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Kunst ins Haus."*)

Die Losung erschallt immer lauter, immer dringender. Sie liegt unserer ganzen kunstgewerblichen Bewegung zu Grunde, wie sie auch ihr Endziel ist. . KUnst ins Haus! . . Man hat erkannt, daß die Kunst ein Erziehungsprinzip ist, so gut wie die Moral Ein weiteres Mittel, den Menschen AU bilden und zu veredeln. Lange genug vergessen und verachtet von Schule und Haus in gleicher Weise. Tie paar Stunden Zeichenunterricht in der Schule, die paar Stahlstiche oder gar bloß Oeldrucke an der Wand, die paar Ahrsen aus dem nächstbesten Bazar auf dem Kaminsims thun es noch nicht. Ganz abgesehenn davon, daß sie nicht einem Kunst- bedürstns ihre Anschaffung verdanken, sondern lediglich hem Bestreben, hinter Müller und Lehmann nicht zurückzustehen, können sie gewiß am allerwenigsten ein solches Bedürfnis befriedigen oder wecken.

So bahnte sich, von England aus angeregt, auf dem Kontinent das Bestreben den Weg, unser Handwerk künst­lerisch zu veredeln. Einst gähnte zwischen Kunst und Hand­werk auch bei uns keine Kluft, wie z. B. in Japan auch heute nicht. Ter Handwerker war ein Künstler, der sich die Entwürfe zu seinen Gold- und Silberschmiedearbeiten, seinen Glaskrügen und Thonkannen, seinen Stühlen und Truhen selbst anzufertigen vermochte, wie der Künstler im­stande war, seine Entwürfe selbst auszuführen. So hörte der Unterschied zwischen beiden auf: nur der Anfang war verschieden hier der Handwerker, der zum Künstler wurde, dort der Künstler, der das Handwerk lernte. Tas Ende aber war so eines und dasselbe: Kunst ins Haus, Kunst fürs Volk schufen sie beide.

Man hat sich daraus wieder besonnen. Und inan begann wenigstens damit, daß der Maler, der Bildhauer für das Handwerk, wenn auch noch nicht im Handwerk, zu arbeiten nicht mehr verschmähten. Alle unsere führenden Geister aus dem Gebiete des KUnstgeiverbes sind heute von der Kunst hergekommen, nicht vom Handwerk.

Tas war das eine Geiverbe und Handwerk neubesruch- teiide Moment. Ein zweites trat hinzu. Es liegt aus­gedrückt in der Erkenntnis, daß jede Zeit ihre Kunst hat, eine aus den Bedürfnissen und den Anschauungen, den Sitten und dem Geschmack der jeweiligen Zeit und so auch des betreffenden Volkes herausgeborene Kunst.

Ihre Verwertung im Handwerk schafft dann erst die Zwecknläßigkeitsfchönheit, die Bedarfskunst . Damit ivnr jeder Ueberlieferung im Stil der Krieg erklärt. Tas nun er­faßten unsere Kunstgewerbler sehr bald. Das Prinzip eines Kultus des Individualismus wurde in lautester Weise auf das Banner geschrieben.

Aber wird so schon eine Bedarfskunst geschaffen? Wird so schon jene Schönheit ins Gewerbe eingeführt, die schön ist, iveil sie vom Zweckmäßigen ausgeht und im Zweck­mäßigen gipfelt?

Wer unsere Ausstellungen alle auf ihren knnstgewerb- lichen Gehalt hin prüft, nicht als blindbegeisterter Freund alles Neuen schlechtweg, sondern als besonnener Beurteiler, der den Endzweck nie aus dem Auge verliert, >ver vom selben Standpunkte aus die Lager und Ausstellungen unserer Kunstgewerbegeschäfte und unserer Kunstsalons, die im weiten Reiche wie Pilze aus der Erde hervorschießen, be­trachtete der weiß, daß dem leider nicht so ist. Ganz abgesehen davon, daß wir uns in einer Uebergangszeit befinden, in einer Zeit des Ringens und Suchens, des Gärens und Tastens, des Fehlgreisens und llebertreibens ist nicht grade das Mermeiste im Zeichen einer von allen Zweckmäßigkeitsbegriffen losgelösten blühenden Phantasie Und vor allem im Zeichen einer Luxuskunst entstanden?

