Ausgabe 
11.10.1902
 
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. O, vad W W 'M niM gesplekt!" rief ME« keb- Vaft.Ich trat in den Salon, sah dort den Leichnam--"

''Ja, ja, ich weiß", unterbrach er sie.Tu ähnelst jenen Komödianten, die sich an dem Tage einer Premiere künstliche Ausreguugen verschaffen, um dramatischer zu wirken. Wie oem 'auch sei, die Wirkung, die Du erzielt hast, war jedenfalls ausge^ichnet. Es ist niemand auch nur im Traume eingefallen, mich oder Dich zu verdächtigen. Tann hat uns auch der Zufall viel geholfen. Alle Berbächltig- ungen fielen Meist aus Sempach, und wir haben daraus geschickt unfern Vorteil gezogen. Deine Antworten vor dem Untersuchungsrichter sind ein wahres Meisterwerk. Nicht ein einziges Mal hast Tn fest behauptet:Er ist's." Tu läßt es im Gegenteil nur durchblicken und erraten/'

Ties Kompliment schmeichelte ihr sehr, und sie wollte damit nicht hintenanstehen:Meine Aussage allem hätte gar nichts genützt. Du warst es, der erst aus die Idee verfiel, zu erffären, Tu hast Sempach abends um 10 Uhr unter dem Hausihore erkannt."

llnd Tu? Diese Perle, diesen schon längst unten ge- ftl,«denen Hemdenknops, den Tu so geschickt in die Mitte des Salons, mitten ins Blut geworfen hast, Kind, der hätte genügt, zehn Unschuldige ins Verderben zu stürzen! Jeder von uns beiden hat sein Bestes gethan, 'feine Freiheit und seinen Kopf zu retten, um weiter zusammen leben zu können. Mles ist uns g eglückt und wird uns auch noch in der Folge glücken, wenn nicht"

Was denn?"

Wem« man Dich nur nicht eines Tages erkennt, das ist meine einzige Angst. Ein Mann kann sich leichter un­kenntlich machen als eine Frau. Man hat mich früher immer nur mit Schnurrbart, später in den Zuchthäusern nur glatt rasiert gesehen. Jetzt habe ich mir einen Vollbart stehen lassen, und nichts verändert mehr als das, von allen anbern Veränderungen und Maskeraden abgesehen. Ich verstehe die Kunst, mich zu verkleiden und zu schminken, aus dem ff. Kein Mensch versteht es, sich eine solche Maske aufzu- setzen wie ich. Diese KUnist verdanke ich meinem einstigen Lehrer, als ich noch Statist in unserem Stadttheater war. Während der Zwischenakte hatte ich Zeit, beu großen Schau­spieler Westendorf, der darin sehr stark war, zu studieren. Tann haben die auf dem Polizeipräsidium droben auch noch nie eine ordentliche Photographie von mir erhalten können. Ich habe mich vor dem Apparat immer so sehr gerührt, daß kein Bild gelingen konnte. Einmal kamen sie sogar auf den Einfall, mich zu binden. Aber mit Nase, Augen und Lippen habe ich nicht ausgehört zu zucken und habe un­unterbrochen Gesichter geschnitten, und so wurde ich immer schlecht und unkenntlich getroffen. Bei Dir ist die Sache ganz anders. Geschmeichelt und eitel. Dein Bild zu besitzen und Dich vewunveru zu können, hatten sie Dir ein Probe­bild davon versprochen--ja, die Leute kennen eben auch

die Weiber! und Tu hast ihnen richtig gesessen, wurdest auch sehr hübsch getroffen, und int großen Buch. Du weißt, im Verbrecheralbum, prangt ein reizendes Bild mit einer Nummer drunter, durch die man etwa folgende Notiz nachschlagen kann: Julie Farkas, achtzehn bis zwanzig Jahre alt, recht hübsch, gut gewachsen, kleine Gestalt, blon­des, warmes Haar, lebhafte Augen. Besondere Merkmale: sehr Weiße, etwas spitz zulausende Zähne, eine Narbe auf der linken Wange, Sommersprossen und eine sonderbare An- tzewohnheit, sich immer die Lippen mit der Zunge zu lecken."

Ich habe es mir schon abgewöhnt", warf Minna rasch ein.

Nicht ganz. Tu thust es noch manchmal, ohne es zu merken, wenn Du aufgeregt bist. Und dann die Narbe auf der linken Wange und die Sommerspr ossen, die I)ab eit wir nicht verschwinden lassen können."

Man hat mich bis jetzt auch noch nicht erkannt", sagte sie.

Ms jetzt nicht, weil Du Dich nun tticht rührst. Im Dienste der Frau Sanden bist Tu beinahe gar nicht ans- gegangen. Und wenn es einmal unbedingt notwendig war, hast Tu Tir unter dem Vorwande von Zahnschmerzen einen Teil des Gesichts mit einem Foulardtuch verbunden."

