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Abenteuer.
Mit einem Male aber war die Geschichte aus. Deckchen erzählte nichts mehr, fand „die Weiber" mit einem Male entsetzlich fade, die eigene Frau ausgenommen, und war fetzt ebenso eifrig mit Verteidigen des moralischen Prinzips, wie er ihm früher ein Schnippchen geschlagen hätte, wenn er nicht besser gewesen wäre, als er uns glauben machen wollte/ Da mußte also etwas passiert sein, was er uns
verschwieg, und in einer ihm sein düsteres Geheimnis.
„Aber Nelly, der ist ja ganz leer?"
„Meine Garderobe ist schon im Lechhause", log die kleine Komödiantin. „Es ist ja reichlich Platz zum Nieder- sitzen, falls es zu lauge-dauern sollte. Und ruhig mu^en Sie sich verhalten. Wenn Sie mich kompromittieren, dann sollen Sie was erleben." f
Damit schloß sie den Schram ab und steckte den Schmuel in die Tasche. Dickchen fand, daß er eigentlich schon genug erlebt habe und verlangte nicht nach mehr . Er lauschte .
Sie ging öffnen. Männer traten ein; es wurde leise auf dem Vorsaal gesprochen; dann fühlte er plötzlich seinen Käfig emporgehoben . Wie ein leckes Schiff legte sich bei" Schrank aus die Seite und es blieb ihm nichts übrig, als schleunigst dasselbe zu thun. Und ehe er sich besinnen konnte, fühlte er, daß er sich auf der Straße befand. Menschen zogen hastend, plaudernd, lachend vorbei... das horte er, und die alle ahnten nicht, was in diesem Garderobenschrank steckte. Dickchen schwitzte vor Angst. Wenn letzt
seine Frau ans Fenster trat! Wenn . . - ach wenn. . . er
was vainerr leui, iuu» m . wagte alle die Möglichkeiten gar nicht auszudenken. ^.ie
schwachen Stunde entlockte ich Männer hörte er wieder in das Haus gehen.
lein düsteres Gebeimnis | Einen Augenblick dachte er daran, die Ruckwandden ft
Dickchen hatte M auf'das Kunst-Gebiet begeben, d. h, * Kastens zu zertrümmern und. dann zu entfliehen. Wer du
vernünktia M sein, und sie wollte vernünftig i er machte einer hübschen, wenn auch angejahrten Choristin ie?? wollte die^glühenden Kohlen verbergen. Eine laut- den Hof. Er hatte noch so gar nichts erfahren, wie es V,1;'- s,Nmer^nsscbwere Kaqe entstieg ihrer Brust. In im Theater hinter dem Vorhang aus ah, und wie es da W brennmiden^ Verlangen ich mit Gott zu versöhnen, zuging. Wie würde der Stammtisch die Ohren spitzen, ?nwt? Ue in ibrer Kammer nieder und flehte um Kraft, wenn er dann auskramte. Und daß er die Weisheit von miÄubarren Mit der ganzen Macht ihres Willens suchte einer Primadonna — selbstverständlich ließ er die Choristin
ÄM zu Um Lch Arbeit, durch Hingebung so weit avancieren - habe, die rasend in ihm verschossen an h?en Beruf a s Frau und Mutter. sei . . . das mußte ihm einen Nimbus verleihen, der ihn
Mebrere Monate lang schwebte ihr eine Frage aus den völlig hors concours setzte. Aber so viel er auch mit Livv'en obne daß sie sie jedoch zu äußern gewagt hätte. I Blicken und Huldigungsreden, niit Blumen, Konfekt und Endlich eines Sonntagsmorgens, faßte sie Mut, legte ihre I realeren Zärtlichkeiten um ferne Nelly warb ... es ward ?raiid auf Böjes Arm und schaute ihm liebevoll in die I „nie nischt", wre er sich m entern Anflug von Galgenhumor gestand. Endlich schien das Eis zu schmelzen. Nach eurer
ö üm möchte Dich so gerne noch etwas fragen; aber besonderen Kraftleistung seiner Börse errang er dre Ct= Du "darfst nicht böse werden." laubnis, an einem bestimmten Tage den Kaffee ber ihr
Was ist es denn, mein Herz?" I einzunehmen und dafür den Kuchen mrtbrrngen zu dürfen.
"Hast Du nie darüber nachgedacht, daß es jetzt drei | Dickchen war überselig! Er sollte mit rhr rn ihrer Fahre her ist, seit wir zuletzt zum Wendmahl gingen?" I Wohnung Kaffee trinken und vom Theater reden sonnen.
