512
je erscheinen ließen. Und dann gingen sie langsam Hand tn Haird dem Kurhaus zu.
„Komm' heute nachmittag", sagte er impulsiv. „Noch können wir ungestört einige Stunden beisammen sein. Willst Du kommen?"
SBcttit —11
„Es giebt künftig kein ,Wenn'", lächelte er. „Kommst DU?" — ' : l •'
„Ich komme."
„Und so verliebtest Du Dich über einen Ententeich hinweg? Wie interessant!"
„Wer sagte Dir denn, daß ich mich verliebte? In diesem Alter! Sie war acht, und ich war zwölf. Wenn Du das verlieben nennst. — Sie trug Kattunkleidchen und Schnallenschuhe."
„Und hast Du sie seitdem nie wiedergesehen?" fragte das Mädchen nach einer langen Pause.
„Nie!"
„Hast Du nie gewünscht, sie wiederzusehen?'<
„Nein, durchaus nicht!"
„Aber siehe", sie richtete sich gerade auf und sah ihn an, „wenn. Deine Mutter es doch so sehr wünscht —"
„Ach, ich bitte Dich, Schatze lassen wir baSf Meine Mutter hat mich schon genug damit gequält"
„Doch zuweilen leben alte Zeiten wreder auf. Wenn Du ihr jetzt begegnetest, würdest Du Dich vielleicht in he verlieben?" "
„Wie? Seitdem ich Dich kenne? —"
„Vielleicht ist sie ein nettes Mädchen.^
„Ich kann mir nicht vorstellen, daß sie nett geworden ist. In der That, ich bin überzeugt, daß sie häßlich ist und Sommersprossen hat."
Ein Weilchen später sagte fier „Du hast mir nie den Namen dreses Mädchens gesagt."
„O, sie hieß Helene von Reichenberg."
„Reichenberg? Dann bist Du es> — Egon?"
„Ja. - Und Du?"
„Helene." ----
Egon war einfach starr. Sie rückte ein wenig von chm ab. „Ich meine", sagte sie endlich „Sie hätten nur dies früher sagen sollen."
„Aber, Du selbst —" stammelte er. „Du wolltest nicht einmal, daß ich Dir meinen Namen sagte — cm dem ersten Morgen, als wir uns sahen. Ich wollte es, und da sagtest Du, das würde uns die ganze Freude an diesem kleinen Roman verderben."
„Wie konnte ich das vermuten."
•en uns ändern.
Wir
Helene! — Das kann doch nichts zwischen uns ändern, haben ja unser Glück selbst geschmiedet."
., „Eck?", sie richtete sich gerade au. „Glauben Sie, rch! würde Sie jetzt heiraten — ich bin ja dasselbe Mädchen, dessen bloßer Name Ihnen verhaßt ist, von dem Sie sagen, daß jeder es Ihnen an den Hals werfen wollte? Ich! wurde Sre nicht heiraten, und wenn Sie der einzige Mann in der Welt wären!'< "
Unbewußt waren sie den kleinen Pfad entlang ge- gangen, welcher dem Lauf des Flusses folgte. Ein pein- liches Schweigen herrschte zwischen ihnen. Da wandte sich das Madchjen um. - ■ ..
„Ich möchte Sie nicht bemühen, Mich- weiter zu begleiten , sagte sie. „Ich kenne meinen Weg von hier aus-" Egon biß sich auf die Lippen.
„Es ist kaum nötig," sagte er, „mich so deutlich! daran zu erinnern, daß meine Gesellschaft unerwünscht ist."
„Das sagte ich nicht — gerade."
"Gs ist nicht immer nötig, seine Gedanken in Worte zu kleiden."
■./7^aruJS lhaten Sie es denn?" fragte sie ihn unvermittelt. „Warum sagten Die mir so deutlich daß ich Ihnen verhaßt bin."
„Weil ich ein Narr war!" versetzte Egon. „Darum, wenn Sre es wissen wollen!" Er stand ihr gegenüber in dem schmalen, sonnigen Pfad. Sie hatte ihr weißes Kleid ^eimmengerafft und - sah ihn mit zürnenden Blicken an. „Weil ich mir nicht denken konnte, daß aus einem Kind, r glelchgiltig war, sich ein so liebenswertes Wesen entwickeln könne. Und nun stoßen Sie mich zurück -- wo wir so nahe daran sind, glücklich zu werden -5
nicht nur durch den Willen unserer Eltern, sondern durch unsere eigene Wahl."
