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hie brütenden Tierchen rührten sich, ostmM nicht bon der Stelle, und ließen sich streicheln.
An den Stiften der Avalon Bay auf der Insel Santa Catalina, Kalifornien, spielt sich täglich folgende Szene ad. Scharen von Möven folgen täglich den Dampfern auf eine Entfernung von 20 Seemeilen. Diejenigen, welche ermüden, ruhen auf der goldenen Kugel der Mastspitze aus. Eine große Anzahl dieser Möven lebt das ganze Jahr hindurch in Avalon mit AWtiahme der Brutzeit, wo sie sich an eine weniger besuchte Stifte begeben. Die Vögel sind außerordentlich zahm, und es bildet einen Zeitvertreib der Reifenden und Touristen, die Möwen zu füttern, welche herbeikommen und sich um das Futter streiten.
In der Beschreibung einer der älteren Expeditionen längs der kalifornischen Küste erwähnt der Pater Torque- mada auch die Zahmheit der Raben von Catalina. Dieselben hatten allerdmgs alle Veranlassung zur Furchtlosigkeit. Die Eingeborenen hegten nämlich eine gewisse Ver- ärung für die Vögel, und töteten sie memals. Die schlauen ^schöpfe machten sich das zu Nutze, und schnappten buchstäblich den Frauen die Fische aus der Hand, wenn dieselben auf dem Ktistensand gereinigt wurden. Vielleicht nahmen die Vorfahren der heutigen Möwen von Avalon sich ein Beispiel an diesen zahmen Vögeln, um ihre Furchtlosigkeit späteren Generationen zu vererben.
Die Vögel warten alltägliche auf die Abfälle des Fifch- S. Die Fische werden am Strand gereinigt, und jeder l von den Vögeln fortgetragen, welche ein ausgezeichnetes Sanitäts-Korps darstellen. Mchts entgeht ihren scharfen Augen, und die Küsten der Insel werden durch die Scharen dieser Möwen sauber gehalten.
Die Seelöwen, welche hier eine« Lagerplatz! haben, sind ebenso zahm, und gleichfalls sehr schätzenswerte Geschöpfe. Sie lassen Boote ziemlich dicht herankommen, und lassen sich in größter Gemütsruhe photographieren. Nachmittags nach, der Rückkehr der Fischer kommen sie in die Bucht, und holen sich die Fische, welche auf den Grund des Meeres gefallen find, und von den Möwen nicht erreicht werden können. Einige der Seelöwen sind so beharrliche daß sie den Booten folgen, und geschickt den Köder von der Angel nehmen, ohne sich daran festzuhaken. Ein Seehund pflegte sich im Wasser aufzurichten, und über den Köder herzufallen, sobald derselbe ins Wasser geworfen wurde. Einer der Seelöwen wurde schließlich so zahm, daß er einem Fischer die Fische aus der Hand schnappte, welche dieser wusch. Dies ist vielleicht der Thatsache zuzuschreiben, daß die Tiere geschützt find; niemand darf sie schießen, oder in irgend einer Weise belästigen.
Die Furchtlosigkeit des Büffels bildete die Ursache, daß er mit solcher Leichtigkeit ausgerottet werden konnte. Die Tiere standen oft bei der Annäherung des Menschen still, und liefen erst davon, wenn es zu spät war. Viele Elche verloren ihr Leben aus übergroßem Vertrauen zu zu den Menschen.
In Florida fand Holder, daß an gewissen, selten von Menschen besuchten Plätzen die Krabben außerordentlich zahm waren, während sie an anderen belebteren Küsten sehr furchtsam waren. An einer Stelle, wo die Krabben vermutlich nie zuvor einen Menschen gesehen hatten, flohen sie nicht, sondern standen ruhig still, und wenn Holder sich in den Sand legte, so dauerte es nicht lange, bis sie in Scharen um ihn herumkrabbelten, augenscheinlich durch Neugier getrieben.
Der Walfisch wird gewöhnlich für ein sehr furchtsames Tier gehalten, doch haben sich diese ungeheuren Geschöpfe auch vielfach ganz furchtlos erwiesen. So schloß sich ein Walfisch einmal an der pacifischen Küste einem Schiff an, welches soeben San Francisco verlassen hatte, und folgte ihm fast bis Süd-Amerika. Man versuchte alles Mögliche, um das Tier zu vertreiben; doch der Walfisch zog die Gesellschaft vor, und verzog sich erst, als das Schiff einen seichten Hafen anlief. Eine bekannte Iacht- gesellschaft war einmal gezwungen, bei völliger Windstille in den südkalifornischen Gewässern stillzuliegen und stundenlang spielten vier oder fünf große Walfische um das Fahrzeug herum. Die von den Tieren emporgeschleuderten Wasserstrahlen waren außerordentlich unangenehm, während die zitternden Bewegungen, das Heben und Senken des Schiffes, wenn die Ungetüme den Kiel streiften, nicht
wenig zum Unbehagen und zur Nervosität der Reisenden beitrugen.
