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wetzen. Neberlegene Bildung und weltmännische Allüren werden zu meinen Gunsten ins Gewicht fallen und mir zum Siege über diese kleinlich denkenden Seelen verhelfen. Laß der Alte gegen unser Geschäft Verdacht geschöpft hat, liegt auf der Hand, denn sonst hätte er sich nicht sein Guthaben Mit einem Wechsel decken lassen. Bierzigtausend Rubel! Sie sind bis zur Messe zu zahlen. Nur Mut! Wenn unser Coup mit dem Akkumulator glückt, dann soll Jesim Godunow ein blaues Wunder erleben. Und der Coup muß glücken, denn er ist brillant eingeleitet."

Vergnügt rieb er seine frvststarren Hände. Leise trällerte er eine Opernarie vor sich hin, während er vom Nikolajewsky-Pereulok abbog, um einen schneller zum Innern der Stadt führenden Weg zu verfolgen.

Lednew, der Schlemmer, wird schon auf mich warten", lachte er nach einer Weile.Nun, wir haben nach Ab­wickelung des Geschäfts noch genügende Zeit, um uns des Lebens zu freuen. Wo wollten wir uns treffen? Nichtig, im Chateau des fleurs! Hoffentlich wird er ein Cabinet separs genommen haben, denn mein Inkognito muß strengstens gewahrt bleiben."

Wirklich wartete Lednew bereits geraume Zeit.

Eine erfreuliche Botschaft, Timitry Akimowitsch", rief er lebhaft.Eben hatten Sie mich heute morgen verlassen, als ein Telegramm Ihres Bruders Jury eintraf. Er teilt mit, daß das Gefälligkeitsaccept nicht notwendig sei, da er die dreißigtausend Rubel anderweitig beschafft habe. Ich hätte Ihnen gern die Gefälligkeit erwiesen, aber nun sie überflüssig ist, um so besser für uns alle!"

Ueberslüssig?" fragte Timitry erstaunt, während sein Gesicht blaß wurde. Die Mitteilung hatte ihn wie ein Blitz­schlag getrffen.

Ja, überflüssig!"

Timitry Kalussoff biß sich auf die Lippen er fühlte, daß das Telegramm die Antwort für den Streich mit den Zobeln war, den er dem Bruder gespielt hatte. Es tobte in seinem Innern: vor Wut, aber er durfte sich nichts merken lassen und mußte sogar noch große Genugthuung über die schlimme Botschaft heucheln.

Tas ist ein neuer Nagel zum Sarge unserer Firma", versicherte er, als er um Mitternacht im Eilzuge nach Moskau seinen Gedanken nachhing.Ob es wirklich mit den Gebrüdern Kalussoff zu Ende geht?"

(Fortsetzung folgt.)

Im Serum-Institut.

Frankfurt, 17. Nov.

Keine Angst! Tas soll keine fachwissenschaftliche Ab­handlung sein. Ter Laie will nur dem Laien all' die äußeren Eindrücke zu schildern versuchen, die er hier rat» pfangt, Eindrücke, die selbst den Laien instinktiv das Streben und Sehnen des Forschers erkennen lassen. Draußen in der freien, luftigen Sandthorstraße, die noch zum Teil ihrer Bebauung harrt, liegt das Serum- Institut, sein Leiter ist der Geh. Medizinalrat Professor Tr. Ehrlrch, seine Vorstände sind Stabsarzt Professor Marx für die prüfungs-technische Abteilung und Prof. Nerßer für die bakteriologische Abteilung. Fünfzehn Ge­lehrte arbeiten an dieser Stätte, fast durchweg noch jugendliche Männer, und doch ernste Gelehrte, die Jugend widmet sich hier unter Führung des erfahrenen Forschers einer Wissenschaft, die auch noch den Stempel der Jugend an sich trägt. Tiefe Männer in ihren leinenen Arbeits- manteln, sie erscheinen wie die Hoffnung und wie die Zukunft, die der Menschheit Erlösung bringt von ihren Leiden. Tie Ruhe und die Zuversicht, mit der sie sich ihrer Thätigkeit hingeben, die in Form von unerwarteten Zufälligkeiten auch Gefahren für das Leben in sich birgt, ringt gerade dem Laien die größte Bewunderung ab; ein Stück Heroismus, ein Stück Fatalismus lebt wohl in allen bakteriologischen Forschern. Tie Entdeckungen und Forschungen von Behring, Koch, Madson usw., die Jmmunitätslehre, die Professor Ehrlich unter Assistenz seines Jüngers Tr. Morgenroth aufgestellt hat, sie bilden die Grundlagen dieses Instituts für Serumforschung, dessen offizieller Tttel lautet:Königl. Institut für experimentelle Therapie."

