber noch ganz andere Schwierig­keiten zu überwinden. Während eines einzigen kurzen Un­wetters fallen hier enorme Regenmengen. Um diese ge­fährlichen Ueberschwemmungen abzuleiten, sind zahlreiche Schleusen unter der Strecke gebaut worden, und massive Röhrenleitungen sind fast längs der ganzen Oberfläche gelegt. Wenn man die Ebene unten erreicht, hat man nur noch eine kurze Fahrt bis Santos zu machen. Im Fahre 1900 ist eine zweite, mit der ersten parallellaufende Bahn mit einem noch größeren Kostenaufwande vollendet worden, um den ungeheuren Kaffeetransport bewältigen zu können.

Santos ist nach Wert und Wichtigkeit seines Exportes der zweite Seehafen Brasiliens. Es ist ein heißer, schmutziger, feuchter, ungesunder Ort. Im Hafen können die Dampfer längs der schönen, steinernen Brücke anlegen, und die Kaffeewagen werden direkt auf die Docks gefahren. Dann werden ausgezeichnete hydraulische Krähne verwendet, um die Wagen direkt in die Dampfer zu entladen. Rost schildert diese Vorkehrungen für den Kaffeetransport als die vor­trefflichsten Vorrichtungen dieser Art in der ganzen Welt.

Vermischtes.

Eine heitere Geschichte, die den enorinen Fremden­zufluß in Mainz und Umgegend treffend kennzeichnet, hat sich während der Kaisertage dort ereignet. Kamen da zwei Damen mit einem 16jährigen Verwandten aus der wei­teren Umgebung nach Mainz, um sich die Herrlichkeiten der Kaisertage anzusehen. Frohen Mutes bestieg man gegen Abend einen der dem Kaiser entgegenfahrenden Dampfer, während dessen Rückfahrt man sich riesig an der herrlichen Beleuchtung erfreute. Das Schiff sollte 10 Uhr in Mainz sein, und da war ja nochs genügend Zeit, den Eisenbahn­zug, der unsere Festgäste nach der teuren Heimat bringen sollte, zu erreichen. Doch des Geschickes Mächte! Wohl war der Zug schon seit mehr als 15 Minuten den festlichen Mauern Moguntias entronnen, als die verzweifelten Rhein- fayrer gegen 11 Uhr die Dampfer entleerten sich der Reihe nach! endlich festen Boden unter die Füße be­kamen. Wie das einmal so ist im Leben: In scharfem Trab gings zum Bahnhof, in der Meinung, der Zug könne vielleicht doch noch da sein allein er war fort und< fort ist fort. Was machen wir nun? Im Hotel über­nachten! Allüberall, wo man nun anklopfte, that sich's zwar auf, aber Platz war keiner mehr alles, alles ver­geben ! Inzwischen war man auf der Quartiersuche bis zu den Hotels zum Vater Rhein gekommen! Auch dort war leichtbegreiflich! nichts mehr zu finden. Doch halt! Da drüben liegt ja die Seestadt Kastel, dort ist gewiß Platz! Auf nach Kastel! Die Brücke dröhnte unter den hoff­nungsfreudigen Schritten der inzwischen recht müde gewor­denen Wanderer. In Kastel o, jerum das gleiche Schicksal wie in Mainz! Verzweiflung! Da naht ein rettender Engel in Gestalt einer müden Droschke!Kut­scher, fahren Sie uns nach Biebrich Hotel X.; in Mainz und hier ist nirgends mehr Unterkunft zu finden!" Und wiederum gings hinab den herrlichen Rheinstrom, freilich diesmal weniger sanft als am Abend zuvor, auch war es inzwischen schon recht spät, 1 Uhr nachts, ge­worden, es war schon Samstag. Näher kam man gen Biebrich, froh grüßte man den Schein der ersten La­terne. Ter Kutscher hält am renommiertesten Hotel. Klingeling!" Alles besetzt! Nebenan alles besetzt! Selbst Biebrich war überbesetzt! Thränen!Nun fahren wir weiter nach Wiesbaden!"O,", meinte der Kutscher,mei Gaul der macht glei ab, mir könnens nit packe, 's geht beim beste Wille nit!" Was nun? Thränen über Thränen! Da geht unserem braven Kasteler Kutscher, wenn auch spät, endlich ein Licht auf:Wisse Se was, die Nacht is so wie so bald herum, ich fahre Ihne haam noch Kassel, mache die Chais schee zu unn do bleiwe Se de Rest vunii der Nacht unner meim Thorhaus in de Chais sitze und schlöße so gut 's ewe geht!" Gesagt gethäu!| Früh morgens kochte die Frau Kutscherin sie ließ es sich

nicht nehmen unseren Gästen einen prima Cichorie und' nachdem man sich etwas in Ordnung gebracht, fuhr man in dem vierrädrigen Hotel hinaus auf den großen Sand, Was da dem Auge geböten ward, entschädigte sich alles -4 Alles besetzt!"

