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Wie finden die Schiffe über das Weltmeer?
Bon Dr. Curt Rudolf Kveuschner.
Nachdruck verboten.
Wenn die Zeitungen in einer kurzen telegraphischen Notiz die Mitteilung bringen, daß irgend einer jener stolzen schwimmenden Paläste des Norddeutschen Lloyds oder der Hamburg-Amerikalinie wiederum einmal in ganz außergewöhnlich geschwinder Fahrt den atlantischen Ozean durch- messen und zum Neide unserer freundlichen Vettern jenseits des Aermelkanals die schnellsten Schiffe der Peninsular Steam Navigation, der Whit Star Line, der Cunard Company und anderer englischer Dampfschiff-Gesellschaften überboten hat, denkt der Bewohner des Binnenlandes mit Stolz wohl in erster Linie an das Achtung gebietende Können der Schiffsbau- und Maschineningenieure, die die ungeheuren Riesenleiber der modernen Schnelldampfer bauen und mit Dampfmaschinen ausrüsten, deren Leistungen nicht mehr weit von 30 000 Pferdekraft entfernt sind.
Fast gänzlich übersehen wird dabei die stille, aber nicht minder verantwortungsvolle Kunst, die nach vielen Millionen bewerteten Kolosse samt ihrer kostbaren Last an Menschenleben und Gütern auch sicher nach dem fersten Hafen zu lenken. Wer das Meer nur als ruhigen, schlafenden Riesen, und nur die Eindrücke kennt, wie das Schiff in schönen, stillen Sommernächten den mit zahlreichen Leuchttürftnen besetzten Kanal verläßt, um in das weite Weltmeer hineinzusteuern, während der Reisende angesichts der funkelnden, unwandelbaren Sternbilder des Firmaments in ruhiger Sorglosigkeit, sich von dem Rauschen der im sanften Glanz des Meeresleuchtens phosphoreszierenden Wellen ins Reich der Träume hinübertragen läßt, findet es vielleicht selbstverständlich, daß der majestätische Schiffsrumpf auf seiner langen Fahrt weder nach links noch nach rechts von seinem vorgeschriebenem Pfade abweicht. Wenn aber zur Zeit der Tag- und Nachtgleiche bei unsichtigem Wetter die warnenden Zurufe der Dampfsirenen anderer Schiffe bald nah, bald fern durch das undurchdringliche Dunkel schallen, wenn tagelange Weststürme die weite Wasserfläche ausregen, und lange, bevor sich der Dampfer der neuen Welt naht, die gefährlichen, schwarzen Nebel der New-Foundlandsbank sich in niemals erschöpfter Fülle über das Meer wälzen, dann fragt sich die Landratte wohl mit staunender Bewunderung, wie es auch unter diesen Verhältnissen möglich ist, den Kurs des Schisses mit solcher Sicherheit einzuhalten.
Die Seefahrer des Altertums hielten sich immer in der Nähe des Landes, und steuerten bei Nacht, so gut es hing, nach den Sternbildern. Datum singt auch Homer
luoies Ding sör'n Fruensminsch: — ik wull darmit nich leaat hebben, dat de Mannslüe Swinegels wesen möt't —" " Tobias hatte sich noch immer nicht gesetzt. Er trat von einem Fuß auf den andern. Da die Witwe wieder anfing Linsen zu verlesen, und noch immer keine Miene machte ihn in die Stube zu nötigen, tote es der Anstand erheischte, entschloß er sich endlich, sein Anliegen hier vorzubrinaen. Er that's bündig und gradaus, mtt berechtigtem Stolz in Anbetracht des gefüllten Eimers unter der Decke Als er aus Niklas zu reden kam, leuchteten seine Augen wie Sterne unter der: buschigen Brauen hervor.
„Jo, Tobias Breeden", sagte die Frau mit blödem Staunen, „dat harr ik noch nich mal seihn! He hett sik jo so fin makt un orndtlich en Rukebusch vör de Bost. Nu begriep ik ’t ierst."
„Tenn gew' se mi Bescheid."
„O, ik heto nix legen Niklas." ,
„Se hett'r nix tegen? Nu slag doch! God den Dutoel dod! Nix tegen! So'n Snack! Nix tegen! 'n staat'schen Keerl, Niklas! Süht prächtig ut. Do kieken de Fruenslue doch ook na! Un't Huus, un't Schalupp, un't Boot! Un fies Garens mit Kantüsfels drin, un denn noch't Bargeld! Bi Geld is good toahnen, Marinkamöh. Un bi Se tooll'n jo wol all de Müüs in't Schupp verstnachten. Un denn krigt Se ehr Wicht dicht bi an. Bi Winterdag, in Snee un Is kann Se sacht röwerloopen un klöhnen un kören. Na, ik meen', as 'ne Mutter sich all dies zusantmendenkt —"
„Jo, Tobias Breeden. Ik denk' man nix mihr." (Fortsetzung folgt.)
von dem göttlichen Dulder Odysseus, nachdem ihst die hehre Nymphe Kalypso entlassen:
„Ihm schloß kein Schlummer die wachsamen Augen, Auf die Plejaden gerichtet und auf Bootes, der langsam Untergeht und den Bären, den andre den Wagen benennen. Welcher im Kreise sich dreht, den Blick nach Orion gewendet Und allein von allen sich nimmer im Ozean badet."
