Ausgabe 
26.3.1901
 
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lief)eit, rem äußerlichen Glanzes. Indes es dauerte ja nicht lange, er war selten zu Hause, und man konnte sich! nicht mehr über mangelndes Entgegenkommen seiner­seits beklagen.

Auf die Bäuerin vom Wald war der Eindruck, welchen die beiden Damen Polentz machten, gerade entgegen­gesetzt wie bei ihrem Manne. Das waren doch wieder ein­mal Leute, mit denen man reden konnte. Eine neue Jugend schien über sie gekommen, und sie erschöpfte sich in Aufmerk­samkeiten aller Art.

Matthes kam nicht mehr aus dem Sonntagsgewand heraus und duftete nach allen möglichen Essenzen. Das schöne Fräulein hatte es ihm angethan.

Johannes, der das alles wohl bemerkte, hatte dafür nur ein mitleidiges Lächeln. Das war also die berühmte neue Zeit", von der man sich so viel versprach, die über den Berg hereinkommen soll?No, mit der", meinte er, wär's noch aufz'nehm'n; wenn er nur no a Tropf'n g'sund's Bauernbluat in den Adern hat, der Matthes, nach­her muaß er ja mit der Zeit an Ekel bekomma davor."

9Zur eins machte ihn stutzig. Auch! das Rosl schloß sich auffallend an das Fräulein an. Immer sah er sie beisammen stecken.

Das verdroß ihn, er hatte ein peinliches Gefühl dabei, über das er sich selbst nicht Rechenschaft geben konnte, als ob es dem gesunden Fleck in seinem Hause gelte.

So hart es ihm selbst ankam eines Tages ließ er sich sogar herbei, die beiden zu behorchen, als er sie im Stalle zusammen flüstern sah.

Laß michj nur machen. Kleine. Das kommt alles noch ganz anders", sagte das Fräulein.Laß nur erst Papa kommen, der setzt ihm schon den Kopf zurecht. Ihr seid ja um ein Jahrhundert zurück da heroben."

Dann flüsterten sie etwas, was Johannes nicht verstand. Rosl horchte gespannt.

Und wenn er Dir dann noch paßt, Dein Ferl", fuhr die Fremde wieder lauter fort,dann sollst Du ihn auch haben; aber er paßt Dir dann nicht mehr. Verlaß Dich auf mich, er paßt Dir dann nicht mehr."

Das Fräulein eilte dann aus dem Stalle, dem Rufe ihrer Mutter folgend.

Johannes blickte zornig den über den Köpfen der Rinder gaukelnden Federn auf dem Hut der Fremden nach. Was soll alles anders werden, wenn der Papa kommt? Fast mußte er lachen über das alberne Geschwätz; aber die Wendung mit dem Ferl empörte ihn.

Es kam ihm vor wie ein Verrat an dem braven Burschen, und er nahm unwillkürlich Partei für ihn.

Da er nicht als Horcher erscheinen wollte, verspürte! er sich eine ernstliche Mahnung auf später.

(Fortsetzung folgt.)

Das rechte Heim.

Eine zeitgemäße Plauderei von Fred Hood.

(Nachdruck verboten.)

Viele Leute bilden sich ein, daß es nur darauf an­komme, viel Geld in ein Haus hineinzustecken, um es in ein angenehmes Heim zu verwandeln; und wenn sie reich genug sind, um sich jede Bequemlichkeit zu gestatten und dem Dekorateur freie Hand zu lassen, so sind sie sicher über­zeugt, daß sie mit ihrem Hause, ihrer Villa oder ihrer Wohnung Staat machen können. Das mag ihnen allerdings gelingen; eine andere Frage ist nur, ob solch eine Be­hausung auch wohnlich und behaglich sei, so ein rechtes Heim, das' zu uns gehört, wie das Schneckenhaus zu seiner Bewohnerin. Nun gewiß, etwas Geld gehört schon dazu, um ein Haus schmuck und behaglich zu machen, aber Reich­tum, große Schätze sind nicht dazu erforderlich, und unter Umständen kann eine schlichte Studentenbude sogar gemüt­licher, «traulicher sein als die prunkvolle Wohnung eines Bankiers mit einer Flucht von 12 oder 14 Zimmern. Mit andern Worten: Ein Heim kann nur der Bewohner selbst sich schaffen, und das Nest, welches die Schwalbe selbst sich baut, ist so vortreffliche, daß alle Aesthetiker der Welt nichts daran auszusetzen haben. Wer nicht in der Lage ist, sich seine Möbel und Dekorationen von einem namhaften Künstler zeichnen zu lassen, muß sich verständigerweise sagen,

daß es nicht nötig ist, jede Mode mitzumach!en, und daß es besser ist, sich mit bescheidenen Mitteln sein eigenes Heim zurecht zu machen, als alles der Mode wegen um und um zu kehren, ohne recht zu wissen, ob man sich dann in seiner eigenen Wohnung noch zu Haus fühlen werde. Ein rechtes Heim wird es sicher nicht; denn ein solches kann man überhaupt nicht mit einem Male nach einem fertigen Entwürfe schaffen, es muß sich nach! unseren eigenen Neig­ungen und Gewohnheiten erst entwickeln. Eine Dame der vornehmen Welt sagte einmal ganz treffend: Man kann ebenso wenig in ein fix und fertiges Heim hineingehen wie in eine fix und fertige Freundschaft; beide müssen Stück für Stück aufgebaut werden.

