1901. Nr. 151

Dienstag den 22. Dktober.

imm aus dem Lcben der Menschen die Liebe, dann hast du der Welt ihre Sonne entrissen. Ambrosius.

(Nachdruck verboten.)

Der Erbe von Petersbagen.

Roman von O. Elster.

(Fortsetzung.)

DM Fest verlief wie alle derartigen Feste: im Anfang steif und langweilig, unterhaltend erst nach! dem wirklich Vorzüglichen Souper. Es' gab da manches spöttische Nasen­rümpfen, manches mißtrauische Lächeln, aber auch manche halb bewundernde, halb neidische Blicke der Tarnen, wenn sie die glänzende Einrichtung der Salons, und die prächtige Toilette Irmas betrachteten. 'Die Gräfin Bannewitz fand freilich! den Halsausschnitt von Irmas Kleide viel zu tief, und das alte Fräulein von Wichart, Stiftsfräulein in einent adligen Damenstift, meinte, die Toilette Irmas sei geradezu unanständig. Gras Bannewitz schien dagegen die Ansicht seiner Gattin nicht zu teilen, er bewunderte wenigstens mit Kennerblick die feinen runden Schaltern und den vollen Hals Irmas. Auch die junge Herrenwelt machte sich! nichts aus der Ansicht der Gräfin Bannewitz, und des Stistssräulein von Wichart; die jungen Herren fanden alle­samt die Baronin entzückend, u:ti>' umschwärmten sie wie die Schmetterlinge die duftende Rose zum größten Kummer der jungen Damen, deren Blicke, wenn sie Pfeile gewesen wären, Irma getötet haben würden.

Diese war so recht in ihrem Element. Mit den Damen vermochte sie allerdings nichts anzufangen, einige flüch­tige Worte, dann war sie mit ihnen fertig aber mit den Herren konnte sie desto lebhafter plaudern, und tän­deln. Sie tanzte ernt meisten von allen Damen, kaum daß fich ein Tänzer empfohlen, fand sich auch schon der nächste Tänzer ein, und atemlos, mit glühenden Wangen, blitzen­den Augen und wogender Brust flog sie im Arm ihrer Tänzer durch den Saal.

Nm Eitel Fritz kümmerte sie sich gar nicht. Sie wollte sich! durch sein ernstes Gesicht die frohe Laune und das Fest nicht verderben lassen. Nur zuweilen erschien er wuf Augenblicke in dem Saal, sprach mit dieser oder jener Dame einige Worte, um sich sogleich wieder in das Herrenzimmer zurückzuziehen.

Aber auch hier duldete es ihn nicht lange. Mehrere Ehambre-Partien waren arrangiert, einige Herren hatten sogar ein kleinesJeu" eröffnet, und spielten Quinze (oder Makao. Dem Wein wurde reichlich zugespvochen, und dichte Tabakswolken ballten sich um den Kronleuchter zu­sammen.

Eitel Fritz begriff nicht, wie man sich in dieser Atmo­sphäre von Wein, Tabaksqualm, schlechten Witzen und faden Redensarten wohl fühlen konnte. Das widerte ihn an, trinken mochte er nicht, zu ernsteren Gesprächen war niemand geneigt, tanze:: mochte er ebenfalls nicht, so irrte er denn ziellos und zwecklos umher, bald im Ball­saal, bald in den Nebenzimmern.

Erstaunt blickte ihm wohl mancher der Gäste nacht Er erschien vielen unbegreiflich; was wollte er dercn nochj mehr? Besaß er nicht alles, was sich- eines Mannes Herz wünschen konnte? Eine schöne, interessante Fran Reichtum ein prächtiges Schloß großen Grundbesitz? Alle Wetter, wenn man da nicht glücklich und zuftieden sein sollte, dann müßte man ein vollendeter Querkopf feint

Das war wenigstens die Meinung des Grafen Banne­witz, der mit mehreren Herren am Buffet ein Glas Sekt trank.

Sie könnten schon recht haben, Graf", lachte Herv von Berner, wobei sich sein gelbes hageres Gesicht ver­zerrte,aber Sie bedenken einen Umstand nicht."

Der wäre?"

Diesen forschen Inspektor, Herrn Wedemeyer, der mit ungemeiner Frechheit die Pflichten des Bortänzers und Festarrangeurs ausübt. Vielleicht spielt er auch noch dir StcblidbcTTiOlIc/'

Die Gesellschaft brach in ein schaltendes Gelächter aus.

Teufel, Berner, da könnten Sie ins Schwarze ge­troffen haben", meinte Graf Bannewitz.Man munkelt ja so allerlei jedenfalls sieht man den Herrn Inspektor nnd die Frau Baronin auffallend oft beisammen."

Neulich traf ich sie im Walde", erzählte flüsternd ein anderer Herr.Sie gingen traulich neben einander ans dem schmalen Waldweg, und führten ihre Pferde an: Zügel. Man hätte sie für ein Liebespaar halten können."

Bitte sehr die Baronin ist nur begeistert für die Landwirtschaft, und läßt, sich von dem Herrn Inspektor in die Geheimnisse dieser Wissenschaft einweihen."

Wieder ein lautes Gelächter.

Ich hätte den Kerl schon längst zum Teufel gejagt", sagte Graf Bannewitz.

Oder die Frau", warf Herr von Berner bos­haft ein.

Pst Vorsicht! Da kommt Sannow!"

Arno trat zu der Gruppe der Herren, und das Ge­spräch nahm sofort eine andere Wendung. Wer Herr von Sannow mußte doch einige Worte der früheren Unter­haltung vernommen haben, denn mit mißtrauischen Blicken beobachtete er die erregten Gesichter.

Wen wollten Sie zunr Teufel jagen, Herr Graf?"- frei nie er.

"Na einen Inspektor, der seine Pflicht uW erfüllt^ entgegnete der Graf ausweichend.