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KLto von Kuericke.
Zu seinem 300. Geburtstage.
Eine Mule der Kirltur in wilder, sturmbewegter Zeit, so steht das Bild Otto von Guerickes, des gelehrten Magdeburger Bürgermeisters, vor uns, dessen 300jährigen Geburtstag seine Vaterstadt z. Zt. in besonderer Weise feiert, und der uns veranlaßt, auch in diesen Spalten des bedeutenden Mannes zu gedenken. Tie Gestalt dieses Gelehrten ist um so sympathischer, als er in einer Zeit, da die Brandfackel des dreißigjährigen Krieges über Teutsch- land leuchtete, an exponierter Stelle stand. Tie stille Studierstube und wichtige wissenschaftliche Arbeiten verlassend, mischte er, auf den die Augen seiner Mitbürger voll Hoffnung und Vertrauen gerichtet waren, sich in das Getriebe der Politik.
Am 20. November 1602 wurde Guericke als Sohn des Ratsherrn Hans Guericke in Magdeburg geboren. Im Jahre 1617 bezog er die Universität Leipzig, studierte später in Jena und Leiden und trat 1626 in den Rat seiner Vaterstadt ein. Guericke war vom Rat zum Kriegsherrn von Magdeburg ernannt worden. Als Ingenieur und Mathematiker lag ihm besonders die Instandhaltung und Verbesserung der Festungswerke ob. Nur mit genauer Not entrann er im Mai 1631, als Tilly die Stadt erstürmte, mit seiner jungen Frau und seinen Kindern dem allgemeinen Blutbade. Später verhandelte er, um seine Vaterstadt von
dem Druck zu befreien, den die dort einquartierten Soldnerscharen ausübten, in Leipzig, Münster, Regensburg, Prag und Wien mit den kriegführenden Herren. Im Jahre 1646 wurde er Bürgermeister von Magdeburg. Trotz der vielen Sorgen, die gerade in dieser schweren Zeit mit seinem Amt verbunden waren, fand er doch noch Muße, seine wissenschaftlichen Arbeiten fortzusetzen.
Guericke war von einer erstaunlichen Vielseitigkeit; zwar ist die Erfindung der Luftpumpe fein Hauptverdienst auf wissenschaftlichem Gebiet, aber eine große Anzahl anderer Erfindungen und Entdeckungen verdanken wir ihm. Tie bekannten „Wettermännlein" und Wetterhäuschen, jene einfachen meteorologischen Instrumente, sind Guerickes Erfindung. Mit einem solchen „Wettermännlein", allerdings einem sehr kostbaren Instrument, dessen Wert auf 800 Thaler geschätzt wurde, sagte er den großen Sturm vom Jahre 1660 voraus, der großen Schaden in Deutschland anrichtete. Dem schwedischen Feldherrn Torstenson machte der Gelehrte einst, um seinen Schutz für Magdeburg zu erbitten, eine goldene Himmelskugel zum Geschenk, die durch ein verborgenes Uhrwerk in 24 Stunden um ihre Achse gedreht wurde. Dieses kleine Kunstwerk, das für die damalige Zeit ein Wunderwerk war, zeigt, wie außerordentlich geschickt Guericke war, und tote er all sein Können
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Guerickes erster Versuch mit der Luftpumpe: Luftleermachung eines Fasses.
Aus dem Werke „Weltall und Menschheit". Deutsches Verlagshaus Bong u. Co., Berlin W. 57 und Leipzig.
einsetzte, um seiner Vaterstadt von Nutzen zu sein und ihren bedrängten Betoohneru zu helfen.
Wenig bekannt ist es, daß Otto von Guericke der erste toar, der eine einfache Elektrisiermaschine herstellte, indem er eine Schwefelkugel rieb und aus ihr Funken zog. Er beobachtete und beschrieb zuerst die eigenartige That- sache, daß die von der Schwefelkugel elektrisierten Körper dann von ihr abgestoßen werden. Von größter Bedeutung aber find die Luftpumpenversuche Guerickes. Nachdem Torrieelli gezeigt hatte, daß die Luft auf alle Körper einen Truck ausübt, der um so größer ist, je höher die Luftsäule ist, die auf dem Körper ruht, war von Wichtigkeit für die Forschung, das Verhalten der Körper im luftleeren Raum zu studieren. Damals aber kannte man kein Mittel, einen luftleeren Raum herzustellen, wenigstens waren die Versuche, die nach dieser Richtung gemacht wurden, nicht sehr erfolgreich. Guericke, der sich lebhaft mit dem Studium des leeren Raumes beschäftigte, kam zuerst auf den Gedanken, die Luft genau so mit einer Pumpe aus einem Gefäß zu entfernen, wie man etwa Wasser daraus entfernt. Zunächst setzte er unten au ein großes mit Wasser gefülltes Faß eine Säugpumpe, und pumpte mit ihr das
Wasser aus, um so im Faß einen luftleeren Raum zu erhalten. Dieser erste Versuch — den unsere eine Abbildung, die aus Guerickes Werk über diese Versuche stammt, darstellt — mißglückte, da die Luft mit lautem Zischen von allen Seiten durch die Poren und Risse des Holzes drang. Im Jahre 1650 erfand dann Guericke die bekannte Luftpumpe (die erste, noch äußerst roh und plump, wird in der Berlin er königlichen Bibliothek aufbewahrt), mit der er seine io-am als in der ganzen Welt Aufsehen erregenden Versuche machte. Er stellte zueinander passende Halbkugeln aus Kupfer („Magdeburger Halbkugeln") her, legte sie zusammen und pumpte bann die Luft aus. Der äußere Luftdruck preßte diese Halbkugeln so gegeneinander, daß sie oft weder durch schwere Gewichte, noch durch das Ziehen mehrerer starker Leute, auseinandergebracht werden konnten. Dieses Phänomen ist durchaus nicht wunderbar, wenn man bedenkt, daß auf jeden Quadratzentimeter Fläche ein Truck von 1 Kilogramm lastet, daß die Luft auf der Oberfläche des menschlichen Körpers mit einer Last von etwa 15 000 Kilogramm ruht. Großartig war das Experiment, das er 1654 auf Wunsch des Kurfürsten von Mainz, Johann Philipp, aus dem Reichstag in Regensburg ausführte. Hier