In den engen Raumverhältnissen des östlichen Mittel- meeres konnten die Schisse mit diesen Hilfsmitteln ihr Ziel erreichen, obwohl gewiß ungezählten Tausenden von ihnen der Strand, an dessen Nähe sie sich anklammerten, zum jähen Verderben geworben ist. Als aber gegen den Ausgang des Mittelalters Spanier und Portugiesen immer weiter an der Westküste Afrikas bis zum Kap der guten Hoffnung hinuntersuhren, und die Aera der großen überseeischen Entdeckungen begann, verließen die Landmarken den Schiffer, der nun auf andere Hilfsmittel für seine Orientierung bedacht sein mußte. c. „ c
' Das nächstliegende unter diesen waren die Land- und Seekarten, unter deren Benutzung man mit Hilfe der kurz vorher bekannt gewordenen Kompaßnadel, so gut es eben ging, den fernen Zielen zustrebte. Mit den Karten der großen Kolumbus, Bartolomeo Diaz, Cabral, VaSco de Gama und der anderen großen Seefahrer aus jener Zeit war es aber überaus kläglich bestellt, wiewohl Kolumbus bereits einige Instrumente und das Wesen der Höhenbemessung am Himmel bekannt waren. Die Umrisse Europas und der angrenzenden Küstenstrecken Afrikas und Asiens sahen nuht viel anders aus, als ob ein halbwegs in der Geogrpphte beschlagener Gymnasiast sie aus dem Gedächtnis gezeichnet hätte. Trotzdem gelang die Ueberkveuzung der Ozeane; denn auf einige Wochen Seefahrt mehr oder weniger kam es nicht an, wenn man das fremde Gestade auch an emem viele hundert Kilometer zu weit südlich oder nördlich gelegenen Punkte erreicht hatte, so tastete man sich eben dann in gefährlicher Küstenschiffahrt wie im Altertums nach dem gewünschten Ziele hin. .
Ganz anders liegen die Verhältnisse in der Gegenwart. Die angewandte Astronomie und Geodäsie stellen dem Schisser heute ein ganz vorzügliches Kartenmaterial zur Verfügung, das in ununterbrochener Arbeit, immer genauer ins Mnzelne vervollkommnet wird. Natürlich sind auf diesen die Umrisse der Festländer und Inseln mit peinlicher Genauigkeit eingetragen; dies ist jedoch der geringste reit ihres Inhalts; denn sie enthalten auch sämtliche Leuchtfeuer, deren Sichtweite durch einen diese in meßbarem Abstande umgebenden Kreis angedeutet ist, während die Art des Feuers (jeder Leuchtturm zeigt nämlich ein anderes Licht) ebenfalls durch eine kurze Bemerkung bezeichnet wird. Außerdem find sämtliche sonstigen Seezeichen, wie Bofen und Baaken, Sandbänke und Untiefen, unterseeische Klippen und, was einer der wichtigsten Punkte ist, die Abweichungen eingetragen, die die Magnetnadel in den verschiedenen Zeilen der Ozeane von der Nordsüdrichtung zeigt.
Die notwendige Ergänzung erhalten die Seekarten durch die Segelhandbücher, die nicht nur, wie man irrtümlich glauben könnte, für die Segelschiffe, sondern nicht Minder auch für die Dampfer von höchster Wichtigkeit sino. Aus ihnen ersieht der Schisser, welche Winoe in einer bestimmten Meeresgegend zu den verschiedenen Jahreszeiten vorherrschen, welche Meeresströmungen dort vorhanden sind, und um welche Zeit die Gezeiten — Flut und Ebbe — ecn- ireteti, sodaß er genau entnehmen kann, welchen Kurs er einzuschlagen hat, und welche Gegenden er zweckmäßigerweise meidet. Endlich enthalten die Segelhandbücher auch noch genaue Angaben über die Rheden und Häfen und über die Punkte, an denen der Schiffer Lotsen findet, die in gefährlichen Fahrwassern, wie sie die Mündungen der Weser und Elbe sind, bei Zeiten an Bord kommen, um die Führung des Schiffes in den Hafen zu übernehmen.
An den vielbefahrenen Küsten Europas und Nor/d- amerikas sind die Leuchtseuer so häufig, daß der Schiffer vielfach zwei derselben in seinem Gesichtskreise haben wird; dies gießt ihm aber ein vorzügliches Orientierungsmittel, in die Hand. Fährt er nämlich genau in der Werse, daß das Licht eines bestimmten Turmes gerade noch über der Kimme des Horizontes sichtbar bleibt, so weiß er, daß er sich genau auf einem Punkte der Kreislinie befindet, die auf bet Staue die Sichtbarkeit dieses Leuchtfeuers bezeichnet. Sobald nun auch das Feuer eines zweiten Leuchtturmes sichtbar wird,