Fische scheinen selten furchtlos zu fein. Einem besonders bemerkenswerten Beispiel von Zahmheit bei Fischen begegnete Holder an der Küste Floridas bei einem alten, abgestorbenen Korallenriff von ziemlicher Größe. Während der Ebbezeit versuchte er einmal von seinem Boot aus mehrere Rindenkorallen zu erlangen, welche an dem Ko- rallenzweig sich befanden, als zu seinem nicht geringen Erstaunen mehrere kleine Rüsselstsche dicht an seine Hand' heraufkamen, und sich von ihm wiederholt berühren ließen.. Die kleinen gepanzerten Fische zeigten nie die geringste Furcht. Auch die Seebarben sind sehr zahm; sie lassen sich durch Menschen garnicht beunruhigen, und werden deshalb mit dem Wurfnetz sehr leicht gefangen.
Es wäre nun sehr thöricht anzunehmen, daß die Furchtlosigkeit vor dem Menschen nur diesen wenigen Tier- geschlechtern angeboren sei. Man kann nur glauben, daß diese Tiere verhältnismäßig spät den Menschen als Feind! kennen gelernt haben, und daß noch viele Generationen dahin gehen müssen, um sie zu überzeugen, daß der Ktilturmensch ihres Vertrauens durchaus nicht würdig ist. Vielleicht werden sie zu spät zu dieser Einsicht gelangen,, wenn die iWstenz ihres Geschlechtes bedroht ist, wenn nur noch wenige ihres Geschlechtes übrig geblieben siudh vermischtes.
Fürsten als Grundbesitzer. König Albert von Sachsen war von den deutschen Fürsten der fünftreichste Grundbesitzer,, denn er besaß insgesamt 61 Güter mit einem Wald- und Feldaroal von 31000 Hektar. Kaiser Wilhelm besitzt nach der neuesten amtlich beglaubigten Zusammenstellung der fürstlichen Besitzungen in Preußen als reichster Grundbesitzer nicht weniger als 83 Güter int Gesamtumfang von 98 746 Hektar und 661631 Mark Grundsteuer-Reinertrag.. Es folgen dann der Fürlst von Pleß mit 75 Gütern (50112 und 324 042 Mark Grundsteuer-Reinertrag), der Herzog von Ujest mit 52 Gütern (39 742 Hektar und 233 701 Mark Grundsteuer-Reinertrag), der Herzog von Ratibor mit 51 Gütern (33 096 Hektar und 274 627 Mark Grundsteuer-Reinertrag). Die übrigen fürstlichen Fideikommißbesitzer begnügen sich mit einer weit geringeren Anzahl von Besitztümern.
Wie man säumige Zahler eiufängt, dieses große Geheimnis hat der Inhaber einer großen Londoner Schnei- derfirma herausgebracht. „Sie haben in meiner Rechnung einen Fehler gemacht", mit diesen Worten trat dieser Tage ein junger Mann erregt in seinen Laden. „Das ist un- möglich", versicherte der Schneider sanft. „Es ist aber so", antwortete der junge Mann heftig, „sehen Sie hier — 40 Mark zu viel." Der Geschäftsinhaber verglich die Rechnung mit feinen Büchern. „Sie haben recht, mein Herr," gab er dann zu. „Ich werde 40 Mark abziehen/ und . . . wieviel sagten Sie doch, daß Sie darauf bezahlen wollten?" Der junge Mann wurde rot, hustete und holte endlich einen Hundertmarkschein hervor.... „Das wirkt jedes Mal", sagte der Schneider vertraulich zu einem, der dabei gestanden. „Nichts bringt einen Mann zu solcher Eile, als wenn man ihin zu viel auf die Rechnung setzt. Wenn ein Kunde mit den Zahlungen zurückbleibt und sich fernhält, schicke ich ihm eine zu hohe Rechnung. Er kommt mit der größten Eile, um den Fehler verbessern zu lassen, und ein wenig Diplomatie thut das! Uebrige. Das Beste aber ist, daß es seine Gefühle durchaus nicht so verletzt, wie wenn man das Geld von ihm einziehen ließe. . ."__
Telegraphenrätsel.
.--. . männlicher Vorname.
. — . fremdes Tier.
— ... — Himmelskörper.
...-- Behälter.
.--,--Nebenfluß des Rheins
.. — . . mäbrischer Fluß.
...-- Amtskleid.
...--- König der Ostgoten.
...---europäisches Königreich.
Statt der Striche und Punkte sind Buchstaben zu setzen, so daß Wörter von der beigefügten Bedeutung entstehen. Die auf die Punkte fallende» Buchstaben müssen, im Zusammenhang gelesen, ein Sprichwort ergeben.
Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nr.:
Alte Bekanntschaft.
Redaktion: Curt Plato. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindrvckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


