Ausgabe 
30.5.1902
 
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kostete 80 Millionen bis 40 Millionen Mark. Der Kanal hat eine Tiefe von 266) Fuß und an beiden Enden sind Schutzdämme ins Meer hinein geballt worden. Der Nord- Ostsee-Kanal ist rund 96 Kilometer lang und hat Schleusen an beiden Endpunkten. Er beginnt bei Holtenau an der Ostsee in der Whe von Kiel und vereinigt sich einen Teil der Eider benutzend, mit der Elbe bei BrunÄüttel. Dieses Unternehmen kostete 160 Millionen Mark. Die Russen haben die Wolga ulld die Newa durch einen Kanal verbunden, welcher durch Schiffe von 1000 Tonnen befahrbar ist. Ein in nächster Zukunft zur Ausführung gelangendes Unter­nehmen ist die Verbindung der Wolga mit dem Don, wo­durch das Schwarze Meer eröffnet sein würde. 'Der Kanal dürfte ungefähr 56 Kilometer lang sein und die Kosten wer­den auf 80 Millionen Mark geschätzt. Seeschiffe können Petersburg airf dem Kronstadt und St. Petersburg ver­bindenden Schiffskanal erreichen, welcher eine Länge von etwa 20 cngl. Meilen hat.

Venedig hat seineil Canal-Grande mit den zahlreichen Nebenkanälen. Diese Nebenkanäle sind äußerst düster und unfreundlich. Geisterhaftes Flüstern scheint von den.Mauern wiederzuhallen. Das Plätschern des Ruders weckt ein hohles Echo in den schwarzen, unheimlichen Höhlen, die zu beiden Seiten gähnen. Der Gondolier führt" den Frem­den überall hin in seiner müßigen Art. Jeder hat Muße in Venedig, nur nicht der Tourist. Schwer beladene Markt­boote, schwarze Barken mit Silberfranzen, welche den Toten nach San Michele tragen, gleiten lautlos dahin. Nur zu­weilen hört man leisen, monotonen Gesang. Der Canal- Grande ist der Kanal der 'Dichter und Maler.

Der Panama-Kanal wurde unter der Protektion des Herrn v. Lesseps begonnen in der Absicht, die Landenge von Panama zu durchstechen und so den atlantischen mit dem pazifischen Ozean zu verbinden. Die projektierte Länge des Kanals betrug 47 en gl. Meilen. Ein mörderisches Klima, Unterschätzung der natürlichen Schwierigkeiten, vor allem jedoch skandalöse Finanzmachinationen, Bestechungen rc. führten den Ruin desselben herbei. Die Frage der Voll­endung dieses so überaus wichtigen, grandiosen Projektes ist jedoch vor kurzem durch ein günstiges Angebot von feiten der Panamagesellschaft an die Regierung der Ver­einigten Staaten in ein neues Stadium getreten; indessen ist es doch noch zweifelhaft, ob die Panamlavoute den Sieg über ihre gefährlichste Rivalin, die Nicaragnalinie, davon­tragen wird.

Die Länge des projektierten Nicaraguakanals, für den namentlich früher von amerikanischer Seite vielfach mit Wärme eingetreten wurde, beträgt etwa 170 engl. Meilen. Obgleich diese Strecke fast viermal länger ist als der Panama- Kanal, so ist der Bau doch durch natürliche Vorzüge in Gestalt eines Binnensees und Benutzung des San Juan- Flusses begünstigt. Diese Vorzüge erweisen sich indessen bei näherer Betrachtung als ziemlich illusorisch; dieselben werden durch bedeutende Schwierigkeiten, welche dem Unternehmen im Wege stehen, vor allem den außerordent­lich starken Regenfall in dem vom Kanal zu durch­schneidenden Lande und die Art des Gesteins, durch welches der Durchstich teilweise geführt werden muß, reichlich wieder ausgewogen. An der Vollendung eines dieser Projekte sind die Vereinigten Staaten, wie England in hervorragender Weise interessiert. Der Erie-Kanal verbindet den Erie-See rnit dein Hudson und bildet einen Teil eines großen Kanal- systems, welches über 640 engl. Meilen lang ist und dem Staate Newyork gehört.

Kanada wurde seit 10 Jahren durch ein großes Kanal­projekt in Anspruch genommen. Die der Regierung ge­hörenden Kanäle waren nicht für Schiffe mit mehr als 9 Fuß schiffbar; die Ausführung des Projektes hat jetzt jedoch eine leistungsfähige Wasserstraße zwischen den großen Seen, dem St. Lorenz und Montreal geschaffen, welche f1; jStfiiffe. bon 14 Fuß Tiefgang fahrbar ist. Durch die Croftnung des neuen Kanals ist den gewaltigen Stahl­werken der Dominion Jvon and Steel Eompany und der Nova Scotia Steel Eompany die Möglichkeit gegeben, mit den amerikanischen Firmen, deren Abnehmer Kanada bisher war, in erfolgreiche Konkurrenz zu treten. Die Dominion Eoal Company verschifft in jeder Saison 2 Millionen Tonnen Kohle, sodaß der kanadische Kanal ein wichtiger Faktor für die Verteilung von Erz und Kohle sein wird. Und Sidney (Cape Breton) bald zu den bedeutendsten Häfen