„Egon — sprichst Du denn auch die Wahrheit darf ich Dir denn auch glauben?"
„Siehst Du es denn nicht, baß ich meiner Thorheit tief bereue, — daß ich alles wieder gut machen will, sofern es in meiner Macht steht."
Mit Thränen in den Augen trat sie näher und reichte ihm versöhnlich die Hand.
Er nahm sie in seine Arme und drückte einen heißen Kuß aus ihre schwellenden Lippen — den Verlobuugskußi,
Vermischtes.
Schriftstellerhonorare. Wie sehr der materielle Erfolg eines Schriftstellers von seinem Ruhme abhängt, hat sich in den letzten Jahren bei Sudermann gezeigt. „Frau Sorge", „Geschwister", „Der Katzensteg" wurden von einem kleinen Kreise wohlwollend ausgenommen, erst der Abend des 27. November 1889 brachte dem Verfasser der „Ehre'< einen großen Namen. Die „Ehre" hat bis jetzt nicht weniger als 300 000 Mark an Tantiemen gebracht. Auch dis Uebersetzungen seiner Werke brachten Sudermann hohe Honorare Sin. Für „Sodoms Ende" wurden vom Sanct James-Theater in London 10 000 Mark gezahlt, für die „Ehre" von Dalys Theater sogar 40000 Mark. Die Buchausgaben von Sudermanns Werken erlebten im Cottaschen Berlage zahlreiche Auflagen und zwar bis 1902: „Heimat"^ 28, „Johannes" 27, „Ehre" 26, „Sodoms Ende" 22, „Johannisfeuer" 18, „Moritnri" 15 usw. Gerhart Hauptmanns Erfolge sind ähnlich Die ersten vier Auflagen von, „Fuhrmann Henschel" in S Fischers Verlag waren zwei Tage nach dem Erscheinen vergriffen, während vier weitere Auflagen durch Vorausbestellung nahezu ausverkauft waren. „Die versunkene Glocke", „Die Weber", „Hannele" fanden so großen Absatz, wie es früher bei dramatischen Werken nie der Fall war.
Litierarrsches.
Die Ortsnamen Hessens. Etymologisches Wörterbuch der Orts-, Berg- und Flußnamen des Großherzogtums Hess en von W i l h. S t n r m f e l s. Preis 1.50 Mk. Rüsselsheim a. M., Vertag von W. Sturmfets.
Tas vor kurzem erschienene Merkchen giebt in alphabetischer Ordnüng eine Erklärung sämtlicher Ortsnamen, sowie der meisten Berg-, und Flußuamen Hessens, im ganzen über 1200 Namen. Es begnügt sich jedoch nicht mit der! bloßen Deutung der Namen der Städte, Flecken, Dörfer, Höfe, Schlösser, Burgen re. rc. unseres Heimatlandes, sondern es bringt auch die Namen derselben aus früherer Zeit, d. h. aus der alten Zeit, dem Mittelalter und der Neuzeit, sowie die genaue Etymologie, d. i. die Herleitung oder Abstammung dieser Namen; und'zu dieser sprachlichen Erklärung ist überall die sachliche Begründung der Namengebung hinzu- gefügt. । ___________
Logogriphe.
(Nachdruck verboten.)
1.
Von hell'gen süßen Banden soll ich sprechen, Dich matten an den reinsten Treueschwur; Doch manche sind bestrebt, mich zu zerb lchen, Die seh'n in Üiir die läst'ge Fessel nur.
Ich binde, war zusammen sich gefunden, — Doch wenn ich meinen Kopf verloren, bin Ich Thier; die Poesie ist dann geschwunden, Es steht nach mir zumal des Trinkers Sinn.
2.
Hab' einen Kopf und Haare dran; Verlier' ich die, ist's aus mit mir. Dochtvenn ich meinen Kopf verlier', In Meer und Flüssen lieg' ich dann.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des MerkrätselS in vor. Nr.r Pyramide.
RedaktW! .tzurt Plattz. - Notatiotisdruckund Perlaa der tzrühl'schen Universttäts-Puch.yttd Cteindruckepei (Pietsch Exben) in Sichen.


