684
das Vorspiel jenes von Aristophanes gewiß nach denr Leben gezeichneten Mannes beweist, der, den untersten Klassen entstammend, -in den Straßen Athens einen fliegenden Handel mit Würsten und Schwartenmagen betrieb, und der in der Komödie des großen Satyrikers mit beweglichen Worten klagt: „Von Musik verstehe ich nichts; lesen kann ich nur, und schreiben, jedoch auch das nur schlecht."
Wer sich indes diese Fnndaniente der Schulbildung angeeignet hatte, kam in die Lehre des Kritikus oder Grammatikus, wie er in späteren Zeiten genannt wurde, und bekam hier als Lesebuch kein geringeres Werk in die Hand als des großen Homers Odyssee und Jliade. In diesen Schulen, welche die Knaben bis zum 15. oder 16. Lebensjahr besuchten, und die man allenfalls mit unseren Mittelschulen vergleichen könnte, bildete der junge Grieche seinen Geist an großen Vorbildern des hellenischen Helden- Mtalters. Da die Abschrift auch nur eines einzigen Gesanges dieser Epen, welche die Buchdruckerkunst heute um wenige Groschen liefert, ein viel zu teures Werk gewesen wäre^ um Eigentum in der Hand eines jeden Schülers zu sein, las der Lehrer einige Verse vor, welche die ganze Klasse, wie bei uns nachsprach, und so brachten es denn mit besonders gutem Gedächtnis begabte Schüler dahin, ganze Gesänge der Heldengedichte, ja sogar diese in ihrem ganzen Umfange auswendig zu lernen, eine Leistung, welche wahrlich die manches modernen Rezitators, der den ersten Teil des Faust, die Gretchentragödie, deklamiert, um ein Vielfaches übertrifft. Uebrigens dürfen wir solche Aus- nahmcleistungen nicht gar zu sehr anstaunen; denn das Studium der homerischen Werke, an welches sich natürlich grammatikalische Erklärungen und Aufsatzübungen anschlossen, war das Um und Auf der damaligen griechischen Bildung, neben welcher die Unterweisung in Arithmetik und Geometrie, in Musik, in Astronomie, Geschichte und Geographie einen verhältnismäßig sehr bescheidenen Raum Einnahmen.
Wer sein Wissen noch darüber hinaus vermehren wollte, besuchte sodann die in fast jeder Stadt vorhandenen Gymnasien und Akademien, die zum Teil wie in Athen und iin den großen Städten Kleinasiens den Charakter einer wirklichen Hochschule hatten. Athen besaß deren nicht weniger als vier; die Akademie, bas Kynosarges, das Lykeion und das in späterer Zeit gegründete Ptolemaion. An diesen Anstalten, welche wirklich Bildungsstätten im großartigsten Stile waren, und vom Staate mit der größten Freigiebigkeit ausgestattet ivurden, fand Unterricht statt in bett sieben liberalen Künsten: Arithmetik, Geometrie cin- schließlich der Geographie, Musik, Astronomie, Grammatik, Rhetorik und Philosophie, und um das zwanzigste Jahr herum trat der Ephebe, ausgerüstet mit der besten Bildung seiner Zeit in das öffentliche Leben, wenn er es nicht vorzog, noch eine Rhetorenschule in Athen oder Rhobus zu besuchen, oder Privatschüler von Philosophen — wir nennen hier nur Plato — oder Rhetoren zu werden, was freilich nicht billig war, da sich z. B. der weise Sokrates nicht weniger als 10 Minen gleich 750 Mark Honorar bezahlen ließ.
Geprügelt wurde selbst bis in die Hochschulen hinein, weit mehr aber natürlich in den unteren und mittleren Anstalten, so daß einige deutsche Parlamentarier, welche eifrige Freunde der Prügelstrafe für jung und alt sind, ihre helle Freude daran haben könnten. Wie man nun aber auch über den Wert dieses Erziehungsmittels denken mag, wahrhhaft ergötzlich ist die Schilderung eines solchen Strafvollzugs, welche sich in den vor wenigen Jahren wieder aufgefundenen Mimiamben des Herondas, und zwar in einer Schulkomödie, betitelt „Der Schulmeister" findet. Die würdige Matrone Metrotime kann mit ihrem mißratenen Sprößling Krotalos nicht mehr fertig werden, da ihr der ungezogene Bengel längst über den Kopf gewachsen ist. Sie eilt zum Lehrer, deut sie vorjammert, wie sie für ihren Jungen nur mühsam die Schulpfennige zusammenkratzt, wie sie ihm eigenhändig die Schreibtafel mit Wachs überzieht, und wie sich der gebrechliche Vater vergeblich bemüht, dem Jungen zum Bravsem zuzureden. Krotalos ist aber eine Range erster Güte, der seine Eltern um Geld und geldtverte Sachen bestiehlt, um mit dem schlimmsten Straßengesindel zu bechern und zu spielen, und, wenn ihm deswegen einmal der Hosenboden stramm angezogen wird, tagelang herumstrolcht, so daß seine alten Eltern an ein Unglück glauben, oder seiner Großmutter
die letzten Sparpfennige abluchst. Auch in der Schule hat der Herumtreiber einiges ausgefressen. Darum läßt der Lehrer nicht den Stock, sondern die neue schärfste Peitsche aus scharfkantigem Ochsenleder bringen; der stärkste Schüler muß unseren Krotalos auf den Rücken nehmen, während ihm zwei andere die Füße festhalten, um ihn am Strampeln zu verhindern. In dieser wehrlosen Stellung wird nun Krotalos aus das gründlichste durchgebläut. Nicht immer nahm der Lehrer selbst die Exekution vor; denn größere Schulen besaßen ihre besonderen Geißelknechte, welche die Züchtigung vornahmen, während der Lehrer, wie uns aus Bildern bekannt geworden ist, gelassen zusah.
