Ausgabe 
13.6.1902
 
Einzelbild herunterladen

344

tränE; sie ziehen sich die eine oder andere Bvutentmischung zu. Tie Flechsen charakterisieren sich durch chronische, schwer zu beseitigende Hautausschläge. Gewöhnlich treten diese Ausschläge als Bläschen oder Pusteln aus, die entweder abtrocknen oder eitern, wonach man trockene oder nasse Flechten unterscheidet. Jeder Flechtenausschlag kennzeichnet sich durch ein lästiges Jucken. So groß die Versuchung auch ist, das Kratzen muh vermieden werden, denn es würde Aufscheuern der Pusteln und dadurch Schorfbildung sowie Zunahme des Uebels verursachen.

Da man die Flechte, sie mag heißen ivie sie will, als eine örtliche Ablagerungsstelle betrachten muß, wo das Blut seinen Krankheitsstoff ausscheidet, so ist es verständ­lich, daß man den Ausschlag nicht mit Gewalt, wie durch starke Quecksilbersalben, vertreiben darf. Thut man es doch, so gefährdet inan edle innere Organe. Bei Flechten, es gießt deren nämlich eine ganze Menge, ist Heilung von innen heraus zu erzielen. Daneben kann inan auch äußerliche Mittel anwenden. Das lästige Jucken kann man stets ungestraft durch tägliche Bähungen von schleimigen Flüssigkeiten, wie Kleienwasser, Althee- oder Malventhee, sowie durch reines Oel lindern. Die sorgsamste Haut­pflege ist zur Heilung jeder Flechte unumgänglich not­wendig. Es ist völlig unverständlich!, ivie selbst tüchtige Aerzte die Anwendung von Wasser bei Flechtenausschlag fürchten. Die ordentliche Hautpflege ist eine Pflicht gegen die Gesundheit wie gegen den Nebenmenschen. Selbst der Pferdeknecht weiß, daß sein Pferd ohne gründliche tägliche Hautpflege nicht gesund und leistungsfähig bleiben kann. Tie Haut des Körpers ist der Regulator des Gesamtorgax, nismus, sie ist ein absonderndes, atmendes Organ, dessen Poren man stets offen halten must Alle Personen, die an Dyskräsie leiden, haben eine gleichmäßige Lebensweise zu führen, wenn sie völlig genesen wollen.

Neben peinlichster Haupflege ist genügende Bewegung im Freien unbedingt notwendig, damit durch kräftiges Atmen in reiner Luft der Stoffwechsel gehoben, das Blut verbessert werde. Personen, die ihren sitzenden Beruf aus­gaben und beispielsweise Briesträger wurden, verloren gichtige und skrophulöse Krankheiten bald. Tie Anstrengung in frischer, freier Luft war das beste und billigste Heil­mittel gegen jede Dyskräsie.

Bei angemessener Lebensweise und bei nahrhafter leicht verdaulicher" Kost kann man bei Flechtenkrankheiten ver­schiedene innere und äußere Heilmittel in Anwendung bringen. Da gerade die Flechten meist sehr hartnäckig sind, sodaß oft Arzt und Patient'Geduld und Hoffnung verlieren, so seien hier die bekanntesten Flechtenarten und ihre Heil­mittel angegeben. Bei allen Flechtenkrankheiten hat sich, das Trinken von Blutreinigungs- und Holzthee sowie von Theerwasser bewährt.

Der Holzthee ist in jeder Apotheke zu erhalten. Um Wirkung zu erzielen, muß man mindestens ein Liter Thee warm oder kalt täglich trinken. Man setzt drei Eßlöffel Holzthee mit U/2 Liter kalten Wassers abends an, läßt die Nacht über stehen nnd kocht am anderen Morgen bis auf 1 Liter ein. Etwas bequemer ist das Trinken und die Bereitung von Theerwasser, da man solches in großer Menge vorrätig machen kann, weil es gut verkorkt dem Verderben nicht ausgesetzt ist. Auch vom Theerwasser muß täglich 1 Liter Wasser kalt getrunken werden. Wenn es auf die Dauer nicht bekommt, das heißt wessen Magen es nicht verdaut, der greife lieber zum Holzthee oder zu einem ärztlich, verordneten Mittel. Das Theerwasser stellt man dar, indem man auf einen Teil Holztheer zwölf Teile Wasser gießt, täglich gut umrührt und einige Tage stehen läßt. Nach drei, vier oder längstens acht Tagen gießt man vorsichtig das klare gelbe Wasser ab und hebt es in gut verkorkten Flaschen auf. Theerwasser ist entschieden besser, als Theerkapseln, die oft marktschreierisch angeboten werden. Gerade das Wasser ist bei den Flechten ein wichtiger Heil­faktor, innerlich wie äußerlich angewendet. Theer ist auch äußerlich von guter Wirkung, sei es in Form von Seife, Liniment oder Salbei. Letztere besteht aus einem Teil Theer mit drei Teilen Schweineschmalz oder Vaseline. Das Liniment bereitet inan, indem man einen Teil Theer mit zwei Eidottern verrührtirnd diese Mischung so lange mit Olivenöl versetzt, bis sie dünnflüssig geworden ist.

