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A^^estern stürmt'- noch, und am ISergen f&Sr Blühet schon daS ganze Land ...
Will auch nicht für morgen sorgen, Alles steht in GotteS Hand!
Putz dich nur in Gold und Seiten: In dem Felde über Nacht Engel Gott'S die Lilien kleiden, Schöner, als du'S je gedacht.
Sonn* dich auf des Lebens Gipfeln:
Ueber deinem stolzen Haus Singt der Vogel in den Wipfeln, Schwingt sich über dich hinaus!
BSgel nicht, noch Blumen sorgen, Hat doch jedes sein Gewand — Wie so fröhlich rauscht der Morgen: Alles steht in Gottes Hand! Eichendorfs.
-J11."111. . -_ L_L'- ■ 1 1---------- ------
(Nachdruck verboten.)
Die Göttin des Glücks.
Roman von Reinhold Ort mann.
Erstes Kapitel.
„Guten Abend, Bernhard! Wenn ich Dir ungelegen komme, sag's rund heraus! Du weißt, zwischen uns grebt's keine höflichen Redensarten, und keine thörichten Empfindlichkeiten." „ ,, , .
Der diese Worte gesprochen, war em ausfallend großer und stattlicher jünger Mann von ausgeprägt nordischem, vielleicht friesischem Typus — blond, blauäugig, und mit einem offenen, gutmütigen Gesicht. Er hatte, von der Haushälterin ohne weiteres eingelassen, nach kurzem Anklopfen die Thür des einfach ausgestatteten Arbeitszimmers geöffnet, und war auf der Schfvelle stehen geblieben, mit seiner hohen, breitbrüstigen Gestalt den Rahmen fast vollständig ausfüllend.
In sichtlich freudiger Ueberraschung sprang der Rechtsanwalt Bernhard Sylvander, dem die frische Begrüßung gegolten, aus seinem Schreibstuhl auf, und trat mit ausgestreckter Hand dem Besucher entgegen.
„Nein, Alter — und das ist gut für Dich! denn wenn nicht alle Empfindlichkeiten zwischen uns verpönt wären, müßte ich Dich wohl mit sehr ungnädiger Miene empfangen. Es sind, glaube ich, beinahe zwei Wochen, daß Du Dach hier nicht mehr hast blicken lassen."
„Wirklich! Na, dann werde ich wohl alle diese vierzehn Tage hindurch von meiner Arbeit festgehalten worden ein. Der Mensch ist eben leider nicht blos zum Plaudern und Biertrinken auf der Welt. Ich störe Dich also nicht?"
„Im Gegenteil, Du konntest keine bessere stunde wählen. Mach' Dir's bequem, mein lieber Harro! Da sind Zigarren, und für ein mannhaftes Getränk wird, wie ich denke, meine gute Frau Heitmüller auch ohne besonderen Auftrag sorgen; denn daß Du es nur weißt, Harro Boysen: sie hat ihr verwitwetes Herz an THch verloren. Und daran, daß sie in den letzten vierzehn Tagen noch brummiger war als sonst, ist sicherlich nur Dein Ausbleiben schuld."
„Ja, es ist merkwürdig, was für ein Glück ich bei den Frauen habe, die über die sechzig hinaus sind. Vermutlich ist in meiner äußeren Erscheinung etwas Hilfloses und Schutzbedürftiges, das sie geradezu heraus fordert, mich freundlich zu bemuttern."
„In der That, das muß es sein", lachte der Rechtsanwalt, dessen schlanke Gestalt zierlich und beinahe klein erschien neben der des reckenhaften Freundes. „Unbegreiflich, daß ich nicht schon längst auf diese Erklärung verfiel. Aber sind es denn auch wirklich nur weibliche Wesen von so ehrwürdigem Alter, die Dich! mit ihrer Zuneigung beglücken?"
Harro Boysen, der sich's bereits in der Sofaecke behaglich gemacht hatte, zuckte mit den Achseln.
„Jungen Mädchen muß man imponieren, um ihre Gunst zu gewinnen. Und darauf verstehe ich mich herzlich schlecht. Ueberdies bekomme ich ja eigentlich gar keine zu Gesicht."
„Ausgenommen Fräulein Erika Herbold! Oder ist sie nicht mehr bei ihrem Vater?"
Ter andere war eben im Begriff, sich eine Zigarre anzuzünden. Und aus der Umständlichkeit, mit der er dabei verfuhr, erklärte sich's wohl, daß die Antwort lange auf sich warten ließ.
„O doch!" sagte er endlich, sich ganz in blaue Rauchwolken hüllend. „Der aber imponiere ich schon gar nicht. Und ein Verlangen, sich meiner Hilflosigkeit anzunehmen, hat sie bisher ebensowenig zu erkennen gegeben. Wäre mir auch, offen gestanden, gar nicht sehr lieb, wenn sie's thäte."
„So hast Du Deine Ansichten über sie geändert?"
„Welche Ansichten, Sylvander?"
„Nun, ich glaube mich dock.zu erinnern, daß Du Dich wiederholt recht wohlwollend über sie ausgesprochen hast."
„Wohlwollend? das ist schjverlich das richtige Wort. Ich habe Dir vielleicht gesagt, daß ich sie um ihres starken, tapfern Charakters willen bewundere, und daß--aber
da Tri. sie nicht kennst, kann Dich das eigentlich gar nicht interessieren. Und wir wollen mit Deiner Erlaubnis von etwas Vernünftigerem reden." ............._.vJ