Eine verständige Frau wird also mit ihren Möbeln, die vielleicht längst unmodern geworden sind, überallhin ihr Heim mitnehmen. Sie hat sich an jedes Stück gewöhnt, es ist ihr ans Herz gewachsen, und weil sie sich an alles im jahrelangen Gebrauche gewöhnt hat, ist ihr auch alles bequem. Welche Thorheit, solch' eine bequeme, alte Ein­richtung hinauszuwerfen, um sich um jeden Preis eine moderne" Ausstattung anzuschaffen. Nur Geduld! jedes alte Stück wird wieder einmal modern; und wenn wir es nicht erleben können, so werden sich vielleicht unsere Kinder noch dieses Besitzes freuen. Es kommt also vor allem darauf an, jedem Raum den Stempel der eigenen Persönlichkeit aufzudrücken. Das ist erste Bedingung, um sich heimisch in ihm zu fühlen. Ich; möchte nur einmal an die schönen Möbel" der Biedermeier-Zeit erinnern, welche unsere Großeltern besaßen und vielleicht noch besitzen. Manches Stück hat vielleicht unsere Mutter, als sie sich verheiratete, in ihre Ehe mit herübergenommen. Aber als unsere Eltern modern wurden, da packten sie dasalte Gerümpel" auf den Boden oder schlugen es um jeden Preis los. Und heut bezahlt man dasselbe alte Gerümpel mit hohen Preisen, um seinHeim" damit zu schmücken.

Was hat nicht alles schon die Mode -angerichtet! Da kommt nun z. B. eine junge Frau aus einem reichen stil­vollen Hause, das mit den kostbarstenLiebhabermöbeln", mit modernen Tapeten, Teppichen, Fayencen u. s. w. aus­gestattet ist, in ein hübsches Landhaus, das Haus ihres jungen Gatten. Er hat es von seinen Eltern übernommen und alles pietätvoll gelassen, wie es war. Die junge Frau hat aber nun nichts besseres zu thun, als alles zu mo­dernisieren. Geld ist genügend vorhanden, und während die neuenLiebhabermöbel" einziehen, flieht die Behag­lichkeit zum Fenster hinaus: Das Haus der Eltern gilt der jungen Frau natürliche als rühmliches Beispiel, und wenn auch die schweren Fenstervorhänge und Portieren, das hohe Buffet, der imposante Eichentisch durchaus nicht in die kleinen schmucken Zimmer des Landhauses passen wollen, so muß doch der Gatte gute Miene zum bösen Spiele machen, um seinem Frauchen die Freude nicht zu verderben. Aber, o Weh! wenn alles fertig ist, dann sieht die kleine Frau selbst, was sie angerichtet hat. Sie hat die Raumverhält­nisse gar nicht berücksichtigt, sie hat die Stimmung des Hauses und die Neigungen seiner Bewohner gar nicht be­dacht. Was zu Haus stolz und vornehm wirkte, ist hier plump; nichts scheint am rechten Platze zu stehen, und es ist, als ob eine Dorfschöne städtische Kleidung angelegt hätte.

Ueberhaupt dieseLiebhabermöbel". Was versteht man eigentlich darunter? Liebhabermöbel im eigentlichen Sinne müssen von einer Berühmtheit entworfen, von einer zweiten ausgeführt und stets zu fabelhaftem Preise von einer dritten verkauft werden. Man sieht vielleicht einen un­heimlichen, ungemütlichen Stuhl, dessen Anblick allein ge­nügt, um jeden Gedanken an Ruhe zu verbannen; der einzige Teil desselben, der nicht aus grün gefärbter Eiche oder tiefrot poliertem Mahagoni ist, ist ein hartes kleines Kissen, das mit blauem Sammet oder verblaßter Seide überzogen ist. Dieser Stuhl, an dem die Namen des Zeichners und des Herstellers befestigt sind, ist vielleicht mit 250 Mk. ausgezeichnet.' Und doch sollte sich jeder sagen: Liebhabermöbel können nur in einem eigens für diesen Zweck gebauten und dekorierten Hause Aufstellung finden, in dem sogar die Inhaberin ihrer Kleidung einen soge­nanntenästhetischen" Anstrich gießt

Ein allgemein verbreiteter Mißgriff der Dekorateure