Es ginge übrigens viel zu weit, wenn man glauben wollte, daß lediglich derzeit der Bakel regiert hätte. Im Mittelalter und bis weit in die Neuzeit hinein war cs nicht um ein Haar besser, da auch erwachsene Schüler in den alten Klosterschulen vor der Fuchtel des Rektors nicht sicher waren. Das Hauptgewicht wurde aber auch in der antiken Schulzucht auf die moralische Einwirkung gelegt, wie wir aus hundert Stellen der Schriftwerke der damaligen Zeit entnehmen können.
Der „Haushaltungs-Kalender für 1903", ihrer Kundschaft gewidmet von der Liebig's Fleisch-Extrakt- Kompagnie, ist erschienen. Das seit so vielen Jahren von den Hausfranen gern entgegengenommene Büchlein ist diesmal mit besonders hübschen Illustrationen ans- gestattet, von denen wir die Bildnisse Liebig's, Petten- kvfer's und Voit's erwähnen. Auch der Einband nimmt sich elegant aus. Was den Inhalt anbelangt, so teilt Clara Braune „Allerlei Nützliches für die Küche in den verschiedenen Monaten des Jahres" mit, und Dr. 5- Jesser erzählt: „Wie Liebig's Fleisch-Extrakt entstand". Die Herausgeberin von Davidts-Holle's Kochbuch hat 35 neue Kochrezepte beigesteuert. Alle diese Zuthaten zu dem eigentlichen Kalendarium werden wiederum bewirken, daß der „Liebig-Kalender" auch Anno 1902 als nützlicher Hausfreund geschätzt wird.
GsMesirnÄtzTges.
Die farbenprächtigen Tritomen, diese herrlichen Stauden, welche aus Afrika eingeführt wurden, sind leider nur teilweise in milden Strichen unseres Vaterlandes winterhart. Das soll uns aber nicht abhalten, diese dekorativen Herbstblüher häufig anzupflanzen; denn bei einigem Winterschutz halten die Pflanzen gut aus. Das Eindecken nehme man bei trockenem Wetter vor, indem man einen Korb oder eine Kiste mit abnehmbarem Deckel über die Pflanze stülpt. Bei eintretender Kälte wird dieser Schutz durch Ausbringen einer Schicht Laub oder langen Mistes verstärkt. Diese Decke muß jedoch bei tnilder Witterung entfernt werden, um den Luftzutritt au die Pflanze zu gestatten. Es gehen nämlich durch zu dicke Decke fast ebensoviel Pflanzen verloren, als durch die Kälte. Pflanzen, welche man aus irgend einem Grunde im Freien nicht überwintern kann, setzt man im Herbste in Töpfe oder Kübel, und überwintert sie an einem trockenen Orte bei spärlicher Bewässerung.
Prakt. Ratgeber, Frankfurt a- O.
Kapselrätsel.
Turban — Orgel — Geschmack — Schenkung — Ungiltigkeit — Vernichtung.
EZ ist ein Sprichwort zu suchen, dessen einzelne Silben der Reihe nach in vorstehenden Wörtern versteckt sind, ohne Rücksicht auf deren Silbenteilung. ______(Auflösung in nächster Nununer.)
Auflvsukia des Zifferblatirätsels in voriger Nummer:
i ii in iv v vi vn vin ix x xi xii BANKERN AU LAU Bank, Anker, Kern, Erna, Au, Aula, Laub, Lauban.
Auflösung des Preisrätsels in Nr. 161 der Familienblätter: Wenn sie dich loben, wenn sie dich tadeln, So wolle bedenken:
Ein Tadel kann adeln, Ein Lob kann kränken. Ist dir der Tadel unbequem, Frag auch beim Lob: von wem, von wem? Palm.
Es gingen insgesamt 10 richtige Lösungen ein, das LoS fiel auf Nr. 1, Einsender: Wilhelm Netto, Gießen.
Der Preis — Noeldechen, Der zweite Pfeil — ist von dem Gewinner gegen Vorzeigung der Abonnementsquittung in der Geschäftsstelle der „Familienblätter" in Empfang zu nehmen.
Redaktion: E. Burkhardt. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch? und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


