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ich weiß es bestimmt. Woher mir die Gewißheit kommt? Ich darf es Ihnen — Ihnen allein sagen : Weil ich, heute wirklich und wahrhaft geliebt bin. Bon ivem? Auch, das! will ich Ihnen sagen. Alber klagen Sie ihn nicht an. Er wollte Sie retten, um jeden Preis; er hat inich gesucht und hat mich gefunden. Wir haben uns vereinigt, um Sie zu befreien, um Ihre Unschuld zu erweisen — und allmählich erwuchs dieser engen Verbindung unserer Seelen die unserer Herzen. Verzeihen Sie ihm und verzeihen Sie mir! Bewahren Sie uns Ihre wertvolle Freundschaft und bieten Sie Ihre Liebe jenem Wesen an, das sie allein verdient und das sie vielleicht immer schon besessen hat. Nur erklären Sie sich ihr nicht zu rasch. Sie könnte sonst glauben, -atz' Sie nur das Gefühl der Dankbarkeit zu ihr führt. Berück- sichtigen und schonen Sie ihr Zartgefühl. Seien Sie ihr das, was Sie zu der Zeit waren, als Sie inich zu liebelt glaubten. Jawohl, ich sage: „glaubten!" Tas wird Ihnen ein Leichtes sein. Noch sind Sie nicht vollkommen geheilt von mir. Wer später, wenn sie keinen Verdacht mehr hegt und Ihnen mehr Vertrauen schenkt, dann lieben Sie sie aus ganzer Seele, wie Sie sie schon längst geliebt hätten, wenn Sie nicht mir begegnet wären. Sie werden mit ihr glücklich sein — glücklich für Ihr ganzes Leben. Es ist das anbetungswürdigste Geschöpf, das es auf Erden gießt So! Jetzt, in meinem, in Ihrem Interesse, in dem eines Tritten — auch um ihretwillen und um alle Rücksichten zu achten, trennen wir uns, Franz — aber lassen Sie uns! einander niemals vergessen!"
So sprach die stolze Frau, so urteilte sie wie die klügste Frau, so lange ihre Liebe nicht Unruhe erfüllte, so lange sie nicht unter Eifersucht oder Verlassensein litt.
Und warum sollte sie leiden? Georg Rakenius betete sie an, und als nach einigen Monaten der Graf an Schlagfluß plötzlich verschied, ward sie die Gattin des Malers, um mit ihm für ständig nach Newyork überzusiedeln.
Prinz Tschigorin, den man verständigt hatte, daß in seinem ehemaligen Palais eine große Summe aufgefunden worden Ivar, erkannte an, daß ihm diese Million ehedem von seinem Sekretär unterschlagen worden war und ihm gehörte. Doch gleichzeitig überließ er die Summe, diese in drei Teile teilend, durch einen Schenkungsakt: zwei Trittel den Hospitälern von Berlin, ein Drittel dem „Finder" des Schatzes, Müller.
Müller — Rentier, Privatier — hat den Kriminal- dienst verlassen. Man sieht ihn noch von Zeit zu Zeit in Monte-Carlo an einem Roulettetisch sitzen. Er fährt fort, die Nummer 32 zu pointieren — und die Null kommt stets! heraus. Diese Leidenschaft kostete ihm einige zehntausend Mark. Aber er hat ja nun eine so große, bedeutende Rente, und seine Bedürfnisse sind so bescheidene, daß er nicht wüßte, was anfangen mit all dem vielen Gelbe, wenn er nicht ein Laster und — eine Nummer zu ernähren hätte.
Hinz und Kunz als Antiquare.
Von E. Osten. 1 .i
(Nachdruck verboten.)
Das stets zunehmende Verlangen der Sammler nach schönen, alten Möbeln, Geweben, Gläsern und sonstigen Kunstgegenständen hat eine neue Art von Antiquitätenhändlern erzeugt, die zwar größtenteils nicht die geringste Sachkenntnis besitzen, aber gerade deshalb naive Käufer nicht selten Übervorteilen. Wer etwa glaubt, bei einem Trödler heute noch kostbare Tinge für einen Spottpreis! erhalten zu können, der befindet sich in einem gewaltigen Irrtum; denn diese Leute verstehen es sehr gut, aus einem erfahrenen Sammler herauszuholen, was ein Gegenstand wohl wert sein möge, und aus wahrem Mißtrauen steigern sie den Preis oft weit über seinen wirklichen Wert hinaus. Der unerfahrene Sammler, der einen kostbaren Schatz an unbekanntem Orte aufgestöbert zu haben glaubt, zahlt dann in Wirklichkeit einen weit höheren Preis, als ein wirklich sachverständiger Antiquar von ihm gefordert hätte. Je unerfahrener der Händler sich erweist, desto mehr sind auch die unerfahrenen Sammler geneigt anzunehmen, einen sehr günstigen Kauf zu machen, obwohl! ne ebenso sehr zu der Befürchtung Veranlassung hätten, daß ihm der Trödler aus Unkenntnis der Materie einen viel zu hohen Betrag für wertlose Gegenstände berechne. Wenn solch ein kleiner Händler, der sich bis dahin z. B. nur mit dem Verkauf von gebrauchten Möbeln zu ange-
Frau von Sanden bloß eingedrungen war, sie zu bestehlen und nicht zu ermorden. Durch den Lärm geweckt, tritt sie in den Salon, bedroht ihn mit einem Tolch, mit dem sie sich bewaffnet hatte; er verteidigt sich, entreißt den Dolch aus ihren Händen, verwundet sie während des Ringens, er verliert den Kopf und ersticht sie. Wenn ihm geglaubt würde — ? Und es mußte ihm geglaubt werden. Hatte denn der Tolch nicht Iran von Sanden gehört? Ta war jeder Zweifel ausgeschlossen. Und selbst wenn er zum Tode verurteilt würde, konnte er heutzutage nicht immer noch begnadigt werden?
