Ausgabe 
29.12.1902
 
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Noch Immer Gar sie tote erstarrt. F ixte Minuten. Endlich, ein leises Z

Noch iminer tote sie tote erstarrt. Zu einer Ewigkeit tvurden die Minuten. Endlichl, ein leises Zittern, ein leises Atmen die Ktast der Jugend hatte sich siegreich Bahn ge- brochen. Datiana erwachte und schaute in hie klarblickenden Augen eines Mannes, der sich! in Langer Hoffnung über sie gebeugt hatte, während Madame Praksin mit einem Oüeurflacvn in der Hand- aufgeregt daneben stand und den Eindringling, der ess gewagt hatte, ohne ihre Erlaubnis die Loge zn betreten, fassungslos anbuckte.

Warme Strahlen der Liebe drangen aus den Augen des Mannes, unter deren Gewalt Tatiana die ihrigen schließen mußte. Ein Gefühl ruhiger Sicherheit überkam sie, wie sie es bisher nur in seiner Nähe empfunden hatte«. Ihre Hand lag in der breitem mächtigen des Helfers, als ob sie für immer dahin gehöre, und dieser machte kein« Miene, die kleine, weiße Hand fahren zu lassen.....

Ser, den Sie gebe and markt haben", sagte Tatiana, Aögernd und mit leiser, bebender Stimme zu Boris Mitro- fanowitsch, als sie gestützt von ihm zum Wagen schritt, >,steht mir und den Meinigen nahe. Sie hätten tim schonen sollen."

Erschüttert schaute er sie an.

Wie konnte ich« es wissen!" gab er nach, einer Pause ebenso letse zurück.Und hätte ich« es auch gewußt", fügte er mtt der trotzigen Energie der Wahrheit hinzu,so würde W thn nicht geschont haben um der Gerechtigkeit willen!"

Auch« nicht um meinetwillen?" flüsterte sie.

D. zauderte einige Sekunden mit der Antwort.Ich fiihle", sagte er endlich« Mit tiefem Ernst,daß mir in diesem Falle meine Anklage unendlich« schwer geworden wäre, aber uh« hätte sie nicht unterdrücken können, denn" er &ögerte$einen Momentdie Gerechtigkeit geht noch über

Arm, der in dem seinen ruhte, zitterte, und ihr bleiches Gesicht tauchte sich in glühendes Rot.

Leben Sie wohl, Boris Mitrofanowitschi, preßte sie hervor,ich« bin der Ansicht, daß über die Gerechtigkeit t ~le$e geht, weil sie das höchste und das Heiligste in der Welt tst."

Wagm?^"^ Pvaksin trat hinzu Nnd stieg gleichfalls in den

Ernst sinnend schaute Boris« Mitrofanowitsch bent davonrollenden Gefährt nach«, bis es' im Dunkel der Nacht verschwunden war.

Als Gott die Welt schuf", murmelte er,war zuerst die Gerechtigkeit, aber dann kam die Liebe und mit ihr dre Sünde, unter der wir leiden. Und doch möchte ich an der Sette dieses Mädchens leiden bis in alle Ewigkeit!"

11.

Freundlich lachte die Morgensonne in den Salon Hinern, sodaß die Broncen und venetianischen Gläser auf dem Kaminsims und auf den Bortbrettern über den Paneelen blitzten und funkelten. Paletot, Hut, Handschuhe und Papyros>-Etui lagen unordentlich umher und bewiesen, I daß der Bewohner des eleganten Raumes erst in Güter Stunde heim gekehrt war. I

Noch« in den schwarzen Gesellschafts'anzug gekleidet, I lag Drmttry Kalussoss laitg ausgestreckt auf dem Divan und lreß seine glanzlosen Augen nach der Tecke oder nach! dem klernen Groom schweifen, der geräuschlos beit Früh- ststckstrsch servierte und die Holzkohlen im Ssamowar zur I vollen Glut anblies. I

ei r Nachdem der Groom hinausgegangen war, richtete sich laut gähnend empor, um nach einem geöffneten amtlich,en Schreiben zu greifen, das zur Seite des Divans auf einem Tischchen lag.

Auch das noch!" grollte er leise, während er das Schoben aufmerksam durchlas.Boris Mitrofanowitsch Lyschniii aus Odessa verklagt mich wegen EntwendUna geistigen Eigentums, bewirkt durch Nachsuchnng eines Pa- wnts auf einem von ihm erfundetlen Akkumulator. Nette Geschichte! Fühle mich so unschuldig wie ein neugeborenes I Jhnb. Penn Ilja Popow mich beschwindelt hat, bin ich doch selbst der Geschädigte. Tie Klage wird von meinem ver­ehrten Bekannten Schischkin vertreten, dem es sicherlich« zum Bergungen gereicht, mir für die Verluste, die ich seinem Intimus Glinka am grünen Tische beigebracht habe, gründ­lich, Heintz»zahlen. Die Situation wird bedenklich,"

Gähnend sank er wieder auf den Tivan zurück.Ein solches Konzert habe ich mir nicht träumen lassen", fuhr fort. ,Sch habe vieles erlebt, aber so etwas Tolles

I noch« nte!" Ohne Zweifel ist Popow ein Betrüger, und' meine fünfzehntausend Rubel sind perdü. Jetzt gehen mir die Auggen aus; Er wollte Geld und wieder Geld, während er an den Bau des Akkumulators und des Straßenbahnwagens im Leben nicht gedacht hat. Und ich Esel wollte ihm gestern, wenn das Konzert glatt ver- laufen wäre, noch die zweite Rate von fünfzehntausend Rubel, die ich mir mühsam mit den Karten verdient habe, in die biedere Rechte drücken. Na, die sind wenigstens ge­rettet und werden mich eine Weile über Wasser halten!"

