Ausgabe 
3.2.1902
 
Einzelbild herunterladen

75

Marita weiter bei ihrer Frage,lange kann es wohl nicht her sein, da die Arme noch so jung ist?" ,

Nun, anderthalb Jahre mögen es bald sem, daß, Di- mitri sor^tcht^ch Diener auf dem Gut?"

Ja, nein, das heißt, er begleitete als Diener meinen Bruder aus Reisen; er und Nina liebten sich! seit lange, als er heimkam, heirateten sie sia kaum aber war die Hochzeit vorüber da kam schon die Trennung."

Wurde er denn so plötzlich rekrutiert, dieser arme Di­mitri? Wußten die Aermsten solches nicht voraus? O, Feodor, erzählen Sie davon es interessiert mich."

Marita hatte dies eben gesagt, als Muschi plötzlich! vor einem Baumschatten scheuend, solch jähen Seitensprung that, daß die Reiterin im Sattel schwankte; sie mußte ihr Tier gänzlich außer acht gelassen haben.Halten wir einen Moment, Feodor, ich möchte absteigen" gestand sie jetzt denn ich fürchte, der Sattelgurt, wie die Riemen haben sich gelockert. Jwaz mag nachsehen, indes wir einige Schritte gehen, oder besser noch, lassen Sie uns nach der Hütte reiten. Dort vermag ich leichter abzusteigen, als hier im freien Weg." Gleichzeitig hatte sie schon ihr Pferd, der ange­deuteten Richtung zugewandt. Feodor und fern Mentor folgten ihr willig. Wie sie der Hütte nahe kamen, horten sie aus dieser einen eigenartigen Sang ihnen entgegen­schallen. , . ..

's ist Spinngesellschaft drinnen", erklärte der dienst­fertig nebenher schreitende Jwaz. Sein Pferd trabte hinter ihm her. Es stand geduldig still, während er aus dem verwahrlosten Borgärtchen eine Holzbank herbeiholte, wo­durch Marita das Absteigen erleichtert werden sollte.^ Sie glitt ohne Mühe aus dem Sattel und betrat eilig die Hütte. Nina und ihre Gesellschaft ahnte nichts von dem uner­warteten Besuch. Durch das Singen ihrer seltsamen Lieder, die meist in monotoner Trauer sich hinziehen, hatten sie draußen das Geräusch der Nahenden nicht gehört, mentmib merkte auf, bis die fremde Barinitschni, das Reitklew! über dem Arm, auf der Schwelle stand, und mit unverhohlenem Interesse in den inneren Raum blickte.

(Fortsetzung folgt.)

Velhagen & Klasmgs Monatshefte.

Im neuesten Heft (Februar 1902) von Velhagen & Klasings Monatsheften beginnt mit höchst stim­mungsvollem Auftakt ein neuer großer Roman von Bern- Ha r d i n e Schulze-SmidtEin Bruder u n b eine Schwester". Gleichzeitig wird der RomanDas ABC des Lebens" von Ida Boy-Gd beendet und der RomanD i e p a p i e r e n e M a ch t" von F e d o r v o n Zobeltitz weitergeführt. Das Heft enthalt außerdem eine höchst originelle kleine JagdgeschichteDer Wnrt von Scheffelding" von Anton Freiherr von Perfall. Fritz von Ostini, der Herausgeber der Jugend" seit deren Begründung, plaudert in anregendster Weise über die Künstler der Münchner Zeit­schrift- Der Artikel ist von zahlreichen charakteristischen mehrfarbigen Illustrationen begleitet- Professor Dr.

Georg Steindorff-Leipzig berichtet über seine Forschungsreise nach der Amonsoase, seinen Besuch bei den Senüsis, und Hanns von Zabeltitz hält eine Revue über die jün g st en Er s chein un g en auf den Berliner Bühnen. Velhagen & Klasings Monatshefte pflegen in neuerer Zeit auch besonders das Gebiet der persönlichen Erinnerungen. Diesmal erzählt Professor Dr. Max Haushofer überDer Krokodile Glanz und Ende", d. h. über die Schicksale der bekannten Münchner Dichtergenossenschaft, die zur Zeit von König Max eine so bedeutende Rolle spielte. Aus dem erstaun­lich reichen Heft heben wir jener heraus:Ein Kapitel aus der Geschichte des Tanzes" von Dr. Karl Storck, das sich in erster Linie mit Lanner und Strauß beschäftigt, und die fesselnde Bücherbesprechung von Hein­rich Hart- Der bildliche Schmuck ist, wie immer, sehr «ich; auffallend schön erschien uns das farbige Kunstblatt, welches den n eu en Kaise r b e che r d e r St a d t H all e in eine geradezu wundervollen Wiedergabe zeigt-

Gemeinnütziges.