80. Kapitel.
Tie Geständnisse Querzewski's und der Farkas, die sie erst, nachdem ihr Gehilfe gesprochen hatte, aussagte, erleichterten die Untersuchung und beschleunigten das ®nbe.
Gegen Mitte Februar kam Herr von Sempach zum zweiten Male vor das Schwurgericht. Ter Staatsanwalt aber, anstatt gegen ihn zu verfahren, erteilte ihm gewissermaßen Lob und hohe Anerkennung und drückte dem Angeklagten im Namen der Justiz offen sein Bedauern über einen Irrtum aus, der ihm hätte verderblich werden können. Er berührte nur ganz oberflächlich, mit großem Taktgefühl, den Zwischenfall im Sitzungssaal, der eine neue Untersuchung erforderlich gemacht hatte; er legte die Sache derart dar, als ob Fräulein Rakenius geglaubt hätte, auf der Fährte der Schuldigen zu sein und diesen Zwischenfall nur deshalb herbeigeführt hätte, um Zeit zu gewinnen — daß aber das Alibi, das sie sich zu beweisen erboten hatte, bloß frei von ihr erfunden gewesen wäre. Die Justiz verzieh diese Lüge und wollte nur von ihrer reinen, geschwisterlichen Liebe wissen, die selbst bis zur Aufopferung ging. Ter Gräfin Torvukoff wurde mit keinem Wort Erwähnung gethau. Alles hatte den Anschein, als ob der Untersuchungsrichter das Geheimnis, das ihm anvertraut wordeu war, für sich allein bewahrt hatte.
Nach der jetzigen Lage der Tinge war ein Freispruch unausbleiblich. Unter dem tiefgefühltesten und aufrichs- tigsten Jubel, der im Zuhörerraume zu wiederholten Malen losbrach, ohne daß ihn der Präsident zu unterdrücken versuchte, wurde seine Freisprechung laut und öffentlich verlesen. Einige Zeitungen behaupteten, der Präsident selbst hätte das Zeichen zu diesen Ovationen gegeben.
In selbiger Sitzung begann der Prozeß gegen Paul Ouerzewski und Julie Farkas. Letztere hatte Müllers Ratschlag, die Verantwortung für das Verbrechen auf ihren Geliebten zu schieben, nicht befolgt Sie wollte im Gegenteil, daß ihr der größere Teil der Schuld zugeschrieben werde, damit ihr Mitangeklagter den geringeren Teil be- käme. Wer aus Schlauheit oder Eitelkeit ging Paul Quer- zewski nicht auf ihre Msicht ein. Er erzählte, wie er sie als erlassene, ganz junge Waise, beinahe noch Kind, durch einen Zufall kennen gelernt — wie er sie zu Grunde gerichtet und in den Wirbel von Leidenschaft und Verbrechen mitgerissen hatte; welchen furchtbaren, unseligen, unent- ziehbaren Einfluß er auf sie Zeit seines Lebens ausübte, dem sie wider Willen gehorchen mußte. Dieser ausgezeichnete Schauspieler fand wahrhafte Thränen, sobald er von seiner Geliebten sprach, und er verteidigte sie mit so viel Bewegtheit und Energie, daß er es erreichte, in mancher Hinsicht für sie Interesse zu erwecken, woran er selbst auch feinen Anteil hatte, da er es so geschickt hervorzurufen verstand. Tie Jury gewährte beiden Angeklagten mildernde Umstände. Paul Ouerzewski wurde, wie er gehofft, M Zuchthaus auf Lebensdauer — die Farkas zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt.
81. Kapitel.
Die Gräfin Toroukoff hatte bereits seit langem die gewünschte Unterredung mit Franz von Sempach gehabt.
lange Sie unglücklich und zu Boden geschmettert ins K" . । ugen", erklärte sie ihm int Freundestone, „mußte ich schweigen, durfte ich nichts sagen, um Ihren Schmerz Nicht noch zu vermehren, Ihren Mut zu vermindern. Ich Habe es sogar gestattet, daß man Sie über meinen Herzens- rustand täuschte. , Sie hatten glauben können, daß mein Herz zu Ihnen wiederkehren — daß es Ihnen immer noch angehoren würde. Leider nein, mein Freund! Ich habe tert langer Zeit für Sie nur mehr große und tiefe Freund- tchaft empfunden, weiter nichts. Wir haben uns beide auf die beste Art von der Welt getäufcht: Ich glaubte Sie, .Sie glaubten mich zu lieben. ßz entgegnen Sie nichts!,


