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hört zu den Gliederwürmern, und ist im Grunde einer der ärgsten Schmarotzer der Natur. Gerade diese seine schlechteste Eigenschaft hat sich aber der Mensch zu nutze gemacht. Bei dem medizinischen Blutegel unterscheidet man zwei Arten, den deutschen und ungarischen, ersterer bewohnt das nörd­liche, letzterer das südliche Europa. In Deutschland selbst ist der medizinische Blutegel fast verschwunden, einesteils ist er ein Opfer der unausgesetzten Verfolgung, ander­seits ein solches der die ihn zum Aufenthalt dienenden Sümpfe austrockenden Kultur geworden. Er wird daher entweder künstlich in besonderen Teichen gezüchtet oder aus Rußland, Ungarn usw. eingesührt. Die künstliche Zucht ge­schieht in kleinen, 34 Meter im Geviert habenden Wasser­behältern, wo man die Egel mit dem Blut frischgeschlachteter Tiere füttert, und zwar dergestalt, daß man Flanelllappen in das Blut taucht und diese den Tieren vorwirft. Für die Jungen genügen kleine Fische oder Frösche. Die gierigen Sauger bedürfen einer gar nicht zu geringen Quantität Blut, ein einziger nimmt das drei- bis vierfache seines eigenen Gewichts aus, doch reicht diese Portion Speise dann auch für ein halbes bis ganzes Jahr aus. Will man ihn eher wieder zum Anbeißen veranlassen, so muß man ihm das aufgenommene Blut gewaltsam entziehen, was ent­weder durch Auspressen oder Einlegen in eine Salzlösung geschieht. Die Zucht des Blutegels ist übrigens keine allzu kurzweilige Sache; denn erst im dritten Jahre ist er für den Gebrauch geeignet, weil er porcher nur die Säfte kalt­blütiger Tiere genießt. Erst im fünften Jahre ist er ganz ausgewachsen; alt wird er bis zu 20 Jahren. Der Verbrauch ist zurzeit sein so bedeutender mehr als in der glücklicher­weise überwundenen Periode des Aderlassens und Blut­entziehens, damals (in den ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts) saugten 5 bis 6 Millionen Blutegel allein in den Pariser Hospitälern den unglücklichen Patienten gegen 170000 Pfund Blut aus. Auch jetzt noch kommen jährlich für viele Millionen Mark der nützlichen Schmarotzer in den Handel.

Nach dem Blutegel, sagte mir einst ein Bekannter, kommt gleich die Spanische Fliege, beide verursachen ja bei der Anwendung an sich nicht gerade Schmerzen, aber jedenfalls hat man meist solche, wenn man sie braucht. Die Bezeichf- nungSpanische Fliege" könnte Naturunkundige leicht irre führen. Das Insekt haust nicht etwa ausschließlich in Spanien, sondern kommt in ganz Europa, vor allem auch in Deutsch­land vor, und zwar manches Jahr stellenweise in solchen Massen, daß man die Tiere schon von weitem riecht und sie durch das Entblättern der Sträucher großen Schaden an­richten. UnsereFliege", die aber nicht zu den Fliegen, sondern zu den Käfern und zwar zur Familie der Pflaster­käfer (Gattung Blasenkäfer) gehört, mißt 1720 Millimeter und zeichnet sich durch eine schöne grüne Farbe aus. Die Fortpflanzung des Käfers oder vielmehr die Entwickelung der Larve ist an eine eigentümliche Bedingung geknüpft. Das Weibchen legt seine Eier in die Erde; die aus den­selben kriechenden Larven klettern auf Erdbienen und lassen sich von diesen in ihre Nester tragen (nach Brehm suchen sie die Nester direkt auf), dann kriechen sie in eine Zelle und ernähren sich von deren Inhalt. Me Spanische Fliege enthält einen blasenziehenden Saft, das Cantharidin; das bekannte Spanische Fliegenpflaster bereitet man aus ihr, indem man das getrocknete Insekt zerstößt und mit einem Bindemittel auf Leinwand streicht, auch Tinktur und Salbe stellt man daraus her. Einen ähnlichen Saft, nur von schwächerer Wirkung, enthält ein naher Verwandter der Spanischen Fliege, der Maiwurm, dessen man sich in de» Tierarzneikunde bei manchen Krankheiten der Pferde be­dient. Die Maiwürmerlarven suchen, sobald sie ans dem Ei geschlüpft sind, eine Blume auf, verbergen sich in der Krone derselben, hängen sich an die erste an der Blume saugende Biene fest und lassen sich in den Bienenstock tragen, wo sie ihre Trägerin verlassen und die Gelegen­heit abpassen, bis die Königin ein Ei in eine Zelle legt. In diese Zelle kriechen sie mit hinein und lassen sich mit einschließen. Erst verzehren sie nun das Bienenei, häute« sich dann und nähren sich nun von dem für die Bienen­larve bestimmt gewesenen Honig. Die Maiwürmer sowvh? wie die Spanischen Fliegen sind noch dadurch interessant, daß sie ein zweimaliges Puppenstadium durchmachen, sie bilden erst eine Scheinpuppe (Pseudochrysalide), ans welcher