Ich setze diese Vorsichtsmaßregeln auch weiter fort." Gerade diese könnten die Aufmerksamkeit auf sich lenken und Mißtrauen erwecken. Ms jetzt warst Du immer nur mit dem Polizeikommissar und dem Untersuchungsrichter in Berührung. Und denen fehlt die Praxis. Ganz etwas Anderes wäre es, wenn Tu's plötzlich mit einem lang­

lassen, das sind die

Er blieb stehen und blickte sie an:

Ich versichere Dir, der Chef der Kriminalabteilung brauchte nicht zwei Mnuteu, um Dich zu erkennen."

Er ist nicht mehr derselbe. Er hat längst um Ent-

lassung gebeten." 1

Ja, ja, ich weiß wohl, aber da existiert noch ein gep wisser Kriminalwachtmeister"

Müller", rief sie rasch ans.

, Müller, der Dich damals so gerissen verhaftet: hatte, als Tn nach England entfliehen wolltest, und uns so die Sache Tschigorin zerstört hat. Tas war sein Meister­streich."

Tu hast mir doch versichert", begann Julie aufs neue/ auf die der Name Müller tiefen Eindruck zu machen schien, ,chaß er gleichzeitig mit seinem alten. Chef den Kriminal­dienst quittiert hat."

Jawohl, jawohl, das stimmt alles. Aber der Kerl ist rastlos und klug. Man schätzt ihn aus dem Präsidium ungeheuer hoch. Er wird gebraucht Du weißt, ich bin von allem immer genau unterrichtet und man könnte ihn doch heute oder, morgen bewegen, seinen alten Dienst wieder aufzunehmen."

Das ist aber bis jetzt noch nicht geschehen", sagte sie, wie um sich selbst zu beruhigen, ohne jede innere Ueber- zeugung.Und wo sollte er mich denn sehen? Ich rühre: mich ja nicht von meinem Zimmer weg."

Und der Prozeß? Tie Gerichtsverhandlungen?"

Tie Gerichtsverhandlungen! Was willst Tu damit? Hast Tu nicht selbst gesagt, daß man mich krankheitshalber dispensieren und sich damit Begnügen wird, meine Aussagen einfach zu lesen?"

Ja, wenn Tu weiter im stände bist, gut Komödie zu spielen, kanwst Tu ja vom Erscheinen enthoben werden.. Mer ich? Beide Hauptzeug en dürfen nicht fehlen."

Du hast also Angst, erkannt zu werden?"

Ich fühle manchesmal sone Schwäche."

Tann war das vorhin unnötig zu erklären, daß Du in der Verkleidungskunst Hervorragendes leistest, daß Du vollkommen unkenntlich bist, daß niemand im stände ist, Paul Querzewski unter der Maske des Anton Keßler zu erkennen."

Niemand--außer Müller."

Er hat Dich in diesen drei Jahren längst vergessen.^ Ter glaubt Dich noch dort."

Ach, ich bitte Dich! So oft ein Sträfling entwischt, wird sofort das Berliner Alexanderplatz-Präsidium davon verständigt, da man ganz genau weiß, daß jeder Verbrecher wieder durch Berlin oder London kommt. Wenn Muller in seinem Dienste geblieben wäre, würde er mich suchen. Und der Mensch ist so schlau, so tüchtig, daß--"

Du ihn fürchtest?"

Ihn ja."

Wenn Tu also nicht bloß für mich, sondern auch für Dich fürchtest, so gehen wir doch. Laß uns ins Ausland fliehen."

Unmöglich!"

Warum? Am ersten Tage nach dem Morde war es gefährlich. Aber heute glaubt die Justiz ihren Schuldigen zu haben; fte hat ihren Angeklagten."

Er ist noch nicht verurteilt, und die Situation ist noch" genau dieselbe. Kannst Tu denn nicht den -Vorteil erkennen, den der Verteidiger aus unserer Mwesenheit ziehen würde? Zwei Zeugen, die am Vortag des Prozeß­verfahrens die Flucht ergreifen! Und das ist noch lange nicht alles. Wir können überhaupt Berlin noch gar nicht verlassen. Tu weißt ja! Wir haben noch etwas Hoch­wichtiges zu vollbringen." mV((.

Tu denkst also immer noch an diese Millionen?- fragte sie. ,

Pschakreff! Ich bin doch der Kerl nicht, mir einen so schönen Fang entgehen zu lassen, Schatz!"

34. Kapitel.

Seit einer Weile hatten sie ihre Plätze verlassen und fick) einander gegenüber an den Ofen gesetzt. June, vor Hast, etwas zu essen, hatte bloß ihr Foulard, da^ ih, den Kopf umhüllte, ohne irgendwie an eme, Jffiotetter zu denken, herunter genommen. Sonst war das immer das.

jährigen KrimkualVeamten zu Mn bekämst, ntS einem von denen, die täglich «m Alexanderplatz so und so viel tu der Nacht verhaftete Personen <m sich vorbeidefiliereu lassen, bas sind die Richtigen! Tie wissen Bescheid!"