Die Moral von der Geschicht:

Versäume Du denLetzten" nicht.

Und kommt's im Leben vor noch mal. Dann denk erst an den Wartesaal.

Bon den Ostseebädern. In Süddeutschland sind, so plaudert ein Sommerfrischler in denM. N. N.", die Ostseebäder weniger bekannt, als die der Nordsee, die kräf­tiger und wirkungsvoller sind. Die Dünen der Nordsee haben ja auch ihre Reize, aber das baltische Meer ist freundlicher, als sein westlicher Nachbar, und die land­schaftliche Szenerie ist ansprechender. Die Buchenwälder des Ostmeeres sind weit berühmt, es giebt dort mächtige Kreideklippen aus dem deutschen Rügen und dem dänischen Moen, und das Gewässer lacht freundlicher. Die Dan­ziger Bucht ist besonders beliebt, und der Weg von Saßnitz nach Stubbenkammer auf Rügen ist von großartiger Schön­heit. Leider ist die Zivilisation in den Ostseebädern zu raffiniert geworden. Durch das Waschen der Badehosen und das Kämmerchen-Vermieten, durch Segelpartien und Darreichen der Atzung für die Fremden sind die Fischer jener Küste wohlhabend geworden; eine Familie ohne Piano giebt es dort nicht mehr, und wie eine ferne Sage klingt es, daß die Fischerstöchter früher die höhere! Mädchenschule noch nicht besuchten. Die männliche Jugend ging nach China und Australien, und wenn sie ein paar große Fahrten" überstanden hatten, besaßen sie so viel, daß sie sich ein Häuschen und ein Boot erwarben. Hie und da legte sich auch einer dieser früherenMeergreise"' einen Kaufladen an, in dem es Atlasbänder, Schiefertafeln, Seife und Salzheringe neben Zwirn und Wolle gab. Einen solchen Laden besaß der alte Hauer in Saßnitz, und eine Szene aus seinem Geschäftsverkehr ist mir in unaus­löschlicher Erinnerung geblieben. Ein Dienstmädchen tritt ein:Go'n Dag ok, Herr Hauer."Go'n Dag, mien Dierning. Wat wüst Du hebben?"Enen Hiring, Herr Hauer."Hest de enen Töller?"Ne".Heft Du Pappier?"Ne".Denn kannst Du ok Eenen Hiring kriegen". Bedauernd entfernte sich das Mädchen. Papier war so wenig am Orte vorhanden, in dem es auch keine Zeitung gab, daß die Waren nicht eingewtckelt werden konnten. In der Mittagsstunde schlief übrigens Herr Hauer im Laden, und wenn dann eine Kundin kam, brummte er, sie solle sich selber heraussuchen, was sie wolle, und am Abend oder am nächsten Tage Zahlung leisten. Ein Fall, daß jemand das Vertrauen Hauers in unredlicher Weise ausnutzte, ist wohl nie vorgekommen. Ja, die gute alte Zett!

Die unglücklichen Ehemänner von Turin. Ein absonderliches Zweckessen haben die male inmogliaki, die unglücklichen Ehemänner, von Turin und Umgebung vor einigen Tagen abgehalten. Nachdem das' Festmahl mit Tischreden und Musik hinreichend gewürzt worden war, hielt beim Nachtisch der mutige Urheber der Zusammen­kunft eine trostreiche Rede an seine Leidensgefährten und. Tischgenossen, worin er darauf hinwies, daß auf die par­lamentarischen Anregungen hin nun auch die Regierung sich entschlossen habe, der Frage der Ehescheidung naher zu treten, und daß in absehbarer Zeit auf gesetzlichem! Wege ihren Leiden Abhilfe geschafft werden könne. Das Mahl verlief, wie dieKöln. Ztg." bemerkt, ohne Zwischen­fälle, da die besseren Hälften nicht zugegen waren..

Gletchklang.

(Nachdruck verboten.)

Zur Höhe ragend, stolz erbaut;

Am Armband meiner lieben Braut;

Oft in der Lust ein Traumgebilde;

Im HauS auch wird es oft erschaut, Da bietet'S Trutz der DiebeSgilde.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung der Logogriphe in vor, Nr.r 1. Ehering Hering, 2, Pinsel Insel.

Nedastion: Curt Plato. Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen UniverfltötS.Buch- und Gtrindruckrrei (Pietsch Erben) in Gießen.