Ermüdet schloß er die Augen, aber seine Gedanken kamen nicht zur Ruhe.Miliea Popow", versicherte er sich,benahm sich großartig bei der Katastrophe, sodaß sie Bewunderung verdient. Ein Weib tote von Stahl und mit der Energie eines Helden! Daß der Bruder ge- schwindelt hat, scheint sie ebenso wenig gewußt zu haben, wie ich. Tas war die echte, kalte Verachtung- die sie gegen ihn zur Schau trug. Mir ist der Bruder gleich- giltig, aber Miliea id« liebe sie! Wäre sie nur nicht so abweisend, leidenschaftslos und geheimnisvoll. Ich« mühe mich ab nm sie und komme um keinen Schritt weiter."

Er erhob sich, schritt zum Ssamowar und bereitete sich ein Glas Thee, das er bedächtig austrcmk. Nach­dem er sich eine Papyrosse au gezündet, setzte er, lang­sam hin- und herschreitend, seinen Monolog fort:Ja die Situation ist bedenklich sehr bedenklich geworden. Popow hat mich betrogen, und die Hoffnung auf den Akkumulator ist vernichtet, Lyschnin hat mich verklagt, für den edlen Bruder Jury existiere ich nicht mehr, im Klub' intriguiert man gegen mich, das Geschäft kracht in wenigen Wochen zusammen, und Jefim Godunow wird sich« für einen bankrotten Schwiegersohn bedanken. Tas Schlimmste ist, daß der Zusammenbruch, des Geschäfts den Strafrichter beschäftigen wird. Die einzige Rettung ist eine rechtzeitige Reise ins Ausland oder eine sofortige heimliche Heirat mit Tatiana, durch welche der Alte zur Hergabe seiner Reichtümer gezwungen wird. Steht Jefim Godunow vor einem fait aeeompli, so wird er trotz seines harten Schädels vielleicht Vernunft annehmen, uns in Gnaden aufnehmen und den Krach verhindern, um sich vor der Oeffentlichkeit nicht zu blamieren. Ein großes Malheur Ivar nur, daß ich sie gestern zu spät im Konzert ent­deckt habe gerade vor Schluß. Sie wird mich und Miliea beobachtet haben, sie wird eifersüchtig sein, sie wird eine Szene machen, aber ich werde sie beruhigen natürlich« beruhigen mit dem Hinweise, daß ich auch ge­schäftlichen Rücksichten gegen die Schwester meines neuen Kompagnons Popow ein gewisses Maß von Liebens­würdigkeit entwickeln mußte. Ist sie allein nach Moskau bekommen, so wird ihr Absteigequartier bei Praisins sein, ist sie aber in Begleitung des Alten gereist, dann treffe ich sie int Hotel auf der Nikolskaja. Jefim Godunow kann bod} nichts dagegen haben, wenn ich ihm eine Visite mache ich habe von seiner Anwesenheit gehört, und es ist mir ein Bedürfnis gewesen, ihn sofort aufzusuchen. Mit ihr unter vier Augen zu sprechen, wird sich dann noch immer bei einer günstigen Gelegenheit ermöglichen lassen."

Sein Gesicht erhellte sicb und nahm sogar einen ge­hobenen Ausdruck an. Mit Bedacht blies er die Rauch­wolken seiner Papyrosse in die Luft, daß sie zierliche Ringe bildeten. Träumerisch schaute er ihnen nach, und als sie zu phantastischen Gebilden zerflatterten, schien es ihm, als ob aus ihnen die Göttin Moneta mit ihren Goldsäcken tröstend winke.

Bald nachher fuhr Dimitry Kalussoff in sehr gewählter Frühlingstoilette zum Hotel auf der Nikolskaja. Hinter ihm thronte auf dem Gigg mit verschränkten Armen der kleine Groom, mißvergnügt über den scharfen Dienst, den er in der letzten Zeit gehabt hatte. Jetzt senkte sich die Peitsche des Herrn zum Gruße, aber Glinka, dem der Gruß gegolten, wandte den Kopf zur Seite, als habe er nichts bemerkt. Der kleine Groom triumphierte, während der Herr wütend in die Zügel riß> daß der Traber er­schreckt die Stange zwischen das Mbiß nahm und Miene machte, durchzugehen.

Diese Frechheit!" grollte Kalussoff, während er das Pferd mit aller Kraft zurückhielt,er wollte mich nicht sehen. Hoffentlich« wird mir bald Gelegenheit geboten, ihm seine Unverschämtheit mit Zinsen heimzuzahlen."