Nein, darüber habe ich wirklich nicht weiter nach- ! . . . Das war alles, was fern Ehrgeiz verlangen konnte, aedackt “ Er hatte keinen Wunsch mehr darüber hinaus. Nur etwas
Willst Du Sonntag mit mir kommen — es ist mein I störte ihn! Nelly wohnte seinem Hause gerade gegenüber. Geburtstaa?" Wenn seine Frau ihn bemerkte? Und sie war so erfer-
Wie kannst Du mich nur um so etwas bitten!" I süchtig! Gleichviel! Das eine Mal würde es schon gehen, Sie atmete hastig. „Dann will ich Dir nur sagen, Hans, j und dann wollte er diese Eroberung so tote so fallen lassen, daü ick, allein gehe" Renommieren konnte er ja deswegen immer noch mit ihr.
Als sie am nächsten Sonntag ihren armseligen Staat Dickchen also ging hm und beide plauderten ganz harm- anlegte, fragte Böje, wohin sie wolle . I los vom Theater und tausend Dmgen„ die er zu wissen
^Zum Abendmahl." «wünschte, indes sie ganze Berge von Kuchen und Leckereien
"Du willst doch nicht allein gehen?" | ihrer dünnen Taille einverleibte, als plötzlich Mit großer
Freilicki will ich das." I Heftigkeit die Klingel gerissen wuroe.
"Helene mach doch keinen Skandal! Ich Will Dir „Um Gotteswillen!" Dickchen war aufgesprungen. „Wenn nur "/ins sagen, ich bleibe nicht bei den Kindern, ich muß meine Frau was gesehen hätte?" Er schaute die kleine! um zehn Uhr bei Rudolf sein, um unsere Mitgliederliste Choristin ratlos an. Die aber regte sich nicht int aufzustellen." ringsten aus. „Das ist nicht unmöglich", sagte sie, kühl bis
„Madame Hansen ist hier draußen in der Küche." ans Herz.
Er schritt einigemal im Zimmer aus und ab ,nahm dann Ja, was in aller Welt soll ich denn thun ?
ein Heft und ging „Still sitzen bleiben, Herr Muller. Ich will hmaus-
Einen Augenblick stand Helene unschlüssig still. Sollte gehen und öffnen." n„ ,
sie sich wieder ausziehen und bleiben? ! „Man darf tmch unter keinen Umstanden hier sehen,
Die Hängelampe, die Blattgewächse, die Bilder an der I Fräulein Nelly! Meine Frau . . . ach Gott, ach Gott. . .
Wand —' alles drehte sich; dennoch aber blieb sie ihrem I sehen Sie, es klingelt schon wieder. Wo iou ich wich Vorhaben treu. I blos verstecken?" ,
' Als sie aus der Kirche zurückkam ,trat ihr Böje ent- I Gleichmütig zuckte sie die Achseln. ,„Ä «n zweites aeaen und küßte sie. I Zimmer hab' ich eben nicht. Ich muß jetzt offnen.
Ö 3 ' Ich war häßlich gegen Dich, Helene. Natürlich sollst „Das ist mir eine schöne Geschichte", stöhnte Dickchen — und mußt Du freien Willen haben. Du darfst mir nun Ton Juan. „Ich bin ja blamiert fürs ganze Leben. Um aber nicht mehr böse sein." keinen Preis darf man mich hier sehen, ^ch will mich ja
Da e rst brachen die Thränen so recht hervor; dennoch dankbar zeigen. . . nur schnell ent Versteck, ein Versteck! aher gereichte ihr dieser Tag zum Segen ! Kaum hatte Nelly etwas von Tankbarerzetgen gehört,
l^-ortietzuna kolat) i als sie auch sofort erfinderisch wurde.
Fortsetzung rmgr, I $ §err Müller, dann hilst's nichts, dann muffen
I Sie eben einstweilen in den Garderobenschrank steigen."
Der Gefangene wider willen. «
Humoreske von Max Wundtke. ! muß jetzt öffnen."
(Nachdruck verboten.) I Mit Entsetzen betrachtete er das große, schwere, wert-
W- ihn immer „Dickchen", nnb »erdiente WO« «M »be(. » gab tou Bedenken mehr! «
diesen Kosenamen mit vollem Recht. Machten ihn seine stieg ktzE". leer'?"
Vorzüge schon zu den angenehmsten Menschen unter der 6 9fbp1 Nellv. der ist ia aanz teer.
Sonne, so besaß er einen Fehler, der ihn uns geradezu uiientbehrlich machte. Dickchen renommierte nämlich gern, nicht mit seinem Gold, oder Silber, nicht mit Heldenthaten, Amt und Würden, nicht mit Weib und Kind — nein, Mit seinen Eroberungen bei dem schönen Geschlecht.
Er war eine Seele von Mensch und liebte seine Frau viel zu sehr, als daß er ernstlich auf Abwege geraten wäre; aber es machte ihn glücklich von seinen fabelhaften Erfolgen reden zu köunen. Und wir kannten unser Dickchen, ließen uns stets gewissenhaft die neuesten Errungenschaften berichten und amüsierten uns köstlich über ihn und feine


