Ausgabe 
28.2.1901
 
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ein Müssen und dein Mögen, FMr Die steh'n sich oft entgegen; <8*® Du thust am besten, wenn du thust, Nicht was du magst, nein, was du mußt.

________________________________________F. W. Weber.

(Nachdruck verboten.)

Die Seekönigin.

Seeroman von Clark Rüssel.

(Fortsetzung.)

Jetzt, wo er nichts mehr zu thun hatte, wo er Nach­denken konnte und das Schiff dort wie ein dunkles Gemälde vor sich liegen sah, da wurde er sich der ganzen Bedeutung unseres Unglücks bewußt. Seine Manneskraft erlahmte; er stützte die Ellbogen auf die Knie und das' Haupt in die Hände. Dann holte er schwer Atem. Es klang wie heftiges Schluchzen. Sein Kummer beraubte auch mich der Fassung. Ich schlang meine Arme um seinen Hals, unfähig zu sprechen. Ich wußte ja, er würde auch so verstehen, was ich meinte. Schweigend saßen wir so einige Minuten. Ich fühlte, wie sein starker Körper zitterte und bebte, um seines bitteren Schmerzes und Kummers Herr zu werden. Dann machte er sich sanft von mir los, indem er meine Hand küßte.

Ach, Jeß", sagte er,mein teures Weib! Wohin habe ich Dich gebracht?"

An den einzigen Ort in der Welt, wo ich jetzt zu sein wünsche, Richard", antwortete ich.Ich habe keine Furcht, Liebster."

Ich sprach^ die Wahrheit solange er bei mir war, hatte ich keine Furcht.

Tagelang habe ich schon eine Ahnung gehabt, daß irgend so etwas geschehen würde", fuhr er fort.Aber wie ist es zugegangen? Haben die Leute das Schiff in Brand gesteckt oder haben die Kohlen sich entzündet? In jedem Falle bleibt les eine' Niederträchtigkeit, uns zurückzulassen, um im Rauche zu ersticken, was sie doch offenbar gehofft haben! Und wie leise die Schurken gearbeitet haben! Ich, habe keinen Laut gehört. Sie befreiten den Steuermann, braßten die Großraaen, setzten das große Boot aus und alles das so ohne jedes Geräusch, daß wir auch nicht einen Ton zu hören bekamen. Wie lange mögen sie wohl schon fort sein?" Hier erhob er sich und spähte ringsumher in dem dunkeln Kreise des Ozeans. Er setzte sich wieder und fuhr fort:Ich kann nicht glauben, daß sie das Schiff in Brand gesteckt haben. Und doch überließen sie uns unserem Schicksal sie wollten unser Verderben. O, diese Bandjten, diese Banditen!"

Ein plötzlicher Wutanfall schien ihn zu übermannen. Wie ein Trunkener schwankte er auf der Ducht hin und her. Ich ergriff seine Hand und drückte sie, um ihU zu beruhigen.

Nach kurzem Schweigen fuhr er fort:Wenn sie an Bord geblieben wären, hätten wir vielleicht das Feuer über­wältigt. Aber sie hatten eben andere Pläne. Lieber ver­trauen sie sich einem offenen Boote an und setzen sich den größten Gefahren aus, als mir zu ermöglichen, das Schiff zu retten. Das ist ihre Art, sich zu rächen. Herrgott im Himmel! Was habe ich den Leuten zuleide gethan, um das zu verdienen? War es! Herons Plan? Hat er etwa das Schiff in Brand gesteckt? Aber wie? Du hast keine Flammen in der Kajüte gesehen?"

Nein", antwortete ich.

Das Feuer ist also in den Kohlen ausgebrochen. Vorne haben sie den Brandgeruch zuerst gespürt; dann haben sie mit dem Zimmermann die Sache abgekartet, Heron be­freit und uns unserem Schicksal überlassen. So muß es gewesen sein."

Da ich zur Unterhaltung nicht aufgelegt wär, verstummte auch mein Mann. Er hatte meine Hand erfaßt und starrte schweigend ohne jegliche Bewegung auf sein Schiff.

Es war gegen drei Uhr morgens, also noch geraume Zeit vor Tagesanbruch. Eine sanfte Brise kräuselte das Wasser, in dem die Spiegelbilder der größeren Sterne zitterten. Die Dunkelheit war noch immer so tief, daß wir das Boot, in dem die Leute uns verlassen hatten, nicht ge­sehen haben würden, wenn es auch nicht weiter als zwei Seemeilen entfernt gewesen wäre. Da wir uns zu Luward von der Bark befanden, Wehte die Brise uns darauf zu, und mein Mann mußte baS1 Boot von Zeit zu Zeit auf seinen Platz zurückwricken, um für den Fall einer Explosion nicht zu nahe an das! Schiff heranzukommen.

Es verging eine ziemlich lange Zeit, seitdem wir jenen ersten Flammenstrahl beobachtet hatten, ohne daß sich wieder eine Spur von Feuer zeigte. Nur der Rauch wurde immer dicker und stieg in dichten Wolken über der ganzen Länge des Schiffes empor, als ob dort der Krater eines unter­seeischen Vulkans wäre. Nach einer halben Stunde ungefähr schoß plötzlich mittschiffs eine lange, rote Flamme aus der Großluke oder in deren Nähe empor. Der schwarze Rauch bekam eine dunkle Orangefarbe und die Bark mit ihren rot bestrahlten Segeln, Masten und Wanten sah aus wie ein Gemälde, das ein in flüssiges Feuer getauchter Pinsel aus den dunkeln Hintergrund der Nacht gemalt hatte. Die Flamme verschwand' und es wurde wieder dunkel, als ob die Rauchmassen das Feuer erstickt hätten. Gleich darauf erscholl ein dumpfer Knall, vermischt mit einem knatternden Getöse. Von der Back aus schoß ein ungeheurer Funken­schwarm empor und erfüllte die Luft mit feurigen Streifen, die sich langsam in den Rauchwolken verloren. Dann schlug