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f in guter Witz ist wie die reife Frucht, Di« unversehens von den Bäumen fällt; Ein schlechter, die man abzuschütteln sucht, Und die dann — unreif — den Geschmack vergällt." (Gült, Leitstern.)
(Nachdruck verboten.)
Die Möve.
Moment in zwei Bänden von Zacharias Nielsen. Autorisierte Uebersetzung aus dem Dänischen von Mathilde Mann.
(Fortsetzung.)
Den ganzen Nachmittag gärte es in ihrem Sinn, als Ke ihm aber am Abend dre Thür öffnete, und er sie in seine Arme schloß und ihr in die Augen sah mit den Worten: »Wir sind uns doch nicht mehr böse, nicht wahr?" — da fiel der Schaum bald zusammen.
Die Gevatterfrage wurde dann zu beiderseitiger Befriedigung gelöst, und das kleine Fest verlief sehr gemütlich.
Helene war bisher fleißig zur Kirche gegangen, ihre Mutterpflichten erschwerten es ihr jetzt aber, sich von Hause zu entfernen.
Böse, der sie in dem ersten Jahre oft begleitet hatte, bald zu dem einen, bald zu dem andern Kanzelredner, wurde allmählich ein wenig flau und hatte so viel an der Form des Gottesdienstes und der Art und Weise des Predigers auszusetzen.
„Wenn Du aber zur Kirche gehen willst, mein Schatz, so laß Dich darin nicht stören, ich werde Svend schon inzwischen hüten."
Zuweilen ging sie, zuweilen blieb sie zu Haufe, oft aber störte ein kleiner ungemütlicher Mißlaut ihre Sonntagsstimmung.
Die Baterwürde hatte Böjes Brust mit Stolz geschwellt, und seinen Drang, am Leben teilzunehmen, erweckt. Durch Lesen von Zeitungen und Büchern, durch Unterhaltungen mit Rudolf und anderen roten Fortschrittlern wurde «r mehr und mehr von den Umsturzgedanken erfaßt, die in der Heimat selbst ausgebrütet waren, und von den neuen Strömungen, die sich ihren Weg aus fremden Ländern gebahnt hatten, und die ihren Einfluß auf das Leben der Hauptstadt in den Zeitungen, in stürmischen Versammlungen, in der Bürgerwelt und in Tausend Familien zeigten, wo der Kampf zwischen den Vätern und den Söhnen heiß entbrannte. Much Helene wurde durch das Einatmen der neuen Luft aufgerichtet. Wie hatten sich ihre Lebensverhältnisse doch verändert! Ihre Kindheit hatte in stiller Luft geatmet, ihre Mädchenzeit war an entlegenen Orten dahingeglitten, wo man das Getöse der Welt
i nur aus der Ferne vernahm — dann war sie plötzlichs i mitten in den Strudel hineingeworfen worden, und zwar) zu einer Zeit, too ihr Seelenleben in eine so stärket Schwingung geraten war, wie nie zuvor. Mtes und NeueK kämpfte in ihr; oft überfiel sie eine Unruhe, die sie äugst« lich und unsicher machte; aber in festem Vertrauen nutz die Rechtschaffenheit ihres Mannes und auf seine geistige! Reife bemühte sie sich mit ehrlichem Willen, ihren Platz an seiner Seite einzunehmen.
Oft erhob freilich ihr Selbständigkeitsgefühl Einwen- düngen, die Ursache zu vielen kleinen Zusammenstößen! gaben; aber sie konnte doch nicht zu allem ja und Amenj sagen, wenn sie nicht mit ihm übereinstimmte. Er wav auch oft ein wenig zu stark in seinen Ausdrücken. WeshalÄ rieb er ihr wieder und wieder unter die Nase, daß sie! noch in dem alten orthodoxen Formwesen befangen sei?
Das war ja gar nicht wahr! Sie konnte der kirchlichen Freiheit große Zugeständnisse machen, sie war z. Ä- durchaus nicht dagegen, daß tüchtige unstudierte Mäuner Zutritt zur Predigerwirksamkeit erhielten, sie gestand den Menschen auch das Recht zu, selber ihre Seelsorger zu wählen — im Grunde hatte sie Sympathie für vieles von der neuen Bewegung. Alles aber, was den Stempel Sozialismus und der Freigeisterei trug, war und bneB ihr ein Greuel, wie sie auch viel an der realistischen Litte« ratur auszufetzen hatte.
Gegen diese richtete sie eines Tages, als sie ein wenig in Rudolfs Bücher hineingeguckt hatte, einige wohlgemeint« Hiebe.
„Es ist gräßlich, man kann doch heutzutage nicht ein Buch mehr öffnen, ohne auf Verführungen, Ehebruch und Selbstmord zu stoßen! Weshalb schreiben sie nur alle über diese abscheulichen Themata?"
Die neuen Micher seien eilt Ausschlag von dem Bedürfnis der Zeit nach Klarheit über das, was das moderne Leben in seinem Innersten berge, meinte Böje. Das Verhältnis zwischen Mann und Frau sei in allen Ländern an der Tagesordnung . Es sei gut, daß klarsehende Menschenkenner die menschlichen Triebe unter das Mikroskop legten und sie gründlich in ihren haarfeinen Abzweigungen untersuchten — das bringe alle denkenden Köpfe in Bewegung^ erwecke die Flauen, feueve die Menschheit an, auf neue; Gesetze hinzuarbeiten, die einen gesunden, natürlicheren Grenzwall für die allgemeine Sittlichkeit errichten und dem Licht und der Luft Zutritt in die Familie verschaffen könnten.
„Ist es denn etwa auch notwendig, alle Augenblick« mit sinnlichen Pikanterieen aufzuwarten? Wie nun zum Beispiel dieser Schriftsteller, der nicht zehn Zeilen schreiben kann, ohne daß wenigstens eine davon den Anstrich von Sinnesreiz hat. Er denkt sicher nie an etwas anderes als an solchen Schmutz!"
„Er führt dabei selber das reinste Leben!"
In demselben Augenblick kam Rudolf hereingestürmt mit weitaufgerissenen Augen und halb geöffneter Wes^