Ter Künstler denkt bei seinen Entwürfen fast immer an den reichen Mann: er entwirft Teppiche, Beleuchtungs­körper, Möbel, deren Ausführung Hunderte und Tausende kosten. Ter kleine Mann sieht sich alle diese Tinge nicht einmal an. Er weiß von vornherein: das ist nichts für rhn. Und auch der Fachmann, der Handwerker zuckt die Achseln dazu: für ein bestimmtes Material gedacht bei- lwrfig bemerkt, oft genug sogar vorbeigedacht kann er

) Wir entnehmen diesen sehr beachtenswerten Aussatz 6er trefflich redigiertenModernen Kunst" (Verlag von Rich. Bong, Berlin W. 57), die bekanntlich alljährlich eine große Menge Kunstblätter veröffentlicht. D. Red.

den kostbaren MvbektentwUrf für Mltagsaebrauch und Jeder- mannszwecke gar nicht verwenden.

Hier vor allem ist Wandel zu schaffen. Und ich meine es wäre Aufgabe des Staates sowohl, wie gemein­nütziger Verbände und großer Firmen, dem Einzelnen und damit doch auch wieder der Gesanitheit zur Hilfe zu kommen. Wir hören immer nur von Preisausschreibungen für alle möglichen und unmöglichen öffentlichen Denkmäler und Wandgemälde in Schlössern, Rathäusern, Museen ic. aber wir hören so gut wie gar nichts von Preisansschreib- ungen, die der Beschaffung z. B. von kunstschönem Tisch- gerät, Zimmereinrichtungen u. dgl. gelten, mit der Be­dingung, daß ihre Erwerbung auch dem Mittelstände mög­lich wäre. Mcht der Wert des Materials und die Kost­barkeit des Ornaments macht's: die Zweckmäßigkeit in Verbindung mit Befriedigung des Schönheitssinns in Form und Farbe darauf kommt's an.

Daß sich das mit geringen Mitteln erreichen läßt/ davon konnte man sich in den Arbeiterhausmodellen über­zeugen, die aus der Tüsseldorser Ausstellung zu sehen waren. Die Einrichtungen z. B., die gerade die Frucht eines solchen Preisausschreibens, das die Firma Krupp zusammen mit demRheinischen Verein zur Förderung des Arbeiterwohnungswesens" veranstaltete im Krupp­schen Doppelbaus oder die nach Entwürfen eines Zöglings derElberfelder Städtischen Handwerks- und Künstgewerbe- schule" für das Arbeiterwohnhaus desRheinischen Ver­eins" angefertigten zeigen klar, daß das möglich ist. Für noch nicht 800 Mk. die vollständige Einrichtung einer Woh­nung von drei Zimmern und Küch<e, die bis ins kleinste! hinein jenem Bedürfnis und Zweck Rechnung trägt und sogar auch des Wandschmucks nicht vergißt, zu dem ein­gerahmte Kunstblätter der beliebtesten und besten deutschen! Zeitschriften verwandt wurden das läßt sich hören.

Ich sah manch wohlbestallten Schulmeister und kleinen Beamten, denen beim Anblick dieser Einrichtungen der Wunsch im Gesicht zu lesen stand:Wer doch auch so wohnen könnte so schön und so billig!"

Wer aber in solcher Umgebung auswächst dessen Kunstsinn wird dadurch mehr gefördert, als später durch den Besuch von noch und noch so vielen Ausstellungen.

Tenn nur so, im täglichen Umgang mit Gebrauchsgegen­ständen, die alle schön und zweckmäßig zugleich sind schön" nicht etwa im Sinne des Prunkhaften macht er einen praktischen ästhetischen Kursus durch, entwickelt sich bei ihm ein echtes, rechtes Kunstbedürfnis.

I. Norden.»

vermischtss.

Eine wertvolle Entdeüung. «Haben Sie Ihren Urlaub in diesem Jahre angenehm verlebt?"

Ja! Sieht man es mir nicht an?"

Allerdings. Sie sahen nie besser aus. Nicht jeder erholt sich so gut auf feiner Sommerreise."

Nein. Doch ich war auch besonders glücklich in de« Wahl meines Aufenthaltes. Es gefiel mir so gut an dem Ort, daß ich sicher auch meine nächsten Ferien.dort ver­leben werde."

Guter Tisch?"

Vorzüglich. Ich konnte alles bekommen, was ich wünschte."

Angenehme Leute?"

Reizende Leute. Und das Beste mar, daß es gar# nicht förmlich zuging. Wir konnten thun und lassen,, was uns gefiel."

Ruhig?"

Das wollte ich meinen. Ich war nie an einem ruhigeren Orte."

Gute Betten?"

Ausgezeichnete Betten. Much ein Privatbäd."

Es war sicher sehr teuer ?"

Im Gegenteil. Es waren die billigsten Ferien, ich jemals verlebt habe."

Wer Mensch, sagen Eie mir doch auch, wo das wart«

Zn Hause!" ~ Tit-MW