Ausgabe 
28.3.1901
 
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La was war das? Schnee! Flocken auf Flocken' Johannes schlug mit den Armen um sich, wischte sich die Augen. '

Da brach ein Geschrei, ein wildes Gelächter los. Ein dichtes weißes Gewirbel senkte sich herab durch die Finsternis ein lebendiger Schleier, schwere weiße Flocken. Sie schlugen schmerzend in das Gesicht, mit einem dumpfen Geräusch auf die Kleider. Sie hafteten daran. Sie verdunkelten die Lichter, die sie in wildem Wirbel umgaben.

Jetzt füllte sich Johannes Hand bei einem Schlag durch die Luft mit einer weichen, krabbelnden Masse. Er wankte gegen das Licht, öffnete die Faust, da flog es wieder heraus Schmetterlinge! lauter Schmetterlinge! Und sprachlos starrte er auf den einen, der ihm zwischen den Fingern blieb.

(Fortsetzung folgt.)

Pardon, gnädige Fra«!

Von Th esi Bohrn. (Wien.)

(Nachdruck verboten.)

So", sagte Frau v. Torbann und lehnte sich behaglich im Fauteuil zurück,nun habe ich Bericht erstattet übenden gestrigen Ausflug per Rad nach M., erlaube mir über die Bemerkung, daß Sie ein äußerst zerstreuter Zuhörer waren, und wenn ich Sie jetzt examinieren wollG. . . ."Um Gottes Willen nicht, gnädige Frau!"Aha, da haben wir's! Sie geben also Ihre Geistesabwesenheit bei meiner Er­zählung zu, Herr Doktor?" '

Meiner Treu, ja."

Frau v. Torbann lachte.Was soll man mit solch einem unverfrorenen, ungalanten Patron, wie Sie sind, anfangen?"

Nachsicht mit ihm haben und ihm verzeihen, gnädige Frau."

Gut, ich will Gnade für Recht ergehen lassen, aber nur unter einer Bedingung."

Und die wäre?"

Daß Sie mir sagen, was Ihre Aufmerksamkeit in so hohem Grade ablenkte, daß Sie meinem Bericht mtr ein halbes Ohr liehen."

Mit Vergnügen! Meine Gedanken richteten sich buchk- stäblich nur auf einen Punkt es genierte mich nämlich etwas an Ihnen, gnädige Frau."

An mir? Wie meinen Sie das?"

Genau so, wie ich es sage."

Das verstehe ich aber nicht! Ist das Etwas, welches Sie genierte, greifbarer Natur?"

Ja, und wenn Sie erlauben, möchte ich es entfernen."

Hm, also ein Toilettenfehler?"

Richtig, gnädige Frau, ein Toilettenfehler."

Mit welcher Bestimmtheit Sie das sagen; wer weiß, ob Ihre Auffassung richtig ist,"

Darüber ließe sich Meilen Sie erlauben also?"

Gewiß, id). bin eben streitsüchtig gelaunt."

Um so besser, ich liebe streitsüchtige Temperamente", rief Dr. Fronze und erhob sich rasch. Er zog ohne weiteres das feine, veilcheuduftende Spitzentüchlein aus Frau v. Tor­banns Gürtel und wischte damit über das rechte Ohr­läppchen der erstaunten Dame.

So", sagte er dann, und gab das Tuch mit galanter Verbeugung zurück.

Nun, was war das? etwa ein Rußk'örnchen oder ein Glücksschweinchen?"

Nein, nur Pvudre de riz."

Frau v. Torbann sah ihr Gegenüber höchlich erstaunt, vielmehr verständnislos an; es folgte eine kleine Pause.

Ach, Sie meinten wohl, mich verlegen zu machen, Herr Doktor? Erlauben Sie, kommen Sie vom Kongo oder aus einem Freilandgebiet?"

Nein, sondern, wie Sie wissen, direkt aus der Stadt der Mode, aus Paris."

Da bringen Sie wohl als sensationelle Neuigkeit die Nachricht, daß seit einer Woche bei den Pariserinnen der Puder außer Mode kam?

Thut mir leid, berichten zu müssen, daß die Pariser­damen nach wie vor so geschmacklos sind; sich zu schminken."

