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die Hand geschüttelt hatten, schien es mir, als kannte ich sie von Kindheit an.
Alle hatten keine Kosten gespart, um der Gelegenheit angemessen gekleidet zu erscheinen. Frau Duman war in schwerem Atlas und trug einen aus so vielen Blumen und Federn zusammengesetzten Kopfputz, daß sie ganz gut für irgend ein altrömisches Opsertier hätte gehalten werden können. Ich bemerkte, daß Richard sich im stillen über den engen schwarzen Rock und die hohe, steife Halsbinde des alten Salmon amüsierte. Kapitän Duman trug auf seiner breiten Hemdenbrustfläche ein so vielfach gekräuseltes und gefaltetes Jabot, daß es aussah wie der Besatz eines Damenunterrocks. Darin steckten einige Diamantknöpse, und das Ganze wurde von seinem breiten, jovialen, gebräunten Gesicht gekrönt, das er, wie die Seeleute sagen, „landfein" gemacht hatte durch ein Paar riesige Vatermörder, deren Spitzen bis an seine lächelnden Mundwinkel reichten.
Indessen blieb uns nicht viel Zeit übrig, um uns gegenseitig zu bewundern. Ein Kellner riß die Saalthür auf, und hinein ging es in feierlichem Aufzuge.
Alle Wände waren mit Flaggen verziert, deren bunte Farben im Verein mit der Ausschmückung der langen Tafel eine großartige Wirkung erzielten.
„Wo soll ich sitzen?" rief der alte Salmon und ließ feine Augen über die Tafel schweifen.
„Dort", antwortete der Vater, „zwischen Jessie und Fräulein Ramsay; nimm Dich nur in acht, daß Du nicht zwischen Jessie und ihren Mann kommst."
„Na", meinte der Alte, indem er tief Atem holte, nachdem er die Blumen, Torten, Früchte, silbernen Tafelaufsätze, Schaugerichte und sonstigen Wunderdinge genügend betrachtet hatte, „Du kannst mich hängen, Tom Snowdon, wenn die Königin von England nicht mit so einem Mittag zu ihrer Hochzeit zufrieden sein kann. Frühstück, Mittag- urch Abendbrot zusammen — ja auch noch ein zweites Frühstück und Vesper; dazu ist auch noch genug da."
Unter allgemeinem Gelächter setzten wir uns.
Meistens ist ein Hochzeitsmahl eine langweilige Geschichte; das meinige war es durchaus nicht, und ich nehme an, daß die ursprüngliche und lebhafte Art der Gäste nicht wenig dazu beitrug.
Anfangs herrschte noch etwas Verlegenheit; wenn die Kellner die Gerichte herumreichten, getraute sich niemand zu fragen, was es sei, das ihm dargeboten wurde, ausgenommen der alte Salrnon. Dieser warf, als persönlicher Freund, dem Wirt, der an der Thür stand und die Bedienung überwachte, hin und wieder einen Blick zu und ries dabei: „Ut dies hier gut für 'nen alten Magen, Tommy?" oder: „Tommy, Du verstehst ja die Geschichte; kannst Du das hier empfehlen, mein Junge?"
Dieses zwanglose Benehmen des Alten versetzte auch die übrigen Gäste allmählich in Stimmung.
„Tommy", begann Salmon von neuem, „wo hast Du ditz große Flagge her, die da hinter Kapitän Snowdons Stuhl ausgehißt ist? Haft Du sie aus 'nem Wrack gefunden ?"
Herr Dodds, der sich über diese Fragen zu ärgern schien, nahm keine Notiz davon, sondern fuhr ruhig mit seinen Weisungen an die Kellner fort, zeigte auf leere Gläser und war osfenbar sehr beschäftigt.
„Soll ich Dir sagen, weshalb Salmon danach fragt, Snowdon?" rief Richardson, ein kleiner Mann mit rotem Bart, der aus seinem Kinn hervorsproß wie die Stacheln aus dem Rücken eines Igels.
„Weshalb?" schrie der Alte, der nicht um die Ehre seiner Entdeckung betrogen sein wollte. „Ich will verdammt sein", — er schlug mit der Faust aus den Tisch — „wenn Tommy diese Angelegenheit nicht als Schiffbruch betrachtet und die Flagge mit der Union nach unten aufgehißt hat!"
Sofort verschwand das Lächeln im Gesicht meines Vaters. Er sprang auf und sah sich die Flagge an, die, ähnlich wie am Heck eines Schiffes, von einer, hinter seinem Stuhl befestigten Stange, in Falten herabhing. An der Spitze der Stange, die bis an die Decke reichte, befand sich eine vergoldete Krone.
„Hol' mich der Teufel, Dodds", schrie der Vater. „Sälmon hat recht! Wissen Sie denn nicht, welche Seite der Flagge nach oben gehört? Wie kommen Sie dazu?"