Eine neue Art der Holzmaherei. Wenn man Holz der direkten Einivirkung der Sonnenstrahlen aus­setzt, so erhält es nach Ablauf von ca. 14 Tagen einen bräun­lichen Don; man ist nun auf ben Gedanken gekommen, diese Thatsache entsprechend auszunutzen und zwar folgender- maßeii: Ein glatt gehobeltes Brettchen von sehr weißem Holze (Tannen oder Fichten) wird mit einer Pmtte aus Blech, Pappdeckel oder schwarzem Papier bedeckt, in welcher die gewünschten Figuren, Ornamente :c. ausgeschnitten smd, und alsdann dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt und zwar je nach der Stärke des letzteren, 8 14 Tage. Nimmt man nun'nach Verlauf dieser Zeit die Schablone welche, um sich nicht zu verschieben, auf der weißen Holzplatte mit Klammern sestgehalten werden muß ab, so haben sich die ausgeschnittenen Figuren in brauner Farbe abgebildet und heben sich sehr nett von dem weiß gebliebenen Hinter­gründe ab. Hierauf kann man die Platte polieren oder firnissen, was für den Schutz der erhaltenen Zeichnung sehr zu empfehlen ist, und dem Ganzen em gefälliges Aus­sehen giebt. Die von den Photographen verwendeten Kopier­rahmen eignen sich am besten zu diesem Zweck, weil die Schablone in dieser gleichmäßig fest gegen die Unterlage, das weiße Holz, gedrückt wird, was für schone und scharfe Zeichnungen auf letzterer unerläßlich! ist,

Abteilrätsel.

(Nachdruck verboten.)

Statt der Punkte sind die Buchstaben AAAA, BBB, 0, EEEEEE, H J LL, N B, 888, U derart zu setzen, daß bei der oben angedeuteten Einteilung 5 Wörter von folgender Bedeutung entstehen: 1 Stadt m der Schweiz; 2. französischer Komponist; 8. Metall; 4. altbiblifcher Name. 5 Teil des Wagens. Wird jeder Teilungsstrich um -men Buchstaben nach links vorgeschoben, also nach der unten angedeuteten Emlettung, so entstehen 6 andere Wörter, welche folgendes bedeuten: 1. Verwandte; 2. luftiger Aufenthaltsort; 3. Verkehrsmittel; 4. Teil des RadeS) 5. schmackhafte Fische.

Modenöericht «öer Maskenkostüme.

Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmanufaktur Dresden-N. Reichhaltiges Modenalbum und Schnittmusterbuch zu 50 Pfg. daselbst erhältlich.

Meisen. So wie die Zeitrichtung, die politischen Verhältnisse usw jeder Mode ihren Stempel aufdrücken, so thuen sie es in erhöhtem Maße bet der Maskenkleidung.

Ganz sicher werden in diesem Jahre in Anbetracht der Zeitereignisse Hoffestlichkeiten im Kaiserpalast zu Peking oder dergleichen verschiedenen Veranstaltungen den Cha­rakter geben. Man wird bei dieser Gelegenheit ebensowohl den schmucken Anzug des deutschen Matrose,:, sowie die Uniform des Chinakämpfers sehen, und gleichzeitig das farbenprächtige Gewand des chinesischen Mandarins be­wundern können. Weniger wahrscheinlich ist es, daßnan das aus wetten Beinkleidern und kurzer Tunika bestehende Kostüm der Chinesin originalgetreu kopieren, wird, uno es ist Sache des guten Geschmacks durch irgend. eine phantastische Umänderung die unserenSchon^be^riffen nicht entsprechende Form zu heben. Die einfachste Lchung der Fraae wird wohl darin bestehen, daß man an ©t u des chinesischen, das kleidsame farbenprächtige, japanisch^

Wenn aus irgend einem Gebiete die Wahl einer ge­schmackvollen und originellen Toilette Nachdenken und Kopfzerbrechen verursacht, so ist das wohl ganz besonder^ auf dem Gebiete der Maskengarderobe der Fall. Denn bier hat man nicht die feste Grundlage bestimmter Mode­vorschriften, sondern man ist hauptsächlich auf Phantasie lind eigenen guten Geschmack angewiesen-

Zudem liegt es in der Zeitrichtuna, daß man sich nicht mehr an den von alters her gewohnten schablonen­haften Trachtenkostümen und dergleichen genügen laßt, sondern daß man die Wirkung darin suchtz mit jugend- frischer Phantasie etwas neues und noch sticht dagewesenes zu bringen. Es läßt sich denken, daß bei dieser Sachlage eine Modeberichterstattung über Maskengarderobe garnicht möglich ist, und daß sich die Aufgabe des B^ichtersttatters darauf beschränken muß, einige Gesichtspunkte aufzustellen, und vielleicht aus einige Ideen und Jdeengebiete hinzu-