1901.
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f er Saaten Grün, vom Schnee befreit, Sagt dir: Mit Allmachtshänden Weiß Gott uns annoch jederzeit Das ird'sche Brot zu spenden; Es kündet dir des Himmels Blau: Du wartest nicht vergebens, Daß, der die Saat schafft auf der Au, Dir reicht das Brot des Lebens. Paul Lang.
(Nachdruck verboten.)
Der Bauer vom Wald.
Novelle von Anton v. Perfall.
(Fortsetzung.)
Der Mensch hatte noch dazu seinen Arm um den Hals des Mädchens gelegt, als ob die Sache schon ganz in Richtigkeit wäre. Fast wäre der Bauer vorgesprungen in seinem Zorn.
Da blieben sie stehen.
„Also in Gottes Nam', Rosl", sprach der Ferl. „Ein- inal muaß' ja do sei'. Was will er denn viel sag'n, samt sein Stolz?"
„Du kennst ihn no net", versetzte die Rosl, „so guat er sonst is und so Hab er mi hat — o Ferl, is Dir wirkli so um mi?--I mein nur grab, schau, wenn Df mi
lass'« könntst —" Da brach sie in helle Thranen aus.
„Ja, Rosl, kannst's denn Du, mi lass'n?"
Sie schüttelte das Köpfchen und weinte. „Net um all's in der Welt, Ferl, net um all's in der Welt."
Da war sie schon von zwei kräftigen Armen umschlungen, in die Höhe gehoben, geküßt, geherzt und keines hörte mehr den zornigen Ausruf des Bauern.
„Und weißt jetzt was", begann wieder der Ferl, „i geh' jetzt selb'r zu Dei'm Vater, ja wohl, Herrgott, wenn er nur glei' da wär'! Bauer, thät, i sag'n, i weiß, wer ,,Du bist, und wer i bin; aber schau, die Liab, die fragt Halt net danach, und drum bitt' i Di schön, gieb mir d' Rosl zum Weib. Was Knecht, was Bauer! — Die Zeiten san um, und an andere Zeit is längst komma über die Berg, wo's grad Mensch'n giebt, arme, 'plagte Menschm, die sich wenigstens! das eine Load d'rspar'n, das die Dummheit verschuldet hat die längst' Zeit und der Stolz; und wenn Di no so wehrst dagegen und einspreizst, sie zwingt Di do, 's all's umsonst —"
Der Ferl glühte vor hellem Eifer, und die Rosl sah ihn ganz verklärt an durch das Naß der Augen.
„Ja, Herrgott, wenn er nur grad daständ!" ries der Ferl in überschäumendem Mut.
Da teilten sich die Aeste, Rosl stieß einen Schrei aus, Ferl brachte ihn nicht mehr über die offenen Lippen. Der Bauer vom Wald stand vor ihnen, den Hirschhorngriss umklammerte bedrohlich die nervige Faust.
„Jetzt sang an mit Deiner neu'n Zeit", begann er, „die über die Berg komma is, di mi zwing'n soll! Kein Ehrfurcht mehr vor nix, kein Glaub'n und kei' Treu, das is eure neue Zeit! Guat, soll's so fei', ihr werd's schon seh'n, wia weit's kommt damit, aber so weit mein Grund und Boden reicht, das merk Dir, Ferl, da gilt die alte Zeit, in der a richtige Bauerntochter sich g'schamt hätt', mit so an anz'bind'n, als Du bist."
„Bauer, das geht z'weit!" Der Ferl erhob sich aus seiner demütigen Stellung, die jugendlichen Augen blitzten, und die Fäuste ballten sich.
Doch Johannes lachte höhnisch „Schau, aufmandeln thät er sich a no, der Revoluzer, der modische!" Dann wandte er sich an die Rosl, die in Thränen zerflossen, das Antlitz mit der Schürze bedeckend, daneben dastand. „Also das is Dei' ganze Liab zum Wald?" Es sprach jetzt mehr Kummer aus ihm als Zorn. „Schau, das verdrießt mi. Da auch betrog'n! Das is hart. Das hätt' i net erwart." Die Stimme brach ihm fast. „Von Dir nit."
Rosl ßank vor ihm in die Knie. Er hob sie auf. „Laß das! Das macht's net besser. Geh' heim. Morg'n werd' i schon red'n mit Dir über die alte und neue Zeit. Geh — geh! Und Du" — wandte er sich wieder in herrischem Tone an Ferl, „kommst mit mir zum Vater, der wird Dir das nötige schon sag'n!"
Mit einem vergeblichen, nach einer Ausmunteruns suchenden Blick auf Rosl wandte sich der Ferl, und Johannes folgte ihm schweigend durch den Wald, ohne sein Kind noch eines Blickes zu würdigen.
Alois Grimm saß vor seiner aus Baumstämmen wohlgefügten Hütte, die seit fünfundzwanzig Jahren sein ständiger Aufenthalt war, auf einem mächtigen, bHtzblanken, geschälten Sägprügel und schmauchte seine Feierabendpfeife mit silberbeschlagenem Maserkopf. Sein mageres Gesicht mit der krummen Vogelnase hatte völlig die Struktur der Borke angenommen, die ringsherum am Boden tag. Die ehemals wohl breiten Schultern waren von der Arbert sich elförmig herabgebogen, das Gewand aus grob gestricktem, braunem Loden verband ihn förmlich organisch mit den Stämmen ringsum, von denen er auf den ersten Anblick nicht wegzukennen war.
Eine kleine Lederkappe, welche seine Glatze bedeckte, wurde immer wieder von neuem mit einer Bewegung der