V.

Tie häufigsten aus der großen Flecht sind folgende:

Der Kleine Grind- oder £ aussch lag> der sich meistens auf der Kopfhau und mit der:

Zeit das Brüchigwerden und Ausfä tzopfhaare ver­ursacht. Hier ist neben den genannten auch Sublimat von großer Wirkung. Man wäscht haut morgens

und abends mit einer Suhlimatli i 0,1 auf 200 Gramm Wasser.

Der Gneis, bei welchem sich sonst gesunden Kopfhaut die asbestartigen Schstpp ockneten Haut-,

talges bis zur Ticke eines kleinen F häufen können,

ist durch lauwarmes Seifenwasser ^folgende ©in», reibung von Oel in kurzer Zeit . neuen. Fallen die Haare bei dieser Flechte aus, so wachsen sie aber gleich wieder nach, wenn die Kopfhaut durch sorgsame Pflege ge­reinigt ist.

Ebenso behandelt man die Bläschen flechte und die bekannte Milchborke der Säuglinge, die sich gern auf Stirn nnd Wange zeigt. Hier heilt auch Kamillenthee, dem man ein wenig Borsäure zusetzt, sehr schnell.

Die Bart flechte und die fressende Flechte, auch Lupus genannt, entzieht sich der Behandlung durch Laienhand, da kann und darf nur der erfahrene Arzt ein­greifen. ,

Es empfiehlt sich aber bei jeder, auch der unschuldigsten Flechtenart, ärztliche Hilfe zu suchen. Je früher das ge­schieht, desto besser ist es für Arzt und Patient, denn ver­nachlässigte Flechten können selbst das Wissen und die Be­mühung des besten Arztes zu Schänden machen.

Gsmernnütziges.

Gehirnerschütterung. Unter Gehirnerschütter­ung machen sich die meisten Menschen eine falsche Vor­stellung, indem sie glauben, es sei dies ein Vorgang, mit dem eine unmittelbare Lebensgefahr verbunden sei. Das ist nicht der Fall, wie derPraktische Wegweiser", Würz­burg, schreibt. Gehirnerschütterungen treten sehr leicht auf, nur in verschiedenen Graden. Die Folgen sind Schwarz­werden vor den Augen, Funkensprühen vor den Äugen, Schwindel, Ohnmacht, längere Bewußtlosigkeit, Nervcn- störnngeu ufto. Ter Tod tritt wohl mir in den Fällen ein, wo Arterienverletzungen stattgefunden haben. Nicht selten bleiben nach Gehirnerschütterungen Nervenstörungen, Sprachgebrechen usw. zurück und in den weitaus meisten Fällen ist dies auf eine falsche Behandlung zurückzuführen. Namentlich stellen sich bei Kindern solche Leiden nach un­scheinbaren. Unfällen ein. Man soll es darum nie leicht nehmen, wenn ein Kind gefallen ist, oder einen Schlag aus oder an den Kopf erhalten hat. Man, bette ein solches Kind unter allen Umständen einige Zeit, je nach der Stärke der Erschütterung auf das Sopha oder ins Bett. Am besten ist es, das Kind schläft sofort einige Stunden nach dem Unfall. Es liegt hierfür auch immer ein großes Bedürfnis vor, denn die Kinder schlafen sofort ein. Ist das Kind aber aufgeregt und kann nicht schlafen, so lege man ihm kalte Kompressen auf die Stirn und mit heißem Wasser gefüllte und mit nassen Strümpfen bezogene Flaschen ober Krüge an die Füße und schlage diese mit den Füßen ut eine wollene Decke ein. Auch Fuß- und Sitzbäder erweisen sich als gut, ebenso Armbäder und auch Klystiere; kurzum alles das, womit mau vom Kopfe ableitet. Je länger die 8iuhe und Schonung anhält, desto besser. Niemals animiere man solch ein Kind zum Aufstehen. Tie normalen Funktionen stellen sich, von selbst ein, Bäder niid Packung zur Nachbehandlung erweisen sich als sehr gut.

Kapselrätsel.

(Nachdruck verboten.)

Gastein, Maus, Geist, Führer, Verlust, Gleichnis, Kiste, Un­besonnenheit, Serbien, Halskette, "Weintraube, Fe'isch, Mutter, Prolog, Abscess.

Es ist ein Sprichwort zn suchen, dessen einzelne Silben in verstehen« den Wörtern versteckt sind ohne Rücksicht auf deren Silbenteilung.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Buchstabenrätsels in vor. Nr.: Der Buchstabe A, a.

Redaktion: lk. V.: R. Dittmann. Rotationsdruck und Berlaa der Brübl'scheu Universitäts-Buch- und Cteindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.

I

t i 1 a i 5

.1 1 ü < ä i 1 1

t Z t

ü c

5 c t ii