Ausgabe 
24.10.1901
 
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Donnerstag den 24. Moder.

1901, - Nr. 152.

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rächt, Reichtum, eitle Lust tarnt sie uns nicht gewähren:

'S5r Was gibt die Weisheit uns? den Geist, das zu entbehren. Sv Kästner.

(Nachdruck verboten.)

Der Erbe von Petershagen.

Roman von O. Elster.

(Fortsetzung.)

XVIIL

Tie letzten Gäste hatten sich entfernt. Starre Kälte und Ernüchterung ruhten über dem letzten Teil des Festes, es war, als ob jeder gemerkt hätte, daß etwas vorgefallen war, man drängte zum Aufbruch!, und empfahl sich rasch von Irma und ihrem Gatten, die nebeneinander stehend, kühl und höflich den Abschiedsgruß der Gäste entgegen- nahinen. Auch Sannow und Ruscha wollten fortfahren, als sie sich aber von Irma verabschieden wollten, hatte sich diese bereits in ihr Zimmer zurückgezogen. Eitel Fritz begleitete den Schwager und die Schwester an den Wagen.

Nimm Dir den Vorfall nicht zu sehr zu Herzen, Schwager", flüsterte Arno ihm zu.

Ein fester Händedruck war Eitel Fritz' Antwort.

Verlaß Dich drauf, ich schäffe Ordnung".

Sie wnnten nicht länger zusammen sprechen, Ruscha rief nach ihrem Gatten.

So schieden sie von einander, der Wagen rollte davon, Und Eitel Fritz kehrte in das Haus zurück.

Wie grenzeulos öde erschienen ihm jetzt die noch fest­lich erleuchteten Prunkgemächer! Eiir schwerer Dunst von Wein, Tabak und starkriechenden Parfüms erfüllte die Gemächer, in betten die Unordnung nach einem beendeten Feste herrschte.

Tie Diener und Mägde begannen unter, der Aufsicht des alten Friedrich aufzuräumen. Eitel Fritz begab sich nach detn Boudoir seiner Gattin, klopfte an, und trat dann ein.

Irma saß, bereits mit einem weichen, bequemen Mor- genrock bekleidet, in einem Sessel, und ließ ihr Haar von der Kammerzofe durchkämmen.

Ich möchte Dich noch eine Minute sprechen", sagte Eitel Fritz.

Ich! bin gleich fertig, dann stehe ich! zur Verfügung", entgegnete sie ruhig.Marie", wandte sie sich! an die Zofe,beeilen Sie sich!. Schlingen Sie das Haar nur in einen leichten Knoten."

Tie Zofe vollendete die Frisur, während Eitel Fritz schweigend in dem Zimmer auf- und abging, das mit

ausgesuchtem Glanz ausgestattet von etner schweren dumpfen" Luft erfüllt war.

Nachdem sie mit ihrer Arbeit fertig war, entfernte stck das Mädchen.

Irma erhob sich, trat zu dem kleinett, eleganten Rauchtischchen, und zündete sich eine Zigarette an. Dann nahm sie wieder in dem Sessel Platz, lehnte sich bequem zurück, und blies den blauen, Rauch der Zigarette in kleinen zierlichen Ringen in die Luft.

Eitel Fritz hatte das Gebahren Irmas mit unvev hohlenem Erstaunen angesehen. Der Zorn regte sich wiede» in ihm, er suchte nach! Worten.

Nun", sagte sie,was hast Du mir mitzuteilen? Ick habe Dich allerdings heute abend noch erwartet, uw Deine Entschuldigung entgegenztmehmen." .

Meine Entschuldigung?!"

Ja denn Dein Betragen im Wintergarten gegen mich war toeilig kavaliermäßig . . "

Irma. . .?!"

Er trat drohend auf sie zu. Mit kaltem Lächeln sah sie ihm ins Gesicht, und blies den Zigarettendamps mit leisem, pfeifenden Geräusch aus.

Was sollen diese feierlichen Gebärden?" fragte sie

Er bebte am ganzen Körper. Er mußte sich gewaltsam zurückhalten, um sich nicht auf sie zu stürzen, und sie zu seinen Füßen nieder zu zwingen.

Seine Hänbe ballten sich zur Faust.

Wirf die Zigarette fort!" stieß er hervor.

Weshalb? Man behält kühle Ruhe beim Rauchen" entgegnete sie spöttisch

Wirf die Zigarette fort oder bei Gott ich ver­gesse mich. . ."

Sie erhob sich!, und warf die Zigarette in einen Winkel des Zimmers, daß die Funken umhersprühten.

Der rohen Gewalt muß ich weichen", erwiderte sie kalt, schlug die Arme untereinander, und blickte ihn trotzig an.

Erfahre ich endlich, was Du mir zu sagen hast?',

Du wagst zu fragen, nachdem nachdem Du meint Ehre, meinen Namen in den Schmutz gezogen? Nachden ich mit eigenen Ohren gehört, mit eigenen Augen gesehen, daß Tu Dich an jenen Menschen weggeworfen hast, be£ tat noch heute früh vom Hofe jagen lasse? Du wagst zu fragen, was ich Mr mitzuteilen habe, obgleich btt Menschen schon mit Fingern auf uns weisen, und men eigener Schwager mir erklärt, er könne mit seiner Frai. meiner Schwester nicht tnehr in meinem Hause vev kehren?!"

Sie zuckte verächtlich bie Schultern.

Jcy begreife nicht, wie Ihr biese Kinberei jette? Menschen so ernst nehmen könnt." .

Kinberei nennst Du dieses Spielen mit unserer Ehre' Irma, Irma, wohin verirrst Du Mch!?!"

Es lag in dem Klang seiner Worte ein fo tiefer