gehören, sowie erheblichen Einfluß auch auf den europäischen Stahl- und Eisenmarkt gewinnen dürfte. Ter 150 Km. lange, von Lesseps angelegte Suez-Kanal ist eine der besten und sicherlich eine der nützlichsten Wasserstraßen. Er wurde am 17. November 1869 eröffnet. Tie Ausführung der Auf­gabe war mit großen Schwierigkeiten verknichft. Werk­stätten und Maschinen mußten in der Wüste ausgestellt werden. Enorme Baggermaschinen von 110 Fuß Länge und 75 Pferdekräften ivnrben benutzt. Jede dieser Maschinen kostete 400 000 Mk. und hatte täglich 2000 bis 3000 Kubik­meter Erde abzutragen. Ungefähr ein Jahr nach der Er­öffnung des Kanals war die Gesellschaft in ernstlicher Geld­verlegenheit. Am 23. November 1875 gab der Khedive sein« Bereitwilligkeit kund, seine Aktien (176 002 an der Zahl) an die englische Regierung für 80 Millionen Mark zu ver­kaufen. Zwer Tage später war das Abkommen unterzeichnet und ein Arrangement mit den Herren Rothschild getroffen, 20 Millionen Mark bis zum 1. Dezember und die weiteren Millionen im Januar und Februar aufzubringen. Am 1. Januar 1876 wurden vier, die Aktien enthaltende Zink­kästen bei der Bank von England deponiert,an die Ordre des Schatzkanzlers und Baron Rothschilds" und so führte die mißliche finanzielle Lage der Gesellschaft dazu, England die Kontrolle über den für den Weltverkehr so wichtigen Kanal für immer zu sichern.

Wegen des erhöhten Tonnengehalts der neuen Linien­schiffe soll die Tiefe des Suez-Kanals auf 30 Fuß ver­mehrt werden. Die Einführung elektrischen Lichtes ge­stattet auch Nachtverkehr auf dem Kanal. Vor ungefähr 2 Jahren enthüllte der Khedive unter großen Zeremonien ein Denkmal Ferdinand v. Lesseps bei Port Said in Gegen- ivart des diplomatischen Korps, der egyptischen Minister und Beamten und Hunderten von Gästen aller Nationali­täten. , Englische, französische, amerikanische, italienische, österreichische und dänische Kriegsschiffe tvaren im Hafen. Eines der neuesten Projekte hat die Verbindung des atlan­tischen Ozeans von der Bucht von Biskaya mit dem Mittel­meer zum Gegenstand. Vor einigen Jahren veröffent­lichte ein französischer Ingenieur etnett bezüglichen Plan. Der Kanal sollte 512 engl. Meilen lang, 144215 Fuß breit und 2833 Fuß tief sein. Er würde 22 Schleusen haben ititb die Baukosten würden 540 Millionen Mark betragen. Man hat vorgeschlagen, den Weg nach der Ostküste Indiens um 350 Seemeilen abzukürzen, indem man die Insel Rames- waram durchstechen und einen Kanal durch den Golf von Manaar und die jetzt nicht schiffbare Palk-Straße anlegen sollte.

Ein weiterer Vorschlag, der wahrscheinlich zur Aus­führung gelangen wird, betrifft die Anlegung eines Kanals durch den Isthmus von Perekop, das schwarze Meer mit dem Asowschen Meere ans der dem Lande zugekehrten Seite der Krim verbindend.

Gemeennützsges.

Dicke Spargel zu ernten. Tie meisten Spargel­züchter sind der Meinung, daß sie genügend gedüngt haben, wenn sie int Winter ihre Beete düngen. Das ist über nicht der Fall. Wer besonders dicken Spargel ernten will und wer außerdem viel Spargel ernten will, muß auch düngen, wenn das Stechen aufhört also von Jvhanni an. Diese Düngung ist wichtiger als die Düngung im Winter. Wie sie einwirkt, schildert ein Artikel in Nr. 4 desErfurter Führer". Diese Nummer können unsere Abonnenten sich vom Geschäftsamt desErfurter Führer" kommeit lassen. Sie wird ihnen kostenfrei zugeschickt.

Z a h l e n q n a d r a t.

(Nachdruck tierboten.)

In die Felder des nebenstehenden Quadrates fallen die Zahlen ticn 3 bis 27 derart eingetragen werden, daß jede wage- rechte, jede senkrechte und jede der beiden Querreiheu die Summe tion 75 ergibt.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung der Steigerungsscherze in vor. Nr.:

, 1. Mal, Maler, 2. Zelt, Zelter. 3. Kamm, Kammer. 4. Reihe, ___________________________ Reiher. 5. meist, Meister. 6. wagen, Wagner.

Redaktion: I. V.: R. Dittmann. Rotaitonsdruck und Verlag der Brühl'schen llniversitäts-Buch- und Eteindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.