Einst eine Abteilung des Koch'schen Instituts, später als selbständige Anstalt in Steglitz, kam es dank der Opfer-

willigkerr der Stadt und der Bürger nach Frankfurt. Tie innere Einrichtung ist staatlich, allein der Frank- furter Magistrat stellte Terrain und Gebäude zur unent­geltlichen Nutznießung zur Verfügung und verpflichtete sich außerdem zu einem jährlichen Zuschuß von 10 000 Mark unter der Bedingung, daß das Institut Tiphtherie-Unter- suchungen honorarfrei und andere bakteriologische Unter­suchungen zu einem bestimmten Satze ausführe. Fernerhin bestätigte unser Kaiser, daß aus der Theodor Sternschen Stiftung, die eine halbe Million beträgt, und für wissen­schaftliche Forschungen bestimmt ist, die Zinsen von drei Jahren dem Institute, insbesondere für Krebsforschung, zugewiesen werden, außerdem wurden für den gleichen Zweck durch Sanimlung von Frankfurter Bürgern mehr als 100000 Mark übergeben.

Man weiß, wie gerade die Erforschung der geheimnis­vollsten aller Krankheiten heute nicht nur die Wissen­schaft aller Länder, sondern auch die Allgemeinheit in­teressiert, und darum dürften die. folgenden, hierüber im Frankfurter Serum-Institut herrschenden Anschauungen von ganz besonderem Werte sein.

In den letzten Jahren hat das Gebiet der Krebs­forschung erhöhte Bedeutung gefunden, sowohl im Aus­lände wie besonders im Frankfurter Institut. In höch­stem Grade wichtig ist für Deutschland die Begründung des Krebskomitecs, an dessen Spitze die Professoren Leyden und.Kirchner stehen. Allein das deutsche Komitee ist auch von weitgehender, internationaler Bedeutung, da es die gesamte Krebsforschung des In- und Auslandes in einem Punkt zu verbinden im Begriffe ist. Es handelt sich hier um außerordentliche Fragen, die eben so wichtig wie schwierig sind; der gemeinsamen Kulturarbeit in den einzelnen Staaten dürfte es gelingen in hoffentlich nicht allzuferner Zeit greifbare Resultate zu erzielen, die Anhaltspunkte zur Bekämpfung auch dieser schreck­lichen Krankheit geben."

Gift austreiben durch Gegengift, das ist das wissen­schaftliche Leitmotiv, nach dem hier auf Grund der Beh- ringschen Theorie gearbeitet wird. Ein mit Bouillon ge­fülltes Gefäß! der Laie sagt sich, ja, so sieht Bouillon aus, allein der Forscher belehrt ihn, in dieser Bouillon entwickeln sich Tiphtheriebazillen, die als Produkt ihres Stoffwechsels ein Gift absondern, das in die ihnen als Nähr- und Wachstumsmittel dienende Bouillon übergeht; werden aus dieser Bouillon die Bazillenleiber entfernt, so bleibt ein Rest übrig, der als Tiphtheriegist bezeichnet wird; diese Giftlösung dient al. dann zur Erzeugung des Gegengiftes. Tiere, vorzüglich Pferde, die mit diesem Gift behandelt werden, reagieren darauf mit der Bildung von Gegengift, das in dem Blute der so immunisierten Tiere kreist und beim Ad.rlag zugleich mit dem Blute ausscheidet. In allen Fällen wird das Gegengift auf diese Weise ge­wonnen. Und was wird hier nicht alles erforscht und untersucht: hier steht eine Tose, gefüllt mit Hunderten von Giftnatterköpfen, nebenan ein Fläschchen mit einem Inhalt, der wie zermalmter Bernstein aussieht; eine Schlange beißt in einen Glasteller, sie speit das Gift aus, das dem Eiweiß gleicht; es wird sorgfältig gesam­melt, denn es ergiebt das Calmettesche Heilserum, das Gegengift gegen Schlangengift, und jenes Fläschchen mit zermalmtem Bernstein, das Professor Ehrlich so liebens­würdig zeigt, es enthält jenes den Schlangen abgewonnene Gift, und sein so harmlos ausschauender Inhalt genügt, um dreihundert Menschen zu töten.

Das Frankfurter Serum-Institut ist eine, man könnte sogar behaupten, die internationale Zentralstelle für die Meribemessung des Tiphtherieserums, es ist hierin aus­schlaggebend für die meisten derartigen Institute der Welt.

Tie Prüfung des Tiphtherieserums ist nicht die einzige Aufgabe der prüfungstcchnischen Abteilung, sondern noch eine ganze Reihe Serumarten werden hier, ehe sie in den Handel kommen, auf Unschädlichkeit und Wirkungswert untersucht. Ein ganz besonderes Interesse erregt die vom national-ökonomischen Standpunkt aus so bedeutsame Thatsache, daß auch Sera, die zur Bekämpsung von Tier­seuchen dienen, hier untersucht werden, ehe sie in den Handel kommen. AU erster Stelle steht das Rotlaufserum, von dem alljährlich erstaunlich große Mengen von der Landwirtschaft verbraucht werden.

Tas Frankfurter Serum-Institut kann di'-'b sich selbst