Ausgabe 
26.5.1901
 
Einzelbild herunterladen

Sonntag den 26. Mar

Mfiot

WM

Mtz!

ELM

?l

M

?.T<ar T»r»f ;n?rt«"«,wif-Tir?CT|

SSflüH?» j

*4 «h

W

I

r?

$

i

-

W

OM

M

Z»m Ifingkftke 1901.

Von Alwin Römer.

(Nachdruck verboten.)

lieber die ragenden Bergesgipfel

Kamst du auf goldenem Sonnenstrahl Brausend durchfuhrst du die Waldeswipfel, Kosend umwarbst du das tiefste Thal. . . Minnig nun tönt aus den knospenden Zweigen Nachtigalljubel. . . der Kuckuckruf schallt. . . Und aus der Kinder fröhlichem Reigen Klingt es und singt es von deiner Gewalt!

Dornendurchdringer! Aus langer Bedrängnis Hast du errettet die schlummernde Flur. . . Wachgeküßt hast du aus schwerem Verhängnis Deine Prinzessin, die holde Natur: Als ein Befreier drum wirst du gefeiert; Ehrenjungfrauen in endlosen Reih'n Stehn an den Pforten schon, lichtgrün umschleiert, Kinder des Waldes, die lieblichen Mai'n! . . .

Und aus dem zarten schimmernden Laube Raunt's wie ein freudiges Flüstern dir zu; In dir erfüllt sich! der harrende Glaube. . . Lenz, das Symbol des Trösters bi st du! Wie gus der Jünger bekümmertem Kreise Einstmals der Pfingstgeist die Zweifel verbannt. Also erlöst du, dem Schöpfer zum Preise Alle, die in dir sein Walten erkannt!

Geist der Erfüllung, der Dome zu bauen Weih aus dem treibenden Buchengeäst, Der uns die Hügel, Halden und Auen Pfingstfroh geschmückt zu dem wonnigen Fest: Ströme auch läuternd durch unsere Herzen, Und den Verzagten, der sich verlor. Führe im Schimmer der Altarkerzen Mit uns zum Throne des Höchsten empor! . . .

Laht uns ihm danken, für alle die Wonnen, Die er gespendet zur Pfingstenzeit: Rauschende Wälder und sprudelnde Bronnen, Gärten von leuchtenden Blüten verschneit. Trillernde Lerchen ob sprießenden Aehren, Glauben im Herzen und Flammen im Geist! . . . Lenker der Welten,laßwachsen und währen, Was uns dein Fest der Pfingsten verheißt!

Pfingstschmuck.

Von Th. V. Gall.

(Nachdruck verboten.)

Mitten in die zu ihrer schönsten Entfaltung gelangte Natur setzte eine alte ehrwürdige Ueberlieferung die Pfingsten. Feld und Wald sind mit dichtens Grün be­deckt, auf Wiese und Anger blicken die geöffneten Blüten­augen hinauf zum blauenden Himmel und in das Gewebe von goldenen Sonnenfäden, das überall den Aether durch­zieht. So war es beinahe selbstverständlich, daß man auch den Schmuck des Pfingstfestes direkt aus der Natur nahm und den Gaben, mit denen jene um diese Zeit die Mensch­heit beschenkt. Was die Tanne für Weihnachten, das etwa ist die Birke für Pfingsten: beide Feste sind mit dem einen oder andern grünen Baumschmuck so fest verwachsen, daß man sie sich! ohne denselben fast kaum vorstellen kann. Im Grunde aber ist es immer wieder derselbe Brauch«, nur daß er im anderen Gewände oder noch richtiger, durch eine andere Vegetation veranschaulicht, charakteristisch her­vortritt. Denn der Maienbaum, also der grüne, mit bunten, seidenen Bändern aufgeputzte oder auf einem freien Platze aufgestellte Birkenstamm, um den sich die Angehörigen des Hauses versammeln oder wohl gar die gesamte Jugend des Dorfes Kurzweil treibt: was ist es anderes als unser alter, lieber Christbaum, nur daß er diesmal statt der spitzigen Tannennadeln lichtgrünen Blätterschmuck aufweist, und das Kerzenlicht, das sonst von ihm ausgeht, heute durch die Sonnenstrahlen selber ersetzt ist!

Kein anderer Baum, so viele ihrer innerhalb des Waldesdoms gen Himmel aufstreben, ist freilich« so ge­eignet, solchen Pfingstschmuck zu bilden, wie gerade die Birke. Ein Aesthetiker der Pflanzenwelt sagt von ihr, sie mahne uns an eine Art von weiblicher Zuthunlichkeit, die sich« ein Plätzchen zu erschmeicheln sucht und dabei aus ihr nettes Aussehen hinzeigt. Schmiegsam, zierlich, prunkt sie in einem Gewände, auf das sie in der That stolz sein darf; denn es ist lichtgrün mit silberweißem Untergrund, eine Farbenzusammenstellung, wie sie in einer gleichen Harmonie der Nuancen innerhalb der gesamten Vegetation kaum wieder angetroffen werden dürfte. Von den Blättern strömt ein balsamischer Duft aus, und wenn der laue Früh­lingswind mit ihnen scherzt und kost, schillern sie in einem Farbentone, der kaum lieblicher von der Phantasie in ihrer besten Gebelaune vorgespiegelt werden dürfte. Am schönsten aber erscheint die Birke in eben dieser Zeit der Pfingsten. Dann knospen die weiblichen Samenblüten überall an dem schlanken Gezweig hervor und sprengen ihre Panzer, um­gaukelt von buntgeflügelten Insekten oder einer summenden Bienenschar, die alle teilnehmen wollen an der großen! Pfingstfreude, zu der sich eben die Natur rüstet.