sehr zusammengeschmolzen ift Mit dem alten Aber- gwuben, die Natur habe bei jeder Krankheit auch, für ein besonderes Heilmittel Sorge getragen, hat die Wissenschaft längst gebrochen; offizinelle Pflanzen kennt das Arznei­buch für das Deutsche Reich nur noch etwa 130, und die Zahl der dem Tierreich entnommenen Medikamente ist ] noch viel geringer geworden. Was haben die Aerzte und Quacksalber des Altertums und Mittelalters dem Mägen und der Konstitution ihrer Patienten nicht alles zugemutet! Pulver aus gedörrter und zermahlener Fledermaus, Fleder­mausblut und Fledyrmausgehirn, Jgelgalle, Tigerleber, Wieselblut und Wieselherzen, Hundefleisch Hundeblut und Hundemilch, Eidechsenhaut, in Oel gelegte Eidechsen, ge­sottene und gebratene Ottern, Schlangensuppe, aus Vipern Bwonnene Tränke und ähnliche Delikatessen. Im Volke en sich noch mancherlei derartige Mittel als sogenannte is- oder Sympathiemittel erhalten, so verzehren heute »och Schwindsüchtige Hundefleisch und Hundefett als Radikalmittel gegen ihr Leiden. Fischgalle halten viele auf Grund der Autorität des seligen Tobias für ausgezeichnet gegen Augenleiden, und Spinnengewebe werden trotz aller Abmahnungen und ohne Rücksicht auf ihre durch die häufige Besudelung mit Farbstaub und Schmutz herbeigeführte Ge­fährlichkeit als Universalmittel zur Blutstillung verwendet. Und was wird in der Apotheke nicht alles noch für merk­würdiges Zeug verlangt: Jgelfett, Hirschfett, Bärentalg usw. Die naiven Leutchen gehen auch meistens befriedigt nach! Hause, nur befinden sie sich nicht im Besitz der gewünschten Substanz, sondern in der Regel verabreicht man ihnen eine entsprechende Dosis gereinigtes Schweinefett, was dieselben Dienste leistet.

Kommen wir nun zu jenen Tieren, welche für die mo­derne Heilkunst wirklich noch von Wert sind, so erinnern wir uns an erster Stelle unseres alten Freundes oder sollen wir Feindes sagen aus der Kinderzeit, des Leberthrans, und beginnen demzufolge unsere Schau mit den Fischen, welche uns zu diesem nützlichen Oel verhelfen. Es find dies vor allem der Kabeljau und der Schellfisch, zwei Ver­treter der Meeresfauna, die wir auch um anderer als ihrer medizinischen Vorzüge willen zu schätzen pflegen, und deren Beliebtheit sich in dem Eifer, womit die Fischer ihnen nach­stellen, zur Genüge erweist. Me Zahl der jährlich gefangenen Kabeljaus allein beläuft sich auf rund 400 bis 500 Millionen Stück, gegen 200 000 Menschen finden dabei chren Unterhalt, und nur seiner ungeheuren Vermehrungs­kraft hat der Fisch es zu danken, daß er nicht längst aus­gerottet ist. Den Leberthran gewinnt man, wie schon der Name besagt, aus den Lebern der Fische, und es ist die Zubereitung nicht gerade die apetitlichste. Man schüttet die Lebern in große mit Hahnen ober durchlöcherten Boden versehene Bottiche, worin sie der Sonnenhitze ausgesetzt werden. Bei der Auflösung geben sie ihr Fett, den Leber- chrau ab, der sodann durchgeseiht und in Fässer gefüllt wird. Der bleibende Rest wird ausgekocht. Der so gewonnene Leberthran ist der braune, derselbe ist also eigentlich ein Fäulnisprodukt, und es sollen die oft mitten in den Städten aufgestellten Bottiche einen nicht gerade angenehmen Geruch verbreiten. Durch eine andere und jedenfalls empfehlens­wertere Methode, nämlich mit Hilfe von Dampf und Fil­trieren, gewinnt man den einigermaßen erträglicher schmeckenden weißen Leberthran. Von einer Million Fische erhält man durchschnittlich 1000 Tonnen; im ganzen beträgt die jährliche Produktion etwa 60000 bis 80000 Hektoliter. Von der Naturheilmethode wird der Leberthran ganz ver­worfen, auch in der wissenschaftlichen Medizin schreibt man ihm die Bedeutung einer wirklichen Arznei nicht mehr zu, sondern verordnet ihn nur, weil er seiner leichten Verdaulich­keit halber ein Mittel zur kräftigen Ernährung des Körpers darbietet.

Da wir einmal bei den Fischen sind, so wollen wir gleich hier auch den Hausen und andere Störarten erwähnen, welche insofern der Medizin indirekt Dienste leisten, als man ans den Schwimmblasen derselben jenen unter dem Namen Hausenblase bekannten trefflichen Fischleim gewinnt, dessen man sich zur Herstellung des beliebten Englischen Pflasters bedient. Ein hervorragend medizinisches Tier ist, 'wie niemand anzweifeln wird, der Blutegel, obgleich uns schon der bloße Gedanke an feine unheimliche Thättgkeit eine Gänsehaut verursachen kann. Das liebliche Tierchen ge­