„Laß ihn die Stange herausnehmen und die ganze Geschichte beiseite schaffen", rief Kapitän Robinson dazwischen.
„Oder", flötete der kleine Richardson, „holen wir die Flagge herunter und hissen sie wieder auf, aber so, daß man sieht, daß wir uns ganz und gar nicht in Gefahr befinden."
Auch die Damen konnten sich nicht enthalten, ihr Mißfallen auszudrücken. „Wie dumm!" „Herr Dodds kann wohl nicht gut sehen!" „Daß der Wirt in den „Drei indischen Königen" auch nicht 'mal weiß, wie die Nationalflagge richtig aufgehißt wird."
Sogar Richard sah sehr ernst aus, obgleich ich ihm zuflüsterte, er solle doch Vernunft annehmen und bedenken, daß unsere Zukunft doch unmöglich davon beeinflußt werden könnte, ob irgend ein Gastwirt etwas von Flaggen verstände oder nicht.
Herr Dodds, der ebenso rot geworden war wie die Flagge, und dem alten Salmon wütende Blicke zuwarf, erklärte, es sei Muffles' Schuld — wer Musfles fei, erfuhren wir nicht — und erbot sich, die Flagge herunterzuholen und richtig aufzuhissen.
Der Vater wollte sich jedoch nicht eher wieder setzen, als bis sie aus dem Saal entfernt wäre. „Wenn Sie sie nicht die Treppe hinunterbringen können, werfen Sie j;e aus dem Fenster. Ebenso gut, wie mxä)- hier bei der Hochzeit meiner Tochter unter so'n Unglückssignal setzen, hätten Sic mir auch 'nen Glaskasten mit 'nem Gerippe hinter meinen Stuhl setzen können!"
Mit einiger Mühe wurde die lange Stange mit der Flagge aus dem Saale entfernt.
„Rege Dich doch nicht wegen einer solchen Kleinigkeit auf", rief Kapitän Richardson.
„Die sogenannten schlimmen Vorbedeutungen sind weiter nichts als rückwärts buchstabierte Segenswünsche, lieber Snowdon. Außerdem hat ein nautischer Fehler, wenn er von einer Landratte begangen wird, gar nichts zu bedeuten. Wenn ein Seemann jene Flagge verkehrt aufgehißt hätte, da würde ich auch glauben, daß die Sache was auf sich hat", sagte Duncan.
„Ja", meinte seine Frau, „aber kein Seemann würde es gethan haben."
„Ganz richtig", schrie Tarbit. „Muffles hat es gethan. Wer ist aber Muffles? Das weiß niemand — ich wenigstens nicht — und deshalb sage ich, daß die ganze Sache gar nicht der Beachtung wert ist. Angenommen, Snowdon, Du solltest Deine Kochbanft zeigen und eines von diesen farbigen Gerichten Herstellen", er zeigte auf eine Apfelsinencreme, „so würdest Du aller Wahrscheinlichkeit nach das Ding verderben, so daß es ebenso wenig nach dem Zeug hier schmeckte, wie 'ne Muschel nach 'ner Kartoffel. Glaubst Du wohl, daß Tommy Dodds das eine üble Vorbedeutung nennen würde, wenn es bei der Hochzeit seiner Tochter auf die
„Nächsten Monat vor vierzig Jahren —" unterbrach ihn der alte Salmon mit vollem Munde.
„Ach, was geht uns der nächste Monat vor vierzig Jahren an", erwiderte Tarbit, den es ärgerte, daß ihm in seine kleine Rede hineingesprochen wurde. „Vor vierzig Jahren gehört nicht hierher. Ich setze hier einen angenommenen Fall. Ich sage, würde Tommy Dodds eine — wie nennt man das Zeug?"
„Eine Creme", sagte seine Frau.
„Richtig! — eine von Tom Snowdon fabrizierte Creme für ein Unglückszeichen halten? Nein, für ein Zeichen von Unwissenheit in Betreff der Kochkunst würde er es ansehen, und genau ebenso muß Tom Snowdon Muffles' Notsignal betrachten."
Ich nahm eifrig Partei für diese Ansicht, um meinen Vater zu beschwichtigen; auch Richard und die anderen stimmten mit ein. Bald hatte Vater seine gute Laune wieder erlangt, und von der Unglücksflagge wurde nicht mehr gesprochen.
(Fortsetzung folgt.)
Winterbekleiimng.
Von Gustav Strahl.
(Nachdruck verboten.)
Ta die Natur nicht ebenso fürsorglich für unsere Winter- bekleidung sorgt, wie für die behaarten und gefiederten Mitbewohner der Erde, welchen sie einen natürlichen Pelz
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