Nun, sagte ich's nicht, daß Sie aus irgend einer

Nach drei Wochen überbrachte ein Dienstmann an Frau v. Torbann ein Päckchen; es enthielt eine reizende Dose aus Bergkristall mit reichem Silberbeschlag, vollgefüllt mit köst­lich parfümiertem Poudre de riz und beiliegend eine Visitcn-

Wildnis kommen müssen? Seit wann ist dmn Puoetz Schminke?"

Alles, womit man das Gesicht beschmiert oder bestaubt, ist Schminke, und alles, was Schminke ist, ist häßlich, und widersinnig, ist unnatürlich und gemeingefährlich, weil geradezu gesundheitsschädlich; es verstopft die Poren, es; macht die Haut. . . ."

O, bitte, bitte, lieber Doktor, nur keinen medizinischen oder schönheitlichen Vortrag!"

Fürchten Sie nichts, gnädige Frau lassen wir also das Gesundheitsschädliche beiseite und nehmen wir den Schönheitssinn her; wo bleibt der in diesem Falle? Oder finden Sie vielleicht ein bemaltes Gesicht schön?"

Nein", lachte Frau v. Torbann,ein bemaltes Gesicht finde ich allerdings nicht schön, das wäre des Guten zu viel nur keine Uebertreibung mein Freund! Sie thun ja gerade, als würfen wir uns den Puder mit der Mauer­kelle ins Gesicht! Die Anwendung des Puders will auch verstanden sein, Und wenn einmal aus Versehen einige Stäubchen am Ohrläppchen haften bleiben, so schadet das! gar nicht. Wenn man Sie reden hört, könnte man fast zu der Ueberzeugung gelangen, der Gebrauch des Puders sei em Staatsverbrechen; aber mit Ihnen werde ich über diesen Punkt nicht streiten; denn was ich auch zum Lobe des Puders vorbringen könnte. . . ."

Ganz richtig, würde ich alles gründlich widerlegen; ich begreife nur Herrn p. Torbann nicht, daß er Ihnen das teintverderbende Mittel nicht ein- für allemal verbietet."

Sie sind naiv wie alle Junggesellen in dergleichen Dmgen mem Mann kümmert sich absolut nie um meine Toilettenangelegenheiten, der sieht dergleichen gar nicht warten Sie nur, bis Sie einmal verheiratet sein werden dann.../« ' . l

O, meine Frau darf keinen Puder verwendens das! Ichworc ich bei der Göttin der Schönheit!"

schwören Sie nicht! Ihre Frau wird's schon klug anstelten; Sie müssen es gar nicht wissen."

Als ob man das nicht sähe!!"

- . E^",Sie's denn bei mir, bis heute, wo der Zufalk es wollte? Uebrigens giebt es ja gar keine Dame, die nicht we.nlgstens in der rauhen iind in der heißen Zeit, Puder

Was Sie sagen, gnädige Frau!"

Ganz gewiß, bester Freund, Sie können sich darauf » WM*ei*«

"Ei??^' aIS o°ne, ein ganzes Dutzend."

«njs gleich Frau Major Schön, Frau Baumeister Adelest' htC ^Dfrar Kosten, und dann mein Schwesterlein

K* * Sch«°st°rlm.

uprtnÄMtooI[en ®ie doch Nicht sagen, daß Adele Puder V V i-1 U V 11V V 1- f

Täglich, Doktor, täglich."

Aber das ist nicht möglich! Sie irren sich gnädige Frau; ich weiß es bestimmt."

M"Sie wissen garnichts, Doktor! bitte, strecken Sie Ihre brL0 6t lernen Sieg für Sie. Aber hören Sie einen Vorschlag. Wenn Sie rm stände sind, mir den Beweis daß eine, nur eine einzige Dame unserer Bekanntschaft die von ^chnen so gründlich verachtete Ge­wohnheit nicht hat, so will ich einen Schwur leiiteii, den Schwur, nee mehr in meinem Leben eine Puderguaste an- zuruhren sind Sie damit zufrieden?"

Hinreichend, gnädige Frau", rief hocherfreut Dr. Fronze.

Gut, dann gebe ich Ihnen drei Wochen Frist zum Sammeln des Beweismaterials, aber keinen Tag länger" lachte Frau v. Torbann. '

Schön, es bleibt dabei; hier diesen Handkuß zur